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Jaime Hayon

Jaime Hayon ist viel auf Reisen. Dabei hat der spanische Designer und Künstler aus Madrid einen treuen Begleiter: sein Skizzenbuch, in dem er Ideen und Entwürfe festhält, wie das Sofasystem für Fritz Hansen.

Interview Katharina Feuer

Jaime, was glauben Sie, hat der skandinavische Hersteller Fritz Hansen von einer Zusammenarbeit mit dem spanischen Designer Jamie Hayon erwartet?

Jaime Hayon: Ich denke, diese Kooperation basiert darauf, dass ich versuche, meine künstlerische Vision zu nutzen, um die Identität von Fritz Hansen neu zu interpretieren. Gleichzeitig habe ich viel über das Erbe und die Handwerkskunst des skandinavischen Unternehmens gelernt und diese Elemente ins Design eingebaut.

‚Plenum‘ ist ihr erstes Möbel für den Objektbereich. Wie kam es dazu?

Jaime Hayon: Mit ‚Plenum‘ wollte ich die für professionelle Umgebungen notwendige Funktionalität mit dem Komfort und Stil verbinden, für den meine Arbeit und die von Fritz Hansen bekannt ist.

Worin unterscheidet sich das Sofasystem von anderen?

Jaime Hayon: Es sind die charakteristischen Linien und organischen Formen. Ein weiterer Aspekt: der Komfort. Dafür haben wir unzählige Variationen an Kissen und Lehnen ausprobiert. Ich bin mir sicher, dass Leute, die ‚Plenum‘ nutzen, eine produktive Zeit darauf verbringen werden.

Umgeben Sie sich mit Ihren Entwürfen, auch um diese zu testen?

Jaime Hayon: Natürlich muss ich meine eigenen Produkte ausprobieren, um ein Gefühl beispielsweise für die Kissen zu bekommen, und um auf kleine Details zu achten, wie die Naht oder wie der Rahmen den Boden berührt.

Wie kann man sich die Kooperation mit Fritz Hansen im Alltag vorstellen? Sind Sie nach Kopenhagen geflogen oder haben Sie Ihre Skizzen per E-Mail geschickt?

Jaime Hayon: Wie bei allen meinen Kollaborationen geht es ständig hin und her. Zuerst höre ich meinen Partnern bei Fritz Hansen genau zu, um wirklich zu verstehen, was ihre Ziele sind und was sie erreichen wollen. Dabei habe ich immer mein Skizzenbuch bei mir und zeichne parallel. Ich skizziere und sende die Zeichnungen an mein Team. Das funktioniert mit meinen Mitarbeitern hervorragend, es ist einfach, auf diese Weise zu arbeiten. Natürlich habe ich eng mit den Handwerkern von Fritz Hansen zusammengearbeitet.

Das heißt?

Jaime Hayon: Ich habe die Werkstatt in Dänemark oft besucht und Hand in Hand mit ihnen zusammengearbeitet, um Prototypen zu bauen und sie bis zum fertigen Produkt zu testen.

Wie geht es Ihrer Work-Life-Balance?

Jaime Hayon: Ich arbeite überall! Mit meinem Skizzenbuch ausgestattet, zeichne ich immerfort. Für mich gibt es keine Abgrenzung von Arbeit und Leben, denn ich arbeite, wo immer ich bin. Und ich finde Inspiration in den Dingen, auf die ich jeden Tag stoße.

Bleibt da noch Zeit für die Familie?

Jaime Hayon: Ich verbringe sehr gern Zeit mit meinen Kindern. Ich liebe es, sie zu beobachten und lerne viel von ihnen.

Was lernen Sie von Ihren Kindern?

Jaime Hayon: Sie lehren mich, meine Freiheit nicht zu verlieren. Wenn Sie sich Kinder ansehen, erkennen Sie sofort, dass sie frei von Einschränkungen und vorgefassten Meinungen sind.

Sind Kinder demnach auch eine Quelle der Inspiration?

Jaime Hayon: Ja, auch, natürlich. Aber wie ich bereits erwähnte: Auch der Alltag und Kulturen, die sich von meiner eigenen unterscheiden, inspirieren mich. Durch meine vielen Reisen entdecke ich andere Lebensformen und lerne neue Sichtweisen kennen. Genauso wünsche ich mir, dass der Nutzer der Produkte oder der Räume, die ich entwerfe, neue Erfahrungen macht.


Der spanische Designer Jaime Hayon (Jg. 1974) ging nach seinem Industriedesignstudium in seiner Heimatstadt Madrid nach Paris und Italien. Von 1997 bis 2003 leitete er die Designabteilung der von Benetton finanzierten Design- und Kommunikationsakademie Fabrica bei Treviso. Bereits 2000 gründete er sein Studio. Hayon gestaltet Interiors, arbeitet als Künstler und sucht immer nach neuen Perspektiven.

www.hayonstudio.com

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