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Zeitreise im Hotel

„Die Josefine“ in Wien von Megatabs Architekten
Zeitreise im Hotel

Alte Bausubstanz verquickt mit innenarchitektonischen Anleihen aus verschiedenen Stilepochen – das verkörpert das Wiener Hotel „Die Josefine“ von Megatabs Architekten.

Autorin Elena Schauwecker

Ein Hotel, dass seine ganz eigene Geschichte erzählt: „Die Josefine“ im 6. Bezirk von Wien hat das geschafft, was viele Herbergen anstreben, aber oft nicht in letzter Konsequenz hinbekommen. Das Konzept stammt vom österreichischen Büro Megatabs Architekten.

Von außen lässt sich nur vermuten, dass sich im Gebäude sowohl ein Hotel als auch eine Bar verbergen. Ansonsten bekam die schlichte Fassade bei der Sanierung lediglich einen neuen Anstrich und ein Vordach verpasst. Die eigentliche Verwandlung in die aparte „Josefine“ vollzog sich hauptsächlich in den Innenräumen. Das Team von Megatabs Architekten gab den Räumen dabei eine völlig neue Identität, ohne das Haus und seine Traditionen zu vernachlässigen.

Suite. Foto: Jenni Koller & Megatabs Architekten

Das Leben als ewiges Fest

„Die Vision war uns allen klar. Wir wollten ein Hotel entwerfen, bei dem man beim Eintreten in eine andere Welt eintaucht. Eine Welt, in der das Leben ein ewiges Fest ist. Und zwar egal, ob es Tag oder Nacht ist, eben weil man Zeit und Raum vergisst“, so beschreibt der Gründer des österreichischen Architekturbüros Megatabs Architekten, Daniel Hora, das Interior-Konzept.

Bei der Ausstattung achteten die Architekten darauf, dass sie Vieles, was bereits von Haus auf vorhanden war, bewusst erhielten. Gleichzeitig schufen sie Neues so, dass es dem Charakter und der Vision der „Josefine“ entspricht. Schließlich bekam das Hotel nicht zufällig diesen Namen. Dieser beziehungsweise seine Persönlichkeit gehen zurück auf die junge Josefine de Bourblanc, einer französischen Aristokratin, die 1895 als Tochter eines Botschafters in Wien geboren wurde. Ihr Vater kaufte Anteile an dem Gebäude in der Esterhàzygasse 33, das später zum Hotel wurde. Nach ihrem Studium in Paris kehrte Josefine zurück nach Wien und wirkte im Hotel als Gastgeberin.

Dem heutigen Betreiber Manfred Stallmajer lag viel daran, diese Geschichte zu erzählen. So entstand gemeinsam mit Megatabs Architekten.ein Konzept, in dem die Wiener Interpretation der Burleske, der Stil der 1920er-Jahre und Sixties-Elemente zusammen kommen.

Wiener Geflecht trifft auf Art Déco

Unterschiedliche Stile und Epochen finden im „Josefine“ stimmig zusammen. „Ein gestalterisches Element ist das von uns neu interpretierte Wiener Geflecht, das etwa in den Duschtüren sowie den Betthäuptern eingesetzt wurde“, so Hora. Das Design des gesamten Mobiliars stammt von Megatabs Architekten. In überwiegender Zahl produziert von einheimischen Firmen. Die Planer entwarfen alle Leuchten und ließen sie eigens in Budapest für dieses Projekt herstellen. Auch die Stühle sind eine vom Architekturbüro entwickelte Maßanfertigung.

„Schon seit der Namensgebung war klar, dass „Die Josefine“ etwas Aufsehenerregendes werden wird. Wir wollten die unterschiedlichen Epochen neu interpretieren und etwas Einzigartiges schaffen. Wir mussten den roten Faden finden, der alles miteinander kombiniert und zusammenfügt.“

Foto: Jenni Koller & Megatabs Architekten

Samt, Messing und grüner Marmor

Neben dem klassisch verlegten Wiener Parkett bilden Elemente aus grünem Marmor und Samt ein harmonisches Ensemble. Wände in Beerenfarben dominieren den Eingang. Die kräftigen Töne kommt in Form von Vorhangstoffen und Couchbezügen ebenfalls in der Hotelbar „Barfys“ zum Einsatz.

Schon vor der Renovierung war die Bar unabhängig vom Hotelbetrieb ein angesagter Treffpunkt der Stadt. Nach der Wiedereröffnung erstrahlt das Barfys nun nachts in neuem Gewand. Hier kann man Cocktails oder ein Glas Wein trinken. Morgens dient sie den Hotelgästen als Frühstücksraum. Wie sich das miteinander verträgt? „Es mag surreal erscheinen, den gestrigen Cocktailabend nun beim Frühstücksei und Kaffee Revue passieren zu lassen, aber genau das macht das Josefine aus. Die beiden Konzepte ergänzen und verstärken sich gleichzeitig“, sagt Hora über die Kombination.

Langer Designprozess

Der Architekt ergänzt, dass die große Herausforderung darin lag, ein stimmiges Bild zu finden, das ehrlich herüberkommt und nicht zu künstlerisch oder aufgesetzt wirkt. „Wir mussten schauen, dass wir auf diesem schmalen Grat des Frivolen bleiben, ohne ins Bordellambiente zu kippen“, blickt er zurück. Es sei ein langer Designprozess gewesen, der oft hinterfragt wurde. Ein Beispiel: „Beim Entwerfen der Möbel gab es zahlreiche Durchgänge, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren.“

Der Umbau von Megatabs Architekten brachte Positives und weniger Positives zutage. So war im Lauf der Jahrzehnte vieles verstellt und angestückelt worden, sodass manche Elemente wie der Stuck nur noch halb bestanden. Es gab aber auch so manche freudige Überraschung: „Beim Umbau der Bar legten wir alte Bögen frei. Die haben wir in die Gestaltung mit aufgenommen“, schwärmt Hora. Der Besucher merkt, dass hier alle Elemente zusammenspielen – von der Architektur über die Innenarchitektur bis hin zum Service. Entstanden ist ein individuelles Hotel, das in dieser Form weder nachgeahmt noch vervielfältig werden kann. Das würde sofort auffallen. Ein echtes Unikat eben.


Fakten

Projekt: Hotel „Die Josefine“
Standort: Esterházygasse 33, 1060 Wien, Österreich

Bauherr: FM 33 GmbH & Co KG, Wien
Bauaufgabe: Umbau, Sanierung
Fertigstellung: 2021
Innenarchitektur: Megatabs Architekten ZT GmbH, Wien
Ausstattung (Auswahl): Bodenbelag ‚klassisch Wienerisches Fischgrät Parkett‘ von Scheucher; Fliesen (Design von Megatabs) von Cevica, Putz/Wandbeschichtung innen/außen: Innenwände mit diversen Stuckelementen/Wandfarben in den Tönen Grau, Lavendel, Grün, Berry von Deco Color Malerei, Messingleuchten mit Fransen (Design von Megatabs) handgefertigt von ACS Antik Kft, Möblierung (Entwürfe von Megatabs), gefertigt von der Tischlerei Josef Göbel GmbH und Ramini Home Design, Polstermöbel, Vorhänge, Stoffwände von Ramini Home Design, Beschläge ‚Alt Wien Messing‘ von der Marchesi Metal Tech, Sanitärkeramik: Waschbecken von Ceramica Cielo, WCs von Ceramica Globo, Armaturen von Steinberg, Lichtschalter ‚Serie 1930‘ von Berker

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