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Möbeldesign

Advertorial

md-Cult-Serie – die 1960er
Möbeldesign: Fröhlich in die Zukunft schaukeln

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md-Cover von 01/1969. Am Ende des Jahrzehnts werden die Gestaltungsideen direkt in Kunststoff gegossen. Die Schaukelliege ‚Dondola‘ von Cesare Leonardi und Franca Stagi für Bernini ziert das md-Cover als zeitgemäße Seriegrafie. Eine Reise durch die Designgeschichte.
Ende der Sechzigerjahre ist vieles in Bewegung geraten. Das Möbeldesign wird bunt, fröhlich und poppig. Allein der Bürger ist ratlos.

Er sieht aus wie ein federndes Katapult, verspricht mehr Bewegung als Ruhe, ist Stuhl, Liege und Wiege zugleich. In kühnem Schwung präsentiert sich der Schaukelstuhl der Fabrica Bernini von Cesare Leonardi und Franca Stagi auf dem Cover der md 1/1969.

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md-Cover von 01/1969. Am Ende des Jahrzehnts werden die Gestaltungsideen direkt in Kunststoff gegossen. Die Schaukelliege ‚Dondola‘ von Cesare Leonardi und Franca Stagi für Bernini ziert das md-Cover als zeitgemäße Seriegrafie. Eine Reise durch die Designgeschichte.

Nach Freiheit dürstender Zeitgeist

Von Dieter Engelmann dreifach als kalligraphisch-mäanderndes Band präsentiert, macht der ‚Dondolo‘ erkennbar bella figura, biegt und windet sich, als wolle er einen Limbo tanzen. Und welche Farbigkeit! Dunkles Purpur auf einem Fond aus intensivem Orchidee, dazu ein kräftiges Orangerot für den Schriftzug „md“ – besser kann der nach Freiheit dürstende Zeitgeist kaum zum Ausdruck kommen.

Längst sind die zementierten Nachkriegsverhältnisse in fiebrige Wallung geraten: Summer of Love, Vietnam, Prager Frühling, Pariser Mai, APO und Studentenproteste – die Jugend probt den Aufstand.

Möbeldesign der 1960er: poppig, frech, sinnlich

Bob Dylan und Jimi Hendrix leisten musikalisch Fluchthilfe. Im vorpreschenden Möbeldesign ist ebenfalls Schluss mit nüchtern-sachlicher Bürgerlichkeit. Ideen werden nun direkt in Kunststoff gegossen. Frech, sinnlich und poppig sprengt auch das Design alte Verkrustungen auf.

Selbst hinter der Schrankwand liegt der Strand. Freizügig, relaxt und beziehungsoffen soll ab jetzt gewohnt werden. Hieß es eben noch wirtschaftswundernd „und er läuft und läuft und läuft“, wirbt Charles Wilp nun erotisiert mit dem Slogan: „Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola – alles ist in Afri-Cola“.

Repräsentative Wohnlichkeit belegt Platz Eins

Der Bürger fühlt sich provoziert, will sich nicht auf einen Sitz-Sack fläzen. Nicht einmal die Teppichgemeinschaft, die, wie in der Ausgabe unter dem Titel „Lasst uns doch bürgerlich sein“ nachzulesen ist, über „Schöner Wohnen“ diskutieren lässt, weiß Rat:

Heißt „schöner wohnen“, fragt der Philosoph Max Bense, nun das „funktional richtigere, bessere, bequemere Wohnen oder ist unter schönem Wohnen zu verstehen, dass ich Dinge um mich herum versammle, die mir Spaß machen, die meiner Bildung angemessen sind und meinem ästhetischen Bedürfnissen entsprechen“? Bedeutet es, „ich hätte in Übereinstimmung mit meiner Tapete zu leben“?

Eine 1968 in der BRD bei Personen zwischen 20 und 40 durchgeführte Befragung zu Wohnstilen gibt eine Antwort: Eine „repräsentative Wohnlichkeit“ landet mit weitem Abstand auf Platz Eins. „Ästhetischer Nonkonformismus“ belegt den letzten Platz – hinter „anspruchsvolle Konformität“, „konventionelle Eleganz“ und „moderne Behaglichkeit“. Da hilft auch kein Schaukeln.

Zur md-Cult-Serie


Autor Thomas Wagner

war Feuilletonredakteur der FAZ, hat für Stylepark ein Onlinemagazin aufgebaut, lehrt als Honorarprofessor und ist Autor zahlreicher Texte über Kunst, Design und Architektur.

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