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Claesson Koivisto Rune Architects modernisieren Grand Hotel Terminus

Claesson Koivisto Rune Architects modernisieren Grand Hotel Terminus in Bergen/N
Hotelrenovierung mit gekonntem Farbeinsatz

Die Stockholmer Planer Claesson Koivisto Rune Architects setzten beim Grand Hotel Terminus im norwegischen Bergen auf subtile Eingriffe und eine sanfte Hand bei der Renovierung.

Autor Rolf Mauer

Die Geschichte dieses Hotels, dessen „Wiederaufbereitung“ – der Begriff Sanierung hört sich zu unsensibel an – wir vorstellen, reicht folglich weit zurück. In den 92 Jahren, die seit seiner Eröffnung vergangen sind, wurde das Haus zur regionalen Legende und so ist es heute in Bergen und bei Stammgästen als „Grand Old Lady“ bekannt.

Für die Stockholmer Planer Claesson Koivisto Rune Architects war klar: Bei einem Hotel mit einer solch bedeutsamen Historie und mit diesem gewichtigen Status waren subtile Eingriffe und eine sanfte Hand bei der Renovierung erforderlich.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Typisch für norwegische Architektur ist ein leichtes kreidiges Grün. Es wurde zur Leitfarbe für das Grand Hotel Terminus in Bergen. Das Traditionshaus steht gegenüber dem Bahnhof. Foto: © Claesson Koivisto Rune

Behutsame Modernisierung

Es galt, das Beste, vor allem aus den klassizistisch gehaltenen Innenräumen, herauszuholen. Die Modernisierung sollte äußerst behutsam vorgenommen werden, aber den veränderten Zeitläuften Rechnung tragen.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Die Bar will das pulsierende Zentrum des Hotels und der Stadt sein: Das warme Farbschema verweist auf ihr großes Whisky-Angebot. Die Kombination von Möbeln der skandinavischen Moderne wie Finn Juhls ‚Pelikan‘-Stuhl aus dem Jahr 1940 mit zeitgenössischen Entwürfen der Architekten wie der ‚Funghi‘-Puff bringen etwas Informelles in die gediegene historische Atmosphäre. Foto: © Grand Hotel Terminus

Alt und Neu ergänzen sich selbstbewusst

Im Grand Hotel Terminus sollte das Neue das Alte nicht beeinträchtigen, sondern selbstbewusst ergänzen. Die Architekten zeigten sehr viel Respekt vor dem Bestand und bemühten sich um das sorgfältige Herausarbeiten der historischen Details, die als beredte Zeugen des architektonischen und kulturellen Erbes erhalten blieben.

Claesson Koivisto Rune Architects setzten darauf, die bauliche Tradition mit einer behutsam installierten Moderne zu verbinden.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Das Foto auf dem Kaminsims in der Bar erinnert an eine Pressekonferenz in diesem Raum mit dem Polarforscher Roald Amundsen, 1928, der spurlos in der Arktis verschwand. Foto: © Grand Hotel Terminus

Respekt vor der Vergangenheit

Das Äußere des Hauses mit seiner klassischen, streng rhythmisierten, hellgrünen Fassade und den zum Teil grün verglasten Butzenfenstern blieb unverändert, um die historische Bedeutung des Hauses zu unterstreichen. Die Modernisierung der Stockholmer Architekten beschränkt sich auf das Innere des Hauses.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Ein Originaltisch steht als Herzstück in der Bar Amundsen. Darunter liegt ein Teppich nach einem Entwurf von Claesson Koivisto Rune. Foto: © Grand Hotel Terminus

Großzügige Blickbeziehungen

Von der holzvertäfelten Rezeption aus gibt es über zwei große Innenfenster großzügige Blickbeziehungen in die benachbarte Bar Amundsen. Bernsteinfarbene Akzente auf der neuen Einrichtung passen laut den Architekten zum Whisky-Thema der Bar. In dieser Bar verbrachte der berühmte norwegische Entdecker seinen letzten Abend, bevor er bei seiner arktischen Rettungsmission auf tragische Weise verschwand.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Die Bar will das pulsierende Zentrum des Hotels und der Stadt sein: Das warme Farbschema verweist auf ihr großes Whisky-Angebot. Die Kombination von Möbeln der skandinavischen Moderne wie Finn Juhls ‚Pelikan‘-Stuhl aus dem Jahr 1940 mit zeitgenössischen Entwürfen der Architekten wie der ‚Funghi‘-Puff bringen etwas Informelles in die gediegene historische Atmosphäre. Foto: © Grand Hotel Terminus

