Interview

Jan Christian Vestre

Der Stadtmöblierung kommt eine wichtige Funktion in „Social Cities“ zu. Davon ist Jan Christian Vestre, Geschäftsführer des norwegischen Herstellers Vestre, überzeugt.

Interview Gabriele Benitz

In einigen Jahren werden verschiedenen Prognosen zufolge über 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Stadtverwaltungen müssen dafür sorgen, dass der öffentliche Raum als freundlich und sicher wahrgenommen wird. Wie können sie das konkret umsetzen?

Jan Christian Vestre: Die Stadtverwaltungen sollten sich von der Idee der „Social Cities“ leiten lassen. Dabei geht es unter anderem darum, Nachbarschaften zu stärken und damit der Anonymisierung entgegen zu wirken. Wenn sich die Menschen in einem Stadtviertel wahrnehmen und kennen, schafft das ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. Das wird umso wichtiger, wenn Zugezogene integriert werden sollen. Man geht miteinander um und geht sich nicht aus dem Weg. Das erzeugt gegenseitiges Vertrauen.

Was bedeutet das für die Städte?

Jan Christian Vestre: Die Städte müssen in öffentliche Plätze investieren, damit diese belebt werden. Wir propagieren diese Philosophie und laden Stadtplaner, Architekten und Designer ein, mit uns über ihre Ideen für grüne, lebenswerte Städte zu diskutieren.

Worauf kommt es bei der Aufenthaltsqualität von Plätzen und Parks an?

Jan Christian Vestre: Sie müssen so einladend sein, dass sich Menschen sowohl tagsüber als auch nachts gern dort aufhalten. Wenn viele Menschen unterschiedlicher Kulturen und Ethnien entspannt unterwegs sind, vermittelt das auf lange Sicht deutlich mehr Sicherheit als Zäune zu errichten oder mehr Polizisten einzusetzen.

Was kann das Mobiliar dazu beitragen?

Jan Christian Vestre: Bänke, Tische und weitere Möbel für den öffentlichen Raum tragen zur Aufenthaltsqualität bei, wenn sie gut gestaltet sind, robust gebaut und aus langlebigen Materialien bestehen. Bänke zum Beispiel sollen dazu ermuntern, sich niederzulassen und zwar nicht nur sitzend, sondern auch liegend. Bänke, die das Hinlegen durch Abtrennungen verhindern, wirken alles andere als einladend.

Wir stellen eine Verdichtung in den Metropolen fest. Immer mehr öffentlicher Raum und Grünflächen verschwinden. Wie lässt sich da gegensteuern?

Jan Christian Vestre: Natürlich wäre es am besten, solche Flächen und Räume zu erhalten oder sogar auszubauen. Doch auch kleine, temporäre Lösungen können den öffentlichen Raum erweitern. Ich spiele auf Parklets aus Holz als Erweiterung von Fußgängerflächen an wie sie inzwischen in vielen Städten zu finden sind. Sie lassen sich einfach auf Parkflächen auf- und abbauen und werden mit Sitzgelegenheiten, Pflanztrögen und Fahrradabstellmöglichkeiten ausgestattet.

Als Geschäftsführer eines Unternehmens, das Möblierung für den öffentlichen Raum produziert, setzen Sie sich mit diesen Fragen auseinander. Welche Lösungen bieten Sie an?

Jan Christian Vestre: Unsere Antwort darauf ist das Programm „Parklets 2.0“ der Designer SOLA, Johan Verde & Hong Ngo-Aandal. Es besteht aus sechs Modulen. Sie verfügen über höhenverstellbare Füße, so dass sie an unterschiedliche Niveaus angepasst werden können.

Damit sind wir jetzt auch in Deutschland präsent. Die Landschaftsarchitekten A24 statteten mit unseren Möbeln die Berliner Bergmannstraße aus. Von 500 Metern Gesamtlänge entfallen 100 Meter auf Parklets 2.0.
Stadtmöblierungsprogramme von Vestre
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