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Flexibles Wandsystem als mobiler Raumteiler

Dancing Walls

Der Züricher Architekt und Designer Stephan Hürlemann bringt mit einem flexiblen Wandsystem Dancing Walls Bewegung ins Büro. Wenige Handgriffe genügen, um Arbeitsflächen zu verändern und anzupassen. Das können die Mitarbeiter sogar selbst tun.

Autorin Andrea Eschbach

Das Büro der Zukunft möchte ein Büro sein für moderne Wissensarbeiter, das heißt für Mitarbeiter, die möglichst stark motiviert ihren Aufgaben nachgehen. Der Kampf um die besten Köpfe ist längst Realität. „Um die richtigen Talente zu finden, müssen Unternehmen heute etwas bieten“, sagt Wanja Bont, Leiter des Experience Center von PwC Schweiz, einem internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen.

Damit meint der ausgebildete Architekt keinesfalls solche Gimmicks wie umgebaute Gondeln, Tischkicker oder Saftbars, die allerorten zu finden sind: „Unsere Teams kommen aus der Generation Y und Z – junge Kreative, denen wir entsprechenden (Frei-)Raum geben, damit sie ihre Fähigkeiten optimal entfalten können.“

Das Experience Center im Züricher Stadtviertel Enge will im Markt Maßstäbe setzen. Hier entstehen Strategien für die digitale Transformation von Unternehmen – von der Idee bis zur konkreten Umsetzung. In den Projekten arbeiten rund 50 Digitalisierungsexperten in interdisziplinären Teams. Ihnen stehen 1500 m² Bürofläche auf zwei Stockwerken zur Verfügung.

„Wir haben nach einem Büromodell gesucht, das flexibel und individuell auf unsere Bedürfnisse, aber auch auf die der Kunden eingehen kann“, so Bont. Hier kam das Züricher Architektur- und Designstudio Hürlemann ins Spiel. Stephan Hürlemann entwickelte mit seinem Team eine flexible Arbeitsumgebung, die auf das Wachstum und etwaige Strukturveränderungen des Unternehmens eingehen kann. Das Konzept ‚Dancing Office‘ war geboren.

Dancing Walls
Das modulare Trennwandsystem entstand zunächst für das PwC-Experience Center in Zürich. Auch eine mobile Telefonzelle gehört dazu. Foto: Vitra und Eduardo Perez

Dancing Walls: ein Bausatz fürs Büro

Der Name ist Programm. Hauptakteure sind die Dancing Walls. Diese bestehen aus einem Metallrahmen mit einem massiven Holzsockel auf Rädern. „Ich habe mich dabei von einem Urnäscher Fasnachtsbrauch inspirieren lassen“, erklärt Stephan Hürlemann. „Dort wird das sogenannte Bloch, ein großer Fichtenstamm, auf einem Wagen durch die Appenzeller Gemeinden gezogen“. Hürlemanns Möbel ist mobil, lässt sich einfach an Griffen bewegen und ist so stabil und kompakt, dass man es weder umstoßen noch darüber stolpern kann.

Die Dancing Walls gibt es in verschiedenen Ausführungen: als Raumteiler mit abnehmbaren Whiteboards und Schallschutzpaneelen, als Regal, Bildschirmwagen, Garderobe oder grünen Pflanzwagen. Bei Bedarf kann ein Modul mit ergänzenden Elementen umgebaut werden.

Durch einfaches Rollen, Ziehen, Drehen und Schieben ist das Büroterrain schnell strukturiert: „Auf Zuruf, sprich in Pop-up-Manier können die Mitarbeiter damit jede Art von Raum bauen, den sie gerade benötigen“, so Hürlemann. Mit wenigen Handgriffen lassen sich Arbeitssituationen verändern: Eine Meeting Corner wird zur Arbeitskoje, ein Präsentationsforum zum Rückzugsort, eine Lounge zum geschlossenen Brainstorming-Raum. „Wir haben dabei nicht an Lego, sondern an Playmobil gedacht. Die Möbel kann man partiell editieren, wie eine Playmobil-Figur“, erklärt Hürlemann. Mobile Telefonkabinen ergänzen das System. Auch sie lassen sich einfach umstellen – mit einem Hubwagen.

Der Mitarbeiter wird so zum Co-Architekten der neuen Bürowelt. „Wir ermöglichen es auf diese Weise allen, ihre Arbeitsumgebung autonom zu gestalten, und das jeden Tag aufs Neue“, ergänzt Hürlemann.

Dancing Walls
Die variabel gefüllten Metallrahmen ruhen auf einem stabilen Massivholzstamm. Foto: Studio Willen

Jeden Tag eine andere Lösung

Die Selbstorganisation des Arbeitnehmers fordert auch den Arbeitgeber: „Es ist wichtig, den Mitarbeitenden ein Arbeitsumfeld zu bieten, in dem sie selbstbestimmt arbeiten können,“ führt Bont aus. „Unser Office-Konzept ist eine klare Antwort auf die Digitalisierung – eine sich ständig weiterentwickelnde Betaversion.“

Arbeiten als eine Art Choreographie: Mit dem System wird eine Momentaufnahme im Raum geschaffen. Diese Idee hat Potenzial. Erst seit kurzem im Gebrauch, werden die Dancing Walls bereits weiterentwickelt – die Erkenntnisse aus dem Arbeitsalltag des Auftraggebers fließen ein. Es ist die Firma Vitra, die Hürlemanns Pilotprojekt realisiert hat. Das Unternehmen hat die Prototypen weiterentwickelt und wird die Dancing Walls auf der Orgatec in Halle 5.2. vorstellen. „Wir haben große Resonanz“, freut sich der Designer. „Das Bedürfnis nach einer flexiblen Arbeitsumgebung scheint immens.“

www.vitra.com

www.huerlemann.com

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