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Deutscher Pavillon Expo 2020 in Dubai: Vorbild für Nachhaltigkeit

Deutscher Pavillon Expo 2020 in Dubai
Ein Vorbild für Nachhaltigkeit

Die Expo 2020 in Dubai ging am 31. März zu Ende. Das Architekturbüro Lava verwendete für den deutschen Pavillon möglichst sortenreine, recycelbare Materialen. Nun folgt der Rückbau. Hohe Nachhaltigkeit erreichten sie zudem durch ein intelligentes Gebäudedesign und hybride Klimaanlagen. Ein Rückblick.

Im Moment wird der Deutsche Pavillon in Dubai wieder abgebaut. Der Bau stand ganz in der deutschen Tradition des Leichtbaus: Das deutsche Architekturbüro Lava ‚Laboratory for Visionary Architecture‘ verwendete möglichst wenige Bauteile und -materialien. Das wirkte sich positiv auf die aufzuwendende Energie für die Errichtung des Baus aus. Die „graue Energie”, die Energie also, die für die Herstellung, den Transport, die Lagerung und die Entsorgung von Materialien benötigt wird, wurde auf diese Weise verringert.

Lava verzichtete bei der Fassade wo möglich auf Beton oder Glas, da beide Materialien zum einen sehr schwer sind, zum anderen nur bedingt wiedereingesetzt werden können. Stattdessen kam in weiten Teilen der Fassade eine ETFE-Folie zum Einsatz. Die wetterabhängige, zu öffnende Fassade erzeugt einen Kamineffekt, der den Bedarf an Klimatisierung minimiert und den Energieverbrauch senkt. Beeindruckend ist diese Zahl: 95 % des Pavillons werden nun nach der sechsmonatigen Ausstellung recycelt.

Kritik im Vorfeld, Begeisterung vor Ort

Der Deutsche Pavillon war „typisch Deutsch“ und wurde dafür im Vorfeld auch ein wenig belächelt, nach dem Motto: „Wir zeigen euch mal wie das geht mit der Nachhaltigkeit“. Die Innenarchitektin Pia A. Döll, Präsidentin des bdia (Bund Deutscher Innenarchitekten), zeigte sich hingegen begeistert: „Man hat im Vorfeld viel Kritisches über den Pavillon gehört, aber ich fand nicht, dass hier der Zeigefinger erhoben wurde. Es war sehr beeindruckend, informativ und kurzweilig. Ich bin wirklich immer noch begeistert.“

Mit dem Ausstellungskonzept „Campus Germany“ präsentierte sich der Deutsche Pavillon auf der Expo 2020 als ein Ort des Wissens, des Forschens, des Austauschs und der Begegnung. Hier konnten Menschen aktiv partizipieren und sich als Teil einer großen Gemeinschaft erleben, die sich für eine nachhaltige Zukunft einsetzt.

Themenkuben und Inszenierungen

Unterschiedliche Themenkuben, die jeweils für ihre Funktion maßgeschneidert waren, umschlossen ein überdachtes Atrium und schützten dieses vor der Sonne. Das Atrium war dabei der zentrale Bezugspunkt des Pavillons: ein grüner, offener Ort mit vielen überraschenden Perspektiven, Sichtachsen und Ausblicken.

Die Ausstellungsräume, sogenannte ‚Labs‘ weckten mit großen Rauminszenierungen die Aufmerksamkeit der Besucher. Sie öffneten deren Wahrnehmung für nachhaltige Innovationen und Lösungen, die mit einer Vielzahl von Exponaten vermittelt werden. Die Ausstellung war insgesamt interaktiv: „Immer wieder musste man Entscheidungen treffen, ob man beispielsweise den Fahrstuhl oder die Treppe nimmt. Die Daten wurden über den gesamten Pavillon für jeden Besucher gesammelt“, erklärt Marei Röding das Konzept. Die Verlagsleiterin für den Bereich Architektur bei der Konradin Mediengruppe war zusammen mit anderen Architekten, Innenarchitekten und Interessierten bei der Architekturreise in Dubai dabei. Es wird wohl nicht die letzte Reise der Konradin Architektur-Abteilung bleiben. Weitere Ziele sind für 2022 geplant, darunter Kopenhagen/Malmö, Barcelona, USA und Südafrika.

