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Concept Office - Work in progress von 8 Minutes

Ein Büro im stetigen Wandel: das Concept Office
Startup 8 Minutes

Das Start-up von Patrick Henry Nagel, Nils Körner und Jan-Henrik Schröter wirft herkömmliche Vorstellungen, die man von einem Büro hat, über Bord. Sein Concept Office ist ein Versuchsfeld, eine flexible Spielwiese für agiles Arbeiten und eine neue Form der Zusammenarbeit.

Autorin Katharina Feuer

Ein Tisch und ein Stuhl machen kein gutes Büro aus. Jan-Henrik Schröter hat als Unternehmensberater viele Arbeitsräume gesehen. Doch die unflexiblen Räumlichkeiten bilden die heutige schnelle Entwicklung bei Unternehmen nicht ab. Viel schlimmer: Sie unterstützen deren Prozesse nicht. „Der Markt rast. Das Büro ist statisch.“ Das Projekt Concept Office ist aus dieser Tatsache heraus entstanden, als eine Art Spielwiese: „Hier bilden Raum, Produkte und methodisches Arbeiten eine Einheit.“

Concept Office: keine abgeschlossene Lösung

Die beiden Industriedesigner Patrick Henry Nagel und Nils Körner sind Partner von Schröter. Sie gründeten bereits 2018 während ihres Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ihr Unternehmen Haus Otto. Nun folgte die Gründung ihres Start-ups 8 Minutes. Nagel und Körner decken mit ihren Produkten von Haus Otto die Gestaltung ab, Schröter kann aus unternehmerischer Sicht die Probleme bei Arbeitsabläufen klar benennen.

Die Räume in Leonberg auf einer Fläche von gut 300 m² sollen so pur wie möglich abbilden, wie die Zukunft des Büros auch aussehen kann. „Das Concept Office ist keine abgeschlossene Lösung. Es ist ein Prozess. Wir geben uns zwei Jahre Zeit für die weitere Entwicklung, um zu lernen, zu verstehen, nachzubessern und zu justieren. Es ist also gut möglich, dass in zwei Jahren die Fläche anders aussieht“, erklärt Patrick Henry Nagel die Vorgehensweise. Jetzt stehen im Raum Skulpturen, die wie Kunstwerke wirken. Das ist kein Zufall.

Tatsächlich bricht das Concept Office von 8 Minutes mit herkömmlichen Sehgewohnheiten. Der Raum selbst nimmt sich gestalterisch stark zurück und bildet lediglich den Rahmen für die unkonventionellen Objekte, die durch ihre monochrome Farbgebung ins Auge fallen. Nichts ist, wie man es von einem Büro erwartet.

Mehr Bewegung in die Arbeit

Betritt man die Räume, folgt automatisch die Reaktion: „Okay, hier sieht es anders aus. Wo ist mein Stuhl?“ Dieser Effekt ist durchaus gewünscht. „Wir haben uns gefragt, wie man mehr Bewegung in die Arbeit bringt. Wie arbeitet man wieder mehr als Team. Was muss ein Büro leisten? Und welche Aufgaben lassen sich besser zu Hause erledigen?“

Die Antworten können lauten: Beschreibt die Wände. Setzt oder stellt euch auf modulare Treppen. Verschiebt Wände. Hockt euch zusammen. Lauft durch den Raum. Wechselt die Perspektive. Möglich wird das durch die Produktserie ‚Super Office‘ von Haus Otto. Hier gibt es die ‚Yellow Walls‘, die helfen, einen Raum neu zu strukturieren. Oder das ‚Stair Shelf‘, das als Stauraum, Sitzmöbel, Treppe und Raumteiler fungiert. Der leichte Hocker ‚Please stand up‘ dient als temporäre Sitzgelegenheit, gestapelt wird er zum Kunstobjekt.

Wechsel der Perspektive

„Viele Büros stehen nach Arbeitsende leer. Wir hinterfragen diese eintönige Nutzung. Ist das noch zeitgemäß? Ist das nachhaltig? Wir wollen Gedankenspiele zulassen. Kann man eine Fläche nicht auch für unterschiedliche Funktionen nutzen? Zum Beispiel als Galerie, Präsentationsfläche oder Bühne?“, erläutert Nils Körner die Idee des Concept Offices für eine nachhaltigere Nutzung der Räume.

Im November soll es eine Talk-Runde zum Thema Arbeit geben. Aber man stehe auch schon mit einem Regisseur und einer Performance-Gruppe in Kontakt. „Wir wollen die Unternehmerwelt und die Veranstaltungswelt zusammenbringen. Absurd ist das nicht. Die bisherige einseitige Nutzung des klassischen Büros ist absurd“, sind sich die Designer sicher.

Damit diese Experimentierwiese funktioniert, werden Probanden nicht einfach auf das Concept Office losgelassen, sondern erhalten eine Einführung. „Man erkennt das Potenzial nicht, wenn man die Tools nicht erklärt.“ Zudem begleitet Jan-Henrik Schröter methodisch das Probearbeiten von Unternehmen und NGOs. Sogar ganze Abteilungen testen die Räume. Erste Rückmeldungen nach den Workshops sind meist positiv. Viele sind überrascht, dass es so gut funktioniert: „Ich hatte richtig viel Energie!“ oder „Wenn man seine Routine verlässt, ist das erst einmal ungewohnt, aber dann fühlt es sich gut an.“

Selfietime

„Wir hatten aber auch schon das gegenteilige Feedback, dass jemand meinte, so könne er nicht arbeiten. Das ist okay. Wir bauen auf diese Informationen, um den Raum und die Produkte zu verbessern. Denn das ist unser Anspruch.“

Pure Utopie und Pragmatismus

Input und Erfahrungswerte bringt Jan-Henrik Schröter in diesen Prozess mit ein. Die beiden Designer schrieben ihre Diplomarbeit zum Thema Arbeit und Büro. Das Concept Office ist eine gute Mischung aus purer Utopie und Pragmatismus. Hier entstehen neue Formen der Zusammenarbeit.

Nicht nur die Nutzung der Räume ist nachhaltig, auch die Materialien, die sie für ihre Objekte verwenden, sind es: recyceltes PET, Holzspäne, Spanplatten. Alles getrieben von der Frage: Was braucht man wirklich? „Wir bieten wenige Elemente an. Diese sind dafür prägnant.“ 8 Minutes gestalten für Firmen Büroräume, sodass diese ihre Fläche effektiver und nachhaltiger nutzen können. Ihr langfristiges Ziel: ganzheitliche Lösungen zu schaffen.


Foto: 8 Minutes

Die Industriedesigner Nils Körner (Jg. 1992, li.) und Patrick Henry Nagel (Jg. 1993, Mitte) gründeten Haus Otto während ihres Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Mit dem Unternehmensberater Jan-Henrik Schröter (Jg. 1978, re.) folgte das Start-up 8 Minutes. Mit ihrem ersten größeren Projekt, dem Concept Office stellen sie konventionelle Vorstellungen eines Büros auf den Kopf.

Webseite des Büros

Weitere Interviews finden Sie hier

Patrick Henry Nagel, Nils Körner geben mit ihrem Concept Office einen Impuls, wie das Büro der Zukunft konkret aussehen könnte. dafür gab’s eine Anerkennung des aed neuland 2021.

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