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Unter einem Dach

In den neuen Räumen des Stuttgarter Pons-Verlags finden Beschäftigte dank begegnungsfördernder Zonen zusammen
Unter einem Dach

Vormals gehörten die Mitarbeiter zu verschiedenen GmbHs und saßen an unterschiedlichen Orten. Nun sind sie alle Teil der Pons GmbH. Seit sie gemeinsam in einem renovierten Gebäude ansässig sind, wächst der Zusammenhalt. Dazu tragen vor allem die unterschiedlich gestalteten Räume für Begegnungen bei.

Mit seiner neuen, hellgrau gestrichenen Fassade und den hervorstehenden Fensterlaibungen hebt sich das Gebäude in der Stuttgarter Stöckachstraße deutlich von der Umgebung ab, wo in die Jahre gekommene Gründerzeit- und Nachkriegshäuser dominieren.
Auch der rechtwinklige Bau, in dem nun der Stuttgarter Pons-Verlag ansässig ist, stammt aus den 50er-Jahren. Ursprünglich war er Standort einer Möbelspedition, wovon der großzügige Innenhof und die Laderampe zeugen. Bevor Pons das Bestandsgebäude umbauen und renovieren ließ, hatten sich mehrere Mieter die Büroflächen geteilt.
Entgegen der äußeren Erscheinung ist das Bürogebäude innen farbenfroh gehalten. Beim Hinaufsteigen der Stufen im Treppenhaus fällt der Farbwechsel von Etage zu Etage ins Auge. Die Töne changieren zwischen Blau-Grün und Gelb-Orange-Rot. Warum das so ist, erklärt Alexia Stathopoulou vom Stuttgarter Innenarchitekturbüro Xiaworks. Sie war verantwortlich für die Innenraumgestaltung. „Wir legten die Corporate-Identity-Farben von Pons und dem Mutterunternehmen Klett zugrunde.“ Bei Pons mit seinem Sprachen-Lehrmittelprogramm sind das Grün und Blau, beim Schulbuchverlag Klett Gelb, Orange und Rot.
Ebenso wie die beiden Treppenhäuser weisen die Flurwände auf den einzelnen Geschossen die Corporate-Identity-Farben auf, allerdings in einem Wechsel von dünneren und dickeren Streifen. Den tieferen Sinn der gewählten Farbkombinationen erläutert Pons-Geschäftsführerin Gabriele Schmidt: „Drei GmbHs – zwei von Klett und eine von Pons – waren zur Pons GmbH zusammengeführt worden. Die jeweilige Herkunft und die damit einhergehende Identität der Mitarbeiter spiegelt sich in den jeweiligen CI-Farben wider.“
Damit erschöpfen sich die Symboleder Rückbesinnung jedoch weitgehend. Vielmehr rückt die Gestaltung der neuen Räumlichkeiten im Stuttgarter Osten das Gemeinsame und Verbindende, den Blick in die Zukunft in den Vordergrund. Denn die Beschäftigten, die am vorherigen Standort auf dem Klett-Gelände im Stuttgarter Westen in unterschiedlichen Gebäuden saßen, sollen im neuen Domizil zusammenfinden. „Wir wollen den Zusammenhalt fördern“, betont die Geschäftsführerin.
Besondere Bedeutung kommt dabei den informellen Treffpunkten zu. Viel Platz und unterschiedliche Sitz- und Stehmöglichkeiten bietet der im Dachgeschoss gelegene zentrale Pausenraum. An der üppigen Küchenzeile mit vorgelagertem Küchenblock lassen sich Mittagessen und Snacks zubereiten. Verschiedene Kaffeesorten gibt es aus dem Automaten. Man kann sich an weißen, zu Quadraten gefügten Tischen und darum herum gruppierten grauen Kunststoffstühlen niederlassen. Als Alternative dienen Stehtisch und Barhocker. Gemütlicher sind einige grüne Liegestühle und eine Sitzlandschaft mit Sofa und Sitzpolstern.
Weiße Regale, die zugleich als Raumteiler fungieren, nehmen Bücher der verschiedenen Verlagsprogramme auf. Auf der Innenseite sind vertikale LED-Lichtbänder zu erkennen. Auf der geschlossenen Rückseite unterbrechen die beiden hinterleuchteten Unternehmenslogos die weiße Regalfläche.
Eine an zwei Seiten verlaufende, mit Holzplanken und Fliesen bedeckte Dachterrasse wird bei schönem Wetter gern aufgesucht, erzählt die Firmenchefin. „Sogar mittags zum Grillen.“ Im Dachgeschoss feiern die 95 Beschäftigten auch Weihnachts- und Sommerfeste. So wächst die Belegschaft zusammen. Aus Erfahrung weiß Schmidt: „Das kann man nicht verordnen, aber man kann räumliche und zeitliche Gelegenheiten für Begegnungen schaffen.“
Für formelle Treffen, etwa Vertretertagungen, existieren entsprechend ausgestattete Räume. In einem Flügel des Dachgeschosses sind drei verschieden große Konferenzzimmer angesiedelt. Zwei davon lassen sich mittels einer verschiebbaren Trennwand zu einem großen zusammenführen. Im anderen Flügel befindet sich gegenüber der Bibliothek ein weiterer kleiner Besprechungsraum mit Videokonferenzanlage der von allen gemeinsam genutzt wird. Dagegen sind die darunter liegenden drei Büroetagen einzelnen Abteilungen vorbehalten. Bei der Zusammensetzung achtete die Geschäftsführerin darauf, dass nicht mehr die Verlagssparten maßgeblich waren, sondern die Aufgabe. So gibt es nun beispielsweise auf der dritten Etage eine übergreifende Marketingabteilung und auf dem zweiten Stockwerk eine übergreifende Herstellabteilung.
