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Umbau zum JED von Evolution Design in Zürich/CH

Umbau zum JED von Evolution Design in Zürich/CH
Magie im ehemaligen NZZ-Druckzentrum

Aus dem vorherigen Druckzentrum der Neuen Zürcher Zeitung machte das Architekturbüro Evolution Design mit dem JED einen Ort der Innovation, Begegnung und Zusammenarbeit – mit Arbeitswelten, öffentlichen Zonen und einer Eventhalle.

Autorin Andrea Eschbach

Die Druckmaschinen standen ab dem 30. Juni 2016 still. An diesem Tag wurde die letzte Neue Zürcher Zeitung im hauseigenen Druckzentrum Schlieren produziert. Die gewaltigen Anlagen sind längst demontiert. Seit Mitte vergangenen Jahres präsentiert sich das historische Industriegebäude als moderner Hub nach einem Entwurf von Evolution Design unter dem Namen ‚JED‘. Der steht für „join explore dare“.

Offenes Konzept

Die neuen Eigentümer Swiss Prime Site (SPS) hatten eine Vision: „Wir wollten an dieser Stelle ein neues Zentrum für Wissenstransfer, Innovation und Unternehmertum kreieren“, erklärt Gianfranco Basso, Projektleiter von JED bei SPS. „Es führt mittlere und große Firmen aus verschiedenen Branchen zu einem Think- und Work-Tank für Business, Industrie und Gewerbe zusammen und kombiniert einzigartige Industriearchitektur mit modernen Arbeits- und Aufenthaltsplätzen.“

Dafür bot die ehemalige NZZ-Druckerei, nahe am Bahnhof gelegen, den idealen Platz. Schließlich gehört die direkt an den Wirtschaftsstandort Zürich angrenzende Gemeinde mittlerweile zu den Zentren der Start-up-Förderung in der Schweiz.

Die SPS erteilte den Auftrag für den Umbau des Gebäudes an das Zürcher Architekturbüro Evolution Design. Das Areal bietet auf 36 000 m² Fläche ein Büro- und Dienstleistungsgebäude, Gastronomie, Event- und öffentliche Flächen. Man hätte es sich auch einfach machen, den historischen Bau abreißen und einen neuen Büroturm hochziehen können.

Backstein, Beton und Stahl

Das kam für die Immobiliengesellschaft nicht infrage. Basso erklärt: „Das ehemalige Druckzentrum bietet für Immobilienentwickler gute Möglichkeiten. Emporragende Räume, die lange und bedeutungsvolle Historie sowie das Identifikationspotenzial der bestehenden Industrie- und Bürogebäude sind ideal für große Projekte.“

Die Architektur besteht aus Backstein, Beton, Stahl und viel Licht. Sie bietet große Flächen, hohe Räume und Traglasten, die auch außergewöhnliche Nutzungen erlauben. „Zudem spielte die Frage der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Deshalb haben wir uns entschieden, die Substanz zu erhalten, zu sanieren und umzubauen. Damit wurden beträchtliche Ressourcen eingespart“, sagt Basso.

Evolution Design verwob Alt und Neu

Der gemeinsame Ansatz für den Umbau nach Plänen von Evolution Design war schnell gefunden, erinnert sich Stefan Camenzind: „Uns schwebte ein offenes Konzept vor. Wir wollten den eingemieteten Unternehmen eine große Raum- und Nutzungsvielfalt zum Arbeiten und Sich-Austauschen bieten, aber auch den Bau für die Allgemeinheit öffnen.“

Der Executive Director von Evolution Design führt fort, dass der Bau neu von verschiedenen Seiten erschlossen wurde. Statt wie zuvor die Passanten um das hermetisch abgeriegelte Areal herumzuführen, kann man nun das Zentrum diagonal durchqueren. Die Portale im Westen und Süden des Hallenbaus bieten einerseits einen Zugang ins Foyer und fungieren andererseits als Wegleiter zwischen den öffentlichen Plätzen mit diversen Sitzgelegenheiten aus weißem Beton zwischen Wasser und noch jungen Bäumen.

