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Umbau des Ateliers Daan Wildschut

Gästehaus in Bunde/Niederlande
Respektvoll im Umgang

Mit sorgfältigen Eingriffen haben die Architekten von De Nieuwe Context ein ehemaliges Künstleratelier in ein Gästehaus umgebaut. Licht und Farbe, wichtige Elemente im Werk des Malers Daan Wildschut, liefern die Inspiration für den Entwurf.

Autor Rolf Mauer

Daan Wildschut, der eigentlich Daniël Petrus mit Vornamen hieß, hinterließ ziemlich heruntergekommene Atelierräume mit schweren baulichen Mängeln. In den vorhandenen Räumlichkeiten wurde das Dachvolumen nicht genutzt und war verkleidet.

Nur so ließ sich in der Vergangenheit der sehr einfach gebaute Raum beheizen. Der Dachstuhl stellte sich in Teilen als vom Holzwurm befallen heraus und die Konstruktion der Zwischendecke aus Eiche war so schwerwiegend beschädigt, dass sie ersetzt werden musste.

Zusätzlich war eine Dachpfette in Höhe des Oberlichtes abgesackt, sodass über längere Zeit Regenwasser in das Gebäude eindringen konnte.

Der alte Fußboden musste ebenfalls herausgenommen werden. Anfangs vermuteten die Planer, dass aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Fundament für die entdeckten Schäden verantwortlich war, beim Aushub stellte man jedoch fest, dass die vorhandene Fußbodenheizung leckte.

Quer- und Längsschnitt
Plan: De Nieuwe Context

Die in Renovierungen sehr erfahrenen Architekten Roel Slabbers und Joey Rademakers entkernten den kleinen Bau, konstruierten einen neuen Fußboden, zogen eine Zwischendecke aus laminierter Fichte ein und ersetzten alte, zerstörte und vom Holzwurm befallene Balken und schufen so ein Gästehaus.

Respektvolle Haltung

Auch die bestehenden schräg verbauten Atelierfenster mussten komplett ausgetauscht werden. Grazile neue Rahmen sorgen nun für einen ungehinderten Blick in die Wipfel des alten Baumbestandes.

Den vorhandenen Putz schlug man mühsam von den Wänden, um diese dann mit einer Innendämmung aus Holzfaserdämmplatten zu verkleiden. Der Boden wurde mit Schaumglas isoliert, um darauf eine Fußbodenheizung einzubauen. Zusätzlich wurde an ausgewählten Stellen eine Wandheizung installiert. Diese neue Innenverkleidung erhielt einen Lehmputz an allen Decken- und Wandflächen.

Das Atelier von Daan Widschut

Für den neuen räumlichen Eindruck im Gästehaus ist eine respektvolle Haltung der Architekten zum Werk von Daan Wildschut verantwortlich.

Wildschut arbeitete als einer von wenigen mit dem zerbrechlichen Material Glas.

Die Kunst der Glasmalerei ist zwar Jahrhunderte alt, jedoch blieb sie bis in das 20. Jahrhundert hinein die Aufgabe von anonymen Handwerkern. Erst im 20. Jahrhundert übernahmen namhafte Künstler wie Wildschut die Modernisierung des alten Handwerks.

Die Wirkung der Glasmalerei entsteht durch das durchscheinende Licht. Keine andere Art der Malerei kann eine so hohe Farbleuchtkraft und derart große Helligkeitsunterschiede darstellen wie ein Glasbild.

Die Architekten Roel Slabbers und Joey Rademakers fühlten sich durch Wildschuts Werk inspiriert, in ihrer neuen Architektur mit Licht zu „malen“ und das bislang ungenutzt gebliebene Raumvolumen des alten Ateliers für ihr Werk umfänglich zu nutzen.

Atelier Daan Wildschut g
 Foto: Blickfänger

Nutzer und Gebäude

Zusammen mit der Entkernung und thermischen Ertüchtigung von Boden, Wand und Dach ersetzten die Architekten die bestehende Zwischendecke durch eine neue Konstruktion und zogen damit eine weitere Wohnebene in die Atelierräume ein. Das neue zweigeschossige Volumen wurde unverstellt gelassen, um die innenräumliche Qualität ungestört darzustellen.

