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Kathedrale für Gäste in Macao

Zaha Hadids Hotel Morpheus

Ihre Signature Buildings können theoretisch überall stehen. Regional beeinflusste Architektur war nie das Ding der 2016 verstorbenen Zaha Hadid. Das gilt auch für das Hotel Morpheus in Macao. Ein weiteres Beispiel ihrer Bauten mit amorphen Formen.

Autor Rolf Mauer

Maßlosigkeit ist in der Tat die herausragende Eigenschaft, die man dem „Flagship Hotel Morpheus“ für Macao, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie, zuschreiben kann. Das soll kein Vorwurf sein, mehr eine nüchterne Umschreibung, denn der Standort von Zaha Hadids Hotel Morpheus ist bereits ein Ort des Maßlosen. Die relativ überschaubare Stadt mit etwas mehr als 600 000 Einwohnern ist nur knapp 30 km² groß, also fast genauso klein wie das schwäbische Metzingen.

Während Metzingen dank seiner international bekannten Outlet-Center jährlich mehr als 3,5 Mio. Besucher empfängt, kommen fast zehnmal so viele Besucher, nämlich 32 Mio., im Jahresdurchschnitt nach Macao. Die Stadt finanziert sich über Glücksspiele beziehungsweise aus dem daraus resultierenden Tourismus. Als unabhängiger Staat wäre Macao gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf das viertreichste Land der Welt. Es ist nachvollziehbar, dass aus diesen Besucher- und Wirtschaftszahlen deutliche Einflüsse auf die örtliche Architektur resultieren.

Das Hotel Morpheus steht innerhalb eines abgeschirmten Resorts mit einem Casino sowie zwei Theatern, einem Einkaufsviertel, 20 Restaurants und vier weiteren Hotels.

Ohne Ecken und Kanten

Es verfügt über 770 Gästezimmer, Suiten und sogenannte „Skyvillen“. Ein solches Volumen dominiert naturgemäß seine Umwelt und so ist es eigentlich konsequent, wenn Zaha Hadid Architects (ZHA) an dieser Stelle ihre Politik der Signature Buildings wiederholen.

Hadid verzichtete wie gewohnt auf die Ecke als Gestaltungselement. Sie ließ sich für das Design des Gebäudes von der formenreichen chinesischen Jade-Schnitzkunst inspirieren.

Es entstanden, laut Eigenbeschreibung des Büros, „dramatische öffentliche Räume und großzügige Gästezimmer mit innovativer Technik“. Aus einem rechteckigen Grundriss entstand ein monolithischer Kubus, als Extrusion auf eine durch lokale Beschränkungen definierte Gebäudehöhe von 160 m. Daraus wurden wie bei der traditionellen Jade-Schnitzkunst große Volumina herausgeschnitten.

Zaha Hadid erhielt im Jahr 2012, vier Jahre vor ihrem überraschenden Tod, den Auftrag für den Bau des Hotels. Daher ist die Pritzker-Preisträgerin selbst, gemeinsam mit ihrem Partner Patrik Schumacher, die Entwurfsverantwortliche. Wie Viviana Muscettola, die Projektleiterin von ZHA, erklärt, haben Macaos Gebäude früher auf Architekturstile aus der ganzen Welt Bezug genommen.

Das Hotel jedoch, argumentiert sie, wurde aus seiner Umgebung und den Standortbedingungen als neue Architektur entwickelt, die ausdrücklich „aus dieser Stadt stammt“. Dem kann man zustimmen, wenn man der Meinung ist, dass die formalen Anleihen aus der Schnitzkunst als regionale Anleihen genügen. Allerdings könnten diese selbstbewussten Bauten ebenso in New York, Paris oder Kuala Lumpur stehen.