Der Ankermieter Zühlke belegt einen Teil der ehemaligen Rota-Halle
Der Ankermieter Zühlke belegt einen Teil der ehemaligen Rota-Halle. Foto: Peter Würmli

Zwei Atrien als Zentrum

Sämtliche neue Elemente des Umbaus wurden als Stahlkonstruktion entworfen und sind in einem dunklen Anthrazit gehalten. Somit setzt sie sich sichtbar von der Bestandsfassade aus Backstein, den roten Fensterelementen und den weißen Fachwerkkonstruktionen der Dächer ab. Am auffälligsten ist das neu geschaffene dritte Obergeschoss, das sich als 4 m hohes Volumen auf der ursprünglichen Dachfläche erstreckt. Es verbindet – eingebettet zwischen den ehemaligen Technikzentralen – den Hallenbau mit dem Kopfbau. Zwei hohe Fenstergauben, die der weitläufigen Dachlandschaft einen markanten Ausdruck verleihen, ergänzen die Konstruktion.

Die Anforderungen der Ankermieter, dem Innovationsdienstleister Zühlke, dem Unternehmen für Bau- und Immobilienleistungen Halter sowie der Eventagentur JED-Events, galt es nun, flexibel zu integrieren. Um den Bau in seiner Form und Struktur zu erhalten, und gleichzeitig die Mietflächen zu maximieren, entwickelten die Architekten von Evolution Design ein additives Konzept, mit dem sie den Bestand erweitern und damit Alt und Neu ineinander verweben.

Die neuen Arbeitswelten entstanden zum einen durch eine Aufstockung und Erweiterung des dritten Geschosses, zum anderen durch großflächig eingefügte Dachoberlichter und mehrere Dachterrassen. Als besondere Ankerpunkte des Entwurfs von Evolution Design gelten zwei neue Atrien, die jeweils im Zentrum der beiden Flächen von Zühlke und Halter liegen.

Projektloft im Hallenbau

In der Arbeitswelt von Halter prägen helle Parkettböden die Atmosphäre. Die Wände sind roh belassen, die Spuren zeugen von der Geschichte des Gebäudes. Hier spiegelt der Raum die heutigen und künftigen Ansprüche des Unternehmens wider: Arbeitsplätze, Worklounges und Kreativbereiche.

Verschiedene Zonen in den Büroräumen von Halter
Verschiedene Zonen in den Büroräumen von Halter. Foto: Sandro Roth

Coworking-Angebot

In den Mittelzonen zwischen den Arbeitsbereichen befinden sich Rückzugsmöglichkeiten und Sitzungszimmer, die bei Bedarf spontan belegt werden können. Alle großen Sitzungsräume sind dagegen in ‚The Branch‘ zu finden, einem Coworking-Angebot, wo auch Drittfirmen Plätze buchen können. Das Atrium führt vertikal durch alle Geschosse und verbindet diese vom Unter- bis zum Dachgeschoss.

Die Zühlke-Welt befindet sich – wie die Flächen von Halter – im Hallenbau. Zühlke belegt einen Teil der ehemaligen Rota-Halle. Die Weitläufigkeit und Flexibilität des Hallenbaus unterstützt die Zusammenarbeit und Projektarbeit: „So haben wir beispielsweise ein Project Loft eingeführt, in dem Teams aus unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten können“, erläutert Nicolas Durville, Zühlke-Schweiz-CEO. Die neue räumliche Nähe erlaube es, noch stärker interdisziplinär in Projekten zu arbeiten.

Weitläufigkeit und Flexibilität des Hallenbaus
Die Weitläufigkeit und Flexibilität des Hallenbaus unterstützt die Zusammenarbeit und Projektarbeit. Foto: Peter Würmli

Repräsentativer Ort

Zudem begegnen sich auf der weitläufigen Piazza die Mitarbeiter. Dieser halböffentliche Platz sorgt für ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. Zugleich ist er ein repräsentativer Ort für Besucher und Kunden. Für ungestörtes, konzentriertes Arbeiten und vertrauliche Gespräche hat Evolution Design hier Quiet Zones und Meetingräume eingerichtet.

Die Kantine präsentiert sich weitläufig und licht. In den geschliffenen Betonboden ist intarsienhaft ein Eichenparkett eingelegt, das für Wohnlichkeit sorgt. Ein tribünenartiges Holzpodest lädt zu Veranstaltungen und zum Pausemachen ein. Neben den Mietflächen bietet das JED von Evolution Design auch multifunktionale, öffentliche Bereiche wie mehrere Eventlocations, eine Boulderhalle sowie Gastro- und Freizeitbereiche.

Treppe mit integrierten Sitzmöglichkeiten

Das Gebäude erschließt sich von mehreren Seiten. Das große Portal im Westen des Hallenbaus erzeugt mit 8 m Höhe eine einladende Geste zum Herzstück des Umbaus – dem großzügigen, L-förmigen Foyer mit Empfang sowie Café-Bar mit eigener Rösterei. Jake, der imaginäre, vom Illustrator Gregory Gilbert-Lodge entworfene Gastgeber der Bar, begrüßt Gäste und Mitarbeiter.