Gästeappartement
Foto: Blickfänger

„Wir bearbeiteten jedes Projekt aus seinem eigenen Kontext heraus. Ein echtes Wohnumfeld entsteht durch die Verflechtung von Raum und Nutzer. Form und Funktion wirken zusammen und stellen eine Harmonie zwischen Mensch und Gebäude her.

Die Vorlieben und Erwartungen der Bewohner bzw. Nutzer müssen sich in den architektonischen Elementen widerspiegeln“, so beschreiben die Planer ihre Gestaltungsphilosophie.

Gästeappartement
Foto: Blickfänger

Komfortables Gästehaus

Über die großflächige Fensteröffnung in der Außenwand zum Garten und das Atelier-Oberlicht wird die neue Gästewohnung sehr großzügig belichtet. Die zum Wohnen notwendigen Schränke wurden skulptural und farbig hervorgehoben und damit zugleich ihr eigentlich banaler, praktischer Zweck versteckt.

Die Architekten verzichteten auf Trennwände, stattdessen zonieren unterschiedliche Nutzungen den Innenraum. Parallel zu einer kleinen fünfstufigen Eingangstreppe wird der Raum von einer besonderen Konstruktion vertikal erschlossen.

Gästehaus
Foto: Blickfänger

Die neue Treppe integriert eine Küchenzeile, Wandschränke und Abstellraum. Auf Griffe an den Schranktüren verzichten die Architekten; gestalterisch ist das zu begrüßen.

Die Treppenstufen werden wirkungsvoll an der Schrankoberseite gespiegelt und gehen nahtlos in die Brüstung der Zwischendecke mit dem neuen Schlafbereich über.

Dort rhythmisieren Fichtenbalken die Brüstung und fassen diese – wie Glasstege die bemalten Glasbutzen historischer Glasmalereien einrahmen. Weil die Planer konsequent auf ökologische Baustoffe zurückgreifen, ist auch das kräftige Grün von Küchenmöbel und Brüstung mit einer umweltschonenden Lackierung überzogen.

Es überrascht, wie grazil die eigentlich groß dimensionierten Deckenbalken, kräftigen Wandscheiben und intensiven Farben den Innenraum füllen.

Zur Frage der Möblierung

Dass ausgerechnet einem Küchenmöbel und Gebrauchsgegenstand so viel Raum und Wirkung eingeräumt wird, ist mutig. Davon, dass diese Idee innenarchitektonisch tatsächlich funktioniert, kann man sich auf unseren Bildern überzeugen.

Die spärliche Möblierung sowie der aufgeräumte Eindruck sind dem Umstand geschuldet, dass es sich um ein nur zeitbefristet bewohntes Gästeappartement handelt.

Die wenigen Möbel dürften dennoch eigenständiger und mit deutlicheren und selbstbewussteren Akzenten ausgewählt sein. Der Raum würde es sicher vertragen!

Ein Interview mit den Architekten finden Sie hier


Roel Slabbers (li.) und Joey Rademakers

verstehen ihr Büro De Nieuwe Context als Forschungs- und Designagentur, die sich auf Wohnungsbau spezialisiert hat. Sie nähern sich jedem Auftrag aus seinem eigenen Kontext heraus an. Die Bewohner und der Ort sind Ausgangspunkt der Planung.


Fakten

Projekt: Ehemaliges Atelier von Daan Wildschut

Standort: Bunde, Niederlande

Bauherr: Privat

Bauaufgabe: Gästehaus

Fertigstellung: November 2020

Architekt: Roel Slabbers

Büro: De Nieuwe Context

www.denieuwecontext.nl
Geschossfläche: ca. 90 m²

Etagen: 2

Materialien: Claytec-Putz, Sikkens-Farbe, Gutex Holzfaserdämmung, Fenster, Fassaden und Oberflächen sind Sonderanfertigungen von Laugs Bouwmeester

Einrichtung: Flos Beleuchtung, Franke Küchenspüle, Grohe/Quooker Küchenarmatur, Whirlpool Küchenelemente: Geschirrspüler, Kühlschrank, Kombi-Mikrowelle, Umluft-Dunstabzugshaube und Induktionsplatte.

Möbel: Vintagedesign von www.bestwelhip.nl

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