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Merck Innovation Center in Darmstadt von Henn Architekten

Merck Innovation Center in Darmstadt
Alles im Fluss

Mit dem Gründerzentrum von Merck haben die Architekten von Henn eine hierarchiefreie, hochflexible und offene Arbeitslandschaft geschaffen. Im Merck Innovation Center gehen die Räume über die Geschosse hinweg fließend ineinander über.

Autor Christian Schönwetter

Was Audi für Ingolstadt und BASF für Ludwigshafen, ist Merck für Darmstadt. Der weltweit tätige Konzern besetzt mit seiner Zentrale und seinen Fabrikationshallen ein riesiges Gelände und ist der wichtigste Arbeitgeber vor Ort.

Wer das Pharma- und Chemieunternehmen im Norden Darmstadts besucht und mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, verlässt die Straßenbahn am Emanuel-Merck-Platz, der nach dem Firmengründer benannt ist; schon daran lässt sich die Bedeutung des Betriebs für die Stadt erahnen. Das angrenzende Areal soll sich in den kommenden Jahren schrittweise von einem Produktionsstandort zu einem Wissenscampus wandeln. Ähnlich wie der Konkurrent Novartis in Basel hat sich auch Merck einen Masterplan für diesen Transformationsprozess entwerfen lassen und setzt bei der Verwirklichung auf anspruchsvolle moderne Architektur.

Henn Architekten
Das Merck Innovation Center direkt am Emanuel-Merck-Platz in Darmstadt gelegen, ist das neue Gesicht des Konzerns. Foto: HG Esch

„Das Unternehmen möchte sich gegenüber der Stadt und der Öffentlichkeit öffnen und sein Erscheinungsbild ändern“, betont das Architektenteam von Henn, das mit dem Masterplan beauftragt wurde.

Merck Innovation Center will Austausch fördern

Den wichtigsten Baustein bildet das Merck Innovation Center, denn direkt am Emanuel-Merck-Platz gelegen, ist es das neue Gesicht des Konzerns. Die komplett verglaste, teilweise geschuppte Gebäudehülle begrüßt Besucher mit einladender Geste. Dass sie so transparent, leicht und filigran geraten konnte, nötigt dem Betrachter Respekt ab, wenn er weiß, dass sie Explosionen standhalten muss – das Chemiewerk von Merck gilt rechtlich als Störfallbetrieb, in dessen Umgebung sämtliche Bauten erhöhte Sicherheitsanforderungen zu erfüllen haben.

Architekturführer Deutschland
Merck Innovations Center von Henn Architekten. Foto: HGEsch

Im Inneren fließen weiche Formen

Präsentiert sich das Merck Innovation Center außen in geradliniger Orthogonalität, so überrascht es im Inneren mit weich fließenden Formen. Das gesamte Gebäude scheint ein einziges Raumkontinuum zu sein, bei dem die Grenzen zwischen den verschiedenen Zonen, ja sogar zwischen den Stockwerken verschwimmen.

Sanft geschwungene Treppen führen beinahe unmerklich von einer Etage zur nächsten, Lufträume verbinden die versetzten Ebenen miteinander, Brücken spannen sich quer durch den Raum. Erschließungskerne auf ovalem und Deckenausschnitte auf bogenförmigem Grundriss verleihen dem Inneren eine ungeheure Dynamik.

Henn Architekten
Brückenartige Verbindungen verdichten das Zentrum des Gebäudes. Foto: HG Esch

Die offene Architektur des Merck Innovation Centers fördert informelle Begegnungen zwischen den Menschen, die hier arbeiten; die weiten Räume mit ihren stolzen sechs Metern Höhe laden zum freien Denken geradezu ein. Und genau das sollen sie auch. Denn in diesem Ambiente möchte Merck neue Geschäftsideen entwickeln. Nicht nur eigene Mitarbeiter können hier Projekte vorantreiben, sondern auch externe Gründer. Es soll eine inspirierende Kultur der Offenheit und des Austauschs herrschen, Platz für Teamarbeit, Net- und Co-Working geben.

Der Co-Creation Space des modularen Merck Innovation Center ist für Mitarbeiter und Gäste frei zugänglich.

