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Armin Sader von Asaggio Architekten baut minimalistisch

Neubau von Asaggio in Brixen/IT
Maximal minimal

In einer schmalen Baulücke ist in Südtirol Wohnraum für fünf Parteien entstanden. Neben dem gegebenen räumlichen Limit hat sich Architekt Armin Sader zugunsten der puren Schlichtheit auch für eine Beschränkung bei der Materialwahl entschieden.

Autorin Ute Laatz

Das alte Haus in der Trattengasse war nicht mehr zu retten. Zu mürbe die Bausubstanz des zwischen zwei anderen Häusern eingepferchten, hundert Jahre alten Wohngebäudes. Aber guter, zentral gelegener Platz ist rar in der Südtiroler Bischofsstadt.

Einer der ehemaligen Bewohner entschied sich daher für den Kauf der Bauruine. Ein Glück, dass sein Bruder Architekt ist und die beiden bereits gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit machen konnten. „Ich hatte schon für Markus sein Büro geplant“, berichtet Armin Sader, Inhaber des örtlichen Architekturbüros Asaggio.

Herausforderung Altstadt

Das Grundstück ist mit 4,60 m zwar äußerst schmal, aber die Ausrichtung perfekt. Vorn zur pittoresken Gasse landet man mit dem Austritt aus der Tür direkt im Stadtgetümmel, den immer belebten Domvorplatz in fußläufiger Nähe. Nach hinten raus liegt ein beschaulicher Innenhof. Aus bodentiefen Fenstern hat man einen atemberaubenden Ausblick in die alpine Berglandschaft Norditaliens.

Zurück zum Ausgangspunkt: Erst einmal musste abgerissen und neu gebaut werden. Die Unterkellerung – die es vorher nicht gab – machte die Ausschachtung der Fläche nötig, was angesichts der umgebenden Gebäude eine erste große Herausforderung darstellte. Für die neue Immobilie hat sich Armin Sader vom Altbau inspirieren lassen und auch wieder ein kleines Ladenlokal im Erdgeschoss zur Straßenseite eingeplant.

In der Trattengasse sind traditionell Handwerksbetriebe angesiedelt und der Architekt fand es wichtig und richtig für die Infrastruktur, dass diese Anmutung erhalten blieb.

Basis für alle Oberflächen

Darüber hinaus beherbergt der Neubau heute kleine Wohnungen von jeweils etwa 35 m² für alle vier Kinder des Bauherrn sowie sein eigenes Penthouse auf den zwei oberen Etagen mit insgesamt rund 150 m².

„Mein Bruder ist ein wahrer Extremist in Sachen Minimalismus. Für ihn muss alles klar und geordnet sein. Das kam mir bei meinem Konzept sehr entgegen. Wir hatten gemeinsam nur einen einzigen Termin zur Bemusterung, ansonsten wusste er nicht, was er bekommt. Aber das Vertrauen war da und ich wollte etwas Besonderes kreieren“, berichtet Armin Sader von Assagio über seinen Plan, Material auf eine Art zu verwenden, wie es so noch nicht verarbeitet wurde.

Dazu holte er sich die Experten der Firma Moling aus der Region Bozen dazu. Gemeinsam experimentierten sie mit einer natürlichen Spachtelmasse aus Lehm und Kalk, um unterschiedliche Strukturen auf gleicher Basis für Böden, Wände, Treppenstufen und sogar die Außenbereiche auf den Balkonen zu erhalten. Durch die verschiedenen Auftragsmethoden haben sich schließlich die gewünschten Effekte erzielen lassen. Für die Wände wird das Material über einen speziellen Akustikputz gespachtelt.

Geschliffen entsteht ein glänzender Bodenbelag, der sich als extrem robust erweist. Und mit dem Schwamm gewaschen tritt im Außenbereich die gekörnte Textur zutage.

Monochrome Einheitlichkeit

„Mir schwebte eine absolut monochrome Einheitlichkeit vor. Dazu lieferte das Oberflächenkonzept schon mal eine gute Basis. Ein einziger Leuchtentyp in Kugelform fürs gesamte Haus, wie er schon vorher im alten Haus Verwendung fand, sowie die Reduzierung auf nur eine Holzsorte, nämlich Nussbaum, führen das Prinzip der totalen Gleichförmigkeit fort“, erläutert Armin Sader.

Die Temperierung der Räume erfolgt über die Betondecke, in die entsprechende Leitungen schon beim Einbau integriert wurden. Für ihn ist das die angenehmste Variante einer Klimaanlage. Die reine Masse des Betons trägt zur Effizienz bei. Es entsteht keine Zugluft wie bei herkömmlichen Anlagen. Insgesamt hat der Umbau von der Planung bis zum Einzug etwa eineinhalb Jahre gedauert. Und worauf ist der Architekt besonders stolz? „Ich mag besonders die Fenster, deren schmale Aluprofile sich praktisch unsichtbar machen. Man sieht fast nur Glas. In der Küche unterm Giebel sorgt ein Dachfenster für Lichteinfall, was dem 24 m langen, ungeteilten Raum eine noch großzügigere Wirkung verleiht“, findet der Architekt in absoluter Übereinstimmung mit seinem Bruder und Bauherrn.

Klarheit in der Struktur

Auch die Küche, in Zusammenarbeit mit einem örtlichen Steinmetz realisiert, ist genau wie das aus einzelnen Polsterwürfeln maßgefertigte, riesige Sofa buchstäblich wie gemacht für das Objekt sowie die Ansprüche des Hausherrn. Dass aber die Ausstattung nicht allein geschmäcklerisch ist und auf die Obsession des Bewohners im Dachgeschoss nach Klarheit und Struktur einzahlt, beweisen die anderen vier Wohnungen im Haus.

Gleich ausgestattet und aufs Wesentliche reduziert hat sich nach dem Einzug der jungen Erwachsenen auch dort kaum etwas geändert. „Es scheint, als würden sich die Menschen der Architektur anpassen. Meine Neffen genießen die klare Basis genau wie ihr Vater und haben scheinbar kein Bedürfnis, mit Wandschmuck, vielen Möbeln oder etwa anderer Beleuchtung in das Interieurkonzept einzugreifen. Dieses Haus heilt augenscheinlich den Hang zur Unordnung“, zieht Armin Sader sein ganz persönliches Fazit über seine Arbeit.


Asaggio

Armin Sader lernte seinen Büropartner Gian Marco Giovanoli während des Studiums in Innsbruck und Florenz kennen. 2012 gründeten sie ihr Architekturbüro Asaggio.


Fakten

Projekt: TG15 – Wohnhaus in Brixen

Standort: Brixen, Südtirol, Italien

Fertigstellung: Dezember 2019

Bauherr: privat

Architekt: Asaggio GmbH, Webseite des Büros

Gesamtfläche: 320 m²

Wohnfläche: 277 m²

Produkte/Hersteller: Wand- und Bodendesign (Spachtelung): Moling Srl; Raumtüren: Prader Türen; Raumleuchten: Lichtstudio Eisenkeil; Einrichtung: Frener Design; Bad, Sanitär & Armaturen: Sanikal Bath & Technology/Gessi

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