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Heiner Kolde

Der Innenarchitekt und bkp-Gründer über Räume mit Mehrwert
Heiner Kolde

Ein Umfeld schaffen, in das Menschen gerne kommen – jeden Tag, jede Woche, jeden Monat. Daran arbeitet Heiner Kolde als Innenarchitekt seit über 20 Jahren. Und manchmal haut er mit seinem Team von bkp einfach ab.

Interview Katharina Feuer

Herr Kolde, was macht für Sie eine gelungene Innenarchitektur aus?

Heiner Kolde: Räume mit Mehrwert. Mein Ziel ist es, Menschen ein Umfeld zu erschaffen, in das sie gerne kommen – jeden Tag, jede Woche, jeden Monat.

Wie erreichen Sie das?

Heiner Kolde: Durch Partizipation. Und durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Unternehmen, seiner Kultur, seinen Zielen. Wir von bkp schaffen Arbeitsräume mit Identifikation, sowohl für den Besucher als auch für den Nutzer. Und machen ihre Welt ein bisschen besser.

Gibt es eine Schablone oder Formel, die Sie normalerweise anwenden?

Heiner Kolde: In der Tat sehen wir unsere Arbeit im Spannungsfeld zwischen der Unternehmenskultur, der Story, die wir erzählen und dem damit verbundenen Change Management, das wir begleiten. Es ist ein Dreiklang.

Am Anfang steht das Gebäude, der Raum …

Heiner Kolde: … nicht bei uns. Zu Beginn sprechen wir nicht über das Gebäude. In Workshops stellen wir den Unternehmen Fragen wie „Welche Schlagzeile wollen Sie nach der Eröffnung Ihres neuen Headquarters in Ihrem Newsfeed lesen?“ oder „Wie wollt ihr von Kunden und Mitarbeitern wahrgenommen werden?“

Hört sich nach Wunschkonzert an.

Heiner Kolde: Das Gegenteil ist der Fall. Wichtig ist am Ende, dass die neuen Arbeitswelten sowie Prozesse die individuelle Unternehmenskultur widerspiegeln. Das schafft Identifikation und Vertrauen für Kunden und Mitarbeiter. Wir als bkp bringen die Change-Prozesse auf den Punkt und gestalten diese so einfach und zielführend wie möglich. Ziel bleibt es, eine echte Verbesserung für die Mitarbeiter zu erreichen.

Wie kamen Sie zur Ihrem thematischen Schwerpunkt, dem Office?

Heiner Kolde: Wir sind da eher reingerutscht. Es fing mit einigen Geldinstituten an. Je intensiver wir uns mit dem Thema befassten, desto mehr fiel uns auf, dass die vermeintliche Markenarchitektur und -gestaltung in vielen Unternehmen nur ein Schubladendenken war. Das hatte wenig mit einer Story oder Individualität zu tun. Dabei funktioniert jedes Unternehmen anders.

Sie hatten Ihre Aufgabe gefunden!

Heiner Kolde: Wir haben einfach gemerkt, wie sehr uns die Frage im Büro selbst umtreibt: „Wie wollen wir arbeiten?“

Wie arbeiten Sie bei bkp?

Heiner Kolde: Wir sind vor sieben Jahren umgezogen und haben dabei sämtliche Prozesse über den Haufen geworfen. Es ist spannend, zu sehen, wie sich mit den Räumen auch die Arbeitsweise verändert. Auch aus Platzgründen sind wir vor einem Jahr noch einmal umgezogen in die ehemalige Kunsthochschule Düsseldorf und damit noch einen Schritt weiter gegangen. Erneut haben wir vieles hinterfragt.

Was ist denn ein konkretes Ergebnis dieses Hinterfragens?

Heiner Kolde: Agiles Arbeiten mit multifunktionalen Räumen. Das heißt, dass wir quasi ohne Papier, flexibler und mobiler arbeiten. Es gibt flache Hierarchien. Keine Einzelbüros. Vorteil dabei ist, dass wir glaubwürdig vertreten können, was wir unseren Kunden empfehlen. Weil wir es selbst leben.

Wie überzeugen Sie Mitarbeiter, die seit Jahrzehnten im Einzelbüro sitzen, dass es sich im Open Space auch gut arbeiten lässt?

Heiner Kolde: In den Workshops diskutieren wir mit den Mitarbeitern über Chancen und Risiken, nehmen ihre Ängste ernst und zeigen konkrete Lösungen auf. Es kommt vor, dass wir sie in realisierte Objekte schicken, mit den Worten „Hört Euch das an“, um zu demonstrieren, wie beispielsweise gute Akustik heutzutage funktioniert.

Und das funktioniert?

Heiner Kolde: Für gewöhnlich gewinnen wir schnell ihr Vertrauen und können klar argumentieren, dass wir niemandem etwas wegnehmen, sondern ihr Umfeld verbessern wollen.

Wie hat sich die Arbeit als Innenarchitekt in den vergangenen 20 Jahren verändert?

Heiner Kolde: Für mich persönlich? Ich arbeite heute fast nur noch strategisch und stecke nicht mehr so in den Details.

Und generell?

Heiner Kolde: Generell ist es komplexer geworden. Hatte man früher mit zwei bis drei Fachplanern bei einem Projekt Kontakt, ist es heute keine Seltenheit, dass es zehn sind. Hinzu kommt, dass es in größeren Unternehmen unglaublich viele Ansprechpartner gibt, aber keiner eine Entscheidung allein treffen kann – oder will. Abstimmungsprozesse sind dadurch sehr schwierig geworden, was nicht immer zu den besten Ergebnissen führt.

Was bedeutet diese Zuspitzung für die Zukunft?

Heiner Kolde: Wir versuchen, die Dinge wieder zu vereinfachen. Vor allem müssen wir aufpassen, dass ein Entwurf bei den vielen kleinteiligen Entscheidungen nicht verwässert.

Was passiert mit der Gestaltung?

Heiner Kolde: Das ist unsere Aufgabe, das große Ganze, also die Ursprungsidee, den Entwurf, nicht aus den Augen zu verlieren. Wir haben bei bkp motivierte Projektleiter, die sich nicht scheuen, Verantwortung zu übernehmen und für die Gestaltung einzustehen.

Wie halten Sie Ihre Mitarbeiter bei Laune?

Heiner Kolde: Wir machen das, worauf auch ich Lust habe (lacht). Es gibt Bio-Obst, Kaffee und Wasser. Und manchmal wird der Besprechungsraum mit einem Netz bestückt und wir spielen Tischtennis.

Ach, das meinen Sie mit multifunktionalen Räumen!

Heiner Kolde: Manchmal hauen wir auch einfach ab. Zuletzt zur Biennale nach Venedig. Es herrscht ein guter Teamspirit.


Portrait: Ralph Richter

Heiner Kolde (Jg. 69) arbeitete nach seinem Innenarchitekturstudium in Coburg bei diversen Innenarchitekturbüros, bevor er 2007 sein Büro bkp gründete. Mit einem interdisziplinären Team realisiert Kolde für Büros, Geldinstitute und das Gesundheitswesen Konzepte, die Unternehmenskultur räumlich sichtbar machen.

www.b-k-p.net

Ein weiteres Projekt von bkp Kolde Kollegen finden Sie hier

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