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Starke Gemeinschaft

tesa bringt Verwaltung, Forschungs- und Technologiezentrum unter ein Dach
Starke Gemeinschaft

Aus einem belebten Hamburger Stadtteil hinaus in ein Industriegebiet nach Norderstedt – der Umzug der tesa SE in ein neues Hauptquartier stieß bei den Mitarbeitern zunächst nicht nur auf Begeisterung. Doch das Unternehmen tat einiges, um der Belegschaft den Übergang zu erleichtern. Mit Erfolg.

Wäre da nicht das Ortsausgangsschild – man käme nicht auf die Idee, außerhalb Hamburgs zu sein. Die Landebahn des Flughafens liegt in Sichtweite, und ohnehin wächst die Hansestadt immer mehr mit dem nördlich gelegenen Norderstedt zusammen. Der Neubau der tesa-Zentrale führt hier rund 1 150 Mitarbeiter aus Verwaltung, Forschungs- und Technologiezentrum zusammen, die zuvor getrennt voneinander in verschiedenen Gebäuden am Standort des Mutterkonzerns Beiersdorf in Hamburg-Eimsbüttel tätig waren.
„Die Situation mit getrennten Gebäuden in unterschiedlichen Straßen war ineffizient“, blickt tesa-Sprecher Reinhart Martin auf die Zeit vor dem Umzug zurück. Und das war nicht alles. „Durch das Wachstum der vergangenen Jahre brauchten wir mehr Platz, auch das Forschungszentrum war zu klein geworden und zudem veraltet. Vor allem aber wollten wir die Kommunikation durch ein Campus-Konzept stärken, das alle Unternehmensbereiche auf einem Gelände zusammenbringt.“
Insbesondere von der räumlichen Nähe zwischen dem Forschungs- und Technologiezentrum und der Marketingabteilung versprach sich das Unternehmen einen schnelleren und intensiveren Austausch. Unter dem Projektnamen „one tesa“ wurde die Idee eines Umzugs konkretisiert, die im Raum stand, seit tesa 2001 als eigenständige Tochtergesellschaft aus dem Beiersdorf-Konzern ausgegliedert worden war.
Wer tesa lediglich als Hersteller von Klebebandrollen kennt, mag sich darüber wundern, dass das Unternehmen der Forschung eine so große Bedeutung beimisst. Tatsächlich ist tesa heute weit mehr als ein Produzent nützlicher Büroutensilien. „Das Consumergeschäft, etwa mit tesa-Film, macht nur ein Viertel unseres Umsatzes aus“, erklärt Martin. „Drei Viertel entfallen auf das Industriegeschäft, zum Beispiel auf Klebelösungen in Mobiltelefonen.“
Deshalb versteht sich tesa als hanseatisches Technologieunternehmen und will dieses Selbstbild auch mit der Architektur seines neuen Headquarters nach außen tragen. Michael Reuland, der den Neubau als Projektleiter begleitete, formuliert das Ziel: „Es sollte nicht protzig wirken, eher sachlich-funktional und technisch orientiert.“
Betritt man das Gebäude durch den Haupteingang, ist der erste Eindruck durchaus repräsentativ und elegant. Das Foyer hatte das Architektenbüro Brechensbauer Weinhart + Partner als Multifunktionsforum konzipiert. Es ist über drei Etagen offen und stellt sich geräumig, hell und luftig dar.
Einen Kontrast zu Glas und Stahl und den vorherrschenden Farben Weiß und Anthrazit bilden die Holzverkleidungen des Empfangsbereichs und des wie ein Haus im Haus integrierten Hörsaals mit 280 Plätzen, der für Versammlungen und Kulturveranstaltungen genutzt wird. Eine interaktive Medienwand und eine große beleuchtete Plastik, die an stilisierte Klebebandrollen erinnert, ziehen die Blicke auf sich.
Dass jedoch attraktive Architektur allein die Mitarbeiter nicht über den Verlust der Annehmlichkeiten einer gewachsenen Wohngegend mit gastronomischen Angeboten, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeiteinrichtungen hinwegtrösten würde, war den tesa-Verantwortlichen bewusst. Abhilfe schaffen im Neubau ein besonders attraktives Betriebsrestaurant mit angegliederter Barista-Bar, die auch die Möglichkeit bietet, Kleinigkeiten einzukaufen, sowie ein Sportbereich mit Massage- und Physiotherapieräumen im Untergeschoss.
