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Lucie Koldova

Lucie Koldova setzt mit Licht Akzente im ‚Das Haus imm 2018‘. Die Marketingmaschinerie, die dahinter steckt, ist ihr nicht ganz geheuer. Dennoch nutzt die tschechische Designerin die Chance, ihre Philosophie zu vermitteln.

Interview Katharina Feuer

Lucie, warum bist Du nach Deinem Studium in Prag 2009 nach Paris gegangen?

Eigentlich wollte ich gar nicht nach Paris, sondern nach London. Es hat sich aber eine tolle Chance in einem Studio ergeben, die ich nicht ausschlagen konnte und so habe ich mich für Paris entschieden.

In welchem Studio warst Du?

Bei Arik Levy.

Ein internationales Büro!

… eine tolle Erfahrung.

Und wann hast Du Dein eigenes Studio gegründet?

Ich habe schon während meines Studiums an eigenen Entwürfen gearbeitet. Das hat sich in Paris fortgesetzt. Dann ergab sich die Gelegenheit mit Brokis, einem tschechischen Unternehmen, zusammenzuarbeiten und meine Entwürfe umzusetzen. Es war 2012 ein logischer nächster Schritt.

Viel spannender als das wann, ist ja das warum.

Es war für mich schon immer klar, dass ich mein eigenes Büro gründe.

War für Dich auch klar, dass Du nach Prag zurückgehen wirst?

Nein, das war kein rationaler Plan, sondern eine natürliche Entwicklung. Es war Zeit, den Ort zu wechseln. Auch, um näher an der traditionsreichen Glasproduktion in Tschechien zu sein. Und mir fehlte die Energie von Prag. Es ist eine tolle Stadt.

Wie kam es zum Auftrag für ‚Das Haus – Interior on Stage‘? Hat Dich die Messe Köln angerufen und gefragt, ob Du Dir das vorstellen kannst?

Genau!

Warum haben sie Dich angesprochen?

Die Frage habe ich mir auch gestellt. Ich denke, es gab drei Gründe: meine bisherigen Arbeiten mit Licht, meine Herkunft aus Mitteleuropa und: ich bin eine Frau.

Das war auch ein Grund? Warum?

Ja, tatsächlich. Vielleicht wollte man nach Sebastian Herkner und Todd Brachner wieder einen anderen Stil, den einer Frau. Entscheidender ist jedoch meine Arbeit mit Licht.

Welche Idee für die Herangehensweise hattest Du spontan für Dein Haus?

Ich habe mich gefragt: Was ist mir wichtig in meinem Zuhause?

Und was ist das?

Die Atmosphäre. Das Ambiente, gestaltet durch Licht. Der schönste Raum kann durch eine schaurige Beleuchtung verschandelt werden. Es geht auch um Wellbeing, das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden.

Erläutere bitte weiter Dein Konzept.

Mein Haus verfügt über einen zentralen Raum, von hier aus gelangt man in andere Bereiche. Massive Wände helfen mir, die verschiedenen Lichtsituationen einzugrenzen, sodass es nicht zu einer Durchmischung der unterschiedlichen Lichtfarben und Stimmungen kommt. Es ist minimalistisch, ohne nackt zu sein.

Bei Deinen Entwürfen arbeitest Du mit Glas, Holz, Kupfer, Marmor, Metall, Leder, Kunststoff, Kork und Textilien. Welches ist Dein Lieblingsmaterial?

Natürlich Glas! Aber die anderen Materialien inspirieren mich und meine Art zu Denken auch.

Wie findest Du Deine Partner?

Für ‚Das Haus‘ habe ich Unternehmen angesprochen, mit denen ich schon zusammenarbeite oder die thematisch in mein Konzept gepasst haben. So ist es immer: Es gibt einen Entwurf, ein Projekt, ein Unternehmen und den richtigen Zeitpunkt. Man kann es auch Timing nennen.

‚Das Haus‘ ist gutes Timing, aber auch effektives Marketing für Dich?

Ja, manchmal ist es fast unheimlich. Die vielen Termine, Interviewanfragen und das Interesse der Öffentlichkeit. Es ist ein sehr spezielles Projekt.