Räumliches Umfeld für Start-Ups

„Das Merck Innovation Center ist nicht nur ein Gebäude – es ist eine Denkweise“ fasst Merck seinen Ansatz zusammen. Vierzig Start-Ups hat der Konzern seit 2015 bereits unterstützt, nun bietet er ein räumliches Umfeld, das exakt auf diesen Zweck zugeschnitten ist.

Weil es immer wieder neue, temporäre Teams in wechselnden Größen gibt, war ein flexibel nutzbarer Grundriss gefragt. Mit Spannweiten von zwanzig Metern erlaubt das tragende Stahlbetonskelett daher eine außerordentlich freie Einteilung der Arbeitsflächen. Die Decken werden nur von vier Innenstützen, den Erschließungskernen und den Stützen entlang der Fassaden getragen. Eine hochglanzpolierte, spiegelnde Bekleidung aus Edelstahl nimmt den Rundstützen die Schwere und lässt sie optisch beinahe verschwinden.

Merck Innovation Center
Jede Arbeitsfläche ist für eine Projektgruppe aus externen und internen Mitarbeitern vorgesehen. Foto: HG Esch

Steter Wandel in Projektflächen

Auf jeder Etage befinden sich zwei offene Projektflächen. Sie liegen sich diagonal gegenüber und sind so möbliert, dass sie sich an unterschiedlich große Arbeitsgruppen anpassen lassen, indem rollbare Tische und Schränke ohne großen Aufwand in immer neuen Konstellationen zusammengestellt werden. Loungesessel laden zum Entspannen oder zum lässigen Brainstorming ein. Eine hochwirksame Akustikdecke dämpft den Geräuschpegel.

Merck Innovation Center
Isometrie des Merck Innovation Centers. Plan: Henn Architekten

Außergewöhnlichen Raumhöhe

Wer sich dennoch zur konzentrierten Einzelarbeit oder für Besprechungen zurückziehen möchte, findet entlang der Fassade und auf Zwischengeschossen abgetrennte Räume. Ihre Glaswände gestatten jederzeit Einblick. Außerdem sorgen sie zusammen mit der außergewöhnlichen Raumhöhe dafür, dass Tageslicht von der Fassade bis weit ins Innere gelangt – keine leichte Übung bei einem Gebäude von 40 Metern Tiefe. Seine hochkompakte Kubatur minimiert Energieverluste und hat dazu beigetragen, dass der Bau ein LEED-Zertifikat in Platin erhielt.

Merck Innovation Center
Ein dynamisches Raumkontinuum verbindet die einzelnen Arbeitsbereiche zu einem räumlichen Netzwerk. Foto: HG Esch

Kommunikation im Merck Innovation Center

Als Ergänzung zu den Arbeitsflächen bietet das Erdgeschoss ein Auditorium, das erste Obergeschoss eine Bibliothek und die oberste Etage eine Werkstatt. Doch was die Kommunikation im Merck Innovation Center wahrscheinlich am meisten fördert, ist die direkte Anbindung an das Mitarbeiterrestaurant. Es dockt im Erdgeschoss an, erstreckt sich über drei Ebenen und ist mit ähnlich geschwungenen, fließenden Formen gestaltet wie die Projektflächen. Die allerbesten Ideen kommen Teams bekanntlich beim zwanglosen Plausch in der Mittagspause.

Ein Interview mit Gunter Henn sowie weitere Bilder zum Projekt finden Sie hier


Architekt Gunter Henn

führt mit 18 Partnern das international tätige Architekturbüro Henn mit Standorten in München, Berlin und Peking. Zu den Tätigkeitsbereichen gehören Arbeitswelt und Kultur, Lehre und Forschung sowie Produktion und Masterplanning.

www.henn.com

Portrait: Henn Architekten

Factsheet

Projekt: Merck Innovation Center

Standort: Emanuel-Merck-Platz 1, Darmstadt

Bauherr: Merck KGaA

Bauaufgabe: Büro/Forschungsgebäude und Mitarbeiterrestaurant

Fertigstellung: 02/2018

Geschosse: 5

Bruttogeschossfläche: 21 950 m²

Materialien (Decke, Wand, Boden): Metallische Lochdecke: Durlum; Glastrennwände: Dorma

Möblierung: Foyer: Sessel Hay, Beistelltische Kristalia; Glaskugel-Pendelleuchten: Neocraft; Bürostühle: Hag

Fotos des Merck Innovation Center: HG Esch

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