Home » Projekte » Hotels »

Lichtmalerei von Richard Meier. Das Seamarq Hotel in Südkorea. md-mag

Hotel in Südkorea
Lichtmalerei von Richard Meier

Das Seamarq Hotel in Südkorea ist mit Licht gebaut. Im südkoreanischen Gangneung schuf Richard Meier eine Innenarchitektur, die originell und für ihn typisch zugleich ist.

Autor Rolf Mauer

Der amerikanische Architekt Richard Meier hat bei Marcel Breuer, dem Erfinder der Stahlrohrmöbel, gelernt und nennt Le Corbusiers Villenarchitektur als Vorbild. Bei allen seinen Bauten bekennt sich Meier zu einem bevorzugt verwendeten „Baustoff“, dem Tageslicht. Seine Architektur ist lichtdurchflutet und als wäre das nicht genug, reflektieren weiße Fassaden und Oberflächen den Lichteintrag auf ein Maximum. Ein sympathischer Zug bei Meiers Bauten ist der Verzicht auf monumentale Volumen, wahrscheinlich weil zu viel Raum dem feinen „Baustoff“ zuwider ist.

Das ehemalige Hyundai Hotel Gyeongpodae, jetzt bekannt als Seamarq Hotel, wurde im Rahmen einer regionalen Revitalisierung in Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang, Südkorea, wieder aufgebaut. „Bei der Gestaltung eines Gebäudes, das so nahe am Wasser steht, hat der Blick nach außen Priorität, sodass alle öffentlichen Räume und alle Wohnräume sich zum Wasser öffnen. Es gibt also eine Beziehung zwischen Offenheit und Geschlossenheit, zwischen Beschattung und Transparenz.

Die Zimmer und die öffentlichen Bereiche des Seamarq Hotels sind in vielerlei Hinsicht verbunden mit einigen der frühen Häuser, die ich entworfen habe, wie dem Smith House und dem Douglas House, wo es einen offenen Wohnraum, viel Transparenz und eine Offenheit für die Natur rund um den Standort gibt“, erklärte uns der Architekt.

Licht setzt Akzente

Wegen der meist kühlen, für Richard Meier typischen minimalen Farbpalette der Architektur wurde die künstliche Beleuchtung verwendet, um alle warmen Elemente, wie die hölzernen Oberflächen der Treppen und das Holz der Deckenpaneele hervorzuheben und um Wärme in die Innenräume zu bringen. Wechselnde Strahler und Scheinwerfer akzentuieren die geometrischen Winkel des Gebäudes, um die inneren und äußeren Räume abzugrenzen. Etwas Extravaganz strahlt das „Goldene Band“ in der Lobby des Hotels aus. Ingo Maurer gestaltete diese fast 14 Meter lange Leuchte, die es weltweit nur in wenigen Versionen gibt und die in ihrer Ausformung ein Abbild der Meeresoberfläche sein könnte, die den gesamten Horizont der Hotelfassade einnimmt. Die Leuchte hängt über einem überlangen Tisch aus dem Holz der Japanischen Zelkove, welcher mit dem 1946 entworfenen „Straight Chair“ von George Nakashima reichlich bestuhlt ist.

Eine originelle Architektur?

„Die Architektur des Hotels beschäftigt sich mit der Gestaltung von Raum, nicht mit einem abstrakten Raum, nicht mit dem skalaren Raum, sondern mit dem Raum, dessen Ordnung und Definition mit dem menschlichen Maßstab und der Architekturkultur in Zusammenhang stehen. Jeder Bestandteil des Hotels wurde sorgfältig unter Berücksichtigung der öffentlichen Bereiche, des Wetters und des natürlichen Lichts gestaltet“, erläutert der Pritzker-Preis-Träger von 1984.

Obwohl Richard Meier viele lokale Architekturelemente im Gebäude zitiert, ist das Hotel ganz offensichtlich ein Gebäude für Menschen aus allen möglichen Wohnkulturen. Meier internationalisiert Möbel und Interieur, sodass die Hotelzimmer ebenso gut in Toronto, Berlin, Moskau und eben in Gangneung in Südkorea funktionieren. Die Möbelstücke stammen u. a. von Eero Saarinen, Philippe Starck, Mies van der Rohe und Franco Albini. Kein schlechtes Konzept für ein Gebäude, das Menschen aus aller Welt temporär beherbergt.

