Hochschullehrer im Portrait

Stefan Hofmann

Selten kann man die Initialzündung für das, was die später mit Leidenschaft betriebene Profession ist, so genau definieren, wie das Stefan Hofmann tut. Es war die Schauspielerei am Gymnasium, insbesondere das Bühnenbild und dessen Beleuchtung.

Autorin Nina Shell

Das kreative Potenzial gepaart mit einer familiär in die Wiege gelegten technischen Affinität hat den gebürtigen Kölner folgerichtig an die Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe zur Ausbildung zum Bühnenbildner, dem Studiengang Ausstellungsdesign und Szenografie, geführt. Um dabei festzustellen, dass – in der Klassischen Bühnenbildklasse von Prof. Johannes Schütz, seit vielen Jahren Leiter des Deutschen Theaters in Berlin – das reine Bühnenbild nicht seine finale Station sein sollte: „Die Zugehörigkeit zur großen Theaterfamilie wäre für mich nicht lebbar gewesen.“

Schon während des Studiums arbeitete er dann viel mit Uwe Belzner in Heidelberg zusammen – einem der damals ganz wenigen Bühnenbildner, die auch Architekt und Lichtplaner in Personalunion waren. So wie Hofmanns eigener Werdegang sich entwickelte, entwickelte sich parallel auch das Berufsbild, das heute ganz neu definiert ist. Der Begriff der Szenografie fängt Anfang der 1990er-Jahre an, sich zu etablieren und ist heute stehend in der Lichtbranche. Letztlich haben sich damit Aspekte, die aus Theater und Bühne kommen, in der Architekturplanung etabliert.

Viele Projekte später stand Stefan Hofmann vor der persönlichen Frage, ob es denn eher in Richtung Lichtarchitektur oder Lichtkunst gehen sollte – über seinen Onkel, Harald Hofmann, seinerzeit Leiter der Lichtklasse in Darmstadt und Entwicklungschef bei Erco, stand als nächste Station seine Mitarbeit bei LichtKunstLicht mit Andreas Schulz an (s. Portrait md 5.2016) – sozusagen als Bindeglied zwischen Theater und Architektur. So entwickelte sich ein klarer Fokus auf die Lichtplanung, die Lichtkunst kommt aber darüber sowohl mit eigenen wie mit Hochschulprojekten keinesfalls zu kurz.

„Bei der Lichtplanung für Architekturprojekte geht es in erster Linie darum, für eine jeweilige Architektur adäquate Lichtstimmungen und Raumatmosphären zu konzipieren. Architektur und Licht verstehen wir als Einheit. Unser zentrales Anliegen ist es, die Entwurfsabsichten eines Architekten mit Licht herauszuarbeiten und zu unterstützen. Wenn wir es schaffen, Licht so in eine Architektur zu integrieren, dass sich die Frage nach dem „richtigen“ Licht erst gar nicht mehr stellt und vom Nutzer als selbstverständlich, wohlfühlend und positiv aufgenommen wird, dann haben wir dieses zentrale Anliegen erreicht“, definiert Stefan Hofmann seine Profession. Die Leidenschaft, mit der er selbst für das Medium Licht brennt, will er natürlich auch als Lehrer an die Studierenden weitergeben – „ich fordere sie immer wieder dazu auf, in sich hineinzuhören und nach dem zu suchen, für was sie sich wirklich begeistern können!“

Seinen Weg in die Lehre fand er über die Ausschreibung der Stelle „Lichtplanung und Szenisches Gestalten“ in Kaiserslautern. Mit guten Kontakten sowohl in die Architekturlicht- wie auch in die Showlichtbranche wurde das Lichtlabor der Hochschule modernisiert, um den Studierenden praktisch die Theorie nahebringen zu können. Ein großes Plus also für die Studenten, ebenso wie die familiäre und dadurch effektive Größe der Hochschule – „hier kennt jeder jeden, das ist kein anonymer Großbetrieb“. „Ich bin alles andere als ein Theoretiker“ – und entsprechend schafft er für seine Studenten immer wieder Möglichkeiten, ihre erlernten Kerninhalte praktisch umzusetzen, wie z. B. während der Langen Nacht der Museen oder bei Inszenierungen für Messen.

