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Coworking auf dem Land

Coworking Spaces in ländlichen Regionen
Raus aufs Land

Coworking auf dem Land ist ein Trend. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat einen Leitfaden herausgebracht, wie Coworking auf dem Land gelingt.

Autorin: Gabriele Benitz

Remote in der Natur arbeiten könnte das Homeoffice des nächsten Post-Shutdown-Sommers werden. Der Leitfaden „Coworking im ländlichen Raum“ vermittelt erstmals ein genaueres Bild des Coworking-Phänomens jenseits der urbanen Ballungsräume.

Die Genossenschaft „CoworkLand“ und das Netzwerk „Zukunftsorte“ haben hierfür im Auftrag der Bertelsmann Stiftung über 200 Tiefeninterviews mit Nutzern sowie Gründern von Coworking-Orten bundesweit geführt.

Vorteile gegenüber dem Homeoffice

Die Untersuchung zu Coworking auf dem Land beschäftigte sich auch mit dem Verhältnis von Homeoffice und Coworking. Einen zusätzlichen Schub erhielt die Entwicklung durch die Coronapandemie und die Abwanderung vieler Mitarbeiter ins Homeoffice. Allerdings bieten Coworking Spaces einige Vorteile gegenüber dem Homeoffice, etwa mehr soziale Kontakte, klare Grenzen zwischen beruflichen und privaten Aktivitäten oder kaum Ablenkungen durch Familienmitglieder. Außerdem ist dort in der Regel eine bessere technische Infrastruktur vorhanden.

Coworking auf dem Land
Auch das bedeutet Coworking auf dem Land: Schattige Arbeitsplätze mit Cafétischen und Hollywoodschaukel unter alten Eichen. Foto: Coconat

Naturnahe Arbeitsorte

Attraktiv ist das Coworking auf dem Land aber auch wegen der Nähe zur Natur, der Ruhe und des Erholungswerts. Workation nennt sich das mobile Arbeiten an touristischen Hotspots, das Arbeit und Freizeit verbinden. Das „Project Bay“ zum Beispiel liegt auf Rügen, das „Coworking Schlei“ nah bei Kappeln in Laufnähe zum Segelrevier.

Lokale Netzwerke

Allerdings zeigt die Studie ebenfalls, dass die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells eine große Herausforderung darstellt. Anders als in den Ballungsgebieten ist daher das Agieren in lokalen Netzwerken aus Sicht vieler Befragter ein wichtiger Erfolgsfaktor, zumal es im ländlichen Raum noch keinen entwickelten Markt für die neuen Angebote gibt.

Viele Branchen vertreten

Das scheint aber vielerorts gegeben zu sein. „Coworking auf dem Land bedeutet eine sehr viel breitere Zielgruppe und größere Integrationskraft als in der Stadt. Es wird von all jenen nachgefragt, die ein Bedürfnis nach Gemeinschaft haben und sich ihren Arbeitsort frei auswählen können”, stellt Ulrich Bähr, Geschäftsführer von CoworkLand, fest.

Coworking auf dem Land
Außen vor der Macherscheune gibt es zusätzliche Aufenthaltsorte. Foto: Hammerhof/Daniel Zenker

Abgesehen davon bilden die Coworker in ländlichen Gebieten ein weit über die Kreativ-,Digital-und IT-Wirtschaft hinausgehendes gesellschaftliches Spektrum ab, das auch Handwerker, Wissenschaftler, Berater und Lehrer umfasst.

Starthilfen von Kommunen

An der Entwicklung können zahlreiche Gruppen mithelfen. „Die netzwerkorientierten Gründer brauchen die notwendige Unterstützung, aber auch den Freiraum, um ihre andersartigen, jenseits der Metropolen funktionierenden Geschäftsmodelle umzusetzen“, sagt Alexandra Schmied. Sie ist Studienleiterin und Projektmanagerin bei der Bertelsmann Stiftung. Die Kommunalpolitik sowie die ortsansässige Wirtschaft oder Vereine können für die ländliche Coworking-Szene wichtige Netzwerkpartner sein und hier Starthilfe geben, schlägt Bähr vor.

Coworking auf dem Land
Coworking auf dem Land: Die Räume „Laboratory & Imaginarium“ im Projekt „Coconat“ können variabel ausgestattet werden und eignen sich für Meetings oder Teamarbeit. Foto: Tilman Vogler/Coconat

Verschiedene Geschäftsmodelle

Von Anbieterseite gibt es breit gefächerte Geschäftsmodelle. Coworking-Einrichtungen finden sich beispielsweise an beliebten Pendlerrouten, auf abgelegenen Landgütern, leerstehenden Ladenlokalen in einer Kleinstadt, inmitten beliebter Urlaubsregionen oder auf einem Bauernhof am Dorfrand.

Zusätzlicher Hotelbetrieb

Sogenannte Retreats bieten zusätzlich zum Cowork-Arbeitsplatz auch einen Hotelbetrieb an. Bottom Hubs sind eher kleine Coworking-Spaces mit wenig Fluktuation, die wie Bürogemeinschaften funktionieren.

Coden, Sägen, Reden!

