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Unter Bäumen

Architekturbüro Selgascano
Unter Bäumen

Auf einem bewaldeten Grundstück nahe Madrid arbeiten Architekten unter einem Blätterdach

Susanne Tamborini

Vom Traum, unter Bäumen zu arbeiten, erzählt das Atelier der spanischen Architekten Jose Selgas und Lucia Cano. Und davon, dass eine einfache Idee nicht automatisch auch einfach zu realisieren ist.
Inmitten des gewachsenen Baumbestandes wirkt das Büro so unauffällig wie ein flaches Gewächshaus: Zwei gerade einmal 1,21 Meter hohe, halb transparent/halb opake Dachhauthälften überspannen eine 18 x 3,5 x 1,23 Meter große Betonwanne, die bündig im Erdreich verschwindet, so dass die Mitarbeiter zwar in der Tiefe ihres leuchtend weiß und gelb gestrichenen Einraumbüros sitzen – aber arbeiten wie im Freien.
Aufbau und Konstruktion des Daches widmeten Selgascano große Aufmerksamkeit: “Es sollte so transparent wie möglich sein, zugleich aber die Arbeitsplätze vor Sonneneinfall schützen. Für die Nordseite verwendeten wir eine vorgeformte, transparente 20-mm-Acrylhaut, für die Südseite über den Arbeitsplätzen war mehr Schutz erforderlich, weshalb wir uns für eine opake, 110 mm dicke Doppelschale aus Fiberglaskomponenten mit isolierendem Polyethylenschaumkern entschieden.”
Doch dann wurde das vermeintlich Einfache kompliziert. Denn die auf der Basis von vorkonfektioniertem Industriehalbzeug ausgearbeitete Planungsgrundlage sollte von einem Generalunternehmer realisiert werden – und ein solcher war für das vergleichsweise bescheidene Bauvorhaben nur zu finden, weil die Architekten selbst in die Niederungen der zeitaufwändigen “Beschaffung” der einzelnen Komponenten und deren Vorkonfektionierung in Fertigbauteile eingestiegen sind.
“So wird beispielsweise eine der beiden für den Sandwichaufbau erforderlichen, gewölbten Fiberglaskomponenten nur in Zügen der Deutschen Bundesbahn eingesetzt. Wir hatten großes Glück, dass der Hersteller in Dänemark gerade einen größeren Auftrag abwickelte. Für unsere Mini-Kommission wäre die Fertigung nicht eigens angeworfen worden”, erinnern sich die Architketen.
“Auch musste ein Betrieb gefunden werden, der den Polyethylenschaumkern einbrachte, ein anderer, der die Acrylplatten vorformte und mit einer Dichtungslippe aus Silikon versah, ein weiterer, der die einzelnen Acrylplatten verband und schlussendlich ein Fachbetrieb, der die opalweißen, 10 mm starken Methacrylatscheiben für die Stirnseiten auf einen Stahlrahmen spannte. So können diese mit einer Art Flaschenzug über Gegengewichte variabel geöffnet werden und ermöglichen eine natürliche Querlüftung.”
Die braucht es auch angesichts der heißen Madrider Sommer. Nicht nur im Mikroklima erweist sich das vermeintlich Einfache als mitunter recht komplex. Doch ohne Träume keine Experimente. Selgascano ist für seine extravaganten Entwürfe bekannt.
Jose Selgas, Lucia Cano, Architekten, Madrid/E, www.selgascano.com
Fotos: Iwan Baan, Amsterdam/NL, www.iwanbaan.com
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