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Malka Architecture gestaltet Wandel

Mutierende Möbel

Die Unternehmenskultur spiegelt sich in einer adäquaten Arbeitsumgebung für ihre Mitarbeiter wider. Eine solche hat Malka Architecture für den Kreativpool von Pernod Ricard geschaffen.

Autorin Christiane Sauer

Auch und vor allem sehr traditionelle, etablierte Marken wie die französische Spirituosengruppe Pernod Ricard investieren in die Zukunft der Marke. Die dem Unternehmen zugeordnete „Breakthrough Innovative Group“, kurz BIG, arbeitet an innovativen Konzepten, die nach Antworten auf ein sich änderndes Konsumentenverhalten und die sich daraus ergebenden Anforderungen an die Industrie sucht.

Unter dem selbstbewussten Motto „Reinvent the Workspaces“ wurde Stephane Malka, Malka Architecture, Paris, beauftragt, entsprechende Räume für die unterschiedlichen Aufgabenbereiche von BIG zu kreieren.

Malka Architecture
Die Küche ist dem Sitzbereich im Atrium angeschlossen.
Foto: Laurent Clément

Zur Verfügung stand das dreistöckige Hauptgebäude eines ehemaligen Industriekomplexes im Zentrum von Paris (9e). Malka Architecture baute es um und ordnete jedem der drei Geschosse einen eigenen Funktionsbereich zu: Im Untergeschoss befindet sich der „Make Tank“ mit einem zentralen Atrium sowie Platz für Verkostungen samt Küche. Auf Straßenniveau residiert der “Do Tank“.

Malka Architecture entwickelt einen multifunktionalen Raum

Hier werden Geschäfts- und Marketingkonzepte entwickelt. Unter dem Dach schließlich der „Think Tank“ für kreatives Arbeiten und Ideenfindung. Und last but not least in einem angrenzenden Gebäudeteil „BIG White“, ein multifunktionaler Raum für Events, Ausstellungen oder Pop-up Stores.

Malka Architecture
Foto: Laurent Clément

Um den dynamischen Prozessen, die in den Räumen stattfinden, auch in der Möblierung zu entsprechen, entwickelten die Architekten eine wandlungsfähige Möblierung, die sie provokativ als „mutant furniture“ bezeichnen. Besonders augenscheinlich ist dieser Ansatz in dem, einem Amphitheater nachempfundenen, zentralen Bereich des „Make Tanks“.

Malka Architecture
Der Boden wird zur wandelbaren Sitzlandschaft.
Foto: Laurent Clément

Hier wird der Holzboden gleichsam zu dreidimensionalen Möblierungselementen extrahiert, zu einer geometrischen Boxen-Landschaft, die nach Belieben betreten, besessen, auf alle Fälle jedoch vielfältig benutzt werden kann. Sogar als Stauraum finden Boxen Verwendung – in der aufklappbaren Version. Ein 3 m langer, auskragender Esstisch bietet Platz für kulinarische Gemeinschaftserlebnisse.

Die an das offene Atrium angrenzenden Bereiche mit ihren Decken, Wänden und Kücheneinbauten sind großflächig verspiegelt. „Stealth furniture“ nennen die Architekten das Konzept, das Perspektiven dramatisch verlängert, Grenzen verschwinden lässt und den Raum in seiner Wahrnehmbarkeit auflöst.

Mutant furniture

Die geometrischen Strukturen der Sitzlandschaft vervielfachen sich und verweben die einzelnen räumlichen Bereiche. Darüber hinaus sind Teile der Spiegelflächen an Wänden und Decken mit einer Rotation von 23° so angebracht, dass sie sich nach oben Richtung Atriumverglasung öffnen und auf diese Weise zusätzliches natürliches Licht in das Geschoss bringen.

Malka Architecture
Gebrauchte Gerüstelemente als Möbel.
Foto: Laurent Clément

Weitere Module der „mutant furniture“ sind Regale und Tische aus ehemaligen Gerüststangen. Diese Recyclingelemente finden sich auf allen Etagen. Dank ihres flexiblen Verbindungssystems lassen sie sich nach Bedarf immer wieder neu konfigurieren. So kann die Möblierung an die unterschiedlichen Nutzungskonzepte der Räumlichkeiten angepasst werden.

Malka Architecture
‚Sound-proof Open Pods‘.
Foto: Laurent Clément

Dem Bedarf nach akustisch kontrollierten Räumen entsprechen Malka Architecture mit einer Schallschutztypologie, die die Vorteile eines offenen Raums mit einer notwendigen Schalldämmung kombiniert. „Sound-proof Open Pods“, kurz SOPs, nennen die Architekten ihre Lösung: alkovenartige, dreidimensional schallgedämmte Raumnischen. Diese ermöglichen es, in Ruhe um den offenen Patio herum zu arbeiten. Sämtliche raumteilenden Möblierungselemente, Decken und Wände sind mit schallabsorbierenden Modulen versehen und bewirken eine private und akustisch angenehme Atmosphäre.

Mutatis mutandis als adäquate Arbeitsumgebung

Die Zeichen der Zeit und des gesellschaftlichen Wandels zu erkennen, und daraus innovative Produktkonzepte zu entwickeln, das ist die zentrale Aufgabe der BIG-Mitarbeiter. Für die mit der Schaffung einer adäquaten Arbeitsumgebung beauftragten Architekten hieß das, Innovationsprozesse und Wandlungsfähigkeit in ein räumliches Gestaltungskonzept zu übersetzen. Und zwar so, dass künftige betriebliche Entwicklungen und Kommunikationsformen überprüft, diskutiert und angepasst werden können: Mutatis mutandis.

Weitere Materialanwendungen finden Sie hier

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Factsheet

Projekt: BIG Pernod Ricard Office

Standort: Paris/F

Fläche: 1500 m²

Architektur: SMA, Studio Malka Architecture, www.stephanemalka.com

Auftraggeber: Pernod Ricard

Fertigstellung: Januar 2019

Beteiligte Firmen: Ceris Bet Engineers, BTP consultants Bureau de Contrôle, SPS, ECR+PBM

Beleuchtung: Aartil Light Designers


Autorin Christiane Sauer

Die Architektin und Materialspezialistin lehrt als Professorin für Textil- und Flächendesign an der Weissensee Kunsthochschule Berlin. www.formade.com www.luelingsauer.com


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