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Andreas Störiko

Der Industriedesigner Andreas Störiko entwickelt gern mal eine neue Typologie, wie Mitte der 90er-Jahre für Wilkhahn ein dynamisches Konferenzsystem. Dem Unternehmen ist er als freier Designer treu geblieben.

Autorin Katharina Feuer

Es waren noch andere Zeiten, als Andreas Störiko 1993 seinen ersten Tisch für Wilkhahn konkretisierte. Er arbeitete mit einem Stuttgarter Modellbauer zusammen, dem er seine Zeichnungen als Paket per FedEx zuschickte. „Es gab ja kein E-Mail!“

Störiko hatte gerade sein Studium der Architektur und des Industriedesigns beendet. Ursprünglich entstand der Entwurf als erster selbstständiger Wilkhahn-Auftrag während eines Aufbaustudiums in Michigan, USA: ‚Confair‘, das erste dynamische Konferenzsystem. Damit war eine neue Typologie geboren. Per Fax erhielt Andreas Störiko die Nachricht, dass der Tisch auf der Orgatec (1994) gezeigt wird.

Mittlerweile gibt es E-Mail und Internet und der Designer arbeitet immer noch mit Wilkhahn zusammen.

‚Max‘ ist der erste Klapptisch im Sortiment von Wilkhahn, und Störiko zeigt sich zufrieden mit der Form, Funktion und qualitativen Verarbeitung. Der Beschlag, der eine intuitive Einhandbedienung ermöglicht, ist extrem steif und aus Prinzip spielfrei. „Bei einer möglichen Länge von über zwei Metern ist der Tisch stabiler als so mancher ohne Klappfunktion“, ist sich Störiko sicher.

Der Büromöbelhersteller und der Designer sind ein eingespieltes Team.

Man ist sich in vielen Dingen einig und rennt nicht irgendwelchen Moden hinterher. „Trotz einer Annäherung der beiden Bereiche Objekt und Wohnen, liegen noch Welten dazwischen. Der Wohnbereich ist schnelllebiger und trendorientierter“, weiß Störiko. Da sei er schon beeindruckt, wie lang sich manches Produkt im Portfolio bei Wilkhahn hält.

Dabei stehen Qualität, Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und gutes Design immer im Vordergrund.

Der Industriedesigner genießt einen Vertrauensvorschuss. Wie sich das äußert? Hohe Kosten für spezielles Werkzeug nimmt man gerne in Kauf, weiß man doch, dass sich die Produkte von Störiko schnell amortisieren. „Ein gutes Bauchgefühl ist manchmal mehr Wert als der Rechenstift“, merkt Störiko hierzu an.

Andreas Störiko, der sich als wenig sesshaften „bunten Hund“ bezeichnet, lebte viele Jahre in Mailand. Sein ehemaliger Professor an der Kunstakademie Stuttgart, Richard Sapper, hatte ihn gefragt, ob er für ihn arbeiten wolle. „Beim ersten Projekt bin ich jede Woche nach Deutschland geflogen und habe dort einen Kunden für ihn betreut. So viel war ich anfänglich also gar nicht in Italien“, erinnert er sich. Mit seinem Designbüro kehrte Störiko 2000 endgültig nach Deutschland zurück. „Mailand ist eine tolle Stadt, aber mit Kindern unpraktisch.“

Der gebürtige Kölner, der Italienisch, Englisch und Schwedisch spricht, arbeitet auch für andere Unternehmen. „Schwierig wird es immer, wenn personelle Veränderungen in der Unternehmensführung oder im Marketing stattfinden. Dann kommt es vor, dass Entwürfe, die schon fast in der Produktion waren, zum Bauernopfer werden“, weiß Störiko aus Erfahrung und nennt ein schwedisches Unternehmen als Beispiel.

Bei Wilkhahn kann ihm das nicht passieren. Hier stimmt die Chemie. Andreas Störiko ist sich sicher, dass ‚Max‘ mit seiner formal reduzierten Konstruktion, der intelligenten Aussteifung und den Einhängeplatten auf dem Markt gut ankommt, auch bei Architekten. Die neue Mechanik ist bereits patentiert. Und weitere Projekte in der Pipeline.

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Andreas Störiko (Jg. 1965) studierte Architektur und Produktdesign an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Es folgte ein Aufbaustudium an der Cranbrook Academy of Art in Michigan, USA. Ab 1994 arbeitete und lebte Störiko in Mailand. 2005 zog der gebürtige Kölner nach Deutschland. Zu seinen Kunden zählen Wilkhahn, B&B Italia und weitere.

www.stoeriko.net

Foto: Martin Mai