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Jonas Krüger von Brdr. Krüger

Der Grafikdesigner, der Fotografie, Journalismus und Regie studiert hat, leitet zusammen mit seiner jüngeren Schwester das dänische Familienunternehmen Brdr. Krüger. Geplant hatte Jonas Krüger das nicht, aber es funktioniert.

Interview Katharina Feuer

Jonas, wieso hat man bisher von Brdr. Krüger noch nicht viel gehört?

Das Familienunternehmen, das der Vater meines Ururgroßvaters 1886 mit seinem Bruder gegründet hatte, belieferte hauptsächlich andere Unternehmen oder arbeitete projektbezogen. Hin und wieder fand zwar eine Zusammenarbeit mit einem Architekten oder Designer statt, aber daraus ergaben sich keine eigenen Produkte.

Bist Du auch gelernter Tischler?

Nein. Meine Schwester und ich haben in gewisser Weise den Kreis der Tradition erstmals durchbrochen. Es war immer klar, dass die nächste Generation das Unternehmen weiterführt. Das war bei uns nicht der Fall. Wir haben gemacht, worauf wir Lust hatten.

Und worauf hattet ihr Lust?

Meine Schwester Julie ist Modedesignerin. Ich bin Grafikdesigner und habe Fotografie, Journalismus und Regie studiert. Später gründete ich mein eigenes Büro für Animationsgrafik.

War der Plan, in das Familienunternehmen einzusteigen, im Hinterkopf?

Nein, gar nicht. Viele Jahre konnte ich mir das nicht vorstellen.

Woher kam der Sinneswandel?

Irgendwann half ich einen Tag in der Woche, die Webseite zu überarbeiten. Das ging schrittweise. Ich merkte, dass ich meine Fähigkeiten einbringen und Dinge ändern kann, ohne eine Revolution auszulösen. Ich bedaure, dass meine Oma nicht mehr erfahren hat, dass es anders gekommen ist.

Mittlerweile leiten Sie und Ihre Schwester zusammen mit einem SEO das Unternehmen. Was hat sich seit 2014 geändert?

Wir sind seither zweimal umgezogen, weil wir mehr Platz benötigt haben. Wir wachsen. Und wir haben gleich zu Beginn die Zusammenarbeit mit externen Designern angestrebt.

Warum?

Wir wollten jemanden von außen, der frischen Wind reinbringt, aber auf unserer Wellenlänge liegt, um herauszufinden, für was Brdr. Krüger steht. Im Qualitätsdenken folge ich dem Weg meiner Eltern. Wir wollen Möbel für die Zukunft herstellen, die man vererben kann, die langlebig und zeitlos sind. Das könnte ich gar nicht anders. Es steht doch unser Name drauf! Und wir sprechen mehr über unsere Arbeit und Produkte.

Wie entstand der Kontakt zu den Designern?

Das ist unterschiedlich. Die Chemie muss stimmen – es geht um eine intensive Zusammenarbeit. Man muss diskutieren können. Es sollte bestenfalls eine Synergie aus Handwerk und Design entstehen, nach der einfachen Rechnung 1+1=3.

Wie würden Sie Ihre Möbel beschreiben?

Möbel mit Charakter, die überraschen, sei es aufgrund einer Farbe, eines Materials oder aufgrund eines Effekts: Man dreht den Stuhl um und entdeckt ein überraschendes Detail.

Kann man als nicht gelernter Tischler eine Manufaktur mit mittlerweile
43 Angestellten leiten?

Ich denke schon. Als Kinder sind wir quasi in der Werkstatt groß geworden. Ich bin kein Handwerker, wenngleich ich ein generelles Verständnis für das Handwerk, Qualität, Materialien und Design habe.

Wie ist es, in einem Familienunternehmen zu arbeiten?

Intensiv. Und manchmal schwierig, die Kollegenebene zu halten, aber es funktioniert gut. Mein Vater ist nach wie vor Ansprechpartner bei vielen Fragen. Wir treffen uns wöchentlich, um das Wichtigste zu besprechen. Es gibt keine großen Diskussionen.

Wie führt man ein traditionelles Handwerksunternehmen in die Zukunft?

Nie stehen bleiben. Nach vorn schauen. Der Moderne im Hinblick auf das Design eine Chance geben, ohne dabei unser dänisches Erbe zu vergessen. Und wir versuchen, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden. Sei es mit einem neuen Material oder einem verspielten Ansatz. Wir müssen nicht nur dezent sein.

Und im Hinblick auf Maschinen?

Natürlich haben wir CNC-Fräsen und gutes Werkzeug. Aber die beste Maschine ist nur so gut wie derjenige, der sie bedient. Man kann das auch mit Word vergleichen. Das Programm schreibt keine guten Artikel. Das ist die Person, die das Werkzeug nutzt.

Es geht also um die Menschen und ihr Wissen.

Korrekt. Der letzte Schliff kommt immer von menschlicher Hand.

Euer Showroom liegt direkt neben der Werkstatt, vom Büro aus sehen Sie Ihre Mitarbeiter – war das gewollt?

