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Salone Verschiebung

Ein zweiter Frühling ohne Mailand – Umfrage bei Designern und Unternehmen
Wie geht es weiter?

Zum zweiten Mal findet in diesem Frühjahr nach 2020 kein Salone statt. md hat sich in der Branche umgehört und Designer sowie Unternehmen gefragt: Wie läuft‘s? Was fehlt? Wie sehen eure Pläne aus? Und: Hat der Salone an Strahlkraft verloren?

Autorin Katharina Feuer

Beim Flug in Richtung Mailand liegen im April die Alpen noch völlig unter Schnee bedeckt – dieses erhabene Panorama hat die Vorfreude auf die kommenden Tage immer noch gesteigert. Zumindest kennen viele diese einmalige Sicht aus früheren Jahren. Denn zum zweiten Mal musste aufgrund der Coronapandemie die internationale Möbelmesse Salone del Mobile abgesagt werden. Während sie 2020 komplett ausfiel, soll sie in diesem Jahr vom 5. bis zum 10. September stattfinden. Soweit der Plan.

Absage des Salone 2020 war ein Biest!

Schon jetzt muss man nüchtern erkennen, dass 2021 noch weit von einer gewissen Normalität entfernt ist. Dabei war das Jahr 2020 schon fordernd. Viele Gestalter, Designstudios und Unternehmen haben im vergangenen Jahr bittere Pillen geschluckt oder wie Tilla Goldberg, Geschäftsführerin bei der Ippolito Fleitz Group (IFG), es zusammenfasst: „Die Absage des Salone 2020 war ein Biest! Wir waren für drei große, schöne Inszenierungen beauftragt, auf die wir lange hingearbeitet haben.“ Was blieb einem anderes übrig, als das Beste daraus zu machen? Im Falle der IFG „wurde aus der Absage eine Tugend, und wir haben es geschafft, die Messeauftritte in digitale Kommunikation zu verwandeln, die richtig Spaß macht.“

Messe generell nur alle zwei Jahre?

Auch aus Sicht von Birgit Gämmerler, Geschäftsführerin von Zeitraum, sei die erste Absage verkraftbar gewesen. Schon länger plädiert die Unternehmerin für einen Zweijahreszyklus bei den großen Messen. „Eine zweite Verschiebung wird jedoch wirklich schmerzlich, da der wichtige persönliche Kontakt zu unseren langjährigen Kunden und zu Neukunden ein äußerst wichtiger Aspekt für eine fruchtbare Zusammenarbeit darstellt.“ Der Münchner Designer Stefan Diez lässt diesbezüglich seinen Gedanken freien Lauf: „Man könnte sich generell fragen, ob es nicht ausreicht, in Zukunft Messen alle zwei Jahre stattfinden zu lassen.“

Persönliche Kontakte und Produktpräsentationen

Mitten im starken Wachstum hat die Verschiebung den Hersteller Schönbuch erwischt. „Der verschobene Salone verschiebt auch die Möglichkeit, unseren neuen internationalen Kunden die Kollektion und insbesondere die Neuheiten 2020 und 2021 vorzustellen“, gibt Michael Ress, CEO von Schönbuch, zu bedenken. Für ihn steht fest: „Wir werden im Herbst teilnehmen, sollte dies möglich und auch sinnvoll sein. Das hängt aber stark von den Reisemöglichkeiten für unsere Kunden ab.“ Man werde situationsbedingt, kurzfristig reagieren.