Die Planer suchten früh den Dialog mit der Belegschaft und setzten auf offene Kommunikation und umfangreiche Beteiligungsmöglichkeiten. Dazu diente ein Multiplikatorenteam, dem je zwei Mitarbeiter aller Unternehmensbereiche angehörten. „Diese wurden regelmäßig über den Planungsstand informiert“, erläutert Martin. „Ihrerseits haben sie die Sorgen in den Abteilungen erfasst und mitgeteilt, sodass wir sie berücksichtigen konnten. Das war ein wichtiges Tool während der Planungsphase.“
Veranstaltungen wie das Richtfest, eine Weihnachtsfeier und ein Public Viewing zur Fußball-WM auf der Baustelle bauten innerhalb der Belegschaft früh eine Identifikation mit dem entstehenden Gebäude auf. „Als der Rohbau fertig war, konnten die Mitarbeiter erstmalig sehen: Das ist tesa, das sind wir“, erinnert sich Michael Reuland.
Bei der Büroorganisation entschied man sich für ein territoriales Konzept und richtete jedem Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz ein. „Wir wollten mit der Mobilität nicht zu weit gehen“, erklärt Reinhart Martin. „Unserer Kultur entspricht es eher, dass Jede und Jeder einen festen eigenen Arbeitsplatz hat.“
Durch die Kammstruktur des Grundrisses war für die einzelnen Abteilungen ein dreisträngiger Aufbau mit zwei Fassadenbereichen und einer Mittelzone vorgegeben. Für die weitergehende Planung galten Grundregeln: Es stehen maximal vier Schreibtische zusammen, spätestens alle 5,40 Meter strukturiert eine Wand den Raum. Pro zehn Mitarbeiter wird ein Rückzugsraum angeboten, der bedarfsgerecht für konzentrierte Tätigkeiten zur Verfügung steht.
Prinzipiell hat jeder Mitarbeiter gleich viel Platz zur Verfügung, mit Ausnahme der rund 30 Führungskräfte, deren etwas großzügigere Räume mit einem größeren Tisch ausgestattet sind. Diese können bei längerer Abwesenheit von den übrigen Mitarbeitern für Meetings genutzt werden. Zudem stehen auf allen Etagen zahlreiche Besprechungsräume unterschiedlicher Größe bereit.
variable flächenaufteilung
Die Planungsgruppe sprach Empfehlungen für die Zonierung aus und gab etwa den Tipp, in der Nähe der Eingangsbereiche wegen des zu erwartenden Durchgangsverkehrs stärker auf geschlossene Räume zu setzen und die hinteren Bereiche offener zu gestalten. Das betrifft besonders die Bereiche ab dem dritten Obergeschoss, wo das Bürogebäude wegen des gewünschten regen Ideenaustauschs direkt mit dem Forschungszentrum verbunden ist. „Wir gaben nur wenige Grundregeln vor und waren beratend tätig“, sagt Reuland. „Die detaillierten Entscheidungen blieben den Abteilungen überlassen. So haben wir nun 38 Einzelflächen mit identischer Geometrie, von denen keine wie die andere aufgeteilt ist.“
Zur Auswahl der Möblierung gab es ein Musterhaus auf der Baustelle, in dem die zur Diskussion stehenden Möbelprogramme zur Ansicht aufgebaut waren. Auf dieser Grundlage wählten schließlich 70 Mitarbeiter das Mobiliar aus. Sie entschieden sich für Möbel von König+Neurath und Bürostühle von Vitra. „Auch daran sieht man, dass es uns nicht um eine Sparlösung ging, sondern darum, ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen“, so Reuland. „Das ist auch eine Frage der Wertschätzung der Mitarbeiter.“ Alle Schreibtische sind elektronisch höhenverstellbar. Zur Beleuchtung dienen Arbeitsplatzleuchten von K.B. Form. Sie sind mit Präsenzmeldern ausgerüstet und können bis zu vier einzelne Tischzonen unabhängig voneinander geregelt beleuchten.
Als akustisch wirksame Elemente kommen in den Büros neben den Teppichen auch stoffbezogene Screens zwischen den Schreibtischen und Deckensegel zum Einsatz, die mit Kühlschlangen ausgerüstet sind und auch zum Heizen, Kühlen und Befeuchten der Luft eingesetzt werden. Sie können kleinteilig auf individuelle Vorlieben abgestimmt werden. Gleiches gilt für die Belüftung: Zusätzlich zur gesteuerten Frischluftzufuhr in allen Räumen lassen sich die Fenster manuell öffnen. Auch die Außenbeschattung ist per Hand verstellbar.
Ein gutes halbes Jahr nach dem Einzug zeichnet sich ab, dass die umfangreichen Maßnahmen sich für die Zufriedenheit des Personals auszahlen. „Die Mitarbeiter arbeiten gern hier“, fasst Reinhart Martin zusammen. Und tesa kann entspannt in die Zukunft blicken, denn der neue Standort bietet auch bei anhaltendem Wachstum ausreichend Erweiterungsflächen.
Guido Diesing

