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Elisa Ossino

Die italienische Architektin und Innenarchitektin arbeitet seit über zehn Jahren mit ihrem Studio an verschiedenen Projekten. Dabei verschiebt sich Elisa Ossinos Fokus zunehmend in Richtung der Bildenden Künste mit der Schnittstelle zum Design.

Interview Katharina Feuer

Es ist eine spannende Kombination: ein japanisches Unternehmen und eine junge italienische Architektin. Wie ergab sich die Zusammenarbeit?

Elisa Ossino: Alles lief außergewöhnlich reibungslos. Sanwa hatte mich vor drei Jahren um ein Treffen gebeten. Ich sollte dem Unternehmen helfen, ihren ersten Stand auf dem Salone del Mobile 2016 in Mailand zu gestalten. Danach entwarf mein Büro Sanwas Katalog. Es folgte die Gestaltung des diesjährigen Stands auf dem Salone. Und ich entwarf die Mini-Küche ‚EO-01‘.

Hast Du Sanwa in Japan besucht?

Elisa Ossino: Nein, leider nicht, wir haben uns in Mailand getroffen.

War das Deine erste Küche, die Du entworfen hast?

Elisa Ossino: Nein, ich hatte mich bereits davor mit dem Thema befasst und eine Küche für die italienische Marke Meson entworfen. Diese war dennoch besonders.

Welche Vorgaben gab es für ‚EO-01‘?

Elisa Ossino: Die Küche sollte nur 120 cm breit sein. Das war eine Herausforderung. In Italien sind wir einfach andere Dimensionen gewohnt.

Wie hast Du Dich dem Thema genähert?

Elisa Ossino: Meine Inspiration kam von den japanischen Konzepten ‚Fusuma‘ und ‚Shoji‘. Das sind Schiebepaneele, die die funktionalen Elemente eines Wohnraums verschwinden lassen. Ich entwarf eine Kücheneinheit, bei der das Kochfeld vollständig hinter einer Platte verborgen ist. Die Einheit passt in sehr kleine Räume wie Lofts, Studio-Apartments oder informelle Umgebungen, wo es keine Küche gibt.

Was ist das Besondere an der Küche ‚EO-01‘, außer dass sie klein ist?

Elisa Ossino: Das viele versteckte Zubehör darin. Obwohl die Kücheneinheit sehr klein ist, verfügt sie über zwei Regale, ein paar Holzkisten, eine Vertiefung für Spülschwämme, Schlitze für Messer, Magnete für Notizen oder sogar Fotos. Ein Punkt, auf den wir sehr stolz sind, ist das „unsichtbare“ Abflussrohr unter der Spüle.

Gab es Hürden bei der Entwicklung?

Elisa Ossino: Das Abflussrohr unter der Spüle komplett zu verdecken, war eine sehr komplexe Aufgabe. Wir haben das mit leicht zu öffnenden Paneelen gelöst, die bei Bedarf den Zugang zum Rohr ermöglichen.

Woher nimmst Du Deine Ideen und Inspiration?

Elisa Ossino: Kunst ist mir sehr wichtig. Es ist der wichtigste Bezugspunkt meiner Arbeit, von Beginn an. Ich bin immer von meinen Lieblingskünstlern inspiriert.

Hast Du Vorbilder?

Elisa Ossino: Nein, ich habe keine Idole. Wie gesagt, ich liebe Kunst. Nicht einen besonderen Künstler. Es sind viele, sie gehören verschiedenen Altersstufen an.

Die wären?

Elisa Ossino: Caravaggio, Magritte, Beuys, Kosuth, Morandi Duchamp, LeWitt, Flavin, Hautom, Holzer, Turrel, Viola … Ich unterbreche lieber die Aufzählung, weil ich zu viele auslasse.

Ich lasse mich auch gern von unterschiedlichen Realitäten inspirieren – von Design, Architektur und Theater, und ich liebe es, die verschiedene Spuren, die kollektive Fantasiewelten hinterlassen, zu übersetzen und unter einem anderen Gesichtspunkt zu betrachten.

In Deinem Studio arbeiten sechs bis acht Mitarbeiter aus unterschiedlichen Disziplinen. Bist Du also mehr Teamplayer – oder Einzelkämpfer?

Elisa Ossino: Ich bin beides. Das hängt von der Situation ab: Ich denke gerne alleine, aber ich liebe es, Projekte mit einem Team zu entwickeln.

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Federica Biasi


 

Die gebürtige Sizilianerin Elisa Ossino studierte Architektur und Innenarchitektur am Politecnico in Mailand, bevor sie 2006 ihr eigenes Büro gründete. Elisa Ossinos Arbeit beinhaltet neben Art Direction, Bühnenbild, Wohn- und Geschäftsinterieurs und Produktdesign in jüngster Zeit auch Bildende Kunst in Kombination mit Design.

www.elisaossino.it