Jutta Werner erfährt diese unplanbare Zeit aus zwei Perspektiven. Als Unternehmerin und als Designerin. Als Gründerin und Geschäftsführerin von Nomad ist die 52-Jährige relativ entspannt: „Für mich als Produzentin von Upcycling Rugs hat auch die zweite Verschiebung keine Folgen.“ Als Designerin muss sie wiederum bangen: „Ich habe eine Teppichkollektion für ein internationales Brand entworfen und hoffe sehr, dass der Teppich in Milano im Herbst gelaunched wird.“

Quantensprung in der Digitalisierung

Hoffen, bangen, das Beste draus machen und derweil andere Wege einschlagen: Das umschreibt wohl den Zustand vieler Profis in der Möbel- und Gestaltungsbranche. Der Berliner Designer Werner Aisslinger ist überzeugt, dass die Messen nach der Pandemie einen Unterschied spüren werden. „Wir alle testen gerade, wie Produkt-Launches auch digital funktionieren. Die Pandemie hat einen ungewollten aber zeitgemäßen Quantensprung in allen Arbeitsformen erzeugt. Es wird in Zukunft mehr online passieren.“ In der Folge sieht Aisslinger „viele Marken werden das Investment für große Stände in Mailand reduzieren und dafür kleine Events planen, aber Mailand wird global gesehen die einzige Messe bleiben, die relevant bleibt.“

Komplett online und ohne Treffen entstand auch die neue Sofa-Kollektion von Joa Herrenknecht. Die deutsch-kanadische Designerin ist stolz darauf, „dass wir das überhaupt hinbekommen haben – denn im Prinzip lief fast alles per Zoom, Skype und Whatsapp. Der Mechanismus dafür kam aus Italien, die Produktion war in Osteuropa und mein Kunde – der Möbelhersteller – sitzt in Dänemark. Wir alles saßen im Lockdown fest und mussten gut kommunizieren.“ Ihr ehemaliger Professor Stefan Diez bemerkt indes nur, „dass das Tempo nicht so hoch ist wie gewohnt, aber es ist glücklicherweise kaum spürbar für uns im Studio.“

Hersteller sind zurückhaltend

Alteingesessene Büros und etablierte Designer haben wahrscheinlich weniger zu kämpfen als kleinere, junge Büros. Die Verschiebung der Messe macht sich bei der Designerin Hanne Willmann bemerkbar: „Die gesamte Covid-19-Situation ist für die Designbranche nicht so easy. Dadurch, dass es keine Messen mehr gibt, auf denen Produktneuheiten präsentiert werden, sind derzeit alle Möbelhersteller sehr zurückhaltend mit der Vergabe neuer Projekte. Wofür auch ein neues Möbel designen, wenn es nicht gelauncht werden kann?“ Für die Wahlberlinerin ist absolut klar, dass sie dennoch im Herbst nicht nach Mailand fliegt, solange sie noch nicht geimpft worden ist. „Diese Verantwortung spüre ich für meine Familie und mich, aber auch für die Gesellschaft.“

Designer Sebastian Herkner sieht die in den Herbst verschobene Messe eher skeptisch: „Ich würde mich freuen, wenn ich im Herbst nach Mailand fahren könnte. Doch ich glaube, dass die Messe nicht in der Art wie wir sie kennen stattfinden wird, da Aussteller wie auch internationale Gäste fehlen werden. Ich denke, man sollte die Situation nutzen und dem Salone die Chance geben, sich neu zu erfinden und eine neue Haltung zu entwickeln.“

Es fehlt die echte Welt: Haptik, Optik, Licht

Den Befragten fehlt dieser wichtige Branchentreff. Da gibt es tatsächlich keine Ausnahme. Was genau fehlt euch? Das Stuttgarter Designduo Jehs + Laub bringt es auf den Punkt: „Die Energie, die Menschen, die Freunde und Partner, die Eindrücke, die Haptik und die Gespräche. All das fehlt uns.“ An seiner Strahlkraft zweifelt man nicht. „Der Salone ist wie ein großes Familientreffen. Da sind Kunden, Hersteller, alte Kollegen, ehemalige Professoren, Freunde – alle auf einem Fleck“, zeigt sich Joa Herrenknecht begeistert.

