Designer Chat

Christian Büttner

Wie das Bad der Zukunft aussehen könnte, ahnt Christian Büttner, Bereichsleiter Innovation und Portfolio bei Kaldewei: Das Unternehmen feiert hundertjähriges Jubiläum und entwickelt sich vom Badewannenhersteller zum Komplettanbieter.

Interview Johanna Neves Pimenta

Als Bereichsleiter Innovation und Portfolio bei Kaldewei sind Sie ein anonymer Held: Jeder kennt Entwürfe aus Ihrem Haus, doch kaum jemand kennt Ihren Namen. Wie fühlt es sich an, seinen eigenen Entwürfen zu begegnen?

Ein bisschen stolz bin ich schon, Produkten im Alltag zu begegnen, an deren Entwicklung ich mitwirken durfte. Als Industrial Designer hatte und habe ich das Glück, für international erfolgreiche Firmen zu arbeiten. So begegne ich hier und da „meinen“ Produkten. Das fühlt sich fast so an, wie alte Freunde zu treffen. Schön ist, dass man sich langfristig meist an die positiven Momente der Entstehung erinnert.

Seit 100 Jahren steht Kaldewei für Stahl-Email-Entwürfe. Verliert das Material jemals seinen Reiz?

Ganz klar: nein. Der Reiz für den Designer liegt zunächst einmal darin, die Grenzen des Machbaren immer wieder zu verschieben. Unser Stahl-Email besitzt herausragende Materialeigenschaften. Stahl ist präzise, formstabil und robust, die Emailoberfläche verleiht den Badlösungen eine edle Optik, entweder mit kostbarem Glanz oder zurückhaltendem Matt mit technisch optimierter Rutschhemmung.

Welches von den aktuellen Produkten ist Ihr Favorit? Weshalb?

Da gibt es zwei: zum einen das Duschsystem ‚Nexsys‘ und zum anderen die Waschtischschale ‚Miena‘. Beide bestechen durch Gestaltung, Materialqualität, Präzision und zeitlose Eleganz. Ersteres eine in der Wahrnehmung sehr reduzierte aber hochfunktionale Fläche zum Duschen, Letzteres eine fast schon filigrane Schale, die das Wasser beim Händewaschen ohne gestalterisches Drama auffängt.

Wie beeinflusst Sie die Zusammenarbeit mit externen Designern wie Phoenix Design, Arik Levy oder Studio Aisslinger?

Wir freuen uns immer wieder über kreative Impulse, die aus Bereichen jenseits der klassischen Sanitärwelt kommen. Wir kaufen nie nur eine Zeichnung, wir partizipieren an Erfahrungen, lernen neue Herangehensweisen, setzen uns mit den Schwerpunkten, die Designer in Projekten setzen, auseinander. Das inspiriert auch die Mitarbeiter und hilft uns selbst, besser zu werden.

Seifenspender mahnen „Save the water while using me“. Inwiefern ist Nachhaltigkeit für Sie ein Thema?

Nachhaltigkeit ist ein großer Begriff. Das Bekenntnis zum Standort Deutschland, das „Made in Germany“, die Hingabe, mit der Kaldewei Nachwuchs ausbildet, die Führung, nach 100 Jahren immer noch in Familienhand: Das ist Nachhaltigkeit, die mich beeindruckt. Und naheliegend ist natürlich auch unser Werkstoff Stahl-Email, der zu 100 Prozent recyclebar ist. Auch dies ist ein wichtiger Aspekt von Nachhaltigkeit. Die lange Lebensdauer und unser Qualitätsversprechen unterstreichen wir mit einer 30-jährigen Garantie.

Beeinflussen Trends Ihre Arbeit?

Trends sind Ausdruck gesellschaftlicher Strömungen und spielen somit eine wichtige Rolle. Urbanisierung versus Sehnsucht nach Bullerbü. Single-Stadtapartment versus Landhaus-Familienidyll.

Diese Trends geben die Nutzung und Ausprägung unserer Produkte vor und haben technologisch wie gestalterisch Einfluss auf das Portfolio. Bei kurzlebigen Styling-Trends sind wir zurückhaltend. Eine Kaldewei-Badewanne soll schließlich nicht nur 30 Jahre halten, sie soll auch ebenso lange gefallen.

Im Zusammenspiel von Ästhetik, Nutzen und Wellness-Anspruch: Wie sehr gilt Form follows Function?

Das Dogma habe ich länger nicht mehr gehört. Es ist für mich auch nicht zielführend. Die Welt der Dinge, mit denen wir uns umgeben, ist weitaus komplexer, als dass man sich auf die reine Funktionalität zurückziehen könnte. Das wissen wir seit Langem. Vor allem im Interiordesign treten Faktoren wie Ästhetik, Image, Emotion, Interaktion und das Nutzererleben in Summe in den Vordergrund.

Nach Badewannen und Duschtassen: What’s next?

Mit den neuen Waschtischen bieten wir unseren Kunden jetzt einen harmonischen Dreiklang aus einheitlicher Formensprache und Materialität. Es war ein logischer Schritt, die Überlegenheit unseres Materials – seine Stabilität, Haltbarkeit, Hygiene- und Reinigungsfreundlichkeit – auch für Waschtische zu nutzen. Wir sehen viel Potenzial in diesem Segment und werden es in Zukunft weiter ausbauen. Über andere Entwicklungen darf ich an dieser Stelle leider noch nichts verraten.


Christian Büttner (47) studierte Industrial Design an der SAdbK Stuttgart und der Glasgow School of Art. Seine Karriere begann beim US-amerikanischen Fahrradkomponentenhersteller SARM Corp. Danach verantwortete er als Head of Industrial Design bei Bosch Thermotechnik den Relaunch der Marken Bosch und Buderus und gestaltete für Vorwerk Elektrogeräte. Seit September 2017 ist Büttner bei Franz Kaldewei GmbH & Co. KG als Bereichsleiter Innovation und Portfolio tätig.

Webseite des Unternehmens

 


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