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Microsoft-Headquarter in München

Work-Life-Flow

An ihrem Hauptsitz hat die deutsche Tochter des IT-Konzerns ihre Idee der zeitlichen und räumlichen Flexibilität umgesetzt. Die Mitarbeiter können je nach Arbeitsaufgabe und individueller Tagesstimmung zwischen vier verschiedenen Zonen wählen. Räume für den Work-Life-Flow.

Wer das viergeschossige, verglaste Atrium betritt, das die vier Gebäudequader des neuen Microsoft-Headquarters in der Münchener Parkstadt Schwabing verbindet, spürt sofort: Hier geht es um Begegnung. Dazu bedarf es geeigneter Orte. Die bietet der öffentlich zugängliche Bereich im Erdgeschoss des Neubaus in reichlicher Zahl: Zunächst ist da die sogenannte „Digital Eatery“, eine Kombination aus Cafeteria und Showroom mit den neusten Microsoft-Produkten zum Ausprobieren. Für Gäste offen steht ebenso die Mitarbeiterkantine.
Eine skulpturale Holztreppe im Atrium mit Sitzstufen lädt zum Verweilen ein. Von dort aus lassen sich in Ruhe die sogenannten „digital chandeliers“ betrachten, von der Decke des Atriums hängende digitale Präsentationsflächen mit wechselnden Inhalten. Hier treffen sich die Mitarbeiter, hier können Besucher auf ihre Gesprächspartner in entspannter, gleichwohl geschäftiger Atmosphäre warten.
Das Atrium des Headquarters in Schwabing ist also nicht nur für zwanglose Treffen der 1 900 Beschäftigten gedacht, sondern auch, um Gäste und Menschen aus der Nachbarschaft willkommen zu heißen. Offensichtlich mit Erfolg. „Der Besucherzulauf ist enorm“, berichtet Markus Köhler, in der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland verantwortlich für Human Resources. Allein vom Zeitpunkt der Eröffnung am 11. Oktober bis Anfang Dezember vergangenen Jahres kamen mehr als 10 000 Gäste.
Prinzip Desksharing
Die meisten dürften sich für das neue Arbeitsplatzkonzept des IT-Unternehmens interessiert haben. Fest zugeteilte Arbeitsplätze für die Beschäftigten gibt es am neuen Hauptsitz nicht mehr. Vertraut vom alten Standort in Unterschleißheim sind ihnen aber offene Raumstrukturen.
Geübt sind sie auch darin, zeitliche und örtliche Flexibilität zu leben. Bei Microsoft setzt man die Idee des Work-Life-Flow konsequent um und will dabei weiter gehen als die in vielen Unternehmen praktizierte Work-Life-Balance. Der Computerkonzern orientiert sich dabei an der Lebenswirklichkeit seiner Mitarbeiter und ermöglicht ihnen mehr Freiheiten bei der Organisation des privaten und familiären Alltags.
Das räumliche Pendant zur zeitlichen Flexibilität haben die Münchener mit dem Neubau konsequent umgesetzt. „Nun haben wir das passende Gebäude für unsere Form zu arbeiten“, sagt der Personalchef. Und die sei von Teamarbeit, der Zusammenarbeit über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg und dem Fördern individueller Talente bestimmt.
In der architektonischen und innenarchitektonischen Umsetzung des Work-Life-Flow lässt sich das vor allem an der Vielzahl unterschiedlicher Raumangebote festmachen. Es gibt rund 70 Konferenz- und Besprechungszimmer für geplante Meetings, darüber hinaus eine Vielzahl an „Focus Rooms“ für je zwei bis vier Personen und „Phone Rooms“ für ungestörte Telefonate. „Social Hubs“, offene Zonen, teilweise mit Blick ins Atrium, erleichtern das spontane Zusammentreffen der Kollegen. Dazu laden sie mit Küchenzeile, Stehtischen und -hockern sowie Sitzinseln und Sofaecken ein.
Im Wesentlichen ist das neue Arbeiten beim Münchner IT-Vertriebs- und Marketingunternehmen vom Raum- und Arbeitsplatzkonzept „Smart Workspace“ bestimmt. Die Microsoft-Verantwortlichen entwickelten es zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart und dem Düsseldorfer Büro HPP Architekten. Es sieht vor, dass die Mitarbeiter je nach Art der Tätigkeit und ihren individuellen Bedürfnissen zwischen vier verschiedenen Arbeitszonen wählen können. „Mit dem Konzept stimuliert Microsoft das Arbeiten im Flow und schafft optimale Arbeitsbedingungen für ein produktives Hoch bei unterschiedlichen Leistungsanforderungen“, heißt es in einer Unternehmensmitteilung anlässlich der Neubaueröffnung.