Tilla Goldberg bestätigt die Wichtigkeit dieser persönlichen Begegnungen. „Wir sind lebendige Menschen, wir sehnen uns nach dem Erleben der „echten Welt“. Das können die schönsten Pixel nie ersetzen. Und wir sind Designer und Innenarchitekten, die Räume lieben, körpernahe Formen, Materialien, Oberflächen, Farben, Licht … Und die Stadt Mailand selbst.“

Piazza, Aperitivo und Bar Basso

Als wahre Mailand-Fans und Wiederholungstäter outen sich alle. Werner Aisslinger hat in Mailand gelebt, liebt und kennt die Stadt, „deshalb gibt´s immer Gründe vorbeizuschauen.“ Offenbar haben viele schon unvergessliche Stunden in Italien verbracht. Dazu gehört einfach den Moment „bei einem Aperitivo auf der Piazza“ wie Michael Ress oder wie Jutta Werner „die lauen Nächte vor der Bar Basso mit Kollegen und meinem Lieblingskellner Georgio“ zu genießen. Die Bar Basso kennt jeder. Hier trifft sich die Szene und im Ergebnis „versucht man mit gefühlt 2000 Leuten, einen Drink zu bekommen“, weiß Stefan Diez auf die Frage, was ihm fehle. Nach einer Woche Mailand sei man urlaubsreif. Der Salone sei längst weit mehr als Möbeldesign – immer inspirierend und spannend.

Strahlkraft ungebrochen

Es schwingt Sehnsucht mit in den Antworten: Sehnsucht nach einer frühsommerlichen Leichtigkeit, nach persönlichen Begegnungen mit echten Menschen, nach fachlichem Austausch, nach schönem Design, das man wieder an- und erfassen kann. Man muss sich also keine Sorgen machen um das Format – der Kombination aus Messe, Salone Satelitte, Design Week, Ventura Centrale, Ausstellungen, Showrooms und und und. Seine magnetische Wirkung hat vielleicht durch diese lange Zwangspause an Kraft gewonnen. Seine Strahlkraft ist größer denn je.

Fast schon kritisch sieht dies Birgit Gämmerler von Zeitraum: „In den letzten Jahren hat der Event-Charakter zuungunsten des professionellen Austauschs überhandgenommen … zu viele Menschen, zu wenig Business.“ Das bestätigt auch Tilla Goldberg: „Es wäre gut wenn das Format wieder professioneller würde und weniger Touristen-Highlight.“

See you at Salone

Planen Sie, im Herbst nach Mailand zu reisen? Die Antworten auf diese Frage bilden die Unsicherheit und weiterhin unplanbare Situation eins zu eins ab: Von „Nein, auf keinen Fall“ über „Ja. Wenn er denn nun wirklich stattfindet, sind wir dabei“ bis hin zu „auf jeden Fall, selbst wenn die Messe nicht stattfindet.“

In diesem Sinn: See you at Salone.

Hier finden Sie alle Interviews in der kompletten Länge. 4 Fragen und 4 Antworten von:

Birgit Gämmerler von Zeitraum
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Birgit Gämmerler und Peter Gäblein von Zeitraum.

Wie wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Unternehmen aus?

Die erste Verschiebung war für uns verkraftbar, da wir schon länger dafür eintreten, einen Zweijahreszyklus bei den großen Messen mit all dem damit verbundenen Aufwand, als ausreichend zu betrachten. Eine zweite Verschiebung wird jedoch wirklich schmerzlich, da der wichtige persönliche Kontakt zu unseren langjährigen Kunden und zu Neukunden ein äußerst wichtiger Aspekt für eine fruchtbare Zusammenarbeit darstellt.

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen?

Begegnungen, Inspiration, Lebendigkeit, Vielfalt, Synergie

Hat er an Strahlkraft verloren?

Keinesfalls! Allerdings hat in den letzten Jahren der Event-Charakter zuungunsten des professionellen Austauschs überhandgenommen … zu viele Menschen, zu wenig Business.

Planen Sie im Herbst in Mailand teilzunehmen?

Ja.

Webseite des Unternehmens

Hanne Willmann
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Hanne Willmann in ihrem Berliner Designstudio. Foto: Thomas Wiuf

Wie wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Designer auf Ihre Arbeit bzw. Auftragslage aus?

