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Lichtkonzeption im Nationalmuseum Katar

Desert Rose – Licht und Wasser in der Wüste

Im Inneren des Nationalmuseums Katar, das seinen Spitznamen Desert Rose bereits erhalten hat, kann man die Entwicklung der katarischen Halbinsel bis zur Gegenwart nachvollziehen. Die kontrastreiche Lichtkonzeption der Ausstellung stammt aus der Feder des deutschen Büros von Andreas Schulz, Licht Kunst Licht.

Nach mehr als zehn Jahren der Planung und Bautätigkeit eröffnete im Frühjahr der Neubau des Nationalmuseums von Katar, das sich mit seiner außergewöhnlichen Architektur schon jetzt ins Gedächtnis designaffiner Betrachter geschlichen hat. Pritzker-Preisträger Jean Nouvel ließ sich bei seinem Entwurf von einer Sandrose inspirieren.

Desert Rose – Inspiration aus der Natur

Die Architektur des neuen Gebäudeensembles spiegelt die tiefe Verbindung der einst nomadischen Bevölkerung Katars mit der Wüste wider: Sie ist einer Sandrose nachempfunden, einem bizarren Gebilde, das meist aus Sandkörnern besteht, die in einen Kristall aus Gips oder Baryt eingebettet sind. Große, bauchige Scheiben, Überschneidungen und Auskragungen charakterisieren den Bau.

Desert Rose
Die Architektur des Nationalmuseums von Katar ist einer Sandrose nachempfunden, einem bizarren Gebilde, das meist aus Sandkörnern besteht. Foto: Danica O. Kus

Am meisten irritiert das großzügig angelegte Wasserbecken vor dem neuen Nationalmuseum Katars. In der Wüste!

In seinem Inneren befinden sich unterschiedliche Raumtypologien. Kleine Kabinette, die die Intimität der Nomadenzelte beschwören sowie kathedralenhaft nach oben strebende Räume, die die Weite des Himmelszelts zitieren. Das Tageslicht fließt wohldosiert durch Fugen, Öffnungen und Zwickel in das Gebäude – denn wegen konservatorischer Vorgaben galt es, das kraftvolle, harte Sonnenlicht der Region zu zügeln. So enthüllt das einfallende natürliche Licht zwar die Formgebung vieler Räume, hält aber meist respektvollen Abstand zu den Exponaten.

Desert Rose
Heimische Tiere erhalten hier eine eigene Plattform. Foto: Danica O. Kus

Lichtkonzeption von Licht Kunst Licht

Die Ausstellung führt den Besucher über einen 2,7 Kilometer langen Parcours, der bei der geologischen Entstehung der katarischen Halbinsel einsetzt und bis in die Gegenwart führt. Dabei werden alle Wissensgebiete aus Natur und Gesellschaft berücksichtigt.

Die rasante Entwicklung des Landes von einem losen Verbund nomadischer Stämme und Perlentaucher hin zur technologieaffinen und wohlhabenden Gesellschaft der Gegenwart wird anhand verschiedenster Exponate und mit zahlreichen Videoprojektionen bzw. auf Displays eindrucksvoll illustriert. Dabei werden archäologische Funde und Kunsthandwerk ebenso in den Fokus gerückt, wie jüngste wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Zugleich finden Auftragsarbeiten namhafter lokaler und internationaler Künstler dort ihren Ort.

Desert Rose
Die Ausstellung führt den Besucher über einen 2,7 Kilometer langen Parcours, der bei der geologischen Entstehung der katarischen Halbinsel einsetzt und bis in die Gegenwart führt. Foto: Danica O. Kus

Die Lichtkonzeption musste den Präsentationsformen Rechnung tragen, was schon früh zu der Idee von zwei Lichtlayern führte. Umgesetzt wurde sie mit gut entblendeten, justierbaren Leuchten in den Deckenpaketen und mit in Vitrinen integrierten, weitgehend unsichtbaren Miniaturleuchten.