Interaktiv, informativ und emotional

Zurück zum deutschen Pavillon. In der Welcome Hall empfingen über 100.000 Bälle in Form eines Bällebads die Gäste. Jeder Ball erzählte eine kleine Geschichte, präsentierte einen Fakt oder stellte einen Menschen in Deutschland vor, der sich für Nachhaltigkeit engagiert. „Die Mutigen haben sich getraut, in das Bällebad zu springen“, lacht Pia Döll über die Riesenspielwiese in den Farben der deutschen Flagge. Die Plastikbälle im Raum Germany by Numbers werden nach der Expo lokalen Kinderkrippen und Schulen geschenkt.

Energy Lab, Futur City Lab, Biodiversity Lab

Drei Themenbereiche, die im Kontext der Nachhaltigkeit wesentlich sind, konnten erkundet werden: Im „Energy Lab“ gab es inmitten von dunklen, pulsierenden Energieleitungen Lösungen für die Energieversorgung der Zukunft. Im „Future City Lab“ wurden die Besucher Teil einer allumgebenden urbanen Landschaft, in der sie Innovationen für die Stadt von morgen kennenlernten. Im „Biodiversity Lab“ erlebte man unter einem riesigen Mobile die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur.

Überraschende Abschlussinszenierung: eine Show auf Schaukeln. „Am Ende saß man in einem großen Raum mit vielen anderen Menschen auf Schaukeln. Es wurde eine Auswertung eingespielt, im Sinne von „80% der Leute hier werden künftig öfter Treppen nehmen. 45% legen einmal die Woche einen fleischfreien Tag ein“. So wurde das Gefühl vermittelt, dass selbst kleine Entscheidungen etwas bewirken können“, zeigt sich Marei Röding begeistert.

Die Idee: Wenn Menschen gemeinsam handeln – zum Beispiel gemeinsam schaukeln – können sie viel mehr erreichen, als sie sich zutrauen. Ein überraschendes Finale, das große Gefühle weckt und Hoffnung macht. Pia A. Döll ergänzt: „In diesem Raum hatte ich ein richtiges Gänsehautgefühl. Man hat gemerkt, dass man in der Gemeinschaft — wir schaukeln jetzt zusammen, höher, weiter, schneller — wirklich etwas erreichen kann. Ich fand das sehr bewegend.“

Der Pavillon als Materiallager

Das Gebäude entfaltete auch von außen seine Wirkung. Je nach Sonneneinstrahlung wirkte der Leichtbau auf den Betrachter leicht und luftig. Teilweise wurde die Sonne reflektiert, was ein schönes Spiel mit Licht und Reflexionen entstehen ließ. Für das Licht im Innenraum galt: Die gesamte Technik wurde für den Einsatz gemietet und wird zu 100 Prozent wiederverwendet.

Der Focus lag auf Materialien, die nachnutzbar sind. Die Architekten von LAVA hatten bei der Planung diesen Aspekt bereits im Blick: Ihr innovativer Ansatz war es, Bauteile des Gebäudes quasi als Momentaufnahme im Leben der Materialien zu sehen, wodurch der Pavillon  zum Materiallager gerät.

Pia Döll stellt am Ende noch eine recht spannende Frage: „Für wen werden solche Veranstaltungen konzipiert? Sind es Touristen, die sich in den jeweiligen Pavillons über diverse Länder informieren sollen? Sind es Architekten, Planer und designaffine Menschen? Der Aufwand für eine Weltausstellung ist erheblich.“ Die Frage bleibt unbeantwortet im Raum stehen.


Fakten

Projekt: Deutscher Pavillon, Expo Dubai 2020, www.expo2020germany.de

Expo Thema: Connecting Minds, Creating the Future

Expo Unterthemen: Sustainability, Mobility, Opportunity

Standort: Dubai, Vereinigte Arabische Emirate

Fertigstellung: 2021

Laufzeit: 1. Oktober 2021 bis 31. März 2022

Architektur: LAVA, Laboratory for Visionary Architecture, www.l-a-v-a.net

Ausstellungskonzept: facts and fictions, www.factsfiction.de und NÜSSLI Adunic AG, www.nussli.com

Größe des Grundstücks: rund 4600 m2

Produkte/Hersteller: Möbel von Sedus, www.sedus.com, FSC® zertifiziertes Holz, Teppiche mit dem Indoor Air Comfort Gold-Label, Sitzkissen im Restaurant von Covestro, das Material der Exponatmöbel der Future City Terrasse entstand aus Restwertstoffen der Dämmstoffindustrie

Fotos: siehe Kennzeichung

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