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Simon Bibby

Wozu Design? Diese Frage beantwortet Simon Bibby mit seinen Produkten. Sie dienen dem Nutzer: dezent und intuitiv. Seit über acht Jahren entwirft der Designer mit seinem Team Helfer für den Alltag im Büro.

Interview Katharina Feuer

Der Monitorarm ‚Flo‘ ist ein großer Erfolg für Colebrook Bosson Saunders. Warum habt ihr ‚Ollin‘ entwickelt?

Simon Bibby: ‚Flo‘ ist sechs Jahre auf dem Markt. Mittlerweile haben sich aber Technologien rasant weiterentwickelt. Neue Faktoren spielen eine Rolle.

Welche?

Viele nutzen mittlerweile zwei Bildschirme, das heißt, der Monitorarm muss mehr Gewicht halten können. Laptops und Tablets sind hinzugekommen, auch das war vor wenigen Jahren noch anders.

Gab es Probleme in der Entwurfs- und Entwicklungsphase?

Einige – inklusive schlafloser Nächte.

Das hört sich dramatisch an!

Naja, man kommt bei einem Entwurfsprozess früher oder später immer zu dem Punkt, an dem man sich fragt, ob es in die richtige Richtung geht. Oder hat man sich verrannt?

Wo lag der Knackpunkt?

Die Idee mit einem technischen Polymer zu arbeiten, hatte eine Fülle an Prototypen und Anwendungsversuchen zur Folge. Wir haben einen Bildschirmhalter noch einmal von Grund auf neu gedacht. ‚Ollin‘ soll unterschiedliche Lasten bis zu 9 kg tragen können.

Ich sehe gerade neun Packungen Milch an einem Monitorarm hängen.

Ja, das ist ein hohes Gewicht. Jeder, der mit ausgestreckter Hand schon einmal versucht hat, 1 l Milch für eine Weile zu stämmen, weiß, wovon wir hier sprechen.

Wie habt ihr das gelöst?

Mithilfe einer technischen Kordel in der Hauptachse. Sie ermöglicht eine intuitive, einfache Bedienung. ‚Ollin‘ soll eine Brücke schlagen zwischen Mensch und Technik sowie Berührungsängste nehmen.

Wie schafft ihr das?

Wir testen frühzeitig Prototypen, erarbeiten in Workshops Details und tauschen uns viel aus. Außerdem erhalten wir von ausgewählten Kunden ein Feedback zu Entwürfen und überarbeiten sie dann nochmals entsprechend. Wir sind hier in London ein internationales Team von sechs Designern und drei Ingenieuren.

London ist als Melting Pott bekannt. Woher kommen denn die Kollegen?

Aus den Niederlanden, Hong Kong, Portugal und natürlich England.

Du bist auch schon viel in der Welt herumgekommen.

Nun, meine erste Anstellung bei der Senator Group lag nahe meines Heimatortes. Nach vier Jahren war der Gedanke klar: entweder Du schaust Dir jetzt die Welt an oder Du wirst es nie tun. Ich war dann hauptsächlich in Asien unterwegs…

… und hast in Hong Kong gearbeitet.

Ja, eine spannende Erfahrung, aber es war klar, dass ich wieder nach Europa zurück will. Da kam mir der Job bei Paul Brooks in Kehl am Rhein sehr gelegen. Arbeiten in Deutschland, leben in Frankreich.

Sehr gute Aufteilung.

In der Tat. So gut, dass aus einem geplanten Jahr vier wurden.

Mittlerweile bist Du Designchef bei CBS und seit über acht Jahren im Unternehmen tätig. Überkommt Dich nicht manchmal die Lust, mal etwas anderes zu entwerfen?

Ich habe viele Entwürfe im Kopf, das geht sicherlich jedem Designer so. Aber ich arbeite im Herzen Londons, direkt neben der London Bridge. Das ist toll. Zudem ist es durchaus reizvoll, Design zu entwickeln, das sich unauffällig im Hintergund hält und intuitiv genutzt wird.

Simon Bibby, vielen Dank für das Gespräch!

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Simon Bibby (Jg. 1978) arbeitete nach seinem Produktdesign-Studium an der University of Huddersfield vier Jahre lang als Junior Designer bei der Senator Group. Dann packte ihn das Reisefieber. Nach weiteren Arbeitsstationen in Hong Kong und Kehl am Rhein leitet er als Design Director die Abteilung bei Colebrook Bosson Saunders in London.

www.colebrookbossonsaunders.com