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Rampe als Breitwandformat

Serie Raum und Material 26
Rampe als Breitwandformat

Der brasilianische Architekt Marcio Kogan zelebriert umfassende Großzügigkeit. Die Rampe im ‘Ramp House’ erinnert mit Blick- und Wegachsen an spektakuläre Filmsets.

Eine wunderbar sinnliche Verbindung von Raum, Material und Natur lässt Marcio Kogan in seinen Gebäuden entstehen. Der brasilianische Architekt mit Sitz in São Paulo praktiziert dort bereits seit den 1980er-Jahren. Über den klassischen Architekturentwurf hinaus liegt sein Interesse auch auf der filmischen Beschreibung von Architektur: So präsentierte er als Gestalter des brasilianischen Pavillons auf der Architekturbiennale Venedig 2012 Filmsequenzen über die Lebensweisen der Besitzer und ihrer Angestellten in zwei seiner Häuser. Frühere Ausstellungen konzipierte er gar zum außergewöhnlichen Thema “Architektur und Humor”. Seit 2001 führt Kogan sein Architekturstudio unter dem Namen mk27. Es entstanden beeindruckende Entwürfe – meist für Wohnnutzungen, die durchaus an spektakuläre Filmsets denken lassen.
Inszenierte Perspektiven
Neuestes Werk ist das ‘Ramp House’, dessen Name Programm ist. Eine 25,5 m lange interne Promenade – die Rampe – verbindet das Erdgeschoss mit dem ersten Stock. Die Bauherren und jetzigen Bewohner planen, das Haus in der Zukunft als Kulturstiftung zu nutzen. Die Rampe schafft als architektonisches Element räumliche Kontinuität zwischen den Bereichen der Sammlung, die auf beiden Etagen geplant ist und erlaubt – wie im Film – unterschiedliche Perspektiven und Blickwinkel auf die Objekte. Bedeutende Werke afrikanischer Kunst befinden sich schon jetzt auf dem raumgreifenden hölzernen Sideboard im Wohnraum. Sie fügen sich selbstverständlich in das tägliche Leben ein, ohne ein museales Gefühl aufkommen zu lassen. Die Einrichtung ist ein wichtiger Teil der Architektur, die Möblierung besteht aus einer erfrischenden Mischung alter und neuer, lokaler und internationaler Preziosen – unter anderem von Joaquim Tenreiro, Sergio Rodrigues, Vladimir Kagan und George Nakashima.
Das Erleben der in Brasilien allgegenwärtigen Natur beeinflusste stark die Gestaltung. Das Haus kann sich auf voller Länge des ebenerdigen Wohnraums zum Garten öffnen. Die Decke über der Terrasse kragt vier Meter aus und bildet so eine vor Regen und Sonne geschützte Zwischenzone, die als erweitertes Wohnareal dient. Decken- und Bodenmaterial des Innenraums laufen kontinuierlich durch und verschmelzen beide Bereiche zu einer räumlichen Einheit. Im ersten Obergeschoss schützen Faltelemente mit Holzlamellen als Brises Soleil die dahinterliegenden Schlaf- und Bürobereiche vor Sonneneinstrahlung. Die semitransparente Fassadenbekleidung besteht aus 2 cm breiten Teaklamellen, die mit7 mm Abstand zueinander montiert sind. Sie erlauben Verschattung bei gleichzeitiger Belüftung. Wie ein dreidimensionales Band ziehen sich die Holzlamellen der Fassade um und durch das Gebäude und bilden auch die Deckenverkleidung im Erdgeschoss, die nicht nur für natürliche Atmosphäre sorgt, sondern auch die Raumakustik positiv beeinflusst.
Kontrapunktisch
Naturmaterialien und warme Töne prägen die Atmosphäre: Edle tropische Hölzer wie Ipe oder Kumaru sind lokales brasilianisches Baumaterial und kommen als Bodendiele, Wandfurnier- oder Schrankverkleidung zum Einsatz. Diese extrem harten und schweren Holzarten sind als Massivholz selbst für den anspruchsvollsten Einsatz in Nassbereichen, für den Brücken- oder Schiffsbau geeignet. Für den Boden im Erdgeschoss, im Badbereich und in der Dampfsauna wird Naturstein – Travertin – verwendet. Beton und Stahl setzen einen Kontrapunkt zu den warmen Materialien: die Rampe und Außenwände und -mauern sind aus Sichtbeton, die Eingangstüren aus Cortenstahl, die Stahlstützen im Erdgeschoss pulverbeschichtet.
Das gesamte Haus besteht aus einer tragenden Stahlkonstruktion mit Betonwänden. Die 50 cm hohen Stahlträger in der Decke des Erdgeschosses lagern auf einem bis zu 9,70 m weiten Stützenraster und ermöglichen die enorme Auskragung des Baukörpers. Aber auch die Möbel sind zum Teil konstruktive Herausforderungen: Das Sideboard für die Ausstellung spannt ebenfalls über mehr als 9 m frei zwischen zwei der Stahlstützen im Wohnraum.
Das luxuriöse Gebäude verfügt neben den Wohnräumen im Erdgeschoss und den Schlaf- und Arbeitsräumen im1. OG noch über einen Spa- und Fitnessbereich mit umlaufender Terrasse im 2. OG sowie über Garage und Räume für die Angestellten im Untergeschoss. In einer ruhigen Wohngegend von São Paulo gelegen, zelebriert es die Farben, die Natur und die Materialien mit einer räumlichen Großzügigkeit, die sich im Laufe der Zeit und je nach Lebenssituation immer wieder neu bespielen lässt. Der filmisch inszenierende Blick des Architekten ist im ganzen Haus spürbar, die Betonung der Horizontale lässt an ein räumliches Breitwandformat denken. Das tägliche Leben spielt dabei stets die Hauptrolle.
Autorin: Christiane Sauer
Pläne: Studio mk27
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