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Rollmann Architekten sanieren eigenen Umbau aus den 1980er Jahren

Renovierung eines Umbaus von Rollmann Architekten
Würdevoll altern

Nicht älter als zwei Jahre sollten Projekte normalerweise sein, die die md zeigt. Das galt bereits 1988, als in der August-Ausgabe der Hausumbau von Hans Rollmann Architekten für einen Single vorgestellt wurde. 34 Jahre später waren wir vor Ort.

Autorin Katharina Feuer

„Ihr zeigt immer neue, moderne Projekte, die gerade erst fertiggestellt worden sind. Spannend wäre es doch zu sehen, wie Projekte nach zwei oder drei Jahrzehnten funktionieren“, war eine der Anregungen in der letzten md-Beiratssitzung: Die Idee zur Bestandsaufnahme war geboren.

Als ob Daniela Sachs-Rollmann diesen Kommentar gehört hätte, nahm sie fast zeitgleich Kontakt zur md auf. Die Innenarchitektin und Architektin wirkte Mitte der 1980er-Jahre – als eines ihrer ersten Projekte nach dem Studium – an dem Umbau eines Jagdhauses mit. Ihr Mann, der Architekt Hans Rollmann, hatte den Auftrag von Helmut Omlor erhalten, das Haus aus den 1950er-Jahren zu hellen, lichtdurchfluteten und großzügigen Räumen umzubauen.

Minimale Materialauswahl

Das Ergebnis hatte wenig mit dem Ursprungsbau gemein. Aus einer L-Form wurde eine U-Form. Lediglich der Sockel und die Grundmauern bis zum ersten Stock blieben erhalten. Ansonsten erweiterte und ergänzte Hans Rollmann die Fensteröffnungen, fügte einen zweistöckigen Wintergarten hinzu und reduzierte die Materialauswahl auf ein Minimum.

Hans Rollmann erinnert sich: „Der Grundgedanke war, ein offenes Haus zu schaffen. Helmut Omlor wünschte sich freie, lichtdurchflutete Räume. Die Materialität hat sich ergeben, weil ich gern mit der Zahl Drei oder Fünf arbeite. Es kommen nie mehr als drei, maximal fünf Elemente zum Einsatz. So auch bei diesem Projekt: das Mauerwerk oder der Putz aus dem Bestand, Stahl, Glas, Marmor und Holz.“

Raum für Kunst

Helmut Omlor ist noch heute mit dem Ergebnis zufrieden und gibt unumwunden zu: „Ich würde es wieder so bauen!“ Ein Lob und eine Genugtuung für den Architekten.

Der Umbau bedeutete damals auch eine leise Rebellion des Bauherrn gegenüber seinem Elternhaus. „Ich komme aus einer bürgerlichen Familie. Bei uns zu Hause hatte man an den Fenstern Gardinen und Übergardinen. Ich habe das eigentlich immer schon als lästig empfunden. Dennoch habe ich gedacht, dass ich den verkehrten Geschmack hätte.“ Gardinen sucht man vergebens. Stattdessen: viel Licht, viel Weiß, viel Luft und freier Raum. Raum auch für Kunst. Fast könnte man in diesem Umfeld vergessen, dass man in einem Wohnhaus steht und nicht in einer Kunstgalerie. Überall fangen abstrakte Arbeiten das Auge und stehen Skulpturen.

Denn der Bauunternehmer sammelt seit seiner Jugend konkrete Kunst. „Als das Haus umgebaut wurde, war die Sammlung noch im Entstehen. Konkrete Kunst ist eine spezielle Richtung, die mir imponiert. So kam ein Werk zum anderen. Allerdings habe ich mich nie als Sammler gefühlt. […] Es ist ein bisschen was zusammengekommen“, gibt Helmut Omlor unumwunden zu.

Anfang Mai 2022 sitzen der Bauherr und der mittlerweile 87-jährige Architekt vor dem Wohnhaus. Es steht in Waldnähe auf einem großzügigen Anwesen, das einem Park gleicht. Auch hier akzentuieren Skulpturen den Park. Omlor war Single, als er das Haus planen ließ. Mittlerweile lebt er mit seiner Frau Doris, zwei Kindern, drei Hunden und der bemerkenswerten Sammlung zusammen.

Anforderungen wandeln sich

Die Anforderungen an die Räumlichkeiten haben sich also mit der Zeit gewandelt. 2009 wurde die Küche zum Essbereich geöffnet. „Bei uns sind immer viele Freunde und Familienmitglieder im Haus. Es ist einfach schöner zusammen zu sein, wenn man kocht“, erklärt die Hausherrin den Schritt, die Wand zu öffnen und eine Theke zu installieren. Jetzt ist die Küche der Mittelpunkt im Erdgeschoss.