Vorgehensweise der Architekten

Hinter der Rezeption öffnet sich der geräumige Frühstückssaal mit seinem schachbrettartig gemusterten Steinboden. An den Wänden wurden große, geneigt montierte, rahmenlose Spiegel angebracht. Die Spiegel ermöglichen eine visuelle Kommunikation unter den Hotelgästen, gleichzeitig vergrößern sie den Raum auf klassische Weise.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Der Frühstücksraum ist ein weiteres Beispiel für die Vorgehensweise bei der Renovierung. Geneigte Spiegel vergrößern den Saal auf klassische Weise. Rot-weiße Lüster aus mundgeblasenem Murano-Glas spiegeln sich darin mannigfach und steigern die inszenierte Spannung zwischen Alt und Neu. Auch sie ein Entwurf von Claesson Koivisto Rune. Foto: © Grand Hotel Terminus

Mundgeblasene Leuchten aus Murano

Dieser Saal illustriert besonders gut die Vorgehensweise der Architekten bei der Renovierung. Eine neue, unaufdringliche Farbe an Wänden und Decke hebt die ursprünglichen Holzpaneele hervor. Unverkennbar moderne Hängeleuchten bilden im ganzen Raum einen unaufdringlichen Blickfang und erzeugen eine Spannung zwischen Alt und Neu.

Die mundgeblasenen Leuchten von der venezianischen Insel Murano hängen wie Opale von der Decke und setzen einen passenden Farbakzent.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Auf Schritt und Tritt zeitgenössische norwegische Kunst. Die Architekten haben mit kuratiert. Wandmalerei von Ole Jørgen Ness, im Hintergrund ein Werk von Kjell Erik Killi Olsen. Foto: © Grand Hotel Terminus

Leitsystem von Henrik Nygren Design

Eine einfach gestaltete Nummerierung auf dezenten Schildern leitet die Gäste auf ihre Zimmer, 131 an der Zahl. Das Leitsystem ist Teil der grafischen Identität des Hauses und wurde von Henrik Nygren Design entworfen.

In den Gästezimmern bildet der helle, kreidegrüne Farbton der Wände eine ruhige Kulisse für die ausgewählten Naturtöne bei den Möbeln und den anderen Ausstattungsaccessoires.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Zimmer 210 steht stellvertretend für alle Gästezimmer: Decke, Wand und Boden sind unisono in ein zartes Grün getaucht, der Farbton der Außenfassade wird im Inneren fortgeschrieben. An den Wänden eigens für das Hotel aufgelegte Kunstdrucke von Nathalie du Pasquier. Stilmix, hier eine handgedrehte Nachttischlampe von Nick Hammond, ein roter Deckenfluter ‚ES 57‘ von Egon Eiermann, Sitzmöbel von Claesson Koivisto Rune. Foto: © Grand Hotel Terminus

Sei es ein grüner Polstersessel, ein schiefergraues Sofa, einige kubistisch anmutende Marmorbeistelltische oder erdbraune Teppiche. Die Deckenbeleuchtung ist weich und diffus; handgedrehte Holztischleuchten flankieren das Bett.

Sensible Sinnlichkeit

Eine Vielfalt an sinnlichen Eindrücken vermittelt zwischen den historischen Bezügen. Mit diesen spielend und sie doch zeitgemäß interpretierend herrschen dezente Grüntöne vor. Sie werden bewusst gebrochen von den schwarz-weiß gefliesten Bädern, die einen eindrücklichen grafischen Kontrast bilden.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Hommage an den Art déco. Das schwarz-weiße Mosaik ergießt sich förmlich rundum über alle vier Wände und spiegelt sich zu einem irritierenden Vexierbild. Selbst die schlichte Stockholmer Sanitärkeramik wirkt nobel. Entwurf Claesson Koivisto Rune. Foto: © Grand Hotel Terminus

Werke von Nathalie du Pasquier

Man fühlt sich an eine Filmszene aus Stanley Kubricks „Odyssee im Weltraum“ von 2001 erinnert, in der der Protagonist sich in einer geometrisch komponierten Zimmerflucht mit historischer Möblierung wiederfindet, die auf einem leuchtenden Glasboden steht.

