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Gabriel Kacerovsky im Interview über gelungene Hotelplanung

Das Hotel als Storyteller

Wie gute Gestaltung für Unverwechselbarkeit sorgt und warum das Lokale in der Hotelplanung auf dem Vormarsch ist, erläutert Gabriel Kacerovsky. Außerdem: die schönsten Projekte des Wiener Architekten und sein Lieblingshotel in Südtirol.

Interview Claudia Simone Hoff

Wie sind Sie auf das Thema Hotelplanung gekommen?

Mein erstes Projekt als selbstständiger Architekt war ein kleines Hotel mit sechs Zimmern, das Tulbingerkogel im Wienerwald. Seither hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Mit der Spezialisierung auf Hotels ist mir auch klar geworden, dass die Architektur zwar wichtig ist, dass der Gast aber wesentlich mehr Wert auf das Interior legt. Zugespitzt gesagt: Der Kontakt zum Kunden entsteht durch das Interior.

Was macht ein gutes Hotel aus?

Ein gutes Hotel zeichnet sich dadurch aus, dass es eine runde Sache ist. Hier spielen Design, Service und Lage zusammen. Eine gute Hotelplanung vermittelt eine klare Botschaft, erzählt eine Geschichte und schafft eine positive Emotionalität.

Welche Rolle spielt dabei das Interiordesign?

Für mich muss das Interiordesign eine emotionale Antwort auf die Wünsche der Gäste sein. Sie sollen sich im Hotel heimisch fühlen und einen bestimmten Lifestyle erleben. Dabei wird die Referenz zum Lokalen immer wichtiger, denn dadurch kann man sich von anderen Hotels abheben. Andere Kulturen und Orte kennenzulernen ist ja für viele Menschen ein wichtiger Grund zu reisen.

Können Sie an einem Beispiel erklären, wie man den Ort ins Hotel holt?

Das Andaz Vienna Am Belvedere – ein Fünf-Sterne-Lifestyle-Brand von Hyatt, bei dem das Lokale im Fokus steht – liegt in der Nähe des Wiener Hauptbahnhofs. Von hier schaut man auf das Schloss Belvedere und die Innenstadt. Gleich neben dem Hotel befindet sich auch das ‚21er-Haus‘, ein Museum für zeitgenössische Kunst, das im ehemaligen Expo-Pavillon von Karl Schwanzer aus den Fünfzigerjahren untergebracht ist.

Ansonsten gibt es hier nicht viel mehr, denn das gesamte Gebiet ist ein Neubauareal, was eine Herausforderung für uns war. Denn wenn wir eine Story für ein Hotel entwickeln, interessiert uns immer, wie die Umgebung aussieht. In diesem Fall war es naheliegend, das Schloss und den Prinz Eugen, eine Lichtgestalt der österreichischen Geschichte, in den Fokus zu rücken. All diese lokalen Themen haben wir in die Hotelplanung aufgenommen und als eine Linie der Geschichte hineingezogen.

Hotelplanung
Das Interior des Restaurants Eugen 21 überzeugt mit seinem Wiener Flair.
Foto: © Andaz Vienna Am Belvedere

Da ein barocker Prinz aber kein zeitgemäßes Thema ist, haben wir überlegt, was uns heute noch an der historischen Figur fasziniert. Da Prinz Eugen Kunstsammler, Mäzen und Europäer war, haben wir für das Hotel einen neuen Hausherrn ersonnen: einen Kosmopoliten Wiener Prägung. Wenn man das Gebäude betritt, hat man deshalb den Eindruck, die Wohnräume dieses imaginären Nachfolgers von Prinz Eugen zu betreten. Das ist der rote Faden, der sich durch das gesamte Interior-Design zieht.

Gibt es gestalterische Vorgaben, wenn Sie solch ein komplexes Hotelprojekt umsetzen?

Wenn wir beim Beispiel Hyatt und Andaz bleiben, dann sind die gestalterischen Vorgaben minimal. Es gibt sogenannte Hard Brands und sogenannte Soft Brands, wobei Hyatt Andaz ein super Soft Brand ist.

Das bedeutet, dass jedes Hotel anders aussehen und an seinem Ort verankert sein soll. Immer gibt es eine eigene Geschichte und einen starken Bezug zum Lokalen.

Ist Corporate Architecture auch auf Hotels anwendbar?