Die gesamte Covid-19-Situation ist für die Designbranche, wie für so viele Branchen, nicht so easy. Klar, wurden bis zum Lockdown viele Urlaubsersparnisse in Möbel investiert. Das war positiv. Aber dadurch, dass es keine Messen mehr gibt, auf denen Produktneuheiten präsentiert werden, sind derzeit alle Möbelhersteller sehr zurückhaltend mit der Vergabe neuer Projekte. Wofür auch ein neues Möbel designen, wenn es nicht gelauncht werden kann?

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen

Ich vermisse das Zusammenkommen mit den Freunden und Kollegen aus der Branche sehr! Aber natürlich auch die spannenden Gespräche mit Herstellern und die Vergabe neuer Projekte!

Hat er an Strahlkraft verloren?

Hat nicht gerade jede Messe an Strahlkraft und Vertrauenswürdigkeit verloren?

Planen Sie, im Herbst nach Mailand zu reisen?

Ich werde vermutlich im Herbst nicht nach Mailand reisen – insofern die Messe denn stattfindet. Ich möchte erst geimpft werden, bevor ich eine internationale Reise antrete und unter so viele Menschen trete. Diese Verantwortung spüre ich für meine Familie und mich, aber auch für die Gesellschaft.

Webseite des Büros

Jehs + Laub
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Markus Jehs und Jürgen Laub vom Stuttgarter Büro Jehs + Laub. Foto: Silicya Roth

Wie wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Designstudio auf Ihre Arbeit bzw. Auftragslage aus?

Ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit sind Begegnungen. In Bezug auf den nicht stattfindenden Salone schmerzt es natürlich besonders, wenn all das nicht stattfindet, da wir dort sehr intensive Eindrücke sammeln, die die Kreativität positiv beeinflussen.

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen?

Die Energie, die Menschen, die Freunde und Partner, die Eindrücke, die Haptik und die Gespräche. All das fehlt uns.

Hat er an Strahlkraft verloren?

Im Gegenteil. Da er momentan nur in der Erinnerung existiert, sieht man ihn möglicherweise idealisiert.

Planen Sie, im Herbst nach Mailand zu reisen?

Ja. Wenn er denn nun wirklich stattfindet, sind wir dabei.

Webseite des Büros

Joa Herrenknecht
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Die deutsch-kanadische Designerin Joa Herrenknecht ist eine multidisziplinäre Designerin mit Sitz in Berlin.

Wie wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Designerin auf Ihre Arbeit bzw. Auftragslage aus?

Im Moment habe ich das Gefühl, dass viele Produzenten vorsichtiger sind, wenn es um die Vergabe von neuen Kollektionen und Aufträgen geht. Die Neuheiten werden fast immer zuerst auf den Messen gezeigt, teilweise noch als finale Prototypen, um zu testen wie sie ankommen und gehen dann erst in die richtige Produktion, nachdem die Aufträge schon eingegangen sind.

Verständlich, dass man bei neuen Projekten jetzt erstmal einen Gang runterschaltet. Ohne die Messe sind viele neue Produkte von 2020 fast unsichtbar geworden. Neben Einkäufern und Besuchern ist ja auch viel Presse am Start.

Wir hatten aber Glück und ich habe im letzten Jahr eine neue Sofa-Kollektion entworfen. Eigentlich bin ich stolz, dass wir das überhaupt hinbekommen haben – denn im Prinzip lief fast alles per Zoom/Skype und Whatsapp. Der Auftrag war, ein Schlafsofa zu entwerfen. Der Mechanismus dafür kam aus Italien, die Produktion war in Osteuropa und mein Kunde – der Möbelhersteller – sitzt in Dänemark. Wir alles saßen im Lockdown fest und mussten gut kommunizieren.

Normalerweise bin ich beim Sampling, also beim Prototypenbau und der finalen Abnahme persönlich dabei, diesmal was das aber nicht möglich, weil ich nicht reisen konnte. Gleichzeitig kann man ein Sofa nicht so einfach hin- und her verschicken. Daher war das ein echtes Experiment und es ist genial, dass wir es realisiert haben.

