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Multifunktionaler Anbau

Wie man für ein wachsendes Unternehmen baut
Multifunktionaler Anbau

Das mittelständische Familienunternehmen Bachmann in Stuttgart-Vaihingen will seinen Mitarbeitern ein optimales Arbeitsumfeld bieten. Der Anbau mit einem Marktplatz im Erdgeschoss stellt ein Herzstück der Firma dar, die trotz des Wachstums den Anspruch besitzt, eine familiäre Atmosphäre beizubehalten.

Autorin Katharina Feuer

Der Mittelstandsbetrieb Bachmann aus Stuttgart-Vaihingen ist ein weltweit operierendes Unternehmen der Elektrotechnikbranche. Es entwickelt, produziert und vertreibt elektrotechnische Komponenten und Systeme. Neben Energiemanagementlösungen gehören auch multifunktionale Tischanschlussfelder zum Produktportfolio. Einen Schwerpunkt bilden Zukunftsthemen wie Energiemanagement und -effizienz für Rechenzentren und die Industrie sowie Gebäudeinstallationssysteme.
1947 gegründet, arbeiten mittlerweile weit mehr als 600 Mitarbeiter in Deutschland, Rumänien und China für das Unternehmen. Der Verwaltungs- und Entwicklungsstandort im Gewerbegebiet Vaihingen wuchs in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Ein weiterer Anbau soll den wachsenden Platzbedarf lösen.

Anbau für mehr Arbeitsplätz und Gemeinschaftsflächen

Im vergangenen Jahr entstand daher ein dreigeschossiger Anbau, der im Grundriss das Gebäude zur L-Form verändert. Mit ihm entsteht mehr Raum für Arbeitsplätze für 50 Mitarbeiter, Besprechungsräume, Ausstellungsfläche und gemeinschaftlich genutzte Bereiche sowie einem neuen Gleichstrom-Rechenzentrum.
Der wachsende Mitarbeiterstamm machte den Anbau notwendig, obwohl man erst vor sechs Jahren das Erdgeschoss aufwendig umgebaut hatte, um den Mitarbeitern größere Gemeinschaftsflächen zur Verfügung zu stellen.
Das Erdgeschoss bindet viele Funktionen: Haupteingang, kleiner Empfang, Liebherr-Showroom, Tische und Sitzmöglichkeiten für die Mittagspause der Angestellten, Produktpräsentation des Unternehmens sowie Seminar- und Schulungsräume. Dabei dient das gesamte Erdgeschoss mit dem Showroom als Präsentationsfläche für die eigenen Produkte – auf Ausstellungsstelen und in der Anwendung.

Neu: Lounge-Bereich mit Besprechungsnische

Der neue Anbau, der das Gebäude in einem 45-Grad-Winkel weiterführt und eine L-Form ergibt, erweitert die bisherigen Funktionen um einen Lounge-Bereich mit Küche und Tresen, Besprechungsnische und dem Gleichstrom-Rechenzentrum, das mit Licht in Szene gesetzt wird. Für den Neubau zeichnen SchleicherHeinemeyerBeck Architekten aus Stuttgart verantwortlich.
Innenraumgestalter Carlo André, Inhaber des Büros c+ interiordesign, betreute den ersten Umbau vor sechs Jahren und knüpfte an sein gestalterisches Konzept beim aktuellen An- und Umbau an. „Die Mitarbeiter stehen in diesem Familienunternehmen ganz klar im Mittelpunkt. Der Gemeinschaftsbereich im Erdgeschoss ist kein leeres Versprechen an die Belegschaft, sondern wird rege genutzt.“
Anbau, Arbeitsplätze, Büroplanung
Hinter der halbrunden Wand verbirgt sich ein weiterer Besprechungstisch für bis zu vier Personen.
Er fügt hinzu „Es ist toll zu sehen, was hier noch für ein Zusammenhalt besteht.“ Wünsche und Anregungen der Mitarbeiter nahm André auf und versuchte diese sinngemäß umzusetzen. Leitworte wie „Miteinander“, „Freude“, „Ehrlichkeit“ und „Respekt“, die auf die runden Wände geschrieben wurden, sind keine leeren Worthülsen, sondern stehen für den Umgang, den man sich im Unternehmen wünscht und lebt.