Die Hohlräume in der Kubatur definieren unter anderem die öffentlichen Räume des Hotels und die teureren Zimmer. So entstanden Ecksuiten mit spektakulärem Blick auf das Atrium und die Stadt. Die Grundrissanordnung maximiert die Anzahl der Hotelzimmer mit Außenansichten und garantiert eine gleichmäßige Raumverteilung auf beiden Seiten des Gebäudes. Zudem schaffen die Hohlräume, die auch das Atrium durchziehen, eine Reihe von Brücken mit dramatischen Räumen für die Restaurants, Bars und Lounges des Hotel Morpheus.

Außen an der Fassade zieht sich als komplexes Muster von Strukturelementen das erste Freiform-Exoskelett für ein Hochhaus über die gesamte Gebäudehöhe. Aufgrund der Statik des Exoskeletts kann auf tragende Wände und Stützen in den an die Fassade angrenzenden Räumen verzichtet werden. So einzigartig diese Tragstruktur in ihrer räumlichen Wirkung ist, den Gästen wird dadurch ein freier Blick über Macao teilweise verwehrt.

Potente Architektur

Wer die Lobby betritt, dessen Blick wandert unweigerlich in die nicht enden wollende Höhe, auch weil die horizontale Aussicht mit der bescheidenen Rezeption und den winzigen Fenstern und Zugangstüren recht unspektakulär ist.

Wer hier logiert, soll nicht von der Außenwelt abgelenkt werden. Da sich die Stadt über Glücksspiele finanziert, soll der Gast möglichst innerhalb des Resorts bleiben. Hadids unnachahmliche, innovative, skulpturale Architektur gibt dem Resort seine Identität.

Mehr Architekturspektakel lässt sich in Macao nicht finden. Für den Hotelgast reduziert sich damit das Verlangen, die sehenswerte historische Stadt mit ihren portugiesischen Wurzeln zu besuchen. Wer jemals einem potenziellen Bauherrn die wirtschaftliche Potenz von Architektur zeigen und überzeugend erläutern möchte, sollte sich an das Hotel Morpheus in Macao erinnern.

Die Innenarchitektur ist von ätherischer, berauschender Schönheit – gewaltig und doch schlicht in ihrer Reduktion auf wenige, kraftvolle, sich wiederholende, ornamentale, auf rhombischen Geometrien basierende Elemente. Einmal mehr hat die Marke „Zaha Hadid“ ein „Signature Building“ mit einer großen architektonischen Identität geschaffen. Ihre Architektur mag zwar ohne Maß sein, überwältigend und auf sich selbst bezogen. Aber sie ist auch gut.

Weitere Projekte finden Sie hier


Zaha Hadid Architects (ZHA)

wurde 1980 von der 2016 verstorbenen Zaha Hadid in London gegründet. Weltweit beschäftigt das Architekturbüro 400 Mitarbeiter. Arbeitsgebiete sind Privat-, Gewerbe- und Kulturbauten, Ausstellungen, Design und Stadtplanung

www.zaha-hadid.com


Factsheet

Projekt: Hotel Morpheus at City of Dreams

Standort: Macao

Bauherr: Melco Resorts and Entertainment

Bauaufgabe: Hotel

Fertigstellung: 2017

Geschosse: 42

Nutzfläche: ca. 149 000 m²

Hersteller: Aufzug: Otis; Fassade: Kyotec


A hotel in Macau, China

A cathedral for guests

Theoretically, her signature buildings could stand anywhere. Regionally influenced architecture had never been Zaha Hadid‘s cup of tea, who died in 2016. This also applies to the Morpheus Hotel in Macau. It is another example of her buildings characterized by amorphous shapes.

Author: Rolf Mauer

Indeed, excessiveness is the prominent feature you could ascribe to the flagship Hotel Morpheus for Macau, a former Portuguese colony. This is not a reproach, rather a sober paraphrase, because the location of the hotel in itself is a place of excessiveness. The city with its roughly 600,000 inhabitants looks quite manageable; it covers an area of less than 30 square kilometers – almost as small as a little town in South Germany called Metzingen.