2013 folgte ein weiterer Umbau: Eine Ankleide musste zugunsten eines Kinderzimmers weichen, Böden wurden ausgetauscht, im Kinderzimmerbad wurden Armaturen ausgewechselt und im Außenbereich ein Pool ergänzt sowie die Terrasse erneuert. Doris Omlor, die selbst Architektin ist, war es wichtig, die Materialien zu erhalten, da „sie nach wie vor sehr modern sind“. Sie ist überzeugt: „Wenn man unser Haus sieht, mag man im ersten Moment nicht glauben, dass es 1984 entworfen wurde. Bei der Sanierung sind dennoch immer auch moderne Aspekte eingeflossen. Aber nur schonend, da wir das Werk des Architekten sachte sanieren wollten.“

Dem Stil treu geblieben

Das Projekt wurde 1988 in der md erstmals veröffentlicht, zwei Jahre nach seiner Fertigstellung. „Dieses Haus war die Initialzündung dafür, dass unser Büro ein gewisses Renommee erhalten hat. Viele Projekte folgten darauf. Der Bauherr hat damals den Entwurf voll unterstützt und ist mitgegangen. Im Gegenteil, er sprach mich an, mutiger zu sein!“, erinnert sich Daniela Sachs-Rollmann.

Das Büro Rollmann sei seinem Stil treu geblieben, betont die Innenarchitektin, die zusätzlich den bdia-Vorsitz Rheinland-Pfalz/Saarland innehat. „In unserem Büro hat sich stilistisch wenig verändert. Mein Mann und ich sind beide Bauhaus-Fans. Wir lieben die klare Architektur von Richard Meyer. Weiß ist nach wie vor die Grundfarbe, die wir vorwiegend verwenden.“

Nachhaltigkeit spielt in diesem besonderen Gebäude auch eine Rolle. Angefangen über den Fakt, dass das ursprüngliche Jagdhaus nicht abgerissen wurde, sondern auf den vorhandenen Mauern Neues entstand, über einen weiteren, wichtigen Aspekt, den Doris Omlor erklärt: „Für uns ist es kein Thema, dass man Möbel kauft und sie zwei Jahre später wegwirft. Daher haben wir uns entschieden, das Sofa neu mit einem leuchtenden Textil in Blau zu beziehen. […] Denn die Form der ‚Maralunga‘ von Cassina gefiel uns nach wie vor.“ Auch der den Innenraum dominierende Carrara-Marmor scheint für die Ewigkeit zu sein.

Bedeutung des Innenraums

Als wir die Bauherren, den Architekten und die Innenarchitektin vor Ort besuchten, herrschte eine gelöste, offene Atmosphäre.

Der Rundgang durch das Haus offenbarte viele innenräumliche Qualitäten. Daniela Sachs-Rollmann würde das wohl so begründen: „Auf jeden Fall sind Innenarchitekten den Architekten beim Thema Bauen im Bestand voraus. Wir planen das Gebäude von innen heraus, den Bedürfnissen des Nutzers entsprechend. Wenn man bedenkt, dass man sich 90 bis 95 % seines Lebens innerhalb von Räumen aufhält, sieht man auch, wie wichtig es ist, dass die Qualität der Innenräume gut ist. Das Studium der Innenarchitektur ist dafür perfekt geeignet.“

Fragt man die Bauherren nach ihrem Lieblingsplatz im Haus, geben beide unabhängig voneinander die gleiche Antwort: der Wintergarten. „Selbst nach knapp 40 Jahren habe ich Momente, in denen ich das Haus für mich neu entdecke“, zeigt sich Helmut Omlor in diesem Kontext begeistert.

Doris Omlor, die die jüngsten Umbauarbeiten federführend verantwortete, bringt es auf den Punkt: „Es ist ein Privileg, auf so eine schöne Substanz aufbauen zu können.“


Fakten

Projekt: Haus Omlor

Standort: Homburg, Deutschland

Fertigstellung: 1986

Umbau und Sanierung: 2009, 2013

Bauherren: Helmut und Doris Omlor

Architektur und Innenarchitektur: Rollmann Architekten, Webseite des Büros, Hans Rollmann, Daniela Sachs-Rollmann, Doris Omlor

Ausstattung: Armaturen von Duravit, Sofa von Cassina, Stühle von Vitra


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Gruppenbild der Architekten und der Bauherren (v.l.n.r.): Daniela Rollmann, Hans Rollmann, Doris Omlor und Helmut Omlor. Foto: Zooey Braun

Daniela und Hans Rollmann

Innenarchitektin Daniela Rollmann (Jg. 1957) ist bdia-Vorsitzende Rheinland-Pfalz/Saarland. Der Architekt und Innenarchitekt Hans Rollmann (Jg. 1935) gründete sein Büro Rollmann Architekten 1974 in Homburg.

Fotos: Zooey Braun, Webseite des Fotografen

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