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One Microsoft Place in Dublin/Irland

Insellandschaft von Gensler Architekten

Wie können Mitarbeiter aus mehr als 70 Nationen ihre Individualität auch im Arbeitsalltag leben? Die von Gensler entworfene Bürolandschaft für Microsoft Irland in Dublin bringt die Menschen persönlich und beruflich zusammen: wie auf einer Insel.

Autor Thomas Geuder

Der Soft- und Hardware-Hersteller Microsoft aus Redmond bei Seattle, ganz im Nordwesten der USA, beschäftigt weltweit mehr als 135 000 Mitarbeiter. Am irischen Standort Dublin sind es immerhin 2 000, die tagtäglich Neues erfinden und Bestehendes weiterentwickeln.

Hier in Dublin war es vor einigen Jahren an der Zeit, die Mitarbeiter, die auf mehrere Standorte in der Stadt verteilt waren, unter einem gemeinsamen Dach zusammenzuführen. Man wollte die Zusammenarbeit effektiver gestalten. So entstand gemeinsam mit dem Architekturbüro RKD (ebenfalls aus Dublin) im South Country Business Park südlich der Innenstadt ein Büroneubau. Er liegt direkt neben dem Leopardstown Racecourse, einer unter Kennern bekannten Pferderennbahn mit Golfplatz in der Mitte. Architektonisch betrachtet gibt sich das Gebäude von außen zunächst eher unscheinbar, besitzt eine unaufgeregt ordentliche Fassade mit Langfenstern und einer Flächengestaltung, die entfernt an eine Art Pixelgrafik erinnert. Die Stirnseiten sind großzügig verglast und öffnen sich mit einer großzügigen Geste freundlich dem Ankommenden. Die Gebäudekubatur ergibt sich aus dem Grundriss, in dem sich zwischen zwei abgewinkelten Riegeln ein frei bespielbarer Raum aufspannt.

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Das zentrale Entwurfskonzept des Atriums beinhaltet eine Insellandschaft mit Berg (Stufen), digitalem Wasserfall und See. Foto: © Gareth Gardner

Eine Sprache – one place

Bei Microsoft werden die Programm- oder App-Namen hin und wieder mit dem Zusatz „One“ versehen, vor allem, wenn es sich um Cloud-Lösungen handelt. So verwundert es nicht, dass der neue Standort in Dublin ‚One Microsoft Place‘ getauft wurde – wobei die Idee dahinter weit mehr als nur eine Namensgebung ist. Dem Bauherrn geht es darum, am Standort ein „Gefühl der Gemeinschaft“ zu erzeugen und zu fördern, sodass die Mitarbeiter, die immerhin aus über 70 Nationen stammen, sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen und dort auch ihre Individualität leben können.

Für die Gestaltung des Innenraums wurde das international agierende Gestaltungsbüro Gensler gebeten, eine Arbeitsplatzatmosphäre und -konfiguration zu erzeugen, die die Mitarbeiter beruflich und menschlich zusammenbringt. Das selbst gesetzte Ziel der Planer war es, eine „inspirierende Umgebung“ zu schaffen, die sich vom traditionellen Bürointerior des amerikanischen Entwicklungskonzerns abhebt. Dublin soll sogar das Zeug dazu haben, weltweit die Gestaltungssprache der Büroräume des börsennotierten Unternehmens neu zu definieren.

Wichtigstes Instrument im Konzept von Gensler ist die zufällige Begegnung kombiniert mit der gezielten Kollision. Es soll ein Spannungsfeld erzeugt werden, das dabei hilft, neue Kontakte zu knüpfen, innovativ zu denken, Beziehungen zu intensivieren und schlussendlich eine Gemeinschaft aufzubauen, und zwar über die Abteilungen und Kompetenzen hinweg: ein Team mit starkem Wir-Gefühl.

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Das Campus-Gebäude ‚One Microsoft Place‘ vereint seit Anfang 2018 mehrere Standorte in Dublin unter einem gemeinsamen Dach. Bei der Materialwahl ist ein Fokus auf eine gewisse Natürlichkeit zu erkennen, vor allem durch Holz, Leder und verschiedene Bodenbeläge.
Foto: © Gareth Gardner

Im Team auf der Insel

Dazu haben die Planer eine Art geistigen bzw. konzeptuellen Sprung unternommen, weg vom traditionellen Büro und hin zu der Vorstellung einer Insel, auf der die Mitarbeiter all die für eine Insel typischen Komponenten finden. Dies galt es schließlich nur noch in ein stimmiges Interior Design zu übersetzen:

Der „Hafen“ etwa ist der Ort, an dem man ankommt, das großzügige Foyer bzw. Atrium also. Der „Strand“ ist ein Bereich, in dem die Menschen ungezwungen Zeit miteinander verbringen können. Der „Berg“ soll dem Lernen und Entdecken dienen. Die „Graslandschaft“ ist ein offener Bereich, in dem kleinere und größere Teams Raum zum Austausch und zur Arbeit an ihren Projekten finden. Verbunden sind die Bürobereiche schließlich durch den „Weg“, der nicht als herkömmlicher Durchgangskorridor, sondern bereits als Arbeitsumgebung konzipiert ist, in dem sich die Kollegen treffen, zusammenarbeiten oder auch konzentriert Aufgaben lösen können.