Interessant ist, dass es nicht auf der Messe präsentiert wird, sondern im Frühjahr online gelauncht wird und direkt in die Shops kommt. Wenn eine Möbelmarke jetzt eigene Showrooms hat und über einen eigenen Onlineshop verfügt, ist das von großem Vorteil. Allerdings glaube ich, dass die Firmen auf jeden Fall Messen brauchen, um die Produkte vorzustellen. Man will ja genau wissen wie sich zum Beispiel ein Sofa anfühlt, bevor man für mehrere Tausend Euro Ware bestellt. Möbeldesign hat vor allem etwas mit dem haptischen Erlebnis zu tun, das heißt auf dem Foto kann es noch so gut aussehen, aber wie es sich anfühlt oder ob es wirklich funktioniert, kann ich durch ein Bild nicht erfahren.

Als Designstudio ist man zum Glück flexibel und kann sich schneller anpassen. Wir hatten zum Beispiel gerade vermehrt Anfragen, ob wir bei privaten Einrichtungen beratend helfen können – das finde ich sehr interessant. Viele haben jetzt Zeit, sich mit dem eigenen Zuhause zu beschäftigen und suchen jemanden, der sich mit Design auskennt und beim Einrichten hilft. Die Vielfalt in den Onlineshops ist gewaltig – kuratieren wird also wichtiger. Es verlagern sich derzeit auch viele Schwerpunkte, hin zum Homeoffice, Homefitness oder Garten.

Das ist also eine spannende Zeit für mich und meine Arbeit. Da die Produktentwicklung der Messe oft ein bis zwei Jahre vorangeht, sehen wir die Auswirkungen des Lockdowns auf die Möbelwelt wahrscheinlich erst 2022/2023.

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen?

Als Studentin habe ich ein Jahr bei Patricia Urquiola gearbeitet und bin deswegen immer wieder gerne in Mailand, weil ich da alte Freunde treffe. Der Salone ist wie ein großes Familientreffen. Da sind Kunden, Hersteller, alte Kollegen, ehemalige Professoren, Freunde – alle auf einem Fleck.

Die unglaubliche Vielfalt an Design, Herstellern und Produkten ist überwältigend und es ist schön, sich so konzentriert auszutauschen – der persönliche, direkte Austausch fehlt mir. Aber auch die Gewissheit, dass die Produzenten ihren Job machen und ihre Produkte verkaufen können. Deswegen ist man ja auf der Messe.

Hat er an Strahlkraft verloren?

Nein, Mailand bleibt immer sehr besonders. Ich verbinde die Stadt mit schönen Erinnerungen und Menschen, die ich bewundere, vor allem die alten All-round Designer wie Ettore Sottsass oder Achille Castiglioni.

Als junge Designerin habe ich drei Jahre hintereinander auf dem Salone Satellite ausgestellt, dort gehe ich immer noch gerne vorbei. Es ist ein Ausstellungsformat für junge Nachwuchsdesigner auf der Messe, bei der viele bekannte Designer, wie zum Beispiel mein ehemaliger Professor Stefan Diez ganz klein angefangen haben. Solche Talente zu entdecken, ist toll. Gleichzeitig sind auch die wichtigen Produzenten auf der Messe.

Außerdem gibt es neben der Messe ja auch die vielen Events in der Stadt und in den Museen, wie der Triennale, Fondazione Prada, den Shops und so weiter. Mailand verbinde ich daher absolut mit Design und Kultur. Die Stadt strahlt auch ohne Messe – ich glaube so eine Strahlkraft geht nicht so schnell verloren.

Planen Sie, im Herbst nach Mailand zu reisen?

Wir sind hier im Lockdown in Kanada, unserer Zweitheimat. Mein Studio ist aber in Berlin. Dank der Möglichkeit online zu arbeiten, klappt es bislang ganz gut, aber es ist schwieriger geworden zu fliegen – vor allem mit zwei kleinen Kindern und der langen Quarantänezeit. Da plant man vorsichtiger.

