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Hind Rabii

Seit 20 Jahren entwirft Hind Rabii für die gleichnamige Marke dekorative Leuchten. Die gebürtige Marokkanerin hat große Ziele und will in Zukunft auf einer Stufe mit namhaften Herstellern stehen.

Autorin Katharina Feuer

Wenn man mit 17 seinen Schulabschluss macht und mit 22 mit seinem Studium fertig ist, dann hat man noch keinen richtigen Plan fürs Leben. Zumindest ging es Hind Rabii so. Die in Marokko geborene Ingenieurin sah allerdings in ihrem Heimatland keine wirkliche Zukunft für sich. Ihre Familie, in der Textilindustrie tätig, hatte zunehmend Probleme mit der Konkurrenz aus China. Und so entschied sich die Designerin kurzerhand zurück nach Verviers in Belgien zu gehen, wo sie auch ihren Mann während des Studiums kennengelernt hatte.

1997 folgte die Gründung ihres Unternehmens – tatsächlich in der Garage ihres Apartments. Sie hatte nach schönen Leuchten gesucht, als sie dieses einrichten wollte und war nicht fündig geworden. Hind Rabii wusste, das kann ich besser, obwohl sie sich alles erarbeiten musste. Ihr technisches Wissen war ihr dabei eine große Hilfe. „Go for it!“, dachte sie.

„Meine Leuchten sind anders: nicht weiß, kalt und funktional, wie die meisten. Sie strahlen Wertigkeit und Noblesse aus. Sie bestehen aus unterschiedlichen Materialien und sind sehr hochwertig verarbeitet. Es sind Leuchten, die ich mir zu Hause auch aufhängen würde“, zeigt sie sich begeistert.

Tatsächlich besitzen ihre Entwürfe etwas Poetisches, Überraschendes, Narratives. „Ich bin viel auf Reisen, treffe interessante Menschen. Das alles beeinflußt mich und meine Arbeit. Es wäre zu kurz gedacht, meinen Stil allein meinen marokkanischen Wurzeln zuzuschreiben“, erklärt Rabii.

Anfangs stellte die Leuchtendesignerin lediglich auf einer Messe in Belgien aus, die es mittlerweile gar nicht mehr gibt. Es folgten Jahre auf der Maison & Objet in Paris. In diesem Jahr präsentierte sie ihre Entwürfe erstmals auf der imm cologne und der Light+Building. „Frankfurt war besonders. Hier trifft sich die Fachwelt. Die Resonanz war toll. Ich weiß gar nicht, warum wir so lange immer nur in Paris ausgestellt haben“, überlegt die 45-Jährige.

Namhafte Hersteller wie Foscarini und Luceplan hätten an ihrem Stand gestoppt und genauer hingeschaut, freut sie sich. „Das macht man nicht, wenn der Stand banal ist und die Produkte beiläufig“, weiß Rabii. Sie hat ambitionierte Ziele. „Ich will nicht nur einfach Leuchten produzieren. Mein Name soll bald neben den großen stehen – auf Augenhöhe.“

Unterstützung erhält sie auch von ihrem Mann Michel Orban, der 2005 in das Unternehmen einstieg. Er kümmert sich um die technischen Details im Hintergrund. „So ein Interview wäre nichts für meinen Mann“, lacht die zweifache Mutter.

Hind steht im Rampenlicht und kümmert sich neben Design und Marketing auch um die Kommunikation. „Mit einer gut designten Leuchte, so wie ich sie mir vorstelle, ist es nicht getan. Es müssen ausdrucksstarke Bilder gemacht, die Leuchten müssen in Szene gesetzt werden. So erhält der Kunde eine Vorstellung davon, wie man sie nutzen und einsetzen kann.“

Im Durchschnitt etwa ein Jahr brauchen sie für die Neuentwicklung einer Leuchte. Seit zwei Jahren arbeitet sie auch mit externen Designern zusammen. Sie suchte nach neuer Inspiration. Die Kollaboration ist eng, denn Rabii gibt die Dinge ungern aus der Hand. Schließlich ist es ihr Name, der am Ende dafür steht. Auf diese Weise entstand auch die ‚T-Cotta‘ mit dem italienischen Studio Chiaramonte Marin Studio.

Bei den Materialien war Hind Rabii von Anfang an experimentierfreudig. Angefangen bei Holz und Glas, probierte sie alsbald Buntmetalle aus, Keramik, aber auch Textil und Leder fanden in ihren Kollektionen Einzug. Jüngster Neuzugang: Fiberglas.

„Das ergibt sich aus dem Entwurf. Wir stehen vor einem Problem und versuchen es eben auf einem anderen Weg. Mein Mann sagt oft „geht nicht“, aber das lasse ich meist nicht gelten. Dann probieren wir es und er hat ja Zeit, herauszuarbeiten, wie es doch funktionieren kann.“ Man spürt, dass Hind Rabii sich nicht mit halbgaren Lösungen zufrieden gibt.