Corporate Architecture greift als Begriff für die Hotellerie zu kurz, weil Hotels zu stark von der eigenen Positionierung leben. Es ist ein ganz eigener Kosmos mit vielen kleinen Untergruppen. Wenn man sich einmal die großen Hotelkonzerne wie Hyatt, Marriott oder Hilton anschaut, sind sie meistens für eine ihrer Marken bekannt geworden. Inzwischen hat jeder dieser Konzerne aber ein großes Markenportfolio, das verschiedene Zielgruppen anspricht. Das bedeutet für den Architekten und Interior-Designer: Neben den oft traditionellen, stark standardisierten Brands entsteht eine Vielfalt an Marken, die sich über ein individuelles Interior-Design positionieren.

Muss ein Hotel instagramable sein?

Instagram ist ein wichtiger Trend und unbestritten ein Symbol unserer Zeit. Doch für mich geht es bei Hotelplanung weniger um Selbstinszenierung als darum, ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen, das den Gast emotional berührt. Dadurch entsteht eine eigene Geschichte, die er weitererzählen wird. Ich glaube, dass auch in Zeiten von Instagram Authentizität sehr geschätzt wird.

Wie wichtig ist Design?

Es gibt den gesellschaftlichen Trend der Diversifikation, der auch für Hotels gilt. Es gibt nach wie vor Kunden, die die Core Brands der Konzerne wie Marriott oder Hyatt bevorzugen, weil sie ein vordefiniertes Produkt suchen, das überall gleich aussieht und Standards in Bezug auf Temperatur, Bett und Essen einhält. Und dann gibt es Kunden, die etwas Individuelles, Ortstypisches und Kreatives suchen, wie man es bei Brands wie Andaz und Ibis Styles oder bei Privathotels wie dem Hotel Schani findet.

Die Basics wie ein komfortables Bett und eine großzügige Dusche müssen immer passen, aber die Gäste lassen sich gern von unkonventionellen Raumlösungen überraschen und akzeptieren dann auch ein sehr kleines Zimmer oder ein komplett offenes Bad.

Hotelplanung
Hotel Altstadt Vienna. Das Atelierzimmer 22 wurde als Open Space entworfen. Foto: Marisa Vranjes, © Altstadt Vienna

Gibt es einen Trend, der vom Hoteldesign demnächst ins Home Interior Design herüberschwappt?

Hunderte. (lacht) Das ist übrigens eines der Themen, die mich so faszinieren an der Hotellerie: Hotels sind Lifestyle-Versuchsobjekte – für uns Designer, aber auch für die Gäste. Hier kann man zum Beispiel ausprobieren, wie es ist, wenn die Badewanne frei im Schlafzimmer steht. Überhaupt ist das private Badezimmer ein Raum, der stark von der Hotellerie beeinflusst ist.

Ist Ihr Zuhause eigentlich auch ein gestalterisches Versuchslabor?

Oh ja, ich probiere ständig Neues aus. Ich bin ein neugieriger Mensch, mich interessiert, wie etwas funktioniert. Deshalb reise ich auch sehr gern und hole mir Inspirationen.

In welchem Hotel schlafen Sie am liebsten?

Das hängt stark von meiner Laune ab und von dem Grund, weshalb ich reise. Sehr gern mag ich die Pension Briol in Südtirol. Sie liegt direkt am Berg, ist nur zu Fuß erreichbar und recht einfach gehalten. Ein toller Ort, um die Welt hinter sich zu lassen.

Hotelplanung
Die Pension Briol ist das Lieblingshotel von Gabriel Kacerovsky.
Foto: Luca Meneghel, © Hotel Briol

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Interview with Gabriel Kacerovsky

Hotels as storytellers

Gabriel Kacerovsky explains how good design creates a unique character and why local elements are very popular in contemporary hotel design. What‘s more? The most beautiful projects by the Vienna-based architect and his favorite hotel in South Tyrol.

Interview: Claudia Simone Hoff

How did you get into the hospitality sector?

My first project as a freelance architect was a small hotel with six rooms, the Tulbingerkogel in Vienna Woods. I have been hooked on hotels ever since. By specializing in hotels I realized that while architecture is important, guests focus significantly more on the interior. Put bluntly, a link to customers is established by the interior.

What makes a good hotel?