Dennoch Mailand ist die wichtigste und größte Möbelmesse weltweit und ich werde auf jeden Fall wieder dort sein. Am besten mit neuen Produkten und einem Drink mit Freunden nach der Messe in der Bar Basso.

Webseite des Büros

Jutta Werner von nomad
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Jutta Werner ist Designerin und Unternehmerin.

Wie wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Designerin auf Ihre Arbeit bzw. Auftragslage aus?

Für mich als Founder von NOMAD, Produzent von Upcycling Rugs, hat die zweite Verschiebung noch keine Folgen. Wir haben unsere Kollektion 2020 gestartet und viele Themen, die zum Markenaufbau gehören, bearbeitet. Aussteller im Rahmen des Salones zu sein, ist natürlich unser Ziel, aber wäre für 2021 noch nicht umsetzbar gewesen.

Als Designerin betrifft mich die Verschiebung direkt. Ich habe eine Teppichkollektion für eine internationale Marke entworfen und hoffe sehr, dass der Teppich in Milano gelaunched wird.

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen?

Für mich ist der Salone seit mehreren Jahrzehnten das wichtigste International Event des Jahres. Ein globales Klassentreffen. Es fehlen die internationalen Begegnungen, die Events und natürlich die lauen Nächte vor der Bar Basso mit Kollegen und meinem Lieblingskellner Georgio.

Hat er an Strahlkraft verloren?

Nein, aus meiner Sicht nicht!

Planen Sie, im Herbst nach Mailand zu reisen?

Ich habe meinen Flug für den Herbst gebucht und werde auch nach Mailand reisen, falls die Messe nicht stattfindet. Ich hoffe es wird uns allen möglich sein. Ich bin eine Befürworterin der Digitalisierung, aber analoge Begegnungen bilden eine ganz andere Qualität ab – der Mix macht´s. In diesem Sinn: See you at Salone.

Webseite des Unternehmens

Michael Ress von Schönbuch
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Bringt seinen strategischen Unternehmerblick und kaufmännisches Knowhow mit ein: Michael Ress, CEO von Schönbuch.

Wie wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Unternehmen aus?

Wir wachsen gerade stark international. Der verschobene Salone verschiebt auch die Möglichkeit, unseren neuen internationalen Kunden die Kollektion und insbesondere die Neuheiten 2020 und 2021 vorzustellen. Wir hoffen daher sehr, dass der Salone im September stattfinden kann und dann insbesondere unsere Kunden aus Übersee – aber auch aus dem europäischen Ausland – reisen können und wollen.

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen?

Der persönliche Kontakt zu unseren Kunden und der Presse aus aller Welt, der Austausch mit Kollegen und Designern, die zahllosen Inspirationen in der ganzen Stadt – und einfach auch die gute Stimmung, das positive Lebensgefühl. Der Aperitivo auf der Piazza.

Hat er an Strahlkraft verloren?

Es bleibt abzuwarten, ob Menschen von außerhalb Europas wieder nach Europa reisen können, ob sich weiterhin die Welt in Mailand treffen kann. Wenn nicht, dann geht etwas verloren.

Planen Sie im Herbst in Mailand teilzunehmen?

Wir werden im Herbst teilnehmen, sollte dies möglich und auch sinnvoll sein. Das hängt aber stark von den Reisemöglichkeiten für unsere Kunden ab. Wie im ganzen vergangenen Jahr planen wir langfristig positiv und entscheiden dann situationsbedingt kurzfristig.

Webseite des Unternehmens

Sebastian Herkner
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Designer Sebastian Herkner. Foto: Gaby Gerster

Wie wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Designer auf Ihre Arbeit bzw. Auftragslage aus?

Wir erleben aktuell eine besondere und unsichere Zeit, in der allerdings unser Business im Gegensatz zur Gastronomiebranche nicht existenziell betroffen ist. Wir müssen uns mit Terminverschiebungen arrangieren und notfalls auch Alternativkonzepte entwickeln, um Neuheiten zu kommunizieren. Dies machen wir als Studio bereits seit letztem Jahr mit unseren Kunden.