Ähnlich wie diese Geschosse fällt auch die erste Büroetage aus. „Nur die Büroanordnung und damit die Größe der Räume weicht voneinander ab“, erläutert Innenraumgestalterin Stathopoulou.
Zweierbüros sind der Standard, aber es gibt auch Einzelbüros oder Zimmer für drei und vier Personen. „Lektorats- und Korrektoratsaufgaben erfordern ein hohes Maß an Konzentration. Deshalb kam ein Open Space nicht infrage“, begründet Schmidt die Raumaufteilung. Außerdem solle der eigene Schreibtisch ein Stück Heimat vermitteln, weswegen auch Desksharing beim Pons-Verlag keine Option darstellte. Zumal der Sprung zur Ausgangssituation zu groß geworden wäre: „An den vorherigen Standorten waren Einzel- beziehungsweise Zweierbüros mit häufig geschlossenen Türen üblich“, erinnert sich die Geschäftsführerin.
Transparenz und offenheit
Die neuen Räume sollten komplett anders ausfallen. Transparenz und Helligkeit kennzeichnen nun die Geschosse. Das liegt zum einen daran, dass die Büroräume an der Außenwandseite mit ihren großen Fenstern zur Straße beziehungsweise zum Innenhof angeordnet sind. Zum anderen fällt viel Licht durch die Glastrennwände in die Flure.
Gleichzeitig entsteht durch die Transparenz ein hohes Maß an Offenheit und die Möglichkeit, Sichtkontakt aufzunehmen. „Hier passen Gestaltung und Inhalt wunderbar zusammen“, freut sich die Innenarchitektin.
An den Glaswänden lässt sich ein Grafikkonzept ablesen, das die Unternehmensinhalte mit ihren beiden Sparten visualisiert. So verkörpert das an einigen Wänden aufgebrachte Alphabet in Form der Erstklässler-Lernschrift die Klett-Gruppe mit ihren Schulbüchern und Lernhilfen. Demgegenüber finden sich an anderen Wänden Aufzählungen der im Pons-Programm enthaltenen Sprachen sowie die Darstellung landestypischer Symbole in Form von Silhouetten. Dazu zählen etwa japanische Sumo-Ringer, russische Matroschka-Steckpuppen, tanzende türkische Derwische, Azteken-Häuptlinge aus Mittelamerika oder der Pariser Eiffelturm.
Noch wichtiger als der visualisierte Kontrast beider Geschäftsfelder ist Schmidt die Identifikation aller Beschäftigten mit dem Unternehmen. Dazu trügen solche Schriften und Symbole ebenfalls bei. Zusätzlich kommt ihnen eine optische Funktion zu, sagt Stathopoulou: „Das Auge soll an dieser ersten Ebene hängen bleiben und dann erst in den dahinter liegenden Büroraum als zweite Ebene blicken.“
Neben grafischen Elementen und bunter Wandgestaltung kommt die Wirkung von Farbe und Form an anderer Stelle zum Tragen. So fordern auf jedem Geschoss kleine Sitzecken mit grau-braunen Teppichen, türkisen Sofas, roten Couchtischen und einer Regalwand mit Büchern zum Verweilen oder Treffen mit Kollegen auf. Auch die Küchenzeile auf jeder Etage ist ein beliebter Anlaufpunkt. Eine mit dunkelrotem Filz ummantelte, wie angezogen wirkende Stützsäule in unmittelbarer Nähe wurde zum Stehtisch umfunktioniert.
Dagegen wirken die eigentlichen Büro- und Konferenzräume schlicht. „Ein bewusster Gegensatz“, sagt die Innenarchitektin. Dazu tragen ein durchgängig verlegter grau melierter Linoleumboden, weiße Tische und Stauraummöbel mit grauen Elementen sowie schwarze und hellgrüne Bürodrehstühle bei.
Neben den Schreibtischen befindet sich ein quadratischer, höhenverstellbarer Tisch. Er eignet sich für kurze Stehbesprechungen. Für den schnellen Gedankenaustausch sind auch die Container gedacht. Man rollt sie zum Tischnachbarn und nimmt auf dem darauf liegenden Sitzpolster Platz.
Das Erdgeschoss mit Poststation, Betriebsrats- und einem weiteren Besprechungszimmer wird derzeit wenig frequentiert. Die sich dort auf einer offenen Fläche befindlichen drei Doppelarbeitsplätze dienen deshalb als Raumreserve. Daran grenzt ein Ruheraum, in den sich Mütter und Väter mit ihren Kindern zurückziehen können. Eine breite Schlafcouch, ein Kinderschreibtisch und -stuhl sowie ein Sideboard, auf dem Spielzeug steht, bilden die Einrichtung.
Beim Begehen der einzelnen Etagen drängt sich jedoch ein anderer Eindruck als der des Rückzugs auf. Im Dachgeschoss zeugen Gelächter und Gespräche von angeregter Kommunikation in kleinen Gruppen. Die filzummantelten Stützpfeiler auf den Fluren dienen als Pinnfläche für Polaroidfotos von gemeinsamen Festen, Babybilder und Urlaubspostkarten. Untrügliche Anzeichen dafür, dass am neuen Standort das Wir-Gefühl wächst. be