Laut Meier wurzeln die Prinzipien seines architektonischen Schaffens in der Anwendung eines zeitlosen und klassischen Designs. Er will eine originelle moderne Architektur schaffen, die das Beste zeigt und anstrebt. In seinen eigenen Worten führt er aus: „Mein Ziel ist es, eine nachdenkliche, originell moderne Architektur zu schaffen, die zugänglich und schön ist, humanistisch und diszipliniert. Eine Architektur, die sich sowohl mit dem Einzelnen als auch mit der Gemeinschaft auseinandersetzt.“

Richard Meier baut für den Ort und reflektiert die örtlichen Gegebenheiten auf zurückhaltende Art. Der Hotelturm scheint auf dem Gipfel eines Hügels verankert, während der Bankettsaal auf einem unteren Plateau steht und mit dem Turm durch eine Brücke verbunden ist. Die geometrische Form des Hotelturms folgt den weichen Formen und Konturen des Hügels, er erhebt sich über einem vierstöckigen Basisgebäude mit 150 Zimmern, fast alle mit Meerblick. Die zum Hotel aufsteigende Straße fließt sanft um das natürliche Gelände mit seinem Kiefernwald.

In Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten James Corner Field Operations und einem lokalen Landschaftsberater wurde eine Abfolge von Außenräumen und Gestaltungskonzepten entwickelt. Obwohl der amerikanische Architekt das Monumentale meidet, ist eine bestimmte Größe für ein Hotel wohl unvermeidbar, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. Richard Meier hat mit dem Seamarq Hotel ein vergleichsweise unspektakuläres Gebäude kreiert. Es lebt von der überreichen Erfahrung eines über Achtzigjährigen, der die kluge Geste dem Auftrumpfen vorzieht.

Lesen Sie das Interview mit Richard Meier Architects hier


Architekt

Richard Meier & Partners Architects

Inhaber: Managing Partner, Richard Meier

Gründungsjahr: 1963

Mitarbeiter: 75

Arbeitsgebiete: private und gewerbliche Bauten, Stadtplanung, kommerzielle Gebäude und private Wohnbauten
www.richardmeier.com

Foto: Scott Frances

Factsheet

Projekt: Seamarq Hotel

Standort: Gangneung, Südkorea

Bauherr: Hyundai Heavy Industries

Planungsbeginn: 2011

Fertigstellung: 2015

Grundstücksgröße: 52 830 m²

Anzahl Geschosse: 19

Geschossfläche: 39 420 m²

Materialien (Decke Wand Boden): Aluminium, Holz, Glas, photokatalytischer Beton, der organische und anorganische Schadstoffe reduziert.

Möblierung und Textilien:
Corian, Flos, Knoll

Beleuchtung: Tobias Grau, Ingo Maurer Modell ‚Golden Ribbon‘


A hotel in South Korea

Painting with light

The Seamarq Hotel in South Korea has been built with light.In the South-Korean town of Gangneung, Richard Meier created a type of interior design that is both original and typical for him.

American architect Richard Meier was a disciple of Marcel Breuer who invented steel-tubing furniture, and was inspired by Le Corbusier‘s villa architecture. In all his buildings, Meier commits himself to his preferred “building material” – daylight. His architecture is light-flooded, and as if this would not be enough, white façades and surfaces reflect the influx of a light to a maximum. One likeable feature of Meier’s buildings is that he dispenses with monumental volumes, probably because too much space works against the subtle “building material”.

The former Hyundai Hotel Gyeongpodae, now known as the Seamarq Hotel, has been rebuilt in the context of a regional revitalization program in preparation for the Winer Olympic Winter 2018 that will take place in Pyeongchang, South Korea. “In designing a building situated so close to water, the view toward the outside takes priority, so that all public spaces and all living spaces open up to the water. So there is a relationship between openness and closure, between opacity and transparency.
The guest rooms and the public spaces at the Seamarq Hotel are in many ways related to some of the early houses I designed, such as the Smith House and the Douglas House, where there is an open living space, a great deal of transparency and an openness to the nature around the site”, comments Richard Meier.

