Designer Chat

Linda Bergroth

Die Installation ‚Koti Hotel‘ versinnbildlicht die finnische Art zu teilen. Viele kleine Hütten gruppieren sich um einen Hauptplatz, das Zentrum des ‚Sharings‘. Sommerlandhäuser waren der finnischen Designerin Linda Bergroth ein Vorbild.

Interview Katharina Feuer

Einen Interviewtermin mit Linda Bergroth zu vereinbaren, bedurfte einer gewissen Vorlaufzeit: Die finnische Designerin ist viel auf Reisen und nutzt diese, um Ideen zu sammeln, so wie andere Menschen Mitbringsel. Solche Auszeiten helfen ihr, die Perspektive zu wechseln und querzudenken.

Das ‚Koti Hotel‘ passt thematisch perfekt in unser md Special ‚Micro Housing‘. Wie entstand das Projekt?

Linda Bergroth: Das finnische Kulturinstitut feierte 2017 sein 100-jähriges Bestehen und wollte das auf eine besondere Art machen. Ich sollte für Paris eine Arbeit beisteuern. So ist das ‚Koti Hotel‘ entstanden. Ein Stück finnische Lebensart in Frankreich.

Was kann man sich unter der Formulierung ‚Finnish ways of Sharing‘ vorstellen?

In Skandinavien und damit auch in Finnland besitzt fast jeder ein kleines Häuschen auf dem Land, das die Familie im Sommer bezieht. Mit weiteren Generationen kommen oft kleine Hütten hinzu. So entsteht manchmal ein kleines Minidorf. Jeder verfügt über einen privaten Bereich – die Hütte – in den er sich zurückziehen kann. Auf der anderen Seite verbringt man viel Zeit miteinander beim gemeinsamen Kochen und Essen. Man teilt viele alltägliche Dinge. Ein sehr demokratischer Vorgang.

Diese Lebensweise sollte mit dem ‚Koti Hotel‘ demonstriert werden?

Es war eine Art Experiment. Ich wollte testen, ob ‚Sharing‘ auch mit völlig fremden Menschen funktioniert. Jeder hatte sein eigenes Refugium. Am Morgen kam man zum Frühstück zusammen und konnte sich unterhalten, man musste aber nicht.

Was gehörte noch zum Konzept?

Es war ein künstlerisches Projekt, an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design. Ich hatte zudem finnische Designer und Künstler angesprochen, allesamt Experten ihres Gebiets, ihre Produkte ins ‚Koti Hotel‘ einzubringen. Ich wollte aufzeigen, dass es in Finnland noch mehr gibt als Marimekko, Artek und Co.

Ihr habt die Hütten vier Wochen lang über AirBnB als Unterkunft angeboten. Wie kam das Projekt bei Besuchern und Gästen an?

Sehr gut! Wir wollten den normalen Touristen, der auf der Suche nach einem Bett ist, ansprechen. Das ‚Koti Hotel‘ war für den kompletten Zeitraum ausgebucht. Die Installation wurde zudem in Helsinki ausgestellt – das war ursprünglich nicht geplant.

Wie hat das funktioniert, Übernachtungsgäste und Neugierige zu koordinieren?

Ab 18 Uhr war Check-in. Von da an standen die Hütten ausschließlich den Übernachtungsgästen zur Verfügung. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück folgte das „House cleaning“.

Hast Du auch darin geschlafen?

Ja, klar! Unbedingt. Als finaler Test sozusagen.

Was ist mit den Hütten passiert?

Die Installation war einmalig. Alle Bestandteile wurden nach Ende der Aktion verkauft.

Schade, das wäre bestimmt ein großer Erfolg geworden, oder?

Naja, die Hütten hatten keine Fenster, sondern nur eine Schiebetür und Wände aus Lamellen, die Licht und Schall durchlassen. Abends wirkten sie wie Laternen. Man könnte sie mit einer Gartenhütte vergleichen, einem Schutzraum. Ein Raum-im-Raum: Meine eigene, kleine, freie Interpretation des finnischen Sommerhauses.

Urlaub in finnischen Sommerhäusern … Du bist auch viel unterwegs. Wie planst Du Deine Reisen?

Ich plane nie, sondern lasse mich treiben. Starre Terminpläne rauben die Möglichkeit, sich spontan für Dinge zu entscheiden. Ich würde viele spannende Details übersehen.

Welches Land fasziniert Dich besonders?

Gerade war ich in Palm Springs. Das Licht dort ist absolut faszinierend, wenn nicht sogar einmalig. Total verfallen bin ich Japan. Ich versuche einen Monat im Jahr dort zu leben.

Warum?

Das Land fasziniert mich, ich habe es noch nicht richtig verstanden. Die Menschen denken ‚outside the box‘.

Was meinst Du mit ‚outside the box‘?

Die Maskerade und die Logik, die sich dahinter verbirgt, die finde ich spannend. Da ähneln sich unsere Nationen. Hinter die Fassade zu blicken, ist auch bei uns Finnen nicht einfach.

In Deinen Entwürfen spielt Farbe eine entscheidende Rolle. Ist das nicht eher untypisch für Finnen?

Marimekko ist Farbe, ganz und gar. Das ist ein finnisches Unternehmen. Ich entwerfe nicht als Finnin, sondern als Linda Bergroth. Mein Einsatz von Farbe ist bei jedem Projekt eine sensible und bewusste Entscheidung.

Linda Bergroth, vielen Dank für das Gespräch!


Die Finnin mit dem schwedischen Namen (Jg. 1983) studierte Möbeldesign an der University of Art and Design in Helsinki und Architektur an der École d’Architecture Paris-Malaquais. Linda Bergroths Arbeits- und Lebensmittelpunkt liegt in den Städten Helsinki und Paris. Linda Bergroth arbeitet für Unternehmen wie Fiskars, Marimekko and Artek.

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