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Firmensitz und Hotel von Fantini in Pella/Italien

Den See im Blick

In Pella, einem malerischen Dorf am Ortasee im italienischen Piemont, ist die Armaturenfirma Fantini zu Hause. Das Ensemble von Headquarter, Familienvilla und Firmenhotel säumt das Ufer und folgt einem Gesamtkonzept von Piero Lissoni.

Autorin Cecilia Fabiani

Seit vielen Jahren schon arbeitet Fantini mit Piero Lissoni zusammen. Zunächst war dessen Expertise als Designer gefragt: Messestände, Grafik und Produkte. In der Folge beauftragte Fantini den Mailänder Architekten auch als Baumeister am Ort des Firmensitzes, in Pella, mit der Planung (Umbau und Anbau) eines Hotels an der lokalen Piazza und der Renovierung der Bestandsbauten des Headquarters.

Das Dorf mit seinen knapp 1 000 Einwohnern liegt am oberitalienischen Ortasee mit Blick auf die Insel San Giulio, das Städtchen Orta am gegenüberliegenden Ostufer und die nordpiemontesischen Hügel und Berge im Hintergrund. Ein ruhiger Urlaubsort in der Provinz von Novara und beliebtes Ausflugsziel der Mailänder. Von der Hauptstadt der Lombardei sind es gerade einmal 85 km.

Dass hier im Jahr 1947 die Brüder Giovanni und Ersilio eine Armaturenfirma gründeten, hat neben der Nähe zu Mailand und seinen Handelsachsen einen industriegeschichtlich interessanten Hintergrund. Die Gegend ist seit Jahrhunderten bekannt für ihre Metallverarbeitung. In unmittelbarer Nähe sitzen Alessi und andere Unternehmen, die Töpfe und Besteck, aber auch Blechblasinstrumente oder eben Armaturen herstellen.

Fantini
Die Aufwertung der Uferseite bestimmt die Planung des Firmensitzes wie die des Hotels. Hier die Büros. Foto: Simone Bossi

Ein Hotel für Pella

Ein direkt am Seeufer gelegenes Firmengelände wie das von Fantini ist nicht nur in Pella etwas Besonderes. Wenn es neben seiner Toplage auch noch mit hochwertiger Architektur glänzt und mit einem frisch eröffneten 5-Sterne-Boutiquehotel gleich nebenan, dann möchte man recht gerne wissen, wie so etwas möglich wurde.

Schon lange wünschte sich Daniela Fantini eine schöne Bar und ein Hotel für Pella. „Ein Designhotel in der Nachbarschaft erlaubt uns, unsere Geschäftskunden unterzubringen“, erläutert die junge Unternehmerin, die die Firma in der zweiten Generation gemeinsam mit ihrem Cousin Luigi leitet. „Hinzu kommen private Erholungssuchende, Tendenz steigend.“ Wie es dazu kam? „An der Piazza stand ein altes Gebäude leer. Das wollten wir renovieren, weil es uns für ein Hotel passend erschien.“

Ankauf, Genehmigungen und Realisierung haben sich dabei als komplizierter erwiesen als gedacht. Doch das konnte Daniela Fantini nicht davon abhalten, das Projekt „Casa Fantini Lake“ weiter zu verfolgen und Piero Lissoni mit der Renovierung des Altbaus und dem Entwurf eines neuen Anbaus zu beauftragen.

Dieser ließ Alt und Neu in einen Dialog treten von Stein, Holz und Glas. Der vorhandene Steinbau wurde für ein Café (Eingangsebene) und zwei Suiten (obere Ebenen) bestimmt. Als Kontrast dazu ein Anbau für den Gästetrakt mit grafisch strukturierter Fassade. Seine raumhohen Fenster und verglasten Balkonbrüstungen schaffen Transparenz und holen die ruhige Atmosphäre des Sees nach innen: Alle Gästezimmer weisen aufs Wasser.

„Das Hotel will eine relaxte Atmosphäre vermitteln. Man soll sich hier wie zu Hause fühlen”, kommentiert Piero Lissoni seinen Entwurf. Explizit geht das Erdgeschoss mit Frühstücksbereich und Lounge nahtlos über in den Außenbereich mit Pool und Grünanlagen: 1 200 m² Indoor verschmelzen mit 700 m² Outdoor.

