Universitätsgebäude Maersk Tower in Kopenhagen/Dänemark

Stadtskulptur

Die passende Architektur für eine erstklassige Gesundheitsforschung? Den Planern von C.F. Møller Architects war es wichtig, einen Ort zu kreieren, der viele Möglichkeiten des Zusammentreffens unterschiedlicher Disziplinen bietet.

Autor Rolf Mauer

So viel ist sicher: Am Maersk Tower von C.F. Møller Architects wird zukünftig zweifelsfrei ablesbar sein, in welchem Jahrzehnt er gebaut wurde. Die Vermeidung von scharfkantigen vertikalen Gebäudekanten ist eine vielfach wiederholte Ausdrucksform unserer Zeit. Das muss nicht von Nachteil sein, auch am bestehenden, benachbarten Panum-Komplex, der funktional mit dem Maersk Tower verbunden ist, kann man die Entstehungszeit zweifelsfrei ablesen. Das in den 1970er-Jahren gebaute Panum gilt als ein Meisterwerk des Brutalismus.

Im Gegensatz zur introvertiert wirkenden Architektur des Panums umarmt die Basis des Maersk Towers die Stadt und lädt das Publikum zum Betreten ein, so erläutern die Architekten von C.F. Møller ihr Gebäude und tatsächlich schieben sich einzelne Gebäudeteile wie Finger in die leicht modellierte städtische Landschaft. Das Erdgeschoss verbindet die Funktionen des bestehenden Panum-Komplexes mit dem Maersk Tower.

Raum zum Verweilen

Der zentrale Raum des Neubaus bildet einen offenen und dynamischen Treffpunkt, an dem sich Forscher, Studenten und Gäste begegnen und an dem deren Wege sich kreuzen. Eine wohlüberlegte Anordnung der auf dieser Ebene platzierten Funktionen sorgt für kurze Entfernungen und schafft eine größere Schnittstelle zwischen Forschern und Studenten, wenn sie sich zwischen den verschiedenen Einrichtungen im Maersk Tower bewegen. Der Turm enthält Einrichtungen wie Hörsäle, Unterrichtsräume, die Kantine, einen Schauraum, Konferenzräume und ein Café.

Im Sockel ist auch das Foyer zu finden, in dem die Eingangstreppe wie ein gigantisches Möbelstück im Raum steht und mit ihrer warmen Holzoberfläche zum Verweilen auf den erhöhten Sitzstufen einlädt. Unübersehbar wird hier der städtische Raum als Innenarchitektur fortgesetzt. Überhaupt wird der vertikalen räumlichen Erschließung besondere Aufmerksamkeit zuteil. Auf jeder Etage befindet sich eine offene und einladende „Science Plaza“, die als natürlicher Treffpunkt und Gemeinschaftsraum für die vielen Mitarbeiter dient.

Diese Orte im Gebäude werden durch eine beeindruckende, durchgehende, skulpturale Wendeltreppe verbunden, die optisch und physisch das offene, fünfzehnstöckige Atrium beherrscht. In ihrer Haptik und mit ihren Oberflächen ist sie ein attraktives Instrument, um die Nutzer weg von den Fahrstühlen zu locken und zum Treppensteigen zu verführen.

Eine große, zusammenhängende, vertikale Glasfassade zwischen den kupferfarbenen, vertikalen Sonnenblenden der Fassade macht die Wendeltreppe und die Science Plazas von außen sichtbar und sorgt zusammen mit der offenen Basis für Sichtbarkeit in Bezug auf die Aktivitäten innerhalb des Turms sowie für eine spektakuläre und inspirierende Aussicht über Kopenhagen.

Obwohl das Gebäude in seiner Innenarchitektur sehr fein detailliert ist, wirken die Oberflächen sehr zurückhaltend. Erstklassig ausgeführter Sichtbeton darf als Zitat zum bestehenden Panum-Gebäude und seiner brutalistischen Architektur verstanden werden. An den Decken und Böden kommt sehr viel Holz zum Einsatz. Die Farben in den Hörsälen sind gedeckt. Die Architektur ermöglicht viele Durchblicke und somit eine überzeugend einfache Orientierung im Gebäude.

