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Sachliche Möbel

md-Cult-Serie – die 1960er
Sachliche Möbel, aber himmelblau

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md-Cover von 1/1960. Formatfüllend in Schwarzweiß abgebildet und von kühlem Blau gefasst, wirken Sitz, Rückenlehne und Armauflage wie grafische Elemente. Der schmucklose Reihensessel wurde von Erik Herlow und Tormod Olesen entworfen und von Lysberg Hansen & Terp in Kopenhagen hergestellt.
Sachliche Möbel der 1960er Jahre sollen so schlicht sein wie der Sessel auf dem Cover. Der Horizont aber weitet sich, Möbel aus der Fremde drängen auf den Markt.

Nicht nur Stühle in Vortragssälen und Büros, auch Uhren sehen anders aus. Liest man in der md 1/1960, „Uhren gehörten bislang zu den vernachlässigten Objekten der Formgebung“, so möchte man fast glauben, allein schon neue Ziffern und Zeiger verliehen der Geschichte frischen Schwung. In diesem Fall ist es Max Bill, der, beauftragt von den Uhrenfabriken der Gebrüder Junghans, Tisch- und Wanduhren eine klare Gehäuseform gegeben hat.

Sachliche Möbel in den 1960ern

Mag die Küchenuhr fortan auch bezeugen, wie sehr sich die erstarrten Verhältnisse wieder verflüssigt haben, die Kunden lieben nach wie vor altdeutsches Mobiliar oder „Boogie-Woogie“-Möbel, deren Linien sich verrenken wie Paare bei den modernen Tänzen. Die Fortschrittlichen drehen die Zeiger trotzdem weiter Richtung schmucklose Zweckmäßigkeit und kühle Sachlichkeit.

Der auf dem Cover der md 1/1960 abgebildete stapelbare Reihensessel, von Erik Herlow und Tormod Olesen, für den Vortragssaal der Philips Company entworfen und hergestellt bei der Lysberg Hansen & Therp in Kopenhagen, entspricht ganz seiner Zeit.

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md-Cover von 1/1960. Formatfüllend in Schwarzweiß abgebildet und von kühlem Blau gefasst, wirken Sitz, Rückenlehne und Armauflage wie grafische Elemente. Der schmucklose Reihensessel wurde von Erik Herlow und Tormod Olesen entworfen und von Lysberg Hansen & Terp in Kopenhagen hergestellt.

Möbel aus der Fremde

Walter Schöllhammer, der die Grafik von Heinz Renz von den Ausgaben 5/1959 bis 8/1960 weiterführt, gestaltet die Titelseite dementsprechend: Von oben formatfüllend in Schwarzweiß abgebildet, wirken Sitz, Rückenlehne und Armauflage wie grafische Elemente. Das sachliche ist zu zwei Drittel himmelblau überdeckt, die Seite wirkt jugendlich-frisch.

Soll man sich dem Fremden gegenüber öffnen? Die Frage treibt schon damals die Gemüter um. Skeptisch blickt Edmund Meier-Oberist in der Rubrik md critic auf die Öffnung des Möbelmarkts. Wo bleiben, fragt er, wenn Möbel aus Skandinavien, Italien, den Niederlanden oder den USA ins Land drängen, „unsere“ kulturellen Interessen?

Schwelle zu den Sixties

Wird eine „unerzogene und im Geschmack unsichere Käuferschaft durch fremde Dinge nur noch mehr verwirrt“? Oder üben sie einen besonderen Reiz aus? „Es wäre“, so sein Schluss, „ein Zeichen sich festigender Kultur, wenn ein Land imstande sein würde, fremde Einflüsse auch auf dem Gebiete des Wohnens und Einrichtens fruchtbringend in sich aufzunehmen und zu verarbeiten.“

Wie das aussieht, führen neue Kulturbauten vor Augen: Etwa der legere Neubau des Italienischen Kultur-Instituts in Stockholm von Gio Ponti. Man merkt: An der Schwelle zu den Sixties lösen sich alte Verkrampfungen. Nicht nur Uhren sehen plötzlich anders aus.

Zur md-Cult-Serie


Autor Thomas Wagner

war Feuilletonredakteur der FAZ, hat für Stylepark ein Online-Magazin aufgebaut, lehrt als Honorarprofessor und ist Autor zahlreicher Texte über Kunst, Design und Architektur.

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