„Ich kümmere mich gerne um Projekte für die Studenten, die eine praxisnahe Umsetzung haben. Zu den praktischen Aktivitäten gehören beispielsweise gern auch Exkursionen in lebendige Städte wie Berlin, Amsterdam und Mailand. Rückblickend sieht er auch ein großes Plus darin, dass er als Hochschulprofessor in seinem Bereich der Lichtplanung unterrichten kann – „vor 15 Jahren gab es das ja noch gar nicht, dabei ist für die heranwachsenden Architekten und Innenarchitekten diese Zusatzqualifikation ausgesprochen wichtig.“ Gab es früher kaum einen Studienplan zum Thema Licht, gibt es heute beispielsweise in Hildesheim und Wismar Studiengänge, die sich ausschließlich mit dem Thema Licht beschäftigen.

Ein positiver Wandel, wie Stefan Hofmann findet. Ebenfalls als äußerst positiv sieht er den Wandel in der Leuchtmittelindustrie, die via der LED eine Revolution in der ganzen Branche angezettelt hat. „Neben der energetischen Effizienz des neuen Leuchtmittels, hat die LED maßgeblich zur Miniaturisierung der lichttechnischen Geräte beigetragen. Es sind völlig neuartige und kleinere Bauformen von Leuchten umsetzbar, die sich viel genauer und unauffälliger in eine Architektur integrieren lassen. Die LED hat auch zu einer präziseren Lichtlenkungstechnik über entsprechende Lichtoptiken geführt. Für die Architekturlichtplanung und damit auch für das was wir im Studium vermitteln eine sehr positive Entwicklung.“

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Stefan Hofmann (*1969) war nach seinem Studium an der Hochschule für Gestaltung in mehreren renommierten Architektur- und Lichtplanungsbüros tätig, bevor er 2009 sein eigenes Büro für Lichtplanung in Köln gründete. Ebenfalls seit 2009 lehrt er an der Hochschule Kaiserslautern am Lehrstuhl für Innenarchitektur Lichtplanung und Szenisches Gestalten.

www.lichtwerke.com


Hochschule KaiserslauternStudiengang Innenarchitektur

Lehrende: 7 Professoren, 11 Lehrbeauftragte, 3 Assistenten

Bachelorstudiengang: Bachelor of Arts (B.A.)

Studienbeginn: Wintersemester, Bewerbungsfrist: 1. Juni

Dauer: 7 Semester (inkl. einem Praxissemester)

Zulassung: zweitägige Eignungsprüfung

Studieninhalte: Das modular aufgebaute Studium setzt sich aus den Schwerpunkten des gestalterischen Entwerfens, der technischen Baukonstruktion, Grundlagen der Möbelgestaltung, Grundlagen der Lichtplanung, der Vermittlung von Darstellungs- und Getaltungsmethoden und einem Theoriepart zusammen. Die einzelnen Schwerpunkte werden mit einem Fächerangebot zu dem
z. B. Farbenlehre, plastisches Gestalten, Materialkunde, Bauphysik, Gebäudelehre, Bau- und Kunstgeschichte gehören, vertieft.

Darüber hinaus bietet ein Wahlfächerkatalog zu dem auch ein Studium Generale gehört, die Möglichkeit eigene Schwerpunkte zu setzen. Ein Praxissemester mit einer mind. 20-wöchigen Mitarbeit in einem Planungsbüro ist fester Bestandteil des Bachelorstudiums.

Masterstudiengang: Master of Arts (M.A.)

Studienbeginn: Sommer- und Wintersemester

Dauer: 3 Semester

Zulassung: Bewerbungsschreiben und persönliches Aufnahmegespräch

Studieninhalte: Der Masterstudiengang stellt das innovativ experimentelle Arbeiten, den Praxisbezug und die Persönlichkeitsbildung der Studenten in den Vordergrund. Die Masterarbeit ist frei wählbar.

www.hs-kl.de

Foto: Hadi Hajdarevic