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‚The Heart‘: Ein Haus als Dorf

Gemeindezentrum in Ikast/Dänemark
‚The Heart‘: Ein Haus als Dorf

‚The Heart‘, ein Gebäude, das wie eine Kleinstadt konzipiert ist: C.F. Møller Architects haben einen großen zentralen Innenraum kreiert, um einen „städtischen Platz“ mit einer Bühne für Veranstaltungen zu schaffen.

Autor Rolf Mauer

Der Neubau ‚The Heart‘, im dänischen ‚Hjertet‘ genannt, ist als Gemeindezentrum angelegt. Es vervollständigt die Anlage der International School im dänischen Ikast, die in Teilen bereits vor einigen Jahren von C.F. Møller Architects gebaut und jetzt erweitert wurde. Die Räume des Hauses mit unterschiedlichen Nutzungsszenarien müssen laut den Planern den Bedürfnissen einer multiethnischen, lokalen Bevölkerung genügen, während zeitgleich ein kleiner Teil des Raumprogramms für den Schulbetrieb reserviert ist.

Das Projekt ‚The Heart‘, trägt zur Verbesserung der Bildungseinrichtung an der International School Ikast-Brande bei und schafft gleichzeitig einen neuen Treffpunkt, der auf einen schnell wachsenden Bereich in der Kommune Ikast ausgerichtet ist. Wie die Architekten erklärten, suchten sie nach gestalterischen Lösungen, um verschiedenen Gruppen eine einladende architektonische Form zu bieten, die die vielfältigen Anforderungen berücksichtigt.

Ihr Vorschlag war, ein zentrales Forum zu gestalten, in das eine Bühne für alle gebaut wurde. Von hier werden sämtliche Gebäudefunktionen erreicht. Den Planern waren die vielen kleinen Nischen und Verstecke wichtig, die auch zurückhaltende und schüchterne Benutzer animieren mitzumachen, damit diese letztlich ebenfalls Teil einer größeren Gemeinschaft werden.

Zentrales Forum

Wie einen städtischen Platz umgeben verschiedene „Fassaden“ diesen zentralen Ort, der – obwohl das Gebäude nur zweigeschossig ist – ein großartiges Raumvolumen bietet. „Wir wollten viele verschiedene und parallele Aktivitäten kombinieren, um alle Räume den ganzen Tag über zu nutzen, sodass das Gebäude vom frühen Morgen bis zum späten Abend immer aktiv bespielt wird. Wir erdachten eine Architektur, die an eine Kleinstadt erinnert, mit unterschiedlichen Dachhöhen und einem Platz, der die Nutzer sammelt, führt und verteilt“, sagt Julian Weyer, Architekt und Partner von C.F. Møller Architects.

Im Haus gibt es ein Café mit Serviceküche und einen Ladenbereich, in dem Biolebensmittel aus einer lokalen sozioökonomischen Initiative sowie von Blinden gefertigtes Kunsthandwerk gekauft werden können. Die Erwartungen, die die unterschiedlichen Nutzer an ‚The Heart‘ stellen, haben zu einer bemerkenswert guten Architektur geführt, die aus einem Durcheinander von kleinen, miteinander verbundenen Häusern besteht.

Die Volumen wurden nebeneinander gestapelt, um das Konzept eines „Raumes für Jeden“ („Room for Everyone“) auszudrücken. C.F. Møller Architects arbeiten nach eigener Aussage mit einem sehr undogmatischen Ansatz. Auf diese Art fanden sie zu diesem Entwurf, der es ermöglicht, die Aktivitäten der Besucher parallel zu kombinieren. Das Gebäude verbindet auf neue Weise Bildung, Freizeit, Gemeinschaft und Bewegung. Die internationalen Schüler von Ikast werden somit zu einem selbstverständlichen Teil einer sehr breiten Gruppe von Nutzern, darunter Sportler, Musiker, Skater und Nutzer eines Projekts der Sozialpsychiatrie. Für junge Leute und Sportler ist zum Beispiel die zweigeschossige Sporthalle mit ihrer großen Glasfassade gedacht. Sie ist so angelegt, dass sich die Nutzer im Freien fühlen können. Insgesamt waren 35 Benutzergruppen an der Entwicklung des Gebäudes und des Parks beteiligt.

‚The Heart‘: Unaufgeregt und klar

C.F. Møller Architects verwenden eine zurückhaltende Architektursprache. Sie setzten viele unterschiedliche Materialien und Oberflächen so dezent und gut verteilt ein, dass diese sich ergänzen, ohne in Konkurrenz zu treten. Die Wechsel in den Oberflächen sind sehr fein und sorgsam detailliert. Das setzt eine sehr genaue Planung voraus. Die Architekten vertrauen nicht darauf, dass die eingesetzten Handwerker schon irgendeine Lösung für Belagswechsel finden. Es fällt auf, dass C.F. Møller Architects mit den in der Regel gestalterisch störenden, technischen Notwendigkeiten eines modernen Gebäudes überragend gut umgehen können.

Man entdeckt weder auffällige Wartungsklappen und Rauchmelder oder die sonst unvermeidlichen Inventarschilder an Leuchten und Steckdosen. Selbst die Sprinkleranlage wird im zentralen Forum gestalterisch integriert. Hölzerne Geländer bieten Durchblick in der Frontansicht, wirken aber in der Seitenansicht wie massive Fassadenscheiben.

Der Treppe gegenüber öffnet sich ein Durchgang, der Platz für Aufführungen bietet und der von einer massiven Ziegelwand bekrönt ist. Das Ensemble wirkt wie ein klassisches Bühnenbild. Es ist diese bewusste Doppeldeutigkeit des Entwurfs, die zu dieser ausgezeichneten Architektur führt.

‚The Heart‘ ist im Wesentlichen ein architektonisches „Schaufenster“, in dem gezeigt wird, wie unterschiedliche Benutzergruppen ihre vielfältigen Interessen in einer gut komponierten Freizeiteinrichtung verwirklichen können. Das Gemeindezentrum ist ein Beispiel, wie integrativ hervorragende Architektur sein kann.

Es ist aber auch ein Beispiel, dass gute Architektur nur ein Baustein im Gefüge einer funktionierenden Gesellschaft ist.

Hier im dänischen Ikast haben sich eine Reihe lokaler und nationaler Kooperationspartner, darunter ortsansässige Unternehmen und die Stiftung Realdania sowie die dänische Stiftung für Kultur- und Sporteinrichtungen dem Projekt angeschlossen, um sicherzustellen, dass ‚The Heart‘, ‘ ein Erfolg wird. Urbanismus, Landschaft und Architektur haben hier nahtlos zueinandergefunden.


Portrait: Mew

Julian Weyer

Der Architekt ist einer der geschäftsführenden Partner von C.F. Møller Architects. Zu den Arbeitsgebieten gehören Architektur, Stadtplanung und die Gestaltung von Bauteilen und Inneneinrichtung,

www.cfmoller.com


Factsheet

Projekt: The Heart

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