Licht nach Maß aus der Decke

Im gesamten Museum werden 3 000 K Farbtemperatur verwendet. In Verbindung mit dem stark zonierten Licht und den eher niedrigen Beleuchtungsstärken entsteht so bisweilen der Lichteindruck eines nächtlichen Lagerfeuers.

Desert Rose
Mit zahlreichen Videoprojektionen bzw. auf Displays wird die rasante Entwicklung des Landes eindrucksvoll illustriert. Foto: Danica O. Kus

Die Deckenleuchten bestehen aus Richtstrahlern, die bündig in die skulpturalen Abhangdecken eingebaut sind. Die weitgefächerten Raumgeometrien sowie die höchst unterschiedlichen Proportionen der Ausstellungsstücke bedingten für die Richtstrahler diverse photometrische Eigenschaften.

Drei unterschiedliche Lichttechniken kommen dort zum Einsatz: Spot, Medium und Flood. Je nach Bedarf wurden sie kombiniert mit Rillenlinsen für eine elliptische Aufweitung des Lichtkegels in Wandnähe oder mit Wabenrastern für stark geneigte Deckenfelder. Dabei sind die Leuchten sehr gut entblendet und treten als Lichtquellen im Deckenbild kaum in Erscheinung.

Eine weitere Besonderheit ist die individuelle Justierbarkeit und Dimmbarkeit der Leuchten mittels IR-Fernbedienung. Die kardanisch gelagerten Strahlereinsätze können bis zu ±35° geschwenkt und ±175° gedreht werden. Dies erleichtert das Einrichten der Beleuchtung enorm und ermöglicht zudem eine flexible Anpassung an künftige Änderungen der Ausstellung. Hier wären sonst Rollgerüste und Hubsteiger nötig.

Desert Rose
In Inneren der Desert Rose finden sich sehr unterschiedliche Raumtypologien. Foto: Danica O. Kus

Verstecktes Licht in den Vitrinen

Die Vitrinen in der Desert Rose sind von ähnlicher Diversität wie die Ausstellungsräume selbst. Die Lichtlösung ist deshalb individuell auf jede Vitrine und ihren Inhalt abgestimmt worden.

Während frei im Raum stehende, entmaterialisierte Glasvitrinen ausschließlich aus den Deckeneinbaurichtstrahlern beleuchtet werden, nutzen alle Vitrinen, die Verschränkungen mit der Architektur ausbilden, etwa mit der Decke, dem Boden oder der Wand, verdeckte Lichtelemente. Diese Lichtkonzeption ist modular aufgebaut: Ein Profil nimmt die Verdrahtung auf, die Miniaturstrahler und Lichtprofile werden dann nach Bedarf wie gewünscht eingeklickt und ausgerichtet. Bei anderen Konfigurationen werden die Leuchten mittels Magneten an einer stromführenden Schiene mechanisch und elektrisch angebunden.

Desert Rose
Archäologische Funde und Kunsthandwerk werden in den Fokus gerrückt. Foto: Danica O. Kus

Eindrucksvolles Museumserlebnis

Die Fülle und die Diversität der Exponate im Nationalmuseum Katars holen Besucher mit verschiedenen Interessen ab. Die Qualität, Abfolge und Präsentation der Exponate erzeugen wechselnde Themenwelten, die alle Sinne ansprechen. Das Licht spielt dabei eine subtile, jedoch maßgebliche Rolle.

Das fein austarierte Zusammenspiel der Komponenten aus spärlichem, jedoch raumdefinierenden Tageslicht, inszenierendem Deckenlicht, differenzierter Vitrinenbeleuchtung und den Wandprojektionen der Medienplaner erzeugt visuelle Eindrücke, die lange nachhallen. Eine perfekt durchdachte Lichtkonzeption.

Desert Rose
Jean Nouvel entwarf den Erweiterungsbau zum angestammten Museum aus dem Jahre 1906. Foto: Danica O. Kus

Fakten

Projekt: Nationalmuseum Katar – Desert Rose, Doha, www.nmoq.org.qa

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