Arbeitsplatzkonzept mit Open Space

André nutzt Licht als gestalterisches Element. Sowohl das Gleichstrom-Rechenzentrum als auch die Produkte setzt er damit effektvoll in Szene. Abgehängte, akustisch wirksame, runde Decken mit Schattenfugen und changierender Lichtwirkung definieren einzelne Zonen. Drei unterschiedlich große Seminar- und Konferenzräume zieht er beispielsweise optisch so zusammen. Sie ergeben einen großen Besprechungssaal, sobald die mobilen Trennwände weggeschoben sind.
Diese sind mit Kommunikationstechnik ausgestattet wie kabelloser Präsentationstechnik, drahtlosem Mikrofon mit Beschallung über Deckenlautsprecher, Displays an der Wand, HDMI & VGA-Eingänge in den Tischen sowie Telefonanschluss.
Anbau, Arbeitsplätze, Büroplanung
Fährt man die Trennwände zur Seite, entsteht ein Besprechungsraum für bis zu 35 Personen.
Auch das Thema des Kreises nutzt André vielerorts als Element, um Zonen zu definieren: mit dem runden Tresen im Gemeinschaftsbereich, mit den Wänden, an der Decke, den Teppichen am Boden und den runden Einbauleuchten, die auch in den Besprechungsräumen vorzufinden sind. Der dreigeschossige Anbau verfügt neben dem Erdgeschoss über drei weitere Ebenen mit Arbeitsplätzen, hauptsächlich als Open Space. Das Arbeitsplatzkonzept stammt vom Stuttgarter Bürofachhändler Pahl.
Dem Anbau und Umbau im Bestand gingen Planungsgespräche mit der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern voraus. Gemeinsam wurden Bedarf und Arbeitsabläufe definiert, die später in der Umsetzung nach Möglichkeit berücksichtigt wurden. Im Hinblick auf Optimierungswünsche der Mitarbeiter zelebriert man prinzipiell ein „offenes Ohr“ seitens der Geschäftsleitung.

Zweier- und Vierer-Arbeitsplatzinseln

So optimiert Carlo André zurzeit noch manches. Aktuell erhalten manche Großraumbüros mit Zweier- und Vierer-Arbeitsplatzinseln zusätzliche schallabsorbierende Trennwände, die neue, interne Abteilungen mit erhöhter Lautstärke gliedern. Neben offenen Arbeitsflächen gibt es wenige Einzelbüros für Abteilungsleiter, die neben ihren Abteilungen liegen – kurze Wege sind so gesichert.
Im Vertrieb und in der IT sitzen auf eigenen Wunsch die Marktsegmentleiter mit ihren Teams zusammen. Die Personalabteilung und das Marketing sind gewachsen. Eigene Räume stehen der Geschäftsleitung zur Verfügung, ebenso der Buchhaltung.
Anbau, Arbeitsplätze, Büroplanung
Sichtachse – kleiner Lounge-Bereich und Produktpräsentation, dahinter der größere Besprechungsraum für bis zu zwölf Personen.
Geschuldet ist diese Handhabung dem Datenschutz und der Einsicht, dass ein offenes Konzept nicht immer sinnvollist in Hinblick auf die Konzentration. Insgesamt gibt es im Alt- und Neubau zwölf Besprechungsräume und Rückzugsmöglichkeiten mit wohnlichem Charakter, sodass auch vertrauliche Gespräche möglich sind. Die Namen für die Besprechungsräume wie „Friends“, „Team“, „Passion“, „Trust“ und „Spirit“ wurden auf Basis einer internen Mitarbeiterumfrage zum Thema „Werte“ ausgewählt.
Unter dem Schrägdach des Neubaus, das mit Solarpanelen bestückt, einen Großteil der Energieversorgung abdeckt, befinden sich die Arbeitsplätze der IT und der Entwicklungsabteilung BTG, Bachmann Technologie GmbH & Co. KG, für Forschung und Entwicklung, eine Tochter der Gruppe. Hohe Decken lassen den Raum großzügig und hell wirken, dabei wurde die Deckenbalkenkonstruktion aus Holz sichtbar belassen.
Anbau, Arbeitsplätze, Büroplanung
Hohe Decken im dritten Stock in der Entwicklungsabteilung. Fotos: Andrea Nuding
Bei der Wahl des Mobiliars entschied man sich wieder für die Produktpalette von Steelcase und kombinierte diese mit eigenen Produkten, wie Consolidation Points (Installationslösung zur Unterbodenverteilung). Das aufgestockte Sortiment ergibt so ein einheitliches Bild.

Alle Etagen erhielten für eine flexible Nutzung Kommunikationsecken mit höhenverstellbarem Tisch und Stehhockern für eine kurze, effektive Absprache. Jede Ebene weist einen Besprechungsraum für bis zu acht Personen auf, der mit der entsprechend notwendigen modernen Kommunikationstechnik ausgestattet ist.