Diese Idee einer „Insel“ lässt sich vor Ort durchaus konkret erleben: Der skulptural geformte Berg befindet sich im (immerhin fünf Dubliner Busse hohen) Foyer und kann sogar erklommen werden, freilich bequem über die Stufen, die sich in ihm verbergen.

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Die Arbeitsbereiche sind auf unterschiedliche funktionale Erfordernisse und individuelle Befindlichkeiten abgestimmt.
Foto: © Gareth Gardner

Der Mensch im Fokus

Konzeptuell funktioniert er wie eine Art Rückgrat, da sich viele Besprechungsbereiche aus ihm heraus entwickeln. Direkt daneben gibt es einen Wasserfall mit See, die beide (wie von einem Unternehmen der Digitalbranche zu erwarten) nicht aus realem, sondern aus digitalem Wasser bestehen, erzeugt von über 125 000 RGBW-LEDs. Damit will Microsoft auch zeigen, dass hier am Standort Dublin Kunst, Wissenschaft und Technologie kreativ zusammenfinden.

Durch die verschiedenen Bereiche zum Arbeiten, die sich immer wieder öffnen, entsteht eine erfrischende räumliche Vielfalt, verbunden mit einigen angenehmen Spezialitäten: Im hauseigenen Café wird die eigens für die Mitarbeiter erfundene Kaffeemischung „Cortado“ ausgeschenkt. Es stehen fünf Restaurants zur Verfügung. In der eigenen Bäckerei kann man nicht nur Süßes für zwischendurch, sondern auch Brot (mit Firmen-Label) kaufen. Ihre Fitness können die Mitarbeiter in der Yoga-Box trainieren, es werden Achtsamkeitsübungen angeboten und ein Kraftraum bietet die Möglichkeit für individuelles Training.

Genslers konzeptueller Ansatz einer Insel mit vielgestalter Landschaft ist vor dem Hintergrund aktueller Büroplanungen durchaus zeitgemäß und bringt den Mitarbeitern Impulse.

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Die Arbeitsplätze lassen sich individuell konfigurieren. Foto: Gareth Gardner

Vielfältiges arbeiten

Der klassische Einzelarbeitsplatz wird ergänzt durch die Möglichkeit, individuell nach Lust und Laune in unterschiedlichen Atmosphären zu arbeiten, stets digital verbunden mit den Kollegen und der Welt. Beim Campus-Gebäude in Dublin führt der unbedingte Wille zur gestalterischen Vielfalt jedoch immer wieder auch zu einer Überladung beim Material- und Formeinsatz, was ein Arbeiten ohne äußere Reize mitunter erschwert. Beim Blick auf die Grundrisse ist man deshalb fast schon erleichtert, dass zur Bürolandschaft nach wie vor auch der ganz normale Büroarbeitsplatz mit großraumbüroartiger Struktur gehört.

Ganz so verspielt, wie man glauben mag, ist die Büroarbeit bei Microsoft also nicht. Alles andere wäre auch wenig glaubwürdig.

Ein Interview mit den CEOs von Gensler lesen Sie hier

Der Gigant Gensler


Amanda Baldwin, Design Director und Senior Associate, Gensler.

Das Architektur- und Designunternehmen agiert weltweit an 44 Standorten mit 5 000 Mitarbeitern.


Factsheet

Projekt: Büroneubau ‚One Microsoft Place‘, Dublin/IE

Bauherr: Microsoft, Dublin/IE

Architektur: RKD, Dublin/IE

Innenarchitektur: Gensler,
London/UK

Fläche: 35 000 m²

Geschosse: 5

Kosten: 134 Mio. Euro

Materialien (Decke, Wand, Boden):

Tilestyle, www.tilestyle.ie

Terratinta, www.terratinta.com

Ardex, www.ardex.de

Interface, www.interface.de

Kährs, www.kahrs.com

Möblierung: Moroso, www.moroso.it

Beleuchtung: Kavanaghs Lighting, www.kavanaghs-lighting.ie


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