Unterschiedliche Arbeitszonen
Die vier Arbeitszonen changieren zwischen maximaler Konzentration und Kommunikation. Der Internationalität des Konzerns geschuldet, wurden sie mit englischen Begriffen bezeichnet. Der „Think Space“ gilt als Rückzugsort für hochkonzentrierte Einzelarbeit. Hier bieten Cubes und Loungesessel ein hohes Maß an Abschottung. „Das ist fast wie in einer Bibliothek“, beschreibt Microsoft-Sprecherin Maren Michaelis die Atmosphäre.
Den klassischen Arbeitsplatz bildet der „Accomplish Space“ ab. Konzentriertes und individuelles Arbeiten stehen hier im Vordergrund. Deshalb wurden die verketteten Schreibtische mit akustisch wirksamen Trennwänden versehen.
Wer den kreativen Austausch und Dialog sucht oder für seine momentane Aufgabe benötigt, ist im „Share & Discuss Space“ richtig. Die Zone eignet sich für Brainstormings, das gemeinsame Entwickeln von Ideen und das Diskutieren von Konzepten. Leicht verschiebbare Sofas und Sitzhocker erleichtern das spontane Zusammenrücken – je nachdem, wie groß die jeweilige Gruppe ist.
Der „Converse Space“ ist für abstimmungsintensive Zusammenarbeit im Team gedacht. Er wurde für gemeinsame Projektarbeit oder den schnellen Wechsel zwischen Allein- und Teamarbeit konzipiert. Die Möblierung unterstützt diesen Wechsel. So wurden beispielsweise zwei gegenüber liegende hohe Sofas sowie breite, niedrige Sessel und Coffee Tables für die Einzelarbeit vorgesehen. Benachbarte Stehtische stehen für die schnelle Absprache zwischen den Kollegen bereit.
Trotz aller räumlichen Flexibilität sitzen die Mitglieder der Teams oder Abteilungen zusammen. Je nach Größe der Teams und Abteilungen beanspruchen sie unterschiedlich große Flächen, sogenannte „Anchor Areas“. Jedem Gebäudequader ist eine Farbe zugeordnet. Auf jeder Etage gibt es alle vier Arbeitsbereiche – „Think“, „Share & Discuss“, „Accomplish“ und „Converse“ mehrfach. Sie sind in der jeweiligen Grundfarbe des entsprechenden Gebäudequaders gestaltet.
Dabei achteten die Innenarchitekten von HPP darauf, dass die vier Bereiche je nach Etage und Gebäudeteil variieren. „Neben der neutralen Grund-stimmung warmer Grautöne sind innerhalb eines Bereichs alle Akzente in Varianten der jeweiligen Farbe gestaltet. So ergeben sich intensive, leuchtende bis zurückhaltend pastellige Farbabstufungen“, sagt Reiner Schulz, Projektleiter bei HPP Architekten. In den Bereichen, in denen die Mitarbeiter der unterschiedlichen Abteilungen zusammenkommen – das betrifft vor allem die Social Hubs und Besprechungsräume – wurden die vier Farbwelten kombiniert.
Besonders wichtig war den Experten von HPP die Auswahl der richtigen Möbel. „Neben der Funktionalität wollten wir sicherstellen, dass sich die Mitarbeiter in den unterschiedlichen Arbeitszonen wohlfühlen und diese Möbel gerne nutzen“, sagt Architekt Schulz. Farbliche Akzente sowie die Haptik der Stoffe und übrigen Materialien würden eine hohe Aufenthaltsqualität erzeugen. Darüber hinaus stünden die Farben und Materialien für Wärme, Energie, Konzentration und Kommunikation. Der Wohlfühlaspekt spielt eine große Rolle im Arbeitsplatzkonzept und damit der Unternehmenskultur des weltweit agierenden Konzerns. Das unterstreicht Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland: „Innovation entsteht, wenn Menschen diskutieren, ihr Wissen teilen und gemeinschaftlich an Lösungen arbeiten können. Unser Smart Workspace Konzept bietet uns Raum für diese Kultur.“
Autorin Gabriele Benitz


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