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Der Anbau ist maßstäblich eingefügt. Seine Rückfassade weist zum Garten. Glasbrüstungen erlauben eine uneingeschränkte Sicht von den Zimmern aus. Foto: G. Gastel

Leidenschaft für das Detail

Für die Inneninrichtung wählte der Architekt überwiegend eigene Möbel italienischer Hersteller (Living, Porro u. a.). Die Betthäupter ließ er aus recyceltem Holz fertigen. In den Gästezimmern und -bädern kamen blaues Glas, Harz und Fliesen zum Einsatz; im Garten – am Pool und auf den Wegen – grauer Beola-Stein.

Folgt man dem Ufer vom Hotelgarten aus nach Norden, gelangt man zum kleinen Park des Familienanwesens (den charmanten Altbau bewohnt Daniela Fantini) und von dort direkt zum Firmensitz. „Die Erneuerung des Headquarters wurde durch die Umstrukturierung unserer Produktionsabläufe erforderlich“, erklärt die Unternehmerin.

Lissonis Aufgabe bestand darin, die in Form, Größe und Alter unterschiedlichen Gebäude auf einen gestalterischen Nenner zu bringen sowie eine Rezeption, Büros für Forschung und Entwicklung und einen großzügigen Showroom zu integrieren. Von den rund 12 000 m² nimmt die Fläche für die Produktpräsentation fast die Hälfte ein.

Es sind die Materialien und Farben, die das Ensemble zusammenhalten und ein ruhiges Gesamtbild erzeugen: dunkelgraues U-Glas und Beton im Außenraum; weiße Wände und Harzböden im Innenraum.

Wie schon beim Hotel, so liegt auch hier die Stärke des Konzepts in der Aufwertung der Seeseite. Mehr Fensteröffnungen und Verglasungen gehen nicht. Das Landschaftspanorama, das sich von der Uferlage aus genießen lässt, ist die ungewöhnlich exponierte Ausrichtung allemal wert. Über einen Steg lässt sich die Firma sogar auf dem Wasserweg erreichen.

Wer jedoch mit dem Auto ankommt, der erblickt den Sitz der Fantini zuerst einmal von hinten. Vom Parkplatz/Warenanlieferung führt ein überdachter Weg schnurgerade Richtung See zum Empfang. Auf der linken Seite ein kleiner Fluss, dann auf beiden Seiten elegante Industriebauten, makellos, minimalistisch restauriert. Die Atmosphäre könnte idyllischer nicht sein. Dazu tragen selbstverständlich auch die Grünanlagen bei, die auf dem gesamten Gelände die Handschrift eines Landschaftsplaners tragen: Paghera Green Service.

Technisches Know-how, Qualitätskontrolle, Design sind die Schlagwörter, die für die Produkte von Fantini stehen. Alles muss stimmen – vom Ankauf des Messings an. „Fantini ist die Firma des Details“, so die engagierte Unternehmerin. „Uns ist es nicht wichtig, ein Riesenunternehmen zu werden.“ Für jedes Detail werden individuelle Lösungen entwickelt. Das sei die Voraussetzung für einen Armaturenspezialisten, dessen Wettbewerber Unternehmen wie Dornbracht sind.

Viele internationale Designer haben in den letzten Jahren Produkte für Fantini gestaltet: Darunter Davide Mercatali, Enzo Mari, Rodolfo Dordoni, Matteo Thun und Antonio Rodriguez, Vincent van Duysen oder Naoto Fukasawa sowie der koreanische Künstler Paik Sun Kim für die Kollektion ‚Aboutwater‘, eine Zusammenarbeit mit Boffi.

Wie sehr das Dorf und der See den Fantinis am Herzen liegen, das sieht man sogar im Mailänder Showroom in Brera. Der Lago d’Orta auf Großbildschirm und die Großwetterlage dank Webcam immer aktuell.


