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Umbau einer Scheune in Oxfordshire/UK

Lichte Symmetrie

Stephen Marshall Architects, London/UK, www.marshallarchitects.com
Fotos: Richard Bryant, Arcaid, Kingston upon Thames, Surrey/UK, www.arcaid.co.uk
Wer in England nach moderner Architektur sucht, tut sich schwer. Vor allem auf dem Land herrschen restriktive Bauvorschriften, die den historischen Bestand der Städte, Dörfer und Landsitze schützen. Meist werden Architekten mit Aus- und Umbauten betraut.
Es lohnt sich also, hinter die Mauern zu schauen. Beispielsweise hinter die der Westwell Manor Farm in der Grafschaft Oxfordshire, wo eine traditionelle Scheune samt kleinem Nebengebäude in ein lichtdurchflutetes Wohnhaus verwandelt wurde. Das Ensemble ist aus dem heimischen Kalkstein der Cotswolds gebaut – Zeichen relativen Wohlstands von alters her. Im Mittelalter profitierte das hügelige Gebiet vom Wollhandel. Heute prosperiert die Region von wohlhabenden Londonern, die ihren Erst- oder Zweitwohnsitz in den so genannten Home Counties, den Grafschaften im Einzugsbereich der Metropole haben, oder sich dort zur Ruhe setzen. Kein Wunder, dass steigende Immobilienpreise kreative Lösungen im Bestand befördern.
Der Bauherr ließ die L-förmige Scheune als Wohnhaus und das Nebengebäude für seine physiotherapeutische Praxis ausbauen. Die Vorgabe an den Architekten war ambitioniert: die Doppelgeschossigkeit des Hauptgebäudes im Kern zu erhalten und zugleich eine maximale Anzahl von Schlafräumen zu schaffen. Stephen Marshall Architects lösten die Aufgabe auf ungewöhnliche Weise. Das “Hauptschiff” wird mittig über einen kleinen Vorbau auf der Längsseite betreten. Der erste Eindruck ist beinahe sakral – nicht nur weil die originale Raumhöhe überrascht, sondern weil von der zentralen “Halle” rechts und links “Emporen” herabschauen.
Darunter Küche und Essplatz links und Wohnen rechts. Ein raffinierter Kunstgriff, denn erst die unabhängigen Zwischengeschosse mit ihren separaten Aufgängen ermöglichen es, die ursprüngliche Scheunenhöhe an prominenter Stelle beibehalten zu können. Eine Verbindung schaffen die nahezu raumhohen Fensterflügel: zwei mal vierfach schwingen sie über der Halle auf. So sieht man einander, hört einander, weiß um einander.
Die Medien bleiben eher außen vor: Sie finden ihren Platz im kleinen pultbedachten Vorbau an der Stirnseite der Scheune, der auf das tieferliegende Niveau der Scheune abgetragen werden musste, um die nötige Raumhöhe zu erhalten. Treppen und mit Edelstahlbändern terrassierte Pflanzstreifen gleichen das Gefälle aus, das nun zwischen Praxis und Wohnhaus entstanden ist. Von der Integration alternativer Energien (Erdwärme, Solarpaneele) bis zur Gartengestaltung reicht das Konzept. Tradition und moderne Architektur gehen hier eine beispielhafte Symbiose ein. So viel Licht ist selten.
Autorin Susanne Tamborini

LIGHT AND SYMMETRY
Barn conversion in Oxfordshire, United Kingdom
It’s not easy to find modern architecture in England, particularly in rural areas, where restrictive building regulations are intended to protect the heritage of the towns, villages and country houses. Most of the work commissioned from architects is for extensions and conversions. A look behind the scenes can therefore pay off. For instance, within the walls of Westwell Manor Farm in the county of Oxfordshire, where a traditional barn and a small adjoining building have been transformed into a house flooded with light.
The buildings are in local Cotswold stone, for centuries a sign of relative prosperity. In the Middle Ages, this hilly area thrived by trading in wool. Today the region benefits from wealthy Londoners who have their main or second homes in one of the Home Counties, that is to say within the capital’s catchment area, or have retired there. Not surprisingly, soaring property prices have encouraged creative solutions for existing buildings. The client has redeveloped the L-shaped barn as a house, with the adjacent building for his physiotherapy consultancy. Architect Stephen Marshall was given an ambitious list of requirements: to retain two storeys at the core of the main building, but also to provide as many bedrooms as possible.
He solved the problem in an unusual way: the main ‘nave’ is entered through a small projecting structure on the longer frontage. The impression almost justifies the use of this term associated with churches, not only because of the surprise created by retention of the original interior height but also because there are galleries looking down from the left and right of the main hall. Under the left one are the kitchen and dining area, with the living room on the right. An ingenious solution, since only the independent mezzanine floors with their separate access stairs make it possible to retain the barn’s original height at this prominent point. A link is provided by four pairs of windows of almost room height above the main hall. One can see, hear and be aware of one another. The media are relegated to the small shed-roof projection at the end of the barn, which had to be lowered to the latter’s lower level in order to obtain the necessary headroom. Stairs and narrow plant borders terraced with stainless steel strip compensate for the resulting drop in level between the consultancy and the house.
The overall concept encompassed integrated alternative energies (geothermal energy, solar panels) and garden landscaping as well. The outcome is an exemplary symbiosis of traditional and modern architecture. So much light is a rare thing.
author Susanne Tamborini
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