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Ein Interview über intuitive Bedienung und die Freiheit eines Designers

Rüdiger Schaack

Bei Automarken schon Usus, in der Möbelbranche weniger: ein Designdetail als USP. Rüdiger Schaack ist Inhousedesigner von Dauphin und entwickelte für die Tochterfirma Züco einen Bürostuhl mit Wiedererkennungswert.

Autorin Katharina Feuer

Angst vor der Zukunft hat Rüdiger Schaack nicht. Zwar proklamiert die Arbeitswelt seit einiger Zeit, dass man überall tätig sein kann und demnach der Anteil der Arbeit an einem klassischen Arbeitsplatz immer weniger wird, „aber wenn man sich auf ein Thema konzentrieren oder beispielsweise mit CAD zeichnen will, geht nichts über einen gut eingerichteten Arbeitsplatz“, ist der Produktdesigner sicher.

Er meint damit Tisch und Stuhl – nicht Hängematte, Treppenstufe, Stehtisch oder Arbeitskoje. „Der Bedarf an Bürostühlen stirbt nicht aus. Mehr denn je ist allerdings eine intuitive Bedienung wichtig. Das ist dem wachsenden Anteil an Wechselarbeitsplätzen geschuldet“, weiß Schaack. Das Thema „intuitive Bedienung“ ist nicht neu, aber dennoch fordernd. Denn auf der anderen Seite müssen technische Features abgedeckt sein, die bei Ausschreibungen gefragt sind.

Für Züco, die Schweizer Tochter der Dauphin Humandesign Group entwickelte der 46-Jährige als Inhouse-Designer den Bürostuhl ‚Selvio‘. „Ziel war es, eine neue und durchgängige Formensprache für Züco zu entwickeln, mit hohem Wiedererkennungswert. Ein Prozess, der mit ‚Selvio‘ begonnen hat und noch andauert. Der ‚Selvio‘ ist für Züco das Einstiegsmodell im mittleren Preissegment. Er soll perspektivisch einige ältere Modelle ablösen“, erklärt der gebürtige Düsseldorfer.

„Auffallend ist die ausgeprägte S-Linienführung der Rückenlehne – ein ergonomisches, gestalterisches Merkmal“, bringt Schaack die Besonderheit des Stuhls auf den Punkt und ergänzt: „Die Kombination von Reißverschluss und Lordosengriff auf der Rückseite der Rückenlehne ist ein handwerklich anspruchsvolles Detail und funktional eine kleine Innovation.“

Auf die Frage, welche Designphilosophie die Marke Dauphin verfolgt, muss der Inhouse-Designer kurz überlegen: „Es gibt ein paar grundsätzliche Punkte. Dauphin bietet gute, sauber gestaltete, nicht polarisierende, ergonomische Produkte an, die sowohl in der Verwaltung als auch beim Start-up funktionieren.

Extrovertiertes Autorendesign sucht man bei Dauphin vergebens. Als wesentliches Alleinstellungsmerkmal muss man den Baukasten nennen – viele Bauteile sind für unterschiedliche Produkte kombinierbar – das hätten andere Büromöbelhersteller in dieser Art nicht.

Schaack wechselte zwischenzeitlich zu Sedus Stoll sowie zu einer Designagentur, die hauptsächlich medizintechnische Produkte gestaltet. Warum? „Ich brauche immer Input und wollte wissen, wie andere Unternehmen arbeiten“, erinnert er sich. „Als ich 2017 zu Dauphin zurückkam, war das ein bisschen wie nach Hause zu kommen. Hier gibt es ein tolles Team, spannende Projekte und immer neue Herausforderungen.“

Diese ergeben sich auch aus dem Feedback des Vertriebs, der einen direkten Bezug zum Markt hat. „Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Die Kritik ist oft hart, aber wir sehen das als konstruktiven Beitrag.“ Messen, eigene Langzeitstudien und spontane Rückmeldungen von Kunden helfen, die eigenen Entwürfe zu optimieren. „Wir sitzen auf unseren Prototypen, da spürt man schnell, ob etwas nicht passt.“

Rüdiger Schaack arbeitet parallel als freier Designer. „Das gibt mir die Freiheit, Entwürfe zu realisieren, die nichts mit der Bürowelt zu tun haben.“ Diesen Luxus gönnt sich der Designer in seiner Freizeit.


Nach seiner Tischlergesellenprüfung und dem Studium der Fachrichtungen Holztechnik und Produktdesign startete Rüdiger Schaack (Jg. 1973) als freier Gestalter und Werbegrafiker ins Berufsleben. Von 2006 bis 2011 folgte die Anstellung als Produktdesigner bei der Dauphin Humandesign Group. Nach Zwischenstationen bei Sedus Stoll und der Designagentur Art-Kon-Tor, kehrte er 2017 als Inhousedesigner zu Dauphin zurück.

www.dauphin-group.com

www.formschaack.de

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