Hind Rabii produziert in Belgien und Italien. Sie weiß, dass das im Vergleich zu anderen Produktionsstandorten teurer ist, aber ein „made in China“ kommt für sie nicht infrage. „Das ist keine Option.“

Es gibt immer viel zu tun. Es geht immer noch mehr. „Dann holen mich meine Kinder wieder runter und rufen an: Mama, komm nach Hause, es ist 8 Uhr und wir haben Hunger“, schmunzelt die Designerin. „Es ist etwas Besonderes, Leuchten zu entwerfen. Und man ist nie fertig.“

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Hind Rabii (Jg. 1973) ging nach ihrem Schulabschluss in Marokko mit 17 nach Belgien, um Industrial Engineering zu studieren. Nach ihrem Abschluss in Verviers kehrte sie in ihre Heimat zurück, entschied sich dann aber, ihr eigenes Unternehmen Hind Rabii sprl in Belgien zu gründen. Für ihre Leuchten kombiniert sie den skandinavischen Stil mit mediterranen Farben.

Webseite des Unternehmens

Portrait: Hind Rabii

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Hind Rabii

For 20 years now, Hind Rabii has been designing decorative lamps for the brand of the same name. She was born in Morocco and has ambitious goals, wanting to be on an equal footing with renowned manufacturers in future.

Author: Katharina Feuer

When you graduate from school at the age of 17 and graduate at 22, you don‘t have a proper plan for your life. This was at least what Hind Rabii felt. The engineer, born in Morocco, actually didn‘t see any future for herself in her home country. Her family works in the textile industry and faced increasing problems from Chinese competitors. So the designer spontaneously decided to go back to Verviers in Belgium, where she had also had met her husband during her time at university.

Next came the foundation of her company in 1997, in actual fact in the garage of her apartment. When she was about to furnish her home, she had been on the lookout for beautiful lamps and didn‘t find what she wanted.

Hind Rabii knew that she could do better, although she had to develop everything by herself. Her technical expertise turned out to be a big help. “Go for it”, she thought.

“My lamps are different. They are not white, cold and functional as most of them are. They radiate quality and noblesse. They consist of various materials and are manufactured to a very high standard. I would hang up these lamps also in my own home”, she says enthusiastically.

Her designs indeed impress by poetic, surprising and narrative features. “I travel a lot and meet interesting people. All this influences my work. It would be too simplistic to attribute my style to my Moroccan roots alone”, Rabii explains.

In the beginning the lamp designer presented her works only at a fair in Belgium which now no longer exists. Then years at the Maison & Objet in Paris followed. This year she showed her designs at imm cologne and at Light + Building for the first time. “Frankfurt was a very special event. Here‘s where the experts meet. The feedback was fantastic”.

She is happy that renowned manufacturers like Foscarini and Luceplan had stopped at her stand and taken a closer look. She knows that “you don‘t do that when the stand is trivial and the products commonplace”. Her goals are ambitious. “I don‘t want to produce just lamps. My name is to be mentioned next to the big names very soon – at eye level.”

She is also supported by her husband Michel Orban who joined the company in 2005. He deals with the technical details and remains in the background. The mother of two says laughingly: “Such an interview wouldn‘t be his cup of tea at all.”

Hind herself stands in the limelight and tackles not only design and marketing but communication as well. “It is not enough to make a well-designed lamp like I imagine it. There have to be expressive photographs, the lamps must be put on a stage. Only in this way will the customer get an idea of how they can be used and applied.”

They‘d need one year on an average for the development of a new lamp. She has also been working with external designers for two years now. She had been looking for newinspirations. Collaboration is intense, because Rabii only reluctantly relinquished control because at the end of the day, it is her name that stands for the product. This was how ‚T-Cotta‘ came into being, too, in co-operation with the Italian chiaramonte Marin Studio.

As far as materials are concerned, Hind Rabii wanted to try out new things right from the beginning. She started with wood and glass and soon experimented with non-ferrous metals and ceramics. But textiles and leather found their way into her Collections as well. The most recent addition is fiberglass.

“The material results from the draft design, when we face a problem and then try out a different approach. In most cases my husband says “it doesn‘t work”, but I cannot accept this most of the time. Then we try it out, and he will have enough time to devise how it will work after all.” It is clear that Hind Rabii is not satisfied with half-baked solutions.

Rabii‘s company produces in Belgium and Italy. She knows that this is expensive compared with other production sites, but for her „Made in China” is out of the question. “That is no option.”

There is always much to be done. And there is always much more. “Then my children will phone me and bring me down again. Mum, come home, it‘s eight o‘clock and we are hungry”, she says and smiles. “It is something special to design lamps. And it is a task never completed.”


Designer Hind Rabii was born in Morocco in 1973. After graduating from school at the age of 17, she went to Belgium to study industrial engineering. Following graduation in Verviers, she returned to her home country, before deciding to establish Hind Rabii sprl, a company of her own. In her lamp designs she combines Scandinavian style with Mediterranean colors.