Eine spektakuläre Treppe mit integrierten Sitzmöglichkeiten leitet die Besucher über eine neu eingebaute Stahlgalerie zur Eventhalle und einer Lounge im ersten Geschoss. Der Bodenbelag aus Eichenparkett formt einen angenehm warmen Kontrast zu den rauen Oberflächen aus Stahl und Beton.

Das vom Studio LLAL entwickelte Lichtkonzept setzt auf Kugelleuchten für das Foyer und den Gastrobereich. Das kleinere Portal im Süden eröffnet einen weiteren Zugang zu den öffentlichen Bereichen. Der einst schmale, dunkle Korridor wich einer lichtdurchfluteten Halle mit Rampe zur Eventhalle.

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Das Restaurant ‚Eve’s Kitchen‘ im industriellen Stil besticht durch eine offene Küche und hochwertiges Mobiliar. Foto: Peter Würmli

Vision vom Hub ist Realität

In der Eventhalle erfährt man einmal mehr das großzügige Raumerlebnis. Die Halle greift das vom Industrieflair geprägte Ambiente der ersten historischen Druckhalle aus rohem Beton mit einer imposanten Höhe von 11,5 m und einer Länge von knapp 60 m auf. Gleichwohl ließ Evolution Design die Halle nahezu unverändert. Allein die Stahlgalerie auf der ersten Ebene kam hinzu. Über das Ostportal gelangt man zu ‚Eve’s Kitchen‘. Das Restaurant im industriellen Stil besticht durch eine offene Küche und hochwertiges Mobiliar, einen ansprechend gestalteten Barbereich und die Einbindung historischer Elemente aus der NZZ-Ära.

Vom Ergebnis des umfangreichen Umwidmungsprojekts zeigt sich der Stefan Camenzind bon Evolution Design überzeugt: „Unsere Vision vom Hub ist Realität geworden. Denn wir konnten damit beweisen, dass ein nicht mehr genutztes Industrieareal in moderne Arbeitswelten und einen Ort der Begegnung umgewandelt werden kann.“ Associate und Projektleiterin Jessica Mentz ergänzt: „Sanierungsprojekte sind in jedem Fall faszinierend. Die Erkundung eines veralteten Gebäudes kann großes Potenzial freilegen. Die Kombination von historischer Bausubstanz mit modernen Akzenten schafft eine Magie“.


Evolution Design

ist ein international tätiges Architektur- und Designbüro mit Sitz in Zürich und London. Sein Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung von Arbeits- und Lebensräumen, die den Nutzer in den Fokus stellen. Auf dem Foto (v.l.): Tanya Ruegg Partner und Creative Director, Marco Noch, Partner und Technical Director, Stefan Camenzind, Partner und Executive Director von Evolution Design

 


Fakten

Projekt: Umbau des ehemaligen NZZ-Druckzentrums in das JED (Join, Explore, Dare)
Standort:  Zürcherstraße 39, 8952 Schlieren, Schweiz


Bauaufgabe: Umbau und Erweiterung
Fertigstellung: Juni 2021
Bauherr: Swiss Prime Site
Architektur: Evolution Design, Zürich, Schweiz
Innenarchitektur/Grundausbau: Evolution Design
Arbeitsplatzkonzept Zühlke Büroräumlichkeiten: Spaceconcept, RBSgroup
Innenarchitektur und Mobiliar Zühlke Büroräumlichkeiten: Ernst, von Petersdorff + Partner
Innenarchitektur Halter Büroräumlichkeiten: Stücheli Architekten
Lichtplanung: Mettler + Partner (neu LLAL)
Mobiliar (Auswahl): Systemtrennwände Zühlke: ‚Life 137‘ der Lindner Group; Bodenbeläge in den öffentlichen Bereichen: ‚Vinyl Plank, Cider‘ von Floorify; Bodenbelag Zühlke: Interface; Beleuchtung: Spezialanfertigungen von HS Technics; Beleuchtung Halter: Licht und Raum; Beleuchtung Zühlke: Erco, HS Technics (Spezialanfertigungen), Occhio, Zumtobel; Möbel in öffentlichen Bereichen: u. a. Cor, Pedrali, Spacetor

Zur Website von Evolution Design

Studio Perspektiv verwandelt ein Heizwerk in Bratislava ein Coworking Center

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