Gestaltung von Mitarbeiterflächen

Für kurze private Gespräche und um seine Kollegen im Großraum nicht zu stören, bietet André eine Telefonzelle im Raum als Lösung an. Ein blickdichter Vorhang grenzt den Telefonierenden ab, der so in Ruhe sprechen kann. „Ob dieses Angebot tatsächlich angenommen wird, wird sich zeigen”, meint Carlo André.
Die komplette Verkabelung findet unter dem Doppelboden statt. Das Unternehmen verwendet seine eigenen Bodenauslässe und Tischanschlussfelder für den Zugriff auf Daten- und Stromanschlüsse. Der Teppichboden in allen offenen Flächen, textile Rollos und akustisch wirksame Decken sichern eine gute Akustik mit kurzer Nachhallzeit. Im Sommer schützen Rollläden vor einer direkten Sonneneinstrahlung.
Jede Etage besitzt eine Küchenzeile. Im Erdgeschoss ermöglichen Mikrowellen und Kochfelder den Mitarbeitern, mitgebrachtes Essen aufzuwärmen. Zudem bietet die Firma eine wechselnde Auswahl an Menüs an, die vor Ort aufgewärmt werden und die das Unternehmen teilweise subventioniert. Der Marktplatz als Treffpunkt im Erdgeschoss wird in diesem Zusammenhang für eine gemeinsame Pause gut genutzt. Im Sommer stehen zusätzlich zwei Sonnenterrassen und angelegte Grünflächen zur Verfügung.
Weitere Abwechslung bietet in der Garage ein Tischkicker, an dem sich regelmäßig Kollegen zusammenfinden. Sollte man tatsächlich auch mit dem Neubau an seine Kapazitätsgrenzen kommen und erneut erweitern müssen, hätte die Firma die notwendige Fläche zur Verfügung. Dann entstünde aus dem L ein U. Aber darüber will man jetzt noch nicht nachdenken.

Fakten
Projekt: Anbau für Firma Bachmann GmbH & Co. KG
Standort: Ernsthaldenstraße 33, 70565 Stuttgart
Bauherr: Vermögenstreuhand Dr. G. Elsässer GmbH & Co. KG
Architekt: SchleicherHeinemeyerBeck Architekten, Stuttgart, www.heinemeyerbeck.de
Innenarchitekt: c+ interiordesign, Stuttgart, www.cplus-interiordesign.de
Bürofachhändler: Pahl Büro & Objekt, Stuttgart
Bauzeit: Juni 2014 bis März 2015
Mobiliar (Auswahl): Steelcase, Sedus und König & Neurath. Stühle von Steelcase: Think, Tische von Steelcase: Vitesse II – Tisch Typ 10/gerade, Quer-Rollo-Schränke 2 OH und 3 OH, Drehtürsschränke 6 OH
Anzahl der entstandenen Arbeitsplätze: ungefähr 50
Bruttogeschossfläche: Gesamt 645 m², nur Anbau (2014/15) 216 m²

Genauer hingeschaut
Zielsetzung:
  • Flächen für neue Arbeitsplätze schaffen
  • Gestaltung von Mitarbeiterflächen
  • Konzeptionierung eines Showrooms, der firmeneigene Produkte in der Anwendung zeigt, und ebenfalls für Mitarbeiter sowie interne Veranstaltungen (Jubiläen, Workshops, Tagungen) genutzt werden kann
  • Neue Konferenz- und Schulungsräume
  • Inszenierung des Gleichstrom-Rechenzentrums
  • Showroom für die Industrievertretung Liebherr (Kühl- und Gefrierschränke)
Vorgehensweise:
  • Räumliche Zonierungen durch eingestellte Trockenbauwände, fließender Übergang von Neu und Alt
  • Schaffen von Blickachsen
  • Übernahme und Fortführung des bestehenden Gestaltungsprinzips: Rundwände, Ablösung von Decke/Wand, Spiel mit Kontrasten (Rohbauausbau) und Materialien
Akustische Lösungen: Schallabsorbierende Flächen, akustisch wirksame Decken, Vorhänge und Textilien
Ergonomische Ansätze:
  • Höhenverstellbare Tische und High-Desks in Besprechungsräumen
  • Armauflagen und entsprechende Bestuhlung
Raumtypen: Sowohl Open Space als auch Einzelbüros, abhängig von Abteilung
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