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen?

Der Salone ist ein großes Zusammenkommen und eine inspirierende Bühne für Design. Ich freue mich stets darauf, auf Messen bekannte Gesichter zu treffen und sich auszutauschen. Genauso schätze ich es, meine Arbeit zusammen mit den Firmen einem breiten Publikum im Dialog vorzustellen.

Hat er an Strahlkraft verloren?

Darum geht es aktuell überhaupt nicht. Der Salone ist und bleibt die wichtigste Messe für Design.

Planen Sie, im Herbst nach Mailand zu reisen?

Ich würde mich freuen, wenn ich im Herbst nach Mailand fahren könnte. Doch ich glaube, dass die Messe nicht in der Art wie wir sie kennen stattfinden wird, da Aussteller wie auch internationale Gäste fehlen werden. Ich denke, man sollte die Situation nutzen und dem Salone die Chance geben, sich neu zu erfinden und eine neue Haltung zu entwickeln.

Webseite des Büros

Stefan Diez
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Stefan Diez. Foto: Christian Geisselmann

Wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Designer auf Ihre Arbeit bzw. Auftragslage aus?

Natürlich verschieben sich durch die Absage einige Dinge und an manchen Stellen merkt man, dass das Tempo nicht so hoch ist wie gewohnt, aber es ist glücklicherweise kaum spürbar für uns als Studio.

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen?

Die Woche in Mailand ist immer eine der schönsten Wochen im Jahr. Es gibt viele sehr nette Abendessen, zum Teil zwei an einem Abend. Es gibt viel zu erzählen mit interessanten Menschen, die man das ganzen Jahr sonst nicht sieht. Die Stimmung ist eigentlich immer großartig. Es ist der Beginn des Frühjahrs in Mailand und allein dadurch herrscht eine sehr schöne Stimmung.

Dann steht man bei der Bar Basso und versucht mit gefühlt 2000 Leuten, einen Drink zu bekommen. Am Ende dieser Woche ist man urlaubsreif, weil kaum Zeit für Schlaf bleibt. Der Salone ist längst weit mehr als Möbeldesign – ein interdisziplinäres Treffen der sogenannten Kreativen aus der ganzen Welt.

Ich bin gespannt auf den Herbst. Es wird hoffentlich ein einmaliger Salone werden, anders als alle andere. Ich freue mich darauf. Dieses Jahr belastet sicherlich alle auf der ganzen Welt und fügt vielen persönliche Schäden zu. Uns geht’s mit dem Studio glücklicherweise gut. Gerade in diesen Zeiten profitieren wir von unsere Hinterhofgemeinschaft und den zahlreichen angeschlossenen Studios. Ich darf mich  nicht beschweren.

Unabhängig von den Umständen: Ich bin ein Fan der schönen Dinge, und das trifft für mich auch auf den Salone zu.

Hat er an Strahlkraft verloren?

Die Salone hat sich immer verändert und ist immer auch ein Lackmustest für die Branche. Nicht immer ändern sich Dinge zum Positiven. Trotzdem sollte man es sich anschauen. Und dann kann jeder für sich konkrete Rückschlüsse ziehen. Ich würde bei den Veränderungen jedenfalls gerne aktiv mit dazu beitragen.

Planen Sie, im Herbst nach Mailand zu reisen?

Klar fahren wir im Herbst dahin! Wenn es also zweimal hintereinander geht, hat man vielleicht etwas mehr Zeit für die ein oder andere Sache. Man könnte sich andererseits generell fragen, ob es nicht ausreicht, in Zukunft Messen alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Aber das ist ein anderes Thema.

Webseite des Büros

Tilla Goldberg
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Tilla Goldberg ist Director Product Design und Mitglied der Geschäftsleitung der Ippolito Fleitz Group. Foto: Object Carpet x IFG Menez

Wie wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Designer auf Ihre Arbeit bzw. Auftragslage aus?