Fact Sheet Hotel

Projekt: Casa Fantini

Bauaufgabe: Hotel

Standort: Piazza Motta angolo Via Roma 2, 28010 Pella (NO)/I

Eigentümer: Blu Lago srl, Corso Cavallotti 29, 28100 Novara (NO)/I

Architektur und Interiordesign: Lissoni Architettura spa, www.lissoniassociati.com

Fertigstellung: 2013 bis 2017

Geschosse: 3

Gästezimmer: 11

Nutzfläche: 1 218 m²

Außenanlage: 682 m²

Materialien: Öffentlicher Bereich: Holzböden, Akustikdecken, Wandverkleidungen: Schwarzstahl, Glas, Harz (Kerakoll), Gallura Tappeti Sardi

Gästezimmer: blaues Glas

Bad: Böden und Wände: Harz (Kerakoll), Fliesen: Mutina, Waschbecken: Boffi, Innentüren: Lualdi, Türgriffe: Olivari

Möblierung: Altai, Bonacina 1889, Cassina, De Padova, Effegibi, Flou, Gervasoni, Glas Italia, Riva 1920, Hay, Kartell, Living Divani, Porro, Roda, Salvatori, Tinek-home, Ton, Vitra, Zanotta

Licht: Davide Groppi, Flos, Santa & Cole; Weitere: Il Giardino di Legno


Fact Sheet Firmensitz

Projekt: Fantini Headquarter

Standort: Pella (NO)/I

Eigentümer: Fantini spa

Fertigstellung: 2018

Geschossfläche: 12 000 m²

Geschosse: 2

Architektur und Interiordesign: Lissoni Architettura spa

www.lissoniassociati.com

Materialien: Wände und Böden: Harz: Kerakoll

Waschbecken: Boffi, Flaminia

Innentüren: Lualdi; Türgriffe: Olivari

Möblierung: Officeausstattung IOC, Tecno, De Padova, Living Divani,

Ekinex, Rezeptionsdesk: Porro; Beleuchtung:  Flos, Gallotti Radice

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Raus aus dem Alltag


 

Fantini company headquarters and company-owned hotel in Pella/Italy

With a view of the lake

Pella is a picturesque little town on Lake Orta in Italy’s Piedmont region, and this is where fixture manufacturer Fantini is based. The ensemble of buildings, consisting of headquarters, family mansion and company-owned hotel, is part of an overall concept created by Piero Lissoni.

Fantini has been co-operating with Piero Lissoni for many years. At first his expertise as a designer was in demand to create fair stalls, graphics and products. Then Fantini commissioned the Milanese architect also as a builder at the firm’s head office in Pella and commissioned him to plan the conversion as well as the annex of a hotel at the local piazza and the refurbishment of the headquarters’ existing buildings.

The little town has some 1,000 inhabitants and is located at the Lago d‘Orta in Northern Italy with a view of San Giulio island, Orta town on the opposite, eastern shore, the northern Piedmontese hills and mountains in the background. It is a placid holiday resort in the Novara province and a popular destination for the Milanese. The capital of Lombardy is only 85 kilometers away.

The fact that brothers Giovanni and Ersilio founded a fixtures company here in 1947 has an interesting background from an industrial history point of view, quite different from Milan and its trade routes being located in the vicinity. For centuries the region has been known for its expertise in metalworking. Alessi and other companies that manufacture pots and cutlery or brass instruments – or, as already mentioned, fixtures – are based in close proximity.

A company site located right on the shore of the lake like Fantini’s is something special, not just in Pella. Seeing that apart from its prime location the place also shines with top-grade architecture, plus a freshly opened five-star boutique hotel right next to it, the question arises how all this became possible.

A hotel for Pella

For a long time Daniela Fantini had wished for a beautiful bar and a hotel in Pella. The young businesswoman manages the company together with her cousin Luigi in the second generation and explains: “Having a design hotel in the neighborhood enables us to accommodate our business customers. And there are also private persons seeking relaxation in increasing numbers.” How did all this come about? “At the piazza there was an old, vacant building. We wanted to renovate it because to us it seemed suitable for this purpose.”

It turned out that the process of purchasing it, getting building permissions and implementing the plan was more complex than anticipated. However, this did not prevent Daniela Fantini from carrying on with the ‘Casa Fantini Lake’ project and commissioning Piero Lissoni to renovate the old building and design a new annex.

Lissoni decided to design a combination of stone, wood and glass. The existing stone building was turned into a café at entrance level and two suites were developed on the upper levels. As a counterpoint, an annex housing the guest wing, characterized by a graphically structured façade, came into being. Its room-high windows and glazed balcony parapets create transparency and bring the calm atmosphere of the lake to the inside: all guest rooms face the water.

Piero Lissoni says on his design: “The hotel is to impart a relaxed atmosphere. Guests should feel like being at home.” The ground level with breakfast area and lounge seamlessly connects with the outside with its pool and green area: 1,200 m²of indoor space merge with 700 m² outdoors.