While Metzingen, thanks to its internationally renowned outlet centers, welcomes more than 3.5 million visitors a year, almost ten times as much, i.e. 32 million, will come to Macau annually. The city is financed by gambling and the tourism resulting from it. As an independent state Macau would be the fourth richest country of the world, in terms of its gross domestic product. It is quite understandable that distinct influences on local architecture result from these numbers of visitors and from the economic facts.

The Hotel Morpheus is located within a shielded resort comprising casinos, two theaters, a shopping district, 20 restaurants and four additional hotels. It has more than 770 guest rooms, suites and so-called „sky villas“. In view of such a volume, the building dominates its environment. It is therefore only natural that Zaha Hadid Architects (ZHA) repeat their policy of Signature Buildings in this location, too.

Without corners and edges

As usual, Hadid does without the edge as a design element. For this building, she was inspired by Chinese jade carving and its myriad of forms. According to the studio‘s description, “dramatic public spaces and generous guest rooms with innovative technology” were created. Based on a rectangular footprint, a monolithic cube came into being, with a building height of 160 m, defined by the local planning code. Out of this extrusion, big voids were cut out out like in jade carving.

Zaha Hadid had been commissioned to build this hotel in 2012, four years before she suddenly died. So the Pritzker winner herself, in co-operation with her partner Patrick Schumacher, is responsible for the design. As ZHA project manager Viviana Muscettola explains, Macau‘s buildings have previously referenced architectural styles from around the world.

However, she argues that the hotel has evolved from its environment and the site conditions as a new kind of architecture that “expressly comes from this city”. You can only underline that if you think that the formal borrowings from carving suffice as regional borrowings. But these self-confident buildings could stand in New York, Paris or Kuala Lumpur just as well.

The voids in the cubic volume define the hotel‘s public spaces and the more expensive guest rooms. In this way, corner suites were created with a spectacular view of the atrium and the city. The floor plan arrangement maximizes the number of hotel rooms with external views and guarantees an even room distribution on either side of the building. In addition, the voids traversing the atrium also create a series of bridges with dramatic spaces for the restaurants, bars and guest lounges of the hotel.

On the facade, the world‘s first free-form high-rise exoskeleton progresses upward over the entire height of the building in a complex pattern of structural elements. Due to the exoskeleton‘s statics, no supporting walls or columns are needed in the spaces adjacent to the facade. Unique as the spatial effect of this load-bearing structure may be, it prevents that the guests have a completely free view of Macau.

Entering the lobby, you will automatically glance upward at the never-ending height, which is also because there the horizontal view is quite unspectacular with its modest reception and the tiny windows and access doors.

Powerful architecture

People who stay here should not be detracted from the outside world. Seeing that the city finances itself from gambling, guests should preferably stay within the resort. Hadid‘s inimitable, innovative and sculptural architecture provides an own identity to the resort. It is the ultimate architectural spectacle in Macau. Which means that guests of the hotel will only have a diminished desire to visit the attractive historic city with its Portuguese roots. If you should ever want to show and convincingly explain a prospective client the economic power of architecture, you should remember the Morpheus Hotel in Macau.

The interior design exudes an ethereal, intoxicating beauty, tremendous and yet unpretentious, characterized by its reduction to only a few, powerful, repetitive, ornamental elements based on rhombic geometries. Once again, the Zaha Hadid brand has created a Signature Building with a great architectural identity. Her architecture may be excessive, overwhelming and self-referential. But it is also good.

Zaha Hadid Architects (ZHA) was established by Zaha Hadid in London in 1980. She died in 2016. The studio has a staff of 400 worldwide.

Fields of work areas are private, commercial and cultural buildings, exhibitions, design, and urban planning.

www.zaha-hadid.com

Fact sheet

Project: Hotel Morpheus at City of Dreams

Location: Macau

Client: Melco Resorts & Entertainment

Task: Hotel

Completion: 2017

Storeys: 42

Area: ca. 149,000 m“

Execution:

Elevator: Otis

Facade: Kyotec

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