Die Absage des Salone 2020 war ein Biest! Wir waren für drei große, schöne Inszenierungen beauftragt, auf die wir lange hingearbeitet haben. Zwei Messestände für große Kunden auf dem Salone selbst und den Launch unserer Teppichkollektion für Object Carpet bei Ventura Centrale in der City. Aber wie so oft wurde letztlich aus der Not der Absage eine Tugend, und wir haben es geschafft, die Messeauftritte in digitale Kommunikation zu verwandeln, die richtig Spaß macht. Im Fall der Teppichkollektion für Object Carpet war eines der Resultate ein Kurzfilm mit der bekannten Modefotografin Monica Menez als Regisseurin. Der ursprüngliche Auftrag wurde also von einer stark räumlichen Inszenierung in eine digital erfahrbare Kommunikation mit ebenso großer oder vielleicht noch größerer Reichweite und Merkfähigkeit umgewandelt. Daher trifft uns die zweite Verschiebung des Salone – zumindest aus professioneller Sicht – nicht so sehr.

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen?

Natürlich fehlen vor allem die Begegnungen. Mit Menschen und mit Möbeln. Und die Stadt Mailand selbst. Die geplanten – und die ungeplanten – herrlichen Lunches, Dinners, Barabende. Die überraschenden Inspirationen. Wir sind lebendige Menschen, wir sehnen uns nach dem Erleben der „echten Welt“. Das können die schönsten Pixel nie ersetzen. Und wir sind Designer und Innenarchitekten, die Räume lieben, körpernahe Formen, Materialien, Oberflächen, Farben, Licht …

Hat er an Strahlkraft verloren?

2019 haben sich viele die Mäuler darüber zerrissen, dass der Salone zu voll geworden sei, dass man die Möbel vor lauter Menschen nicht mehr sieht. Aber 2021/22 hungern wir doch wieder danach. Aber ja, es wäre gut, wenn das Format wieder professioneller würde und weniger Touristen-Highlight.

Planen Sie, im Herbst nach Mailand zu reisen?

Es hängt so viel von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. Also planen wir noch nicht. Ich befürchte, dass es sich im Herbst noch nicht richtig gut anfühlen wird, sich mit Zehntausenden Menschen durch enge Gänge zu drängeln. Aber wir schauen definitiv mit sehnsüchtiger Erwartung auf 2022!

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Werner Aisslinger
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Werner Aisslinger. Foto: Steffen Jaenicke

Wie wirkt sich die zweite Verschiebung des Salone für Sie als Designer auf Ihre Arbeit bzw. Auftragslage aus?

Eigentlich nicht, denn die Welt funktioniert auch vom Homeoffice aus ganz gut und die Arbeit ist sogar effizienter als mit den wöchentlichen Businesstrips, die einem jetzt im Nachhinein relativ unnötig vorkommen.

Was macht den Salone aus? Was fehlt Ihnen?

Es fehlen natürlich der Input von den Shows, die man sieht und die Treffen mit der Designcrowd – für mich nach 30 Jahren Salone eigentlich das Hauptmotiv für die jährliche Milano-Woche.

Hat er an Strahlkraft verloren?

Wir alle testen gerade, wie Produkt-Launches auch digital funktionieren. Die Pandemie hat einen ungewollten aber zeitgemäßen Quantensprung in allen Arbeitsformen erzeugt. Das werden auch Messen nach der Pandemie spüren. Es wird in Zukunft mehr online passieren und Produkt-Launches geben. Und viele Marken werden das Investment für große Stände in Mailand reduzieren und dafür kleine Events planen, aber Mailand wird global gesehen die einzige Messe bleiben, die relevant bleibt – wegen der internationalen Strahlkraft und dem einzigartigen Networking während des Salones.

Planen Sie, im Herbst nach Mailand zu reisen?

Würde ich spontan entscheiden – ich hatte ja mal in Mailand gelebt, liebe und kenne die Stadt, deshalb gibt´s immer Gründe vorbeizuschauen …auch wenn´s nur die Designweek im Herbst ist.

Webseite des Büros

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