For the interiors, the architect predominantly used furniture made by Italian manufacturers (Living, Porro and others). He had the bed headboards made of recycled wood, and in the guest rooms and baths he used blue glass, resin and tiles. In the garden around the pool and on the pathways grey Beola stone was applied.

Following the shore from the hotel’s garden to the North, you will traverse the small park of the family estate (Daniela Fantini lives in the charming old building) and from there you directly reach the company headquarters.

A stone’s throw to the headquarters

As Daniela Fantini explains, “the renovation of our headquarters became necessary as a result of the reorganization of our production processes”. Lissoni’s task was to invent a common design denominator for the buildings so different in shape, size and age, and, in addition, to integrate a reception area, offices for research and development and a generous showroom. Almost half of the space, about 12,000 m² in all, is occupied by product presentation.

The coherent factors of the ensemble are materials and colors. They create a calm, overall look: dark-grey, U-shaped glass and concrete outdoors, white walls and resin floors indoors.

As already in the hotel, here, too, the strength of the concept lies in the upgrade of the lakefront. More window openings and glazings are simply not possible. The landscape panorama you can enjoy from the lake-side location definitely justifies the exposed orientation. Over a little bridge the company can even be accessed by the waterway.

But when you come by car, your first glance of the Fantini headquarters will be from the rear. A protected walkway leads dead straight from the car park and goods-delivery area toward the lake and the reception. On the left there is a small creek, the – on both sides – elegant industrial buildings in pristine splendor, minimalistically renovated. You couldn’t find a more idyllic spot. This is of course also a result of the green areas in the unmistakable style of landscape planners Paghera Green Service throughout the premises.

Technical know-how, quality control and design are the catchwords that apply to products by Fantini. Everything must be just right – from the purchase of brass onwards.

A passion for details

As the dedicated businesswoman puts it: “Fantini is a company characterized by detail. We are not interested in becoming a huge company.” Individual solutions are developed for each and every detail. This is the prerequisite to be fulfilled by a fixture specialist in the face of competitors like Dornbracht, she says.

In recent years, many internationally renowned designers have created products for Fantini, among them are Davide Mercatali, Enzo Mari, Rodolfo Dordoni, Matteo Thun and Antonio Rodriguez, Vincent van Duysen or Naoto Fukasawa, plus Korean artist Paik Sun Kim in co-operation with Boffi for the ‘Aboutwater’ collection.

Even the Milan showroom in Brera bears witness to the particular importance the Fantinis attach to the village and the lake. A view of Lago d‘Orta and the general weather situation are always available via webcam.

Author: Cecilia Fabiani

Fact Sheet Hotel

Project: Casa Fantini

Task: Hotel

Location: Piazza Motta angolo, Via Roma 2, 28010 Pella (NO)/I

Owner: Blu Lago srl, Corso Cavallotti 29, 28100 Novara (NO)/I

Architecture and interior design: Lissoni Architettura spa, www.lissoniassociati.com

Completion: 2013 – 2017

Floors: 3, guest rooms: 11

Usable area: 1,218 m²

Outer area: 682 m²

Materials: Public spaces: wood floors, acoustic ceilings, wall claddings: black steel, glass, Kerakoll resin, Gallura Tappeti Sardi

Guest rooms: blue glass

Bathroom: floors and walls: Kerakoll resin, tiles: Mutina, wash basins: Boffi, interior doors: Lualdi, door handles: Olivari

Furnishings: Altai, Bonacina 1889, Cassina, De Padova, Effegibi, Flou, Gervasoni, Glas Italia, Riva 1920, Hay, Kartell, Living Divani, Porro, Roda, Salvatori, Tinekhome, Ton, Vitra, Zanotta

Lighting: Davide Groppi, Flos, Santa & Cole

Others: Il Giardino di Legno

Fact Sheet Company Headquarters

Project: Fantini Headquarter

Location: Pella, 28100 Novara (NO)/I

Owner: Fantini spa

Completion: 2018

Floor area: 12,000 m²

Floors: 2

Architecture and interior design: Lissoni Architectura spa; www.lissoniassociati.com

Materials: Walls and floors: Kerakoll resin; Wash basins: Boffi, Flaminia

Interior doors: Lualdi, door handles: Olivari

Furnishings: office equipment: IOC, Tecno, De Padova, Living Divani, Ekinex, reception desk: Porro

Lighting: Flos, Gallotti Radice


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