Sprechende Fassade

Die Fassade des Turms lässt viel Licht in das Gebäude und ist in eine reliefartige Gitterstruktur von geschosshohen, kupferverkleideten Rahmen unterteilt. Die Kupferschicht verweist auf die vielen kupfernen Kirchtürme Kopenhagens, die in Sichtweite zum Maersk Turm inmitten des homogenen Stadtbildes aufragen. Die Fensterrahmen geben der Fassade eine reliefartige Tiefenwirkung, die die beträchtliche Kubatur des Hochhauses entschärft und ein Gefühl von Feinheit und Vertikalität hinterlässt. Gleichzeitig fungieren die Rahmen als bewegliche Abschirmungen, die sich je nach direkter Sonneneinstrahlung automatisch öffnen oder schließen und so den unerwünschten direkten Wärmeeintrag in die Labore auf ein Minimum reduzieren.

Die Rahmen schützen vor allem vor direkter Sonneneinstrahlung, lassen aber das Tageslicht aufgrund der feinen Perforationen durch. Die Form und die erwähnte Fassadendetaillierung tragen dazu bei, die Windturbulenzen, die bei hohen Gebäuden auftreten, zu beseitigen und in der Parklandschaft am Fuße des Towers ein angenehmes Mikroklima zu gewährleisten.

Etwas manieriert wirkt der im Zickzack verlaufende Pfad, der Fußgänger und Radfahrer über Teile des neuen Campusparks führt.

Im Stadtraum verwurzelt

Der Pfad gibt der Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich dem Gebäude und den Forschern zu nähern und schafft gleichzeitig eine neue Verbindung zwischen den Stadtteilen. Mit dem Campuspark öffnet sich die Universität in einen attraktiv gestalteten und abwechslungsreichen grünen Stadtraum, der für alle offen ist. Überschüssiges Wasser versickert und wird in einem großen Reservoir gesammelt. Die Dachgärten der niedrigen Gebäude können auch extreme Regenfälle absorbieren. Das überschüssige Regenwasser aus dem Park wird zur Bewässerung des Parks, aber auch zum Spülen der Toiletten im Gebäude genutzt.

Die gewaltige Masse des Maersk Towers wirkt durch die abwechslungsreich gestaltete Fassade wie eine fein ziselierte Skulptur. Sie ist ein reizvoller und selbstbewusster Kontrast zum Brutalismus des Altbaus. Die Architektur von C.F. Møller Architects führt vor, warum der Brutalismus, auch wenn er von Qualität war, sich nicht durchsetzen konnte und nur Episode blieb.

Das Interview mit dem Mads Mandrup Hansen finden Sie hier

Mads Mandrup Hansen


Architekt Mads Mandrup Hansen

ist einer der geschäftsführenden Partner von C.F. Møller Architects. Zu den Arbeitsgebieten gehören Architektur, Stadtplanung und die Gestaltung von Bauteilen und Inneneinrichtung.

www.cfmoller.com

Portrait: Mew

Factsheet

Projekt: Maersk Tower

Standort: Kopenhagen/DK

Bauherr: The Danish Property Agency (BYGST) and the University of Copenhagen

Bauaufgabe: Forschungs- und Hochschulgebäude und Campuspark

Fertigstellung: 2017

Grundstücksgröße: ca. 42 700 m²

Geschosse: 18 (3 Untergeschosse)

Nutzfläche: 35 200 m²

Materialien (Decke, Wand, Boden): Akustikdecke: Rockfon; Beleuchtung: Flos, Zumtobel, Louis Poulsen; Aussenbeleuchtung: IGuzzini; Glastüren: Schüco; Linoleum: Forbo Flooring; Fassade: Schollglas