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Wie reagieren Büromöbelhersteller auf die Absage der Orgatec?

Wie reagieren Büromöbelhersteller auf die Absage der Orgatec?
Alternativen zur Orgatec

Weil die Fachmesse Orgatec in diesem Jahr Corona-bedingt nicht stattfindet, wollte md wissen, welche Alternativen die Bürobranche entwickelt. Vier Unternehmenschefs sprechen über ihre Ideen und Konzepte.

Fragen von Gabriele Benitz

Vor zwei Wochen teilte die Koelnmesse mit, dass die Bürofachmesse Orgatec in diesem Jahr ausfällt. Die nächste reguläre Orgatec findet vom 25. bis 29. Oktober 2022 statt.

Die Messegesellschaft begründet die Entscheidung damit, dass sich die große Mehrheit der Aussteller und Fachbesucher in den vergangenen Wochen entschlossen hat, die Messe wegen der aktuellen Covid-19-Entwicklungen nicht zu besuchen.

Offenbar waren aber auch viele Unternehmen vom Alternativkonzept der Koelnmesse nicht überzeugt, das vorsah, dass die Aussteller eine kleinere Fläche in speziell dafür konzipierten Hallen anmieten konnten. Neben der Präsentation von Produktneuheiten sollten sie die Möglichkeit bekommen, auf zentralen Flächen Vorträge zu halten und Konzepte vorzustellen. Alles natürlich flankiert von umfangreichen Hygienemaßnahmen der Messegesellschaft.

Vor dem Hintergrund, dass die Orgatec in diesem Jahr nicht stattfindet, wollte die md-Redaktion wissen, wie die Büromöbelhersteller auf die Absage reagieren und ob sie einen Plan B entwickelt haben oder entwickeln.

Im ersten Part antworteten vier Firmenchefs und -chefinnen.

Nun folgen vier weitere im zweiten Teil.

Sie gaben Antworten auf folgende Fragen:

1) Hätten Sie an der Orgatec teilgenommen, wenn sie stattgefunden hätte?

Orgatec
René Sitter. Foto: Flokk

René Sitter, Senior Vice President Central Western Europe von Flokk: Nein. Die Entscheidung zur Nicht-Teilnahme aller Flokk-Marken trafen wir bereits im Herbst 2019. Bereits damals entschieden wir uns dafür, stattdessen die Nutzung digitaler Kanäle zu intensivieren und unsere Roadshow durch sechs unserer zehn Showrooms in Deutschland unter dem Titel „New Work – Kuschelkurs oder ernstgemeinte Strategie“ zu absolvieren.

Detlef Schiller, Managing Director Humanscale DACH: Abhängig von der Möglichkeit auch ausländische Gäste zu empfangen, hätten wir teilgenommen.

Holger Jahnke, Vorstandssprecher Sedus Stoll AG: Ja, zumindest an der „kleinen Ausgabe“, die von der Koelnmesse zuletzt favorisiert wurde.

Carolina Schmidt-Karsch, Geschäftsführende Gesellschafterin der Wini Büromöbel Georg Schmidt GmbH & Co. KG: Wir hatten uns frühzeitig gegen eine Teilnahme an der Orgatec 2020 entschieden. Für Wini und unsere Fachhändler war die Wini Hausmesse 2019 sehr wichtig und erfolgreich. Die Messe wäre zwar für die Ausweitung unserer Exportgeschäfte und Kontaktaufnahme zu Endkunden interessant gewesen. Das sind jedoch genau die Zielgruppen, die mit zunehmender Digitalisierung nur noch in begrenzter Zahl nach Köln kommen. Wir sehen den Messezyklus von zwei Jahren ohnehin kritisch. Vielmehr befürworten wir einen Drei-Jahres-Rhythmus, um jeweils echte Innovationen zu präsentieren, wie 2018 unser Tischsystem ‚Winea Flow‘.

2) In welcher Form präsentieren Sie Ihre neuen Produkte (Hausmesse, Showroom-Präsentationen, virtuelle Messen/Veranstaltungen etc.) als Alternative zur Orgatec?

René Sitter: Durch Roadshows, Showroom-Events, zum Beispiel für den Launch von ‚AccisPro‘ von Profim zusammen mit der Neueröffnung des Showrooms in Stuttgart, sowie digitale Produktpräsentationen.