Bautafel

Projekt: one tesa

Standort: Hugo-Kirchberg-Straße 1, 22839 Norderstedt

Bauherr: tesa

Architekt: Brechensbauer Weinhart + Partner Architekten mbB, München

Akustikplaner: Müller BBM GmbH, Planegg

Gebäudetechnik: Scholze Jaeger GmbH, Stuttgart; ibb Burrer & Deuring Ingenieurbüro GmbH, Ludwigsburg

Bauzeit: Januar 2013 bis Dezember 2015

Mobiliar (Auswahl): Arbeitsplätze: Vitra (Bürostühle und allgemeine Flächen), König+Neurath (Arbeitsplatzmöbel und allgemeine Flächen); ein- und zweiarmige Varianten der Arbeitsplatzleuchte Vascone Grado für die blendfreie Beleuchtung von K.B. Form

Anzahl der entstandenen Arbeitsplätze: 1 150

Quadratmeter pro ABP: 13 bis 14m²

Brutto-Geschossfläche: 65 000 m²

Brutto-Rauminhalt: 275  000 m³

Baukosten: 170 Millionen Euro (Gesamtprojektkosten)


Genauer hingeschaut

Zielsetzung: Integration der Unternehmenszentrale sowie des Forschungs- und Technologiezentrums in einem Campuskonzept; Förderung der Kommunikation zwischen den Abteilungen mit kurzen Wegen; Schaffung eines funktionalen und zugleich angenehmen Arbeitsumfelds Bürotypen: vorher klassische Zellenbüros, jetzt transparente Wandgestaltung; ausgeglichenes Verhältnis zwischen offenen und geschlossenen Büroflächen

Desksharing: nein

Gemeinschaftsbereiche: gleichmäßig verteilte Kommunikationszonen an zentralen Punkten, offene Angebote in und um die ‧zentrale Eingangshalle (Forum)

Konferenzbereich: Ausstattung mit ‧moderner Medientechnik (Bildschirm, WLAN, ClickShare) und Einführung eines zentralen Buchungssystems (gingco) inklusive Displaylösungen an den Räumen

Klimatisierung: Heizung/Kühlung/Lüftung und Luftbefeuchtung (über Deckensegel)

Akustische Lösungen: Akustisch wirksame Deckensegel, Wandbespannungen und Screens zwischen den Schreibtischen

Beleuchtungskonzept: LED-Stehleuchten an den Arbeitsplätzen sowie Grundbeleuchtung in den Erschließungen in der Decke

Technische Arbeitsplatzausstattung: eigene Mobilfunkversorgung, vollflächig WLAN, Ausstattung aller Mitarbeiter mit Smartphones, Steigerung der Notebook-Quote

Ergonomische Ansätze: elektromotorisch höhenverstellbare Schreibtische

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