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Zeichenhaft und nachhaltig

Wohnmöbel
Zeichenhaft und nachhaltig

Der britische Pavillon auf der Expo 2010 in Shanghai/CN erklärt sich selbst und versinnbildlicht auf ungewöhnliche Weise das Thema Nachhaltigkeit

Susanne Tamborini

Heatherwick Studio,
London/UK,
Ausstellungsdesign: Troika,
London/UK,
Fotos außen: Roland Halbe,
Stuttgart/D,
www.rolandhalbe.de Fotos innen: Daniele Mattioli,
Shanghai/CN,
Großbritannien hat das eigene Wettbewerbsziel, eine der fünf größten Pavillon-Attraktionen der Expo 2010 zu stellen, locker erreicht. Die “Samen-Kathedrale” ist der absolute Star, weil sie das Expo-Motto “Better City, better Life” spielerisch und leicht umsetzt. Das Außenmaß von 25 x 25 x 20 m nimmt sich auf den ersten Blick vergleichsweise bescheiden aus im Dickicht der von Gigantomanie und technologisch- audio-visuellem Overkill geprägten nationalen Ausstellungs-Architekturen, die sich 200fach über ein Areal von mehr als 5 km2 am Ufer des Huanpu verteilen. Allein die stachelig-transparente geschlossene Form zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Und wenn man die scheinbar leicht im Wind hin und her wiegende Kubatur von allen Seiten und auf Distanz umrundet und dann ihr Inneres zu erkunden sich entschlossen hat, bedarf es kaum noch vieler Worte. Der Pavillon erklärt sich selbst: Mehr als 60 000 Acrylstäbe formen einen hohen Kuppelsaal (105 m2) und tragen das Tageslicht nicht nur hinein, sondern fokussieren es auf das Thema der Ausstellung. Denn jeder Acrylstab trägt an seinem Ende eine Pflanzensamenart. Allein, zu zweit oder zu dritt eingegossen und stempelartig eingerahmt von 2 x 2 cm Kantenlänge, werden die Samen mal mehr, mal weniger hinterleuchtet – je nachdem, ob am Himmel draußen gerade eine Wolke vorüber zieht, oder nicht. Kann man einfacher und eindrücklicher fragen nach Aufgabe und Zukunft der Natur? Die ‚Seed Cathedral‘ unterstützt eine Kampagne zur Erhaltung der Artenvielfalt und will das britische ‚Millenium Seed Bank Project‘ bekannter machen. Es handelt sich um die Pflanzensamenbank der Kew Royal Botanic Gardens, deren Ziel es ist, bis im Jahr 2020 rund 25 Prozent der Pflanzen weltweit zu sammeln und die mit dem China’s Kunming Institute of Botany kooperiert, welches die Samen für die Expo in Shanghai zur Verfügung stellte. Konstruktiv getragen wird der Würfel von einer ein Meter starken, exakt perforierten Stahl-Holz-Kompositstruktur, durch die jeder der jeweils 7,5 m langen Acrylstäbe in einer Aluminiummanschette geführt wird und einer präzise definierten Geometrie folgt. Der Außenkontrast ist wohl kalkuliert. Sitzt der “haarige” Würfel doch inmitten einer bewegten (Kunstrasen)-Dachlandschaft, unter der sich die Haupterschließung und eigentliche Ausstellungsebene, befindet, mit der sich Großbritannien auch in anderen Bereichen als kompetent in Sachen Nachhaltigkeit vorstellt. Aus den Dachfaltungen scheint der futuristische Körper wie ein exotisches Pflanzenwesen aufzukeimen. Nur nachts benötigt der Kubus zusätzliche Energie. Dann strahlen die Stäbe nach außen und die Samen-Kathedrale verwandelt sich in eine Kathedrale des Lichts. Eine feine Referenz an eine andere britische Bau-Attraktion aus einer anderen Zeit: den ‚Crystal Palace‘ der ersten Weltausstellung in London 1851. Was Ausstellungsarchitektur heute leisten kann? Form und Inhalt spielerisch und leicht als Einheit zu begreifen. Welch seltener Glücksfall hier.

Emblematic
The British pavilion at Expo 2010 in Shanghai (China) is self-explanatory and illustrates the topic of sustainability in an unusual way
Great Britain easily achieved its competitive goal of creating one of the five most attractive pavilions at Expo 2010. Why is the “Seed Cathedral” the absolute star of the event? Because it interprets the motto: “Better City, better Life” in a light-hearted, hands-on way. At first glance, the overall dimensions of 25 x 25 x 20 metres seem relatively modest in the densely packed display of gigantomania and technological, audio-visual overkill that national architectures have allowed itself, and demonstrated more than 200 times over an area of more than 5 square kilometres on the bank of the Hangpu River. If nothing else, the prickly, transparent form would be an eye-catcher. To walk round this cuboid object and view it from a certain distance as it appears to sway slightly to and fro in the wind, and later to explore its interior is something that needs few words of explanation. The pavilion is indeed self-explanatory. More than 60,000 acrylic rods create a high domed ceiling over a room 105 square metres in area. They not only let the daylight in but also focus it on the exhibition topic. Each acrylic rod contains the seed of a plant at one end. Moulded into place singly or in twos or threes, then arranged like stamps or dies measuring 2 x 2 centimetres, the seeds are backlit to a differing degree according to whether the sky outside has clouded over or is clear. Could there be a simple yet more impressive way of asking about the task of nature and its future? The “Seed Cathedral” supports a campaign to conserve the various varieties of plant and has the aim of publicising the British Millennium Seed Bank Project. This seed bank is maintained by the Kew Royal Botanic Gardens, and has the target of collecting specimens from about 25 percent of the world’s plants by 2020. It cooperates with China’s Kunming Institute of Botany, which made the seeds available for the Expo in Shanghai. The cube is supported by an accurately perforated composite steel and wood structure one metre thick, through which all the 7.5 m long acrylic rods are inserted into an aluminium sleeve in accordance with precise geometrical requirements. The external contrast has been carefully calculated, since the “hairy” cube is located in the centre of an active (artificial) grass roof landscape below which the main access route and the actual exhibition level are situated. Here Great Britain reveals its sustainability competence in other areas as well. From the folds in the roof the futuristic object seems to be sprouting like some exotic plant. The cube needs no additional energy except after dark. The rods then project light outwards and the “Seed Cathedral” is transformed into a cathedral of light. This is a subtle reference to a fascinating British building of an earlier era: the “Crystal Palace” at which the first world exposition was held in 1851. Now we can see what world exposition architecture can achieve today: jocular in form and content, but easily comprehended as an entity. A rare stroke of good fortune.
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