Bautafel
Projekt: Pons GmbH
Standort: Stöckachstr. 11, 70190 Stuttgart
Bauherr: Pons GmbH
Innenarchitekt: Alexia Stathopoulou, Xiaworks, Stuttgart
Fertigstellung: 2014
Mobiliar (Auswahl): Büroetagen (EG bis 3. OG): Tische, Rollcontainer, Sideboards , Schränke und Gasfedertische von Oka und weitere mit Modifikationen und Sonderanfertigungen, Bürodrehstuhl ID Chair Trim von Vitra, Besucherstuhl A-Chair von Brunner, Leuchte Channel Up-Down von Regent Lighting; Handbibliotheken auf den Fluren (1. bis 3. OG); Dachgeschoss (Lounge und Showroom): modulares Sofa Connect von Muuto, Beistelltisch FK 05 Charlotte von E15, abgepasster Teppich Silky Seal 1200 von Object Carpet; Dachgeschoss (Aufenthaltszone): Hochtisch, Bar- und Thekenhocker Hoc, Stuhl A-Chair von Brunner, Tisch Arki Table von Pedrali, Pendelleuchte schallabsorbierend Pétale von Luceplan, Leuchte Flow Mikadosystem von Regent Lighting; Bodenbelag auf allen Geschossen: Linoleum Marmoleum Fresco von Forbo Flooring Systems
Anzahl der entstandenen Arbeitsplätze: 115
Bruttogeschossfläche: 2 500 m²

Genauer hingeschaut
Zielsetzung: Der Komplettumbau eines fünfgeschossigen Bestandsgebäudes für den Pons-Verlag umfasst Büro-, Pausen- und Konferenzbereiche sowie Küchen.
Raumkonzept: Auf den Büroetagen wurde darauf geachtet, dass außer klassischen Besprechungsräumen auch Bereiche für Begegnungen, kreativen Austausch und lockere Treffen entstehen. Maximal helle Arbeitsplätze entstanden durch die Glastrennwände der Einzel- bis Viererbüros zum Gang. Das Erd-geschoss hält eine offene Fläche mit Doppelarbeitsplätzen vor. Im Dachgeschoss befinden sich im Nordflügel die Konferenzräume. Der Westflügel beherbergt den großen Pausen-bereich mit Dachterrasse, der mit dem ein-gegliederten Showroom auch zu repräsen-tativen Zwecken genutzt werden kann.
Akustische Lösungen: abgepasste, runde Teppiche und Polsterelemente in den Lounge-Zonen, teilweise schallabsorbierende Pendelleuchten. Wegen der Aufteilung in Einer- bis Viererbüros entfielen weitere Maßnahmen.
Besonderheiten: Das intensive, frische Farbkonzept besteht aus verschiedenen Tönungen der CI-Farben Grün und Blau. Die Farben Orange und Rot des Mutterkonzerns Klett-Gruppe wurden mitverarbeitet. Um die Unternehmensinhalte zu visualisieren, sind die Glaswände mit einem eigens entwickelten Grafikkonzept versehen.


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