Hochschullehrer im Portrait

Michael Lanz

Dinge zu schaffen, die man nicht mehr hergeben will und im besten Fall vererben kann. Dieses Prinzip möchte Michael Lanz seinen Studenten an der Grazer FH Joanneum mit auf den Weg ins Designerleben geben.

Autorin Nina Shell

Wer sich so fundierte Gedanken über den Zustand der Welt macht, wie das Michael Lanz nicht nur in Hinblick auf seine Tätigkeit als Designer, sondern speziell auch in der Ausrichtung seiner Lehrtätigkeit tut, müsste eigentlich eher dafür sorgen, dass weniger Produkte auf den Markt kommen, als neue Dinge zu entwickeln. Dass das für einen Designer keine zufriedenstellende Lösung für die Probleme unserer industrialisierten Welt in punkto Nachhaltigkeit oder Ressourcenschonung ist, liegt klar auf der Hand. Der Ansatz zur Lösung des Dilemmas: „Dinge zu schaffen, die einerseits Begehrlichkeit wecken – aber auch das Potential haben, dem Nutzer ans Herz zu wachsen und sich so nützlich zu machen, dass man sie nicht mehr hergeben will und im besten Fall noch weitervererben kann.“ Ein Prinzip, dass er auch seinen Studenten an der Grazer FH Joanneum mit auf den Weg ins Designerleben gibt.

Dort fungiert er seit April 2014 als Leiter des Instituts „Product & Transportation Design“ sowie des Bachelor- und Masterstudiengangs „Industrial Design“. Und das mit großer Begeisterung. Nachdem er schon immer parallel zu seiner erfolgreichen Tätigkeit als Designer und Managing Director der in München, Erlangen und Shanghai basierten Agentur designaffairs zum einen an der TU Dresden als Lehrbeauftragter, zum anderen mit Vorträgen an diversen Hochschulen unterwegs war, wurde er für eine Nachfolge in Graz angesprochen.

„Eine besonders reizvolle Aufgabe für jemand wie mich, der aus der Industrie kommt und auch noch ein Bein in der Industrie hat: Einerseits bekomme ich hier in Graz spannenden Input von den Studierenden, andererseits habe ich Freude daran, mein Wissen und meine Erfahrung weiterzugeben.“ Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Ebenso reizte ihn die Zusammenarbeit in der Funktion als Professor mit den Studierenden und der Industrie – also aus einem ganz anderen Blickwinkel als dem eines etablierten Agenturinhabers. „Natürlich soll bei derlei Projekten, von denen wir sehr viele mit Unternehmen machen, nicht im Vordergrund stehen, reale Produkte zu entwickeln. Die Aufgabenstellungen sind immer stark zukunftsorientiert, weniger innovations- als visionsgetrieben.“ Schließlich gehe es bei solchen Kooperationen nicht darum, den Unternehmen günstige Designleistungen zu bieten, sondern eher um ein Geben und Nehmen.

So können Unternehmen über ihren eingefahrenen Tellerrand blicken, die Studierenden bekommen Praxiswissen und Kontakte zu potentiellen Auftrag- und Arbeitgebern und üben gleichzeitig, ihre Ideen professionell zu präsentieren. Gerade in der Automobilindustrie sei das ein Konzept, das sehr gut aufgehe – zumal im Masterstudiengang an der FH Joanneum – neben der Vertiefungsrichtung „Eco-innovative Design“ – ein Schwerpunkt auf Mobility Design liegt. Im Bachelor liegt der Schwerpunkt auf Produktdesign, da entstehen Kooperationen mit Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen.

Generell sind die beiden ersten Semester der Grundlagenvermittlung in punkto Gestaltung gewidmet, um das Potential der Studierenden zu entwickeln – „die meisten kommen direkt von der Schule, müssen sich erstmal freischwimmen, lernen, wie man Ideen entwickelt“, so Michael Lanz. Das passiert über Workshops, handwerkliche Projekte, das Vermitteln von Präsentationstechniken. Dann folgen Schwerpunkte wie Packaging Design, Innovation, Ergonomie. Seit vergangenem Jahr gibt es im Masterstudiengang die beiden Vertiefungsrichtungen Eco-innovative Design und Mobility Design.

Neben dem Fachwissen liegt Michael Lanz etwas am Herzen, dass ihn selbst (für den seit früher Jugend klar war, dass für ihn nur ein Berufsweg im kreativen Bereich erstrebenswert ist) während seiner Studienzeit in Wuppertal geprägt hat: Das kritische Hinterfragen von etablierten Lösungen und auf der Basis des sich erarbeiteten Wissens passende Antworten zu geben. „Die Studierenden sollen sich immer möglichst viel Feedback holen, nicht nur bei den Lehrenden, sondern auch bei den Kommilitonen. Denn nur durch das Erläutern der eigenen Ideen merken sie, wo sie vielleicht selbst noch unsicher sind oder keine zufriedenstellenden Antworten haben. Im Design ist Dialog extrem wichtig, um zu testen, ob man sich verständlich machen, seine Ideen überzeugend ‚verkaufen‘ kann.“

Die Ergebnisse aller Projektarbeiten der Studierenden werden in der Jahresausstellung gezeigt, anlässlich derer auch jährlich ein Designtalk in Graz stattfindet. Hier sind Macher aus der Industrie eingeladen, Vorträge zu halten. Dazu finden Diskussionsrunden zu unterschiedlichen Themen wie Mobilität, Digitalisierung und Zukunft der Design-ausbildung statt. Spannend ist auch immer die Beteiligung an Wettbewerben wie dem Bayerischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner oder dem iF Student Award. Dem eingangs beschriebenen Dilemma des Designers begegnet Michael Lanz übrigens mit seinem Hobby – dem Schrauben an alten Fahrrädern: „Mein Rennrad besteht fast ausschließlich, soweit möglich und sinnvoll, aus restaurierten Originalteilen. Vom Grundprinzip, was die Konstruktion anbelangt, hat das Fahrrad bereits seit vielen Jahrzehnten eine hohe technische Reife. Auf einem Fahrrad, das 50 Jahre oder auch älter ist, kann man – eine fachgerechte Wartung vorausgesetzt – schließlich immer noch problemlos fahren.“ Das ist erklärte Nachhaltigkeit im Sinne der Aufgabe des Designers an sich – und ein hervorragender Grundgedanke für die angehenden Designer an der FH Joanneum.

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Michael Lanz

Michael Lanz

Nach mehrjähriger Tätigkeit als Designer ist Michael Lanz für die ‧Unternehmenskommunikation und Repräsentation der Agenturgruppe designaffairs verantwortlich. Seit 2014 ist er Leiter des Instituts „Product & Transportation Design“ sowie des Studiengangs „Industrial Design“ an der FH Joanneum in Graz.


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FH Joanneum Graz Institut Product & Transportation Design

Bachelorstudiengang: Industrial Design

Studienbeginn: Oktober

Abschluss: Bachelor of Arts in Arts and Design (BA)

Dauer: 6 Semester

Zulassung: 18 Studienplätze pro Jahr

Masterstudiengang: Industrial Design

Studienbeginn: Oktober

Abschluss: Master of Arts in Arts and Design (MA)

Dauer: 4 Semester

Zulassung: 18 Studienplätze pro Jahr

www.fh-joanneum.at/ide