Interview Büroplaner BOS

Susanne Engelke, Patrick Mammel

Auch im Zeitalter von Copy & Paste glauben Susanne Engelke und Patrick Mammel vom Büroplaner BOS an die Macht der individuellen Gestaltung.
Interview Ulrich Texter

Frau Engelke, Herr Mammel, im Oktober erwarten uns auf der Orgatec in Köln neue Ideen zu Büroarbeitswelten. Mit welchen Trends können wir dort rechnen?

Susanne Engelke: Mein Wunsch wäre es, dass über das Büro nicht nur als Verlängerung des „Spielplatzes“ nachgedacht wird, wie es mir manchmal bei oft diskutierten Referenzobjekten aus der High-tech-Szene vorkommt. Die Gestaltung von Räumen muss einen Sinn ergeben, eine Funktion erfüllen und vor allem muss das Raumkonzept zum jeweiligen Unternehmen passen.

Da erleben wir nicht selten eine Diskrepanz zwischen der Vision, die medial befeuert wurde, man müsse jetzt auf New Work machen, und dem, wofür ein Unternehmen wirklich steht und was es zu leisten vermag. Auch im Zeitalter von Copy & Paste glauben wir als Büroplaner BOS an die individuelle Gestaltung.

Patrick Mammel: Auf der Orgatec wird es häufig um Digitalisierung gehen. Meine Vermutung ist, dass sehr viele Unternehmen noch stark an der Oberfläche kratzen. Es wird zwar immer wieder darüber gesprochen, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf das neue Arbeiten und die Arbeitsräume hat, aber oft steckt das noch in den Kinderschuhen.

Ich sehe allerdings, dass einige Geschäftsmodelle schon recht weit sind. So wird der Einsatz von Virtual Reality (VR) kurzfristig auch Räume stark verändern. Vielleicht wird in einigen Bereichen gar kein klassischer Arbeitsplatz oder -raum mehr benötigt, sondern einfach nur ein leerer Interaktionsraum, in dem man mit einer VR-Brille unterwegs ist. Ds kann zum Beispiel einen Architekten betreffen, der gerade ein neues Objekt plant.

Das Büro, sagen die Orgatec-Macher, soll zu einem Werkzeug für eine neue Innovationskultur werden. Überfrachten wir diesen Ort nicht?

Susanne Engelke: Die Erwartungen sind hoch, manchmal vielleicht zu hoch, aber in gewisser Weise berechtigt. Ihre Frage rührt an unser Grundverständnis als Büroploaner BOS, was Innovationen oder neue Ideen hervorbringt. Ich erkenne, dass durch gezielte Gestaltung von Räumen eine Atmosphäre für Kreativität geschaffen werden kann, die Arbeit insgesamt unterstützt. Räume versprechen einen Mehrwert und positiven Einfluss, auch wenn Konzepte keine strukturellen oder kulturellen Probleme lösen.

Zu den Trendthemen 2018 zählen Teamarbeit, Digitalisierung, ganzheitliche Raumeinrichtungen und Arbeitsplatzattraktivität. Was spielt aus Ihrer Sicht im Alltag die größte Rolle?

Susanne Engelke: Wenig überraschend – weiterhin die Arbeitsplatzattraktivität. Die war schon vor 20 Jahre relevant. Sie stellt aber Arbeitgeber heutzutage vor ganz neue Herausforderungen, nicht nur im Hinblick auf den demografischen Wandel. Die Frage lautet eher, wie ich durch intelligente Raumkonzepte die direkte Kommunikation unter den Mitarbeitern fördere, aber gleichzeitig die Technik integriere.

Stimmt es, dass die Modernisierung der Arbeitsorganisation zu langsam verläuft, wie das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) glaubt?

Susanne Engelke: Ich vermute, dass Unternehmen zwar latente Ängste vor Veränderungen und dem Neuen haben, aber erkennen müssen, dass es ohne Veränderungen nicht mehr geht, um gute Mitarbeiter und Talente zu finden und zu binden. Das könnte ein Grund für Widerstände sein. Umgekehrt rufen Veränderungen auch bei Mitarbeitern Sorgen und Gefühle der Unsicherheit hervor, wenn sie künftig ein neues Bürokonzept „bespielen“ müssen.

Paradoxerweise lehnen Mitarbeiter auf der ganzen Welt öde Standardbüros ab und verlangen nach etwas grundsätzlich Anderem, nachzulesen in der Ausgabe 13 des Magazins „360°“, von ihrem Business-Pertner Steelcase, Was wollen die Menschen?

Patrick Mammel: Da spielt der Geschmack eine große Rolle. Tatsächlich erhalten wir als Büroplaner BOS immer wieder Anfragen mit dem Wunsch, dass das Büro ein bisschen flippiger ausfallen dürfte, aber nicht so krass wie bei Startups. Ob das wirklich passt, ist eine andere Frage. Auch wenn sich junge Menschen oft anders orientieren wollen, fragen im Kern immer noch sehr Viele nach einem klassischen Büro nach dem Motto „mein Stuhl, mein Tisch“.

Wer denkt überwiegend schreibtischorientiert? Der Mittelstand?

Susanne Engelke: Nein, auch große Unternehmen. Das Raumkonzept darf sich nicht an der Zahl der Mitarbeiter orientieren, sondern daran, dass in der Regel mehrere Generationen in einem Unternehmen zusammenarbeiten. Das bedeutet, dass hier unterschiedliche Erfahrungen und Arbeitsstile, differierende Gewohnheiten und Bedürfnisse räumlich harmonisiert werden müssen, ohne dass eine Generation das Gefühl hat, sie komme zu kurz.

Nordrhein-Westfalen hat die zweithöchste Start-up-Dichte. Sorgen diese Gründer für Impulse im Büroeinrichtungsmarkt oder ist es noch immer die Old Economy, die sich einzurichten versteht?

Patrick Mammel: Start-ups bedienen sich nicht immer im klassischem Bürofachhandel, aber sie beeinflussen die Büro- und Arbeitswelt. Große oder mittlere Unternehmen sehen nämlich, dass ihre Stellung als Weltmarktführer gefährdet ist, weil sie von neuen Geschäftsmodellen unter Druck gesetzt werden.

Als Büroplaner BOS haben daher schon vermehrt Konzerne bei der Ausgliederung kleinerer, agiler Einheiten begleitet. Diese wollen etwas komplett Anderes machen und ihre Kreativität im Sinne von neuen Produkten entfalten können. Diese Unternehmen glauben, Neues hervorzubringen funktioniert in traditionellen Strukturen nicht mehr so gut.

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