Ja. Wir hätten den Showroom auch mitten in die Stadt (Kopenhagen) legen können, aber wir wollen zeigen, dass die Produkte von echten Menschen mit ihren Händen gefertigt werden. Heutzutage verlieren viele den Bezug zur Realität durch das Internet und Smartphones. Unsere Kunden sollen die Produktion sehen.

Für das neue Nemo-Restaurant in Kopenhagen hat David Thulstrup den ‚Arv‘-Stuhl entworfen, der jetzt
Teil eurer Kollektion ist.

Ja, eine tolle Möglichkeit, unser Können unter Beweis zu stellen und große Aufmerksamkeit zu erhalten.

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Bevor Jonas Krüger (Jg. 1977) dem Familienunternehmen Brdr. Krüger 2014 beitrat, studierte der gelernte Grafikdesigner Fotografie, Journalismus und Regie und leitete sein eigenes Unternehmen für animiertes Grafikdesign. Als Creative Director leitet Krüger zusammen mit seiner jüngeren Schwester Julie die Manufaktur.

Webseite des Unternehmens

Portrait: BRDR Krüger

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Jonas Krüger

The graphic designer studied photography, journalism and film directing. With his younger sister he manages the Danish family enterprise Brdr. Krüger. Jonas Krüger had not intended to do so, but it works.

Author: Katharina Feuer

Jonas, why haven’t we heard much about Brdr. Krüger up to now?

When my great-great-grandfather’s father established the family company together with his brother in 1886, they mainly supplied other companies or worked on a project-to-project basis. It is true that they occasionally co-operated with an architect or designer, but no products of their own resulted from this work.

Are you a trained carpenter as well?

No. In a way, my sister and I were the first to escape from the circle of tradition. It always went without saying that the next generation would continue to run the business. In our case this didn’t hold true. We did what we fancied.

And what did you fancy?

My sister Julie is a fashion designer. I am a graphic designer and I studied photography, journalism and film directing. Later on I founded by own studio for animated graphic design.

Did you bear the plan to join the family company in mind?

No, absolutely not. For many years I couldn’t imagine this.

What caused this change of mind?

There was a time when I helped to revise the website one day a week. That happened step by step. I realized that I can contribute with my capabilities and change things without triggering a revolution. I am sorry that my grandma didn’t live long enough to learn that things turned out differently.

You are now managing the company together with your sister and a CEO. What has changed since 2014?

We moved twice because we needed more space. We are growing. And right from the beginning we intended to collaborate with external designers.

Why?

We wanted somebody from outside who brings in a breeze of fresh air but who is also on the same wavelength as we are because we wanted to find out what Brdr. Krüger stands for. As far as quality awareness is concerned, I follow the way set by my parents. We endeavor to manufacture furnishings for the future. Furniture you can bequeath, long-lived and timeless. I am obliged to. After all, our name is on the product! And we are talking more about our work and our products.

How did you come into contact with the designers?

This happens in various ways. The chemistry has to be right because we are talking about close co-operation. We must be able to discuss things. At best a synergy of craftsmanship and design should develop, following the simple equation 1+1=3.

How would you describe your furniture?

Our furniture has a character. It is surprising, either because of its color, material or the effect it arouses. If you turn the chair around you will identify a surprising detail.

Is it possible to manage a workshop with a staff of 43 without being a trained carpenter?

I do think so. We spent our childhood more or less in the workshop. I am not a craftsman, but I have a general understanding of craftsmanship, quality, materials and design.

How does it feel to work in a family company?

It’s intensive work. Sometimes it is difficult to keep the co-worker level, but it works well. My father is still the contact person for many questions. We meet on a weekly basis to discuss what is most important. But there are no big discussions.

How do you lead a traditional craft business into the future?

Never rest on your laurels. Look ahead. Give modernity a chance as far as the design is concerned without forgetting our Danish heritage. And we also try to connect the past with the future. With new materials or with a playful approach. We do not have to be just unobtrusive.

Where do machines come in?

Of course we have CNC milling machines and good tools. But the best machines are only as good as the people who operate them. You can compare this to a text editor. The program does not write good articles. But the person who uses the tool does.

So it is all about people and their know-how?

Correct. The last finishing touch is always applied by a human hand.

Your showroom is directly adjacent to the workshop. From your office you can watch your staff. Was this intended?

Yes. We could have placed the showroom right in the center of the city (Copenhagen), but we wanted to show that the products are made by real people with their own hands. Nowadays many people lose their grip on reality because of the Internet and smartphones. Our customers want to see the production site.

David Thulstrup designed the ‚Arv‘ chair, which is now part of your collection, for the Nemo restaurant in Copenhagen.

Yes, that was a fantastic opportunity to demonstrate our expertise and attract much attention.


Jonas Krüger (born in 1977) is a trained graphic designer. Before he joined the Brdr. Krüger family venture in 2014, he studied photography, journalism and film directing and managed his own company for animated graphic design. As Creative Director, Krüger now manages the workshop together with his younger sister Julie.