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Orgatec 2022: Auf dem Weg zu neuen Konstellationen

Ein Fazit zur Orgatec 2022
Auf dem Weg zu neuen Konstellationen

Erleichterung bei Messegesellschaft, Ausstellern und Besuchern: Nach der vierjährigen Zwangspause meldet sich die Orgatec 2022 mit einem soliden Auftritt zurück. In der Branche gibt es viel Bewegung, eindeutig neue Trends gibt es nicht. New Work bleibt das dominierende Thema.

Autor: Jörg Zimmermann

Büros wandeln sich weiter zu wohnlichen Welten, in denen bei allem Wunsch nach Atmosphärischem die Fragen nach erprobten funktionalen Konzepten an Bedeutung gewinnen. Vor dem Hintergrund eines sich rasch verändernden Umfelds deutet sich auch in der Büromöbelbranche ein Nachdenken über die Ausgestaltung der Kundenbeziehungen an.

„Die Orgatec hat in diesem Jahr ihre hohe Relevanz für die Weiterentwicklung der Branche eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, resümiert Koelnmesse Geschäftsführer Oliver Frese. Rund 45000 Fachbesucher aus über 130 Ländern können sich in der Bilanz sehen lassen, doch übersehen lassen sich auch über die Veranstaltung hinausreichende Zeichen nicht. Bedeutende Messeveranstaltungen wie die Orgatec haben offenbar in post-pandemischen Zeiten ihre Funktion als Marktplatz – sowohl von Produkten als auch von Konzepten und Ideen – nicht verloren. Doch ihre historische Alleinstellung steht ohne grundsätzlichen und offensiven Wandel tradierter Konzepte für die unterschiedlichsten Marktteilnehmer zur Disposition.

Bestätigt hat sich auf der Kölner Messe die Binsenweisheit „Märkte sind Gespräche“. In einem Jahr ohne spektakuläre Neuheiten heben Aussteller wie Besucher die Qualität des persönlichen Austauschs hervor. Helmut Link, Vorsitzender des Industrieverbandes Büro und Arbeitswelt: „Die Orgatec 2022 hat unsere Erwartungen sowohl mit Blick auf das Interesse der Besucher als auch hinsichtlich der Intensität der Gespräche ganz klar übertroffen. Wir haben in den letzten Tagen so viele hochkarätige Gespräche geführt, wie selten zuvor.“

Vorsichtiger Optimismus im Contract-Bereich

Der intensive Dialog zwischen Ausstellern und Händlern, Architekten und Innenarchitekten ließ sich auf den Ständen in allen Messehallen  beobachten. Besonders die klar positionierten, meist designorientieren Unternehmen waren dabei als Gesprächspartner gefragt. Offiziell zeigen die Geschäftsentwicklungen für Anbieter und Abnehmer nach dem Corona-Hoch auch weiterhin positive Tendenzen. Nur informell mischen sich Sorgen um die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, mit Auswirkungen beispielsweise auf das Projektgeschäft, in die Erzählungen hinein. Hersteller, die ganz oder überwiegend im Contract-Business arbeiten, scheinen für die Zukunft leicht optimistischer zu sein. Hinter vorgehaltener Hand wird mit mehr Sorge auf den Consumer-Bereich geschaut.

Bei den vorgestellten Produkten dominierten wie schon 2018 die wohnlichen Konzepte. Sessel, Sofas, niedrige Tische und Textilien ziehen als Ergänzungen zu Schreibtischen und Drehstühlen in die Programme ein. Farben verbreiten Optimismus – mal kräftige Töne wie bei Montana oder Cassinas Ausflug ins Office, mal pastellige Nuancen bei natürlichen Materialien oder mit natürlichen Mitteln behandelten Produkten. Ob die Farbigkeit aus den variablen Raumkonzepten in den Büros oder dem Wunsch nach Aufhellung der gesellschaftlichen Krisenstimmung resultiert, bleibt unklar.

