Designer Chat

Relvao Kellermann

Die Portugiesin Ana Relvão und der Deutsche Gerhardt Kellermann waren erst ein Paar, dann folgte die Büropartnerschaft. Die Industriedesigner greifen gern auf Bewährtes zurück. Für Gumpo entwickelten Relvao Kellermann Produkte und das Standkonzept auf der Orgatec.

Interview Katharina Feuer

Design ist Kommunikation – davon seid ihr fest überzeugt. Wie war das erste Gespräch mit Sebastian Waibel, Geschäftsführer bei Gumpo?

Relvao Kellermann: Es war eine langsame Annäherung. Sebastian hat uns eine ziemlich nett geschriebene Mail gesandt, in der er uns für eine Zusammenarbeit anfragte. Nach zwei bis drei Treffen und dem Besuch in der Produktion in Dingolfing war klar: Die Chemie stimmt!

Ist das für euch wichtig, dass die Chemie stimmt?

Relvao Kellermann: Ja. Wenn man ein größeres Projekt angeht, sollte die Kommunikation passen. Zudem war von Anfang an Sebastians Ziel, eine langfristige Partnerschaft einzugehen. Das funktioniert für uns durch regen Austausch und den direkten Kontakt, um Missverständnissen vorzubeugen.

Nicht alle Kunden wollen das.

Relvao Kellermann: Das ist klar, aber so arbeiten wir. Wir entwickeln zusammen mit unseren Kunden die für sie optimale Lösung. Wir versuchen ihre Sprache zu sprechen und setzen uns stark mit ihrem bisherigen Portfolio auseinander.

Das hört sich sehr pragmatisch an.

Relvao Kellermann: Wir machen kein Design, nur um etwas Neues zu entwickeln. Es muss Sinn machen, einen Mehrwert generieren, eine Verbesserung darstellen oder eine Weiterentwicklung von etwas Bestehendem bedeuten.

Wie lautete die Anfrage von Gumpo?

Relvao Kellermann: Schaut Euch unsere Produkte an und entwickelt für die Orgatec eine ganze Kollektion von Büromöbeln.

Entstanden sind neun Produkte. Welches ist euer Favorit?

Relvao Kellermann: Der Steh-Klapp-Tisch. Bei den herkömmlichen Modellen hatten wir nur einen Gedanken: Das muss doch besser gehen!

Und?

Er rollt, er kann zusammengeklappt werden und ist sehr straight, grafisch reduziert. Selbst an die Wand geschoben, sieht er gut aus. Er nimmt sich zurück. Das war unser Ziel.

Erstaunlich finde ich, dass ihr ältere Entwürfe oder Teile des Herstellers in eure Arbeiten integriert habt.

Wie gesagt, bloß weil es alt ist, ist ein Produkt nicht schlecht. Wir sind sogar noch weiter gegangen und haben gesagt: „Diese Zulieferteile braucht ihr gar nicht“ oder haben gefragt: „Warum macht ihr das nicht selber?“

Ein spannender Ansatz.

So erhält das Produkt einen eigenen Charakter und ist kein Ausstellungsobjekt für Hettich, Häfele und Co.

In Zeiten der Digitalisierung, auch im Büro, scheint es verwunderlich, dass ein Flipchart dabei ist.

Das ist unserer Frage geschuldet, wie Menschen zusammenarbeiten. Für uns war es eine logische Konsequenz.

Woher wisst ihr, wie Menschen zusammenarbeiten? Wie habt ihr euch mit dem Thema auseinandergesetzt?

Als freiberufliche Designer haben wir zwar in München unser Büro, aber wir sind viel unterwegs bei unseren Kunden. Dadurch haben wir schon viel gesehen und leben ‚New Work‘.

Das bedeutet?

Desktop Sharing. Mobiles Arbeiten. Die Suche nach einem Besprechungsraum bis hin zur Skype-Konferenz. Ana liest zudem viel und untermauert unsere Erfahrungen mit theoretischem Wissen.

Das heißt, es gibt bei euch eine Arbeitsteilung?

Das haben wir zwar probiert, aber es hat nicht funktioniert. Wir arbeiten zusammen an unseren Projekten. Jeder kann den anderen jederzeit vertreten. Wir denken sehr ähnlich.

Ihr seid nicht nur Büropartner, sondern auch Lebenspartner. Ist das nicht manchmal problematisch?

Wir trennen das eigentlich nicht, sondern reden manchmal schon morgens über ein Projekt. Privates und Berufliches fließt ineinander.

Und wenn es Streit gibt?

Kritik muss sein, aber bitte konstruktiv. Sonst macht sie keinen Sinn. Oft haben wir nach einer Diskussion ein besseres Ergebnis. Wir sind beide leidenschaftlich, in dem was wir tun und ziehen an einem Strang.

Wie gewinnt ihr dennoch unterschiedliche Eindrücke? Wahrscheinlich hilft auch Deine Arbeit als Fotograf, Gerhardt?

Sicher. Ich bin oft zum Fotografieren unterwegs. Sowieso sitzen wir nicht tagein, tagaus im Büro. Das würde sonst tatsächlich nicht funktionieren. Dieser Blick von außen ist extrem wichtig, sonst verliert man sich zu sehr in Details.

Du bist kein gelernter Fotograf. Dennoch bist Du gefragt. Woran liegt das?

Ein Koch würde Essen auch anders fotografieren. Ich meine, ich habe vielleicht einen besonderen Blick für Design, weil ich selbst Designer bin.

Was reizt Dich daran?

Designprojekte dauern oft Monate, wenn nicht gar Jahre. Beim Fotoshooting ist das Ergebnis und Erfolgserlebnis direkt da.


Ana Relvão (Jg. 1986) ging nach ihrem Industriedesign-Abschluss an der Faculty of Fine Arts, Universität Lissabon nach München und traf Gerhardt Kellermann (Jg. 1983), der 2010 sein Diplom an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart erhielt. Seit 2012 arbeiten sie zusammen. Anfänglich als Arbeits-WG mit Herbert H. Schultes, seit 2015 in München als Designbüro Relvao Kellermann. Kunden: Auerberg, Bulthaup, COR, Gumpo-Büromöbel, Huawei und Schönbuch.

Webseite des Designbüros

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Konstantin Landuris