Light sets accents

Because of the mostly cool, minimal color palette, which is typical of Richard Meier’s architecture, artificial lighting was used to highlight all warm elements, such as the wooden surfaces of the stairs and the wooden ceiling panels, to bring warmth to the interiors. Alternating cove-lights and spot-lights accentuate the geometric angles of the building to delineate interior and exterior spaces. A touch of extravagance is created by the ’Golden Ribbon’ in the hotel lobby. This almost 14 m long lighting object, designed by Ingo Maurer, takes up the whole horizon of the hotel’s façade. Only a few pieces of it have been manufactured worldwide, and its shape is reminiscent of the sea‘s surface. The ‘Golden Ribbon’ hangs above an oversized table of Japanese Zelkova wood, abundantly surrounded by ‘Straight Chairs’, designed by George Nakashima in 1946.

An original architecture?

“The hotel’s architecture is concerned with the making of space, not abstract space, not scale-less space, but space whose order and definition is related to light, to human scale and to the culture of architecture. Every component of the hotel has been carefully designed taking into consideration the public areas, the weather and natural light”, explains the Pritzker Award winner of 1984.

Although Richard Meier cites many local architectural elements in this building, the hotel quite obviously is meant to be a building for people from all kinds of housing cultures. He internationalizes furnishings and interiors so that the hotel rooms function quite as well in Toronto, Berlin, Moscow and in Gangneung, South Korea. The furniture items come from Eero Saarinen, Philippe Starck, Mies van der Rohe and Franco Albini, among others. Not a bad concept for a building that temporarily accommodates people from all over the world. According to Richard Meier, the principles of his architectural work are rooted in timeless, classical design. He wants to create an original modern architecture that shows and endeavors the best.

Richard Meier says: “My purpose is to deliver thoughtful, original modern architecture that is as accessible as it is beautiful, as humanist as it is disciplined. This is an architecture which is concerned with the individual as well as with the community at large.”

Built for the site

Richard Meier builds for the site and reflects the local conditions in a reticent way. The hotel tower seems to be anchored to the summit of a hill, while the banquet hall is located on a lower plateau and connected to the tower by a bridge. The geometric shape of the hotel tower follows the soft forms and contours of the hill. It perches on top of a four-storey base building with 150 guest rooms, with almost all of them having ocean views.

The ascending road to the hotel flows gently around the natural terrain with its pine forest. In co-operation with landscape designer James Corner Field Operations and a local landscape consultant a sequence of outdoor spaces and design concepts was developed.

Although the American architect shuns things monumental, maybe a specific size is unavoidable for a hotel to be operated economically. With the Seamarq Hotel, Richard Meier has created a comparatively unspectacular building. It lives on the overabundant experience of a more than eighty-year-old man who prefers wise gestures to showing off.

Author: Rolf Mauer

Architect

Richard Meier & Partners Architects

Owner: Managing Partner, Richard Meier

Founding year: 1963

Staff: 75

Work areas: private buildings, commercial buildings, urban planning, institutional buildings, private residential buildings

www.richardmeier.com

Factsheet

Project: Seamarq Hotel

Location: Gangneung, South Korea

Client: Hyundai Heavy Industries

Start of planning: 2011

Completion: 2015

Plot size: 52,830 m²

Number of stories: 19

Floor area: 39,420 m²

Materials (ceiling, wall, floor): aluminum, wood, glass, photocatalytic concrete that reduces organic and inorganic contaminants

Furnishings and textiles: Corian, Flos, Knoll

Lighting: Tobias Grau, lighting object ‘Golden Ribbon‘ by Ingo Maurer

Anzeige
Top-Thema
Limbic Chair-Forschungsprokjekt: Bewegung macht glücklich

Sitz schweben

Anzeige

Neueste Beiträge
Titelbild md 2
Ausgabe
2.2020 kaufen

EINZELHEFT

ABO


Architektur Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Architektur-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum arcguide Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des arcguide Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de