Steelcase
Steelcase-Chefdesigner über den Faktor Mensch und die Steelcase-Unternehmenskultur. Foto: Steelcase
Interview über Steelcase

James Ludwig

James Ludwig, Vice President Global Design and Engineering bei Steelcase, erläutert, welchen Einfluss die Innenarchitektur im Münchener Steelcase Learning+Innovation Center auf die Unternehmenskultur hat.

Wodurch drückt sich das innenarchitektonische Konzept des Learning+Innovation Center von Steelcase in München aus?

Das Zentrale Konzept ist ein System verschiedener Bereiche, die sich optimal ergänzen, indem sie unterschiedliche Arbeitsformen unterstützen und das Wohlbefinden der Mitarbeiter fördern. Das Design, die Innenarchitektur und Architektur spiegeln die Steelcase-Unternehmenskultur wider. Alles basiert auf unseren Forschungsergebnissen. Ich bin davon überzeugt, dass Kultur von großer Bedeutung für das Engagement von Mitarbeitern ist. Daher war es unser Ziel, großartige Arbeitsumgebungen für unsere Mitarbeiter zu schaffen, wo alle den für sich besten Platz finden können. Außerdem sollen unsere Kunden spüren, dass wir große Empathie für sie aufbringen. Insofern verstehen wir uns als gute Gastgeber, die einen gemeinschaftlichen Geist entstehen lassen wollen. Auf dieser Basis entwickelte sich zum Beispiel die Idee des Work Cafés.

Auf welchen Erkenntnissen fußt Ihr Konzept?

In München sind Erfahrungen mit der Gestaltung unseres ersten Learning+Innovation Centers in Grand Rapids eingeflossen. Es wurden aber auch Workshops und Befragungen mit Mitarbeitern durchgeführt, für die wir dieses neue Center geschaffen haben. Am Ende steht bei allem, was wir tun immer der Mensch im Mittelpunkt. Das Design muss in erster Linie dem Bedarf der Nutzer entsprechen.

Welche Zonen sind für welche Arbeitsformen vorgesehen?

Unsere Mitarbeiter können zwischen Bereichen wählen, die sie dabei unterstützen sich zu konzentrieren, die die Zusammenarbeit fördern oder in denen man einfach mal die Gedanken schweifen lassen kann. So finden sie beispielsweise unsere Techniklösung ‚media:scape‘, mit der sich Inhalte einfach und schnell teilen lassen, und unsere ‚Brody WorkLounge‘, um ungestört in einer angenehmen Position zu arbeiten. Mitarbeiterengagement ist grundlegend für den Unternehmenserfolg. Wenn man sich dem bei der Arbeitsplatzgestaltung bewusst ist und den Mitarbeitern bietet, was sie wirklich brauchen, dann kann der Raum das Engagement fördern.

Warum haben Sie den Standort Rosenheim weitgehend in die Münchener Innenstadt verlagert?

Wir haben nach wie vor unser Werk in Rosenheim, das eine Kernrolle in EMEA einnimmt. Und auch der Verwaltungsstandort in Rosenheim verschwindet nicht vollständig. Werksnahe Abteilungen mit circa 80 Mitarbeitern leisten dort weiterhin einen wichtigen Beitrag für unseren Erfolg am Markt. In München haben wir unsere Kräfte gebündelt, indem wir Abteilungen aus Rosenheim und Schiltigheim bei Straßburg zusammengeführt haben. Vor allem für die Produktentwicklung ist das wichtig, da wir uns so schneller weiterentwickeln können. Unsere Mitarbeiter kommen aus ganz Europa, Afrika, Amerika und dem Mittleren Osten. Dieser Internationalität müssen wir mit einem globalen Hub in einem urbanen Umfeld gerecht werden.

Steelcase will also ein attraktiver Arbeitgeber sein?

Ja, wir wollen jüngere und ältere Mitarbeiter gewinnen und halten. Eigenschaften, auf die wir bei unseren Mitarbeitern ganz besonderen Wert legen, sind Neugier und Einfühlungsvermögen.

Welche Funktion kommt der Innenarchitektur in Bezug auf die Steelcase-Unternehmenskultur zu?

In der Tat ist der wichtigste Faktor, die Steelcase-Unternehmenskultur auszudrücken. Die basiert auf Lebendigkeit, Optimismus und Vertrauen. Diese Werte muss man leben und erleben können. Nur dann sind wir glaubwürdig. Das betrifft nicht nur unser Innenleben als Organisation, sondern das müssen auch unsere Kunden wahrnehmen. Wir sehen uns den gleichen Herausforderungen gegenüber. Auf die müssen wir reagieren.

Wie funktionierte die Zusammenarbeit zwischen Ihrem Designteam, Henn Architekten aus München und den Innenarchitekten Patrick Jouin beziehungsweise Jouin Manku aus Paris?

Das war ein unglaubliches Team. Alle haben großartige Ideen eingebracht, diese verwoben und gemeinsam etwas Eindrucksvolles geschaffen. Keiner war auf sich selbst bezogen. Ich war dabei eine Art Dirigent. Als Leiter des weltweiten Steelcase-Designteams mit 60 Designern und 300 Ingenieuren weiß ich, was das bedeutet. Meine Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Bei Steelcase steht immer der Mensch im Mittelpunkt. Mit diesem Kerngedanken nähern wir uns Problemen. Das bedeutet, dass wir Ideen und Entwürfe sehr frühzeitig miteinander besprechen.

Das Interview führte Gabriele Benitz

Webseite des Unternehmens

Das Projekt finden Sie hier