A good hotel is characterized by providing the full package. In this context, design, service and location go hand in hand. A good hotel sends a clear message, tells a story and creates positive emotions.

Which role does interior design play in this context?

To me personally, interior design must be an emotional response to guests‘ demands. They must feel at home in the hotel and be able to experience a certain lifestyle. In this process, local references are gaining significance as this is a way of setting yourself apart from other hotels. An important reason why many people travel is because they want to discover other cultures and places.

Do you have a good example of how to bring a location‘s flair into the hotel?

The Andaz Vienna Am Belvedere – a five-star lifestyle brand by Hyatt, where local elements are in the focus – it‘s situated close to Vienna‘s main station. The hotel offers views of Belvedere Palace and the city center. “21er-Haus“, a museum for contemporary art, is just next door to the hotel in a former Expo pavilion dating back to the 1950s that was designed by Karl Schwanzer. There is not that much else there as the entire area consists of new buildings, which was a real challenge for us.

Whenever we develop a story for a hotel, we are keen to find out what the immediate environment looks like. In this case, it seemed obvious to put the palace and Prince Eugene, one of the more prominent figures in Austrian history, in the limelight. We adopted all these local themes in the hotel and integrated them as part of a historic time line. However, considering a baroque prince is far from contemporary, we focused on what fascinates us about the historic figure to this day.

As Prince Eugene was an art collector, patron and European, we chose a new host for the hotel: A Viennese cosmopolitan. Enter the building and you will get the impression of having stepped into the living quarters of Prince Eugene‘s imaginary successor.

This is the guiding theme that is prominent throughout the entire interior.

Do you have design-related specifications whenever you approach such a complex hotel project?

Sticking with the examples at Hyatt and Andaz, I can report that design-related specifications are minimal. There are so-called hard brands and soft brands. Hyatt Andaz is a super soft brand. This means that each hotel must look different and feature local elements. There is always a story to tell, a strong relation to local factors.

Can corporate architecture be applied to hotels?

Corporate architecture as a term doesn‘t do the hotel industry justice because hotels rely too heavily on their own character. It‘s a totally separate cosmos with many different sub-groups. Looking at major hotel groups, such as Hyatt, Marriott or Hilton, most are household names as a result of one of their brands. However, nowadays each of these groups boasts an ample brand portfolio aimed at different target groups. For architects and interior designers this means that in addition to traditional, heavily standardized brands there is a multitude of brands with reputations based on very individual interior design.

Does a hotel have to look good on Instagram?

Instagram is an important trend and no doubt, a symbol of current times. However, when I design hotels, I look less towards staging myself, I aim to create a sound overall image that emotionally touches guests. This creates an individual story that guests will tell. I believe that even in times of Instagram, authenticity is highly valued.

How important is design?

There is a general trend towards diversification that also applies to hotels. There are still customers that prefer the core brands of groups including Marriott or Hyatt because they seek a pre-defined product that looks the same wherever you go and maintains standards in terms of temperature, beds and catering.

And then there are customers who seek something individual, creative and typical for where they are right now like what brands including Andaz and Ibis Styles or private hotels like Hotel Schani provide. Absolute basics include a comfortable bed and a large shower, but guests love being surprised by unconventional spatial arrangements and are then also willing to accept a very small room or a completely open bathroom.

Is there a trend that will soon be a part of domestic interior design?

Hundreds (laughs)! By the way, that‘s one of the things I find so fascinating in the hotel industry: Hotels are lifestyle trial objects – for us as designers, but also for guests. For instance, you can try what it feels like to have a free-standing bathtub in the bedroom. Generally speaking, private bathrooms are always areas that are heavily influenced by the hotel industry.

Do you also use your own home as a design test laboratory?

Definitely, I am constantly trying out new things. I am naturally curious, I want to know how things work. For this reason, I love traveling and soak up the inspiration.

What is your favorite hotel to stay in?

That depends heavily on my mood and the reason I am traveling. I very much enjoy staying at Pension Briol in South Tyrol. It‘s situated directly at the side of a mountain, accessible on foot and features fairly simple design. A great place to leave the world behind.


Gabriel Kacerovsky

In 2000, Kacerovsky established his own studio in Vienna after having worked for Viennese architects‘ Coop Himmelb(l)au and Delugan Meissl. Carmen Dumitrescu has been his partner since 2017. Archisphere specializes in interior projects for the hotel industry.


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