Wie schaffst Du es dabei, authentisch zu bleiben, nicht zu kopieren und deinen eigenen Stil zu bewahren?

Es ist für mich nicht schwierig, meinem Stil treu zu bleiben. Das liegt sicherlich auch an der jahrhunderte- alten Tradition der Glasproduktion in Tschechien, die mein Background ist. Wir sind das Königreich des Glases. Vor sieben Jahren habe ich begonnen, überdimensionierte Glaskörper in Kombination mit anderen Materialien zu entwerfen. Viele andere Unternehmen ziehen nun nach. Wir haben teilweise massive Probleme mit Nachahmern.

Ein Problem und ein Kompliment zugleich. Wie nutzt Du Social Media?

Ich muss einerseits wissen, was in der Welt des Designs passiert. Anderseits bewege ich mich möglichst wenig auf Instagram und sozialen Netzwerken. Es sind lediglich Instrumente für meine Arbeit, die ich gezielt einsetze, um ein neues Produkt zu launchen. Sie sind Fluch und Segen zugleich.

Lucie Koldova, vielen Dank für das Gespräch!

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Direkt nach ihrem Studium an der Academy of Arts, Architecture and Design in Prag, ging Lucie Koldova 2009 nach Paris. Dort gründete Sie 2010 ihr eigenes Studio und kehrte vier Jahre später nach Prag zurück. Neben ihrem Schwerpunkt Licht entwirft Lucie (Jg. 1983) auch Möbel und Schmuck. Ihre Kunden heißen Brokis, Lasvit, Per/Use.

www.luciekoldova.com

Foto: Everbay

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Lucie Koldova

In ‘Das Haus 2018’ at imm cologne, Lucie Koldova brings out the main points with light. She feels uneasy about the marketing machinery behind it. But the Czech designer nevertheless takes the opportunity of conveying her philosophy.

How did you get the commission for ‘Das Haus – Interior on Stage‘? Did the fair call you to ask if you could visualize this?

Lucie Koldova: Exactly!

Why did they contact you?

That is a question I also asked myself. I think there were three reasons: my previous work with light, my Central-European background and – I am a woman.

That really was one of the reasons?

Yes, it’s a fact. Well, perhaps they wanted a different style after Sebastian Herkner and Todd Brachner, the style of a woman. But my work with light is more decisive.

What was the spontaneous idea you had for tackling ‘Dein Haus’?

I asked myself what is important for me in my home.

And what is that?

The atmosphere. The ambience. Designed by light. You can spoil the most beautiful room by gruesome lighting. It is also about wellbeing, feeling well in your own four walls.

Please tell us more about your concept.

My house has a central room from which you can access other areas. Solid walls help me to enclose the various lighting situations so that the different light colors and moods do not interfere and mix with each other. It is minimalist without being naked.

In your designs you use copper, cork, leather, plastics, glass, wood, metal, marble and fabrics. What is your favorite material?

Of course. Glass! But I am inspired by other materials and they also influence my way of thinking.

How do you find your partners?

For the ‚Das Haus‘ project I contacted companies with which I either already co-operate or which fitted well into my concept thematically. It is always like that. There is a design, a project, a company and the right point in time. You could also call it timing.

‘Das Haus‘ is good timing. But is it effective marketing for you, too?

Yes, sometimes it is almost spooky. There are so many deadlines, interview requests and the general public’s interest. It is a very special project.

How do you manage to remain authentic, not to copy others and preserve your own style?

For me it is not difficult to remain faithful to my style. This is certainly also due to the centuries-old tradition of glass manufacture in the Czech Republic, which I use as my background. We are the kingdom of glass. Seven years ago I started to design oversized glass objects in combination with other materials. A lot of other companies are now following suit. We sometimes have severe problems with copycats.

This is both a problem and a compliment. How do you use the social media?

I use them specifically to launch a new product. They are both a blessing and a curse. Author: Katharina Feuer

In 2009, immediately after her studies at the Academy of Arts, Architecture and Design in Prague, Lucie Koldova (born in 1983) moved to Paris. She founded a studio of her own there in 2010, and returned to Prague four years later. Lucie focuses on light fixtures, but she also designs furniture and jewelry. Her clients are Brokis, Lasvit, and Per/Use.

www.luciekoldova.com