Nachhaltigkeit wird Standard

Allgegenwärtig ist das Thema Nachhaltigkeit. Noch immer ein Trend, der schon an der Schwelle zum Standard steht. Viele Unternehmen arbeiten an zirkulären Herstellungsprozessen und weisen CO2-Emissionen und Kompensationen plakativ als Produktmerkmal aus. Der Diskussion um den Verbrauch von Ressourcen fügt Kinnarps einen interessanten und ganz praktischen Beitrag hinzu. Die Reparatur und Instandsetzung von benutzten, aber noch funktionstüchtigen Möbeln will das Unternehmen in einem als Werkstatt ausgestatteten Truck direkt beim Kunden ausführen. Die lange geschmähte Idee vom Reparieren funktioniert jedoch nur, wenn Gestaltung und Konstruktion der Produkte dies zulassen.

Auch die Kreislauffähigkeit der verwendeten Materialien rückt dabei stark in den Fokus. Beim niederländischen Label Vepa beispielsweise bestehen die modern geformten Sitzschalen aus rein biologischen, nachwachsenden Rohstoffen. Das Unternehmen greift dafür auf Hanf und Bio-Harz zurück, beide Materialien sind zu 100% pflanzlich und recyclingfähig.

Akustik bleibt ein großes Thema

Auffällig auf der Orgatec 2022 war das breite Angebot an Materialien mit akustischer Wirkung. Filze und Filzersatzstoffe aus recycelten Kunststoffen und natürlichen Fasern waren als Rohmaterial oder als Panels für Wand und Decke zu sehen. Die offenen Flächen der wandelbaren (Großraum-)Büros brauchen offensichtlich nicht nur eine funktionale Vielfalt bei der Möblierung sondern auch planerische Aufmerksamkeit für Akustik (und Beleuchtung).

Das gelernte Produktverständnis ist im Wandel. Nicht nur Funktion, Ästhetik und Preis sind Entscheidungskriterien, auch die zirkularen Qualitäten und der Herstellungsprozess finden bei den Kunden mehr Beachtung. Gerade in der Herstellung öffnen sich neue Fenster für fortschrittliche Produkte. Additive Fertigung beispielsweise erlaubt grundsätzlich individuelle Produkte. Vielleicht sehen wir bald einen Bürostuhl aus dem 3D-Drucker, der jenseits der dynamischen Mechaniken genauestens auf die ergonomischen Bedürfnisse der Benutzer und ihre Tätigkeit hin gefertigt wird. Erste Versuche gab es in der Branche schon vor Jahren, beispielsweise bei Wilkhahn mit dem Hocker Printstool One, nun scheinen Technik und Markt bereit für ein breiteres Angebot.

Suche nach neuen Konzepten

Die Präsentation neuer Büromöbel und Einrichtungsgegenstände wird in Zukunft nicht mehr nur in den bekannten Formaten der großen Leitmessen erfolgen. Trotz positiver Signale ist die Büromöbelbranche, ja der gesamte Einrichtungsbereich auf der Suche nach anderen Konzepten in der Kommunikation. Einige große Namen der Büromöbelbranche wie Bene, Vitra, Brunner, Wilkhahn, König+Neurath u.a. sind der Orgatec 2022 ferngeblieben. Sie haben für den persönlichen Austausch mit kleineren Markenevents und Präsentationen in innerstädtischen Showrooms experimentiert. Treiber waren zum einen geringere Budgets, aber auch die Beobachtung, dass die Information der Kunden – durch die Pandemie rasend verstärkt –  auf digitalen Wegen differenziert und individuell gelingen kann.

In volatilen Zeiten stehen nicht nur Arbeitsformen und damit die Gestaltung von Büros vor einem notwendigen und stetigen Wandel, auch der Markt der Büromöbelindustrie sucht offensichtlich nach neuen Konzepten und Formen der Begegnung. Der intensive fachliche Dialog zwischen den unterschiedlichen Playern steht hierbei wohl ganz oben auf der Agenda.

Qualität und Quantität bei den Kundenbeziehungen werden neu gewogen. Messeveranstalter im Einrichtungssektor stehen in Zukunft noch stärker als bisher vor der Herausforderung, nicht nur als physischer Flächenanbieter aufzutreten, sondern sich in einen offenen Dialog mit Ausstellern und Besuchern zu begeben und flexible Formate, gerade jenseits von reinen Produktshows, zu entwickeln. Dann stehen auch hierzulande die Chancen nicht schlecht, dass eine Großveranstaltung wie die Orgatec starker Impulsgeber und wichtiger Treffpunkt im Markt bleibt.

Die nächste Orgatec findet vom 22. bis 26. Oktober 2024 statt.

Webseite der Messe

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