Orgatec
Detlef Schiller. Foto: Humanscale

Detlef Schiller: Wir unterstützen unsere Fachhandelspartner mit Konzepten im Sinne von „Work-From-Home“-Homeoffice-Arbeitsplätzen, „ Return to Work“ und „Wellguard Panels“. Hier informieren wir mit entsprechenden Videos, die die hygienischen Anforderungen im Zusammenspiel mit unseren Produkten erläutern.

Holger Jahnke: Da am Donnerstag der Orgatec schon seit Jahrzehnten die traditionelle Sedus Party stattfindet, werden wir an eben diesem Donnerstag, den 29.Otober 2020, in unseren zwölf europäischen Showrooms eine zeitgleiche Veranstaltung durchführen. Dabei wollen wir unseren Kunden, Partnern und Architekten nicht nur neue Produkte präsentieren, sondern mit ihnen auch auf die gemeinsame Zukunft anstoßen. Unter dem Motto „New Dimensions“ werden diese Veranstaltungen durch Live-Schaltungen zu einem internationalen Event, auf das wir uns schon alle richtig freuen. So wollen wir im kleinen, Corona-gerechten Rahmen unsere groß angelegte Produktoffensive einläuten. Denn wir sehen in dieser Krise auch klare Chancen, weitere Marktanteile zu gewinnen.

Carolina Schmidt-Karsch: Wir haben unsere neuen Produkte auf unserer Hausmesse im vergangenen Jahr vorgestellt. Eine der Neuvorstellungen waren unsere ‚Winea Maxx‘-Lockerschränke. Parallel dazu erneuerten wir viele Produkte. So haben wir zum Beispiel im März unser ‚Winea Slim‘ als Antwort auf den stetig sinkenden Stauraumbedarf optimiert. Unter dem Einfluss der Pandemie haben wir kurzfristig unsere ‚Wini-Hygienewände‘ entwickelt, die sich einfach und gestalterisch angepasst an all unsere Produkte adaptieren lassen.

Darüber hinaus planen wir aus nachvollziehbaren Gründen keine Präsenzveranstaltungen. Stattdessen nutzen wir unsere Ressourcen, um unsere Kunden bestmöglich zu unterstützen, beispielsweise durch verstärkte, auch sehr kurzfristige Bemusterungen. Mit unserem Wini Media-Center haben wir außerdem im vergangenen Jahr eine treffsichere Mediathek für unsere Partner aufgebaut, die deren Arbeit mit einer Fülle von digitalen Medien unterstützt. Zusätzlich arbeiten wir vermehrt mit 360-Grad-Bildern oder Panorama-Rundgängen. So können unsere Kunden virtuell unsere Showrooms besuchen und aktuelle Referenzprojekte mit unseren Sonderlösungen besichtigen.

3) Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Ihre Geschäftstätigkeiten und Ihr Unternehmen insgesamt?

René Sitter: Wir erlebten einen deutlichen Rückgang im Auftragseingang in den Monaten April und Mai, maßgeblich bedingt durch die Schließung des stationären Handels. Seit Juni verzeichnen wir eine positive Entwicklung. Alle unsere Werke waren jederzeit lieferfähig – ein wichtiger Faktor. Unsere Gesamtstrategie ist intakt, die zentrale Frage ist, wie sich das Projektgeschäft im Herbst entwickeln wird.

Detlef Schiller: Da Humanscale auch Healthcare-Produkte vertreibt, konnte der Einbruch im Auftragseingang zum größten Teil kompensiert werden. Wir arbeiten in allen Produktionsstätten ohne Unterbrechung und können kurzfristig unsere gesamte Produktpalette liefern.

Orgatec
Holger Jahnke. Foto: Sedus

Holger Jahnke: Wir haben ziemlich schnell neue Produkte entwickelt, die den wachsenden Homeoffice-Markt bedienen. Sie begleiten auch die aktuelle Phase „Zurück ins Büro“, zum Beispiel durch den Einsatz von Aerosolschutzwänden. Ebenso begrüßen wir, dass das Thema Digitalisierung schnellere Fahrt aufnimmt. So haben wir unser Raummanagementsystem ‚Se:connect‘ mit Covid-19-Funktionen ausgestattet, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu gewährleisten. Quasi über Nacht haben wir einen neuen Webshop entwickelt, den wir als erster Hersteller der Büromöbelbranche, inklusive Anbindung an die gängigen Zahlungssysteme, auch unseren Kunden zur Nutzung anbieten.