Pendlerhäfen mit guter Verkehrsanbindung

Als Pendlerhäfen werden Coworking Spaces bezeichnet, die entlang frequentierter Verkehrsstrecken liegen – wie etwa das „Ammersee Denkerhaus“ in Dießen bei München. Natürlich gibt es auch beim Coworking auf dem Land Klassiker im Sinne des Modells aus den Metropolen, mit vielfältig nutzbaren Räumen, einer produktiven Arbeitsatmosphäre und dem Community-Gedanken.

Projekt Coconat

Coworking auf dem Land
Bibliothek mit Kamin und Atmosphäre zum Arbeiten oder Entspannen. Foto: Andreas Plata/Coconat

Coworking auf dem Land

Zu den Beispielen für Coworking auf dem Land zählt das Projekt „Coconat“. Das Wort steht für Gemeinschaft und konzentriertes Arbeiten in der Natur (community and concentrated work in nature). Auf der Website des Anbieters im brandenburgischen Bad Belzig liest sich das so: „Wir sind ein wirkungsorientiertes Unternehmen. Positive gesellschaftliche Effekte haben für uns grundsätzlich einen höheren Stellenwert als Gewinnmaximierung. Ländliche Entwicklung fördern wir durch unser innovatives Tourismusmodell, das Workaktion, Coworking und Coliving vereint.“ Das Ziel ist ein inklusives und inspirierendes Umfeld für alle Menschen.

Projekt Hammerhof

Coworking auf dem Land
Die sogenannte „Macherscheune“ für Team-Events und Workshops auf dem Hammerhof. Foto: Hammerhof/Daniel Zenker

Ähnlich funktioniert der Hammerhof im fränkischen Neuhof an der Zenn. Michael O. Schmutzer, Gründer von Design Offices, einem Anbieter von Corporate-Coworking-Spaces, initiierte das Projekt im vorherigen Gasthaus der Familie Hammer. Heute ist die ehemalige Poststation aus dem 18. Jahrhundert und das daraus entstandene Gasthaus eine Offsite-Location mit Macherscheune, Gaststube und Eventküche. Das gesamte Areal mit Garten, Amphitheater, Schuppen und Outdoor-Arbeitsplätzen lädt zu vielfältigen Erlebnissen und Entdeckungen ein.

Bei gutem Wetter kann man auf diesen Stufen des Amphitheaters arbeiten. Foto: Hammerhof Campus

Beitrag zum Strukturwandel

Diese und weitere Projekte tragen zu einer größeren gesellschaftlichen Entwicklung bei. „Wir sind davon überzeugt, dass Coworking auf dem Land das Zeug zum Massenphänomen hat und für einen wirksamen Strukturwandel sorgen kann – vor allem, wenn sich auch festangestellte Pendler zunehmend dafür gewinnen lassen. In dieser Zielgruppe liegt noch ein großes, fast unberührtes Potenzial“, erläutert Bähr.

Und Schmied ergänzt: „Ländliche Regionen, die unter Abwanderung und Überalterung leiden, lassen sich durch den Zuzug junger Familien und die Modernisierung der Infrastruktur neu beleben.“

Coworking auf dem Land
Diverse Arbeits-, Meeting- und Konzentrationsräume befinden sich unter freiem Himmel. Foto: Tilman Vogler/Coconat

Schritt zur nachhaltigen Wirtschaft

Auch die Unternehmen profitierten von einem größeren Einzugsgebiet für Fachkräfte. Nicht zuletzt könne Coworking eine Triebkraft für den Wandel hin zu einer nachhaltigen, klimafreundlichen und modernen Wirtschaftswelt sein.

Die Arbeitswelt von morgen

Coworking bei Büromöbelherstellern

Der Trend zum Coworking auf dem Land ist auch bei Büromöbelherstellern angekommen. So plant etwa Vario die Einrichtung eines Coworking Spaces am Unternehmenssitz in Liederbach/Taunus. Die Ausstellungsfläche soll im zweiten Quartal umgebaut werden. Arbeitsplätze sind dann tage- oder wochenweise anmietbar. Vario will nicht nur eine gute Arbeitsatmosphäre bieten, sondern verweist auch auf Naherholungsgebiete direkt vor der Tür, mehrere Bienenstöcke auf dem Gelände mit hauseigener Honiggewinnung und Fahrtnähe ins Zentrum von Frankfurt/Main.

Netzwerk CoWorkLand

Seit 2019 organisieren sich eine Reihe von Coworking Spaces, die außerhalb der Städte liegen, in dem Netzwerk CoWorkLand. Dieses hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft jüngst einen Leitfaden herausgebracht, wie Coworking auf dem Land gelingt und was es dafür braucht.

Der neue Leitfaden erklärt aber nicht nur die flexiblen Nutzungsmöglichkeiten, sondern gibt Ratschläge für die Gründung eines Coworking-Space, erklärt die Bedeutung des Community-Gedankens, die den eigentlichen Mehrwert über eine reine Bürogemeinschaft ausmacht.

Leitfaden des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
Studie zu New Work und Coworking im ländlichen Raum der Bertelsmann Stiftung
Gründerzentrum von Wilmotte & Associés in Paris

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