In allen Gästezimmern hängen Werke von Nathalie du Pasquier. Es handelt sich um eine Serie von Drucken, die extra für das Grand Hotel Terminus angefertigt wurde.

Villa Terminus Bergen, Claesson Koivisto Rune
Überraschend ist der Kontrast mit dem auffällig gemusterten Bad, fein die zweifarbig gestrichene Tür. Damit haben die Architekten bewusst einen starken Akzent gesetzt. Foto: © Grand Hotel Terminus

Kunst in allen Ecken

Überhaupt spielt moderne Kunst im Hotel Terminus eine besondere Rolle. Kenntnisreich haben die Architekten für das Hotel Werke zeitgenössischer norwegischer Künstler erworben und diese pointiert gehängt wie eine Wandmalerei von Ole Jørgen Ness und Arbeiten von Kjell Erik Killi Olsen.

Diese Kunstwerke ergänzen die reiche Geschichte der hoteleigenen Sammlung und betonen mit neuen Akzenten eine regionale Verortung.

Meisterhaftes Zusammenspiel

Nach der sensiblen Sanierung durch Claesson Koivisto Rune Architects erlebt der Gast in Bergen ein meisterhaftes Zusammenspiel von alten und neuen Formen, Farben und Materialien. Reisen Sie hin, sobald Sie können.

Geschichtsträchtiger Ort

Wer heute im Grand Hotel Terminus in Bergen absteigt, den hat die norwegische Geschichte gleich fest im Griff: Roald Amundsen, der berühmte norwegische Polarforscher, war im September 1928 der erste Prominente, der das neu eröffnete Luxushotel in der norwegischen Stadt Bergen besuchte.

Leider endete die Unternehmung, die er von hier startete, tragisch. Amundsens Aufenthalt hatte gewichtige Gründe: Er plante 1928 – in Zimmer 510 – die Rettung von Umberto Nobile, der am 25. Mai 1928 auf dem Rückflug vom Nordpol mit seinem Luftschiff abgestürzt war. Von diesem Rettungsflug sollte Amundsen im Juni 1928 nicht mehr zurückkehren. Er blieb verschollen.


Portrait: Knut Koivisto

Die Architekten Mårten Claesson, Eero Koivisto, Ola Rune (v. li.) gründeten ihr Büro Claesson Koivisto Rune Architects im Jahr 1994.

Mitarbeiter: 8

Arbeitsgebiete: Architektur, Innenarchitektur, Produktdesign

Ein Interview mit den Architekten finden Sie hier

www.claessonkoivistorune.se


Factsheet

Projekt: Grand Hotel Terminus

Standort: Bergen/N

Bauherr: De Bergenske

Bauaufgabe: Sanierung

Fertigstellung: 2019

Geschosse: 6

Anzahl Gästezimmer: 131

Nutzfläche: 11 000 m²

Möblierung und Leuchten:

Frühstücksraum: Murano-Glaslüster Entwurf der Architekten
Bar: ‚Pelikan‘-Stuhl von Finn Juhl, 1940; ‚Funghi‘-Puff, Teppich und Sessel Entwürfe der Architekten

Zimmer 210: Nachttischleuchte Entwurf Nick Hammond; Deckenfluter ‚ES 57‘ Entwurf Egon Eiermann; Sitzmöbel und Stockholmer Sanitärkeramik Entwurf der Architekten

Kunst: In allen Gästezimmern Kunstdrucke von Nathalie du Pasquier, exklusive Serie im Auftrag des Hotels; Wandmalerei von Ole Jørgen Ness und Werke anderer zeitgenössischer norwegischer Künstler u. a. von Kjell Erik Killi Olsen

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