Carolina Schmidt-Karsch: Zum Glück halten sich die Auswirkungen bisher in Grenzen. Wir sind und waren die ganze Zeit voll lieferfähig und für unsere Fachhändler und Partner uneingeschränkt erreichbar. Den derzeitigen Umsatzrückgang können wir mit einem moderaten Anteil an Kurzarbeit abfedern. Da unsere Lieferketten überwiegend national orientiert sind, hatten wir kaum Lieferprobleme zu beklagen und können dank unserer Lagerhaltung und Losgröße-Eins-Fertigung auch ganz kurzfristig Aufträge realisieren.

4) Welche Präsentations- und Kontaktwege präferieren Sie in der Zukunft, auch nach der Corona-Epidemie?

René Sitter: Das kann man pauschal nicht sagen. Je nach Zielgruppe und zu vermittelnder Inhalte geht es darum, das passende Format zu finden. Da unterscheidet sich auch die Kommunikation zwischen unseren sieben Marken. Grundsätzlich setzen wir weiter auf kleine, wertige und passgenaue Formate – Qualität und Relevanz sind uns wichtig.

Detlef Schiller: Wir werden unsere Produkte weiterhin über unsere selektierten Vertriebswege vertreiben und zukünftig auf internationalen Messen wie der Orgatec und der Neocon vertreten sein.

Holger Jahnke: Marktseitig wurden bereits im März 2020 Kampagnen auf Facebook und Instagram initiiert, um Einrichtungen für das Homeoffice zu bewerben. Zur Bereitstellung entsprechender Angebote wurde ein Schnelllieferprogramm definiert und vorproduziert, das über den eigenen Onlineshop und den des Fachhandels vermarktet wird.

Orgatec
Carolina Schmidt-Karsch. Foto: Wini Büromöbel

Carolina Schmidt-Karsch: Der persönliche Kontakt wird auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen und der Stellenwert wird nach der Pandemie sicher noch steigen. Denn Vertrauen lässt sich nun einmal am besten face to face aufbauen. Allerdings haben sich durchaus Lerneffekte ergeben, zum Beispiel, dass man einige Termine ebenso gut digital abhalten kann. Auch ich musste lernen, wie man mit Teams, Zoom etc. für Videokonferenzen oder Webinare umgeht.

5) Entwickeln Sie neue Geschäftsmodelle und Kontaktmöglichkeiten zu Ihren Fachhändlern und Großkunden?

René Sitter: Das machen wir ständig – unabhängig von Corona. In der aktuellen Situation erkennen wir allerdings, dass die Bereitschaft zum Hinterfragen des Status quo und zur Veränderung bei unseren Fachhandelspartnern und Großkunden deutlich gestiegen ist. Ich bin davon überzeugt, dass sich der Vertrieb in den nächsten Jahren fundamental verändern wird.

Detlef Schiller: Wir halten an unserem bewährten Geschäftsmodell fest und werden die bisherigen Vetriebswege weiter pflegen und die Zusammenarbeit bestmöglich optimieren.

Holger Jahnke: Für uns ist und bleibt der persönliche Kontakt an erster Stelle, nur findet dieser eben in kleineren Kreisen statt. Großveranstaltungen wie die Orgatec bleiben bis auf weiteres tabu, also dehnen wir den Rahmen der Möglichkeiten so weit wie möglich aus. Auch unsere Webinare erfreuten sich gerade während des Lockdowns großer Beliebtheit. Es gibt also immer Mittel und Wege, zusammenzukommen, aber Veranstaltungen mit großen Menschenmengen sehen wir in weiter Ferne, sogar auf Jahre hinaus.

Carolina Schmidt-Karsch: Wir überprüfen regelmäßig unser Geschäftsmodell und hinterfragen, wie wir am besten unsere Zielgruppen erreichen können. Aufgrund des steigenden Interesses an unseren kundenindividuellen Lösungen, die wir mit unserer konsequent eigenen Produktentwicklung realisieren können, haben wir unser Key-Account-Management ausgeweitet. Für die Unterstützung unserer Partner und Kunden arbeiten wir aktuell an der Optimierung der Online-Version unseres Beratungstools „Das Mein Büro Prinzip“. Mit optimiertem Bedienkomfort und zielgruppengerechterer Ansprache begegnen wir damit den sich ständig verändernden hohen Anforderungen an zukunftsgerechte Bürogestaltung.

Website von Flokk
Webseite von Humanscale
Webseite von Sedus
Webseite von